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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-07-25 · 30 (25.7.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
30 (25.7.1930)
Date
1930-07-25
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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5, .Tuli 1930 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSGEMETNDE ZU LEIPZIO Reite ß Aus aller Welt ib( die Benifszühliing von 1925 noch ein Hihi der gegenwärtigen Situation? Die Dattll der Berufszählung von 1020 sind In ihren jiidisrhen rgebnlssen noch nicht veröffentlicht und untersucht, sondern unteregen Bell mehreren Jahren immer noch der Bearbeitung. Ks ist zu nhlen. daß dieses Sintistische Material, wenn sich die Veröffentluing noch längere Zeil hinzieht, nur noch historischen Wert haben ird. Schon für den gegenwärtigen Zeitpunkt kann festgestellt werii. daß die Verschiebung innerhalb der Beruftgruppen während •r letzten Jahre eine starke gewesen ist. so daß die praktische iswertung für die Gegenwart schon jetzt sehr problematisch wäre. 'ien Anhaltspunkt für dies schwerwiegende Urteil gibt der letzte hresberleht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitsenversicherung. Legt man die Ergebnisse der Berufssählung von "i mit 19.2 Millionen Arbeitnehmer zugrunde, so müßten für das :ir 1929 kraft des natürlichen Zustroms neuer Arbeitskräfte 20.2 llionen Arbeitnehmer festzustellen sein. Im Gegensalz zu dieser Her weist aber die Krankenkasseustatistik für den Jahrcsdurchhnttt 1929 — 22.1 Millionen Krankenkassenmitglieder auf. Als rsaehe führt der .Tahreshericht folgendes an: „Es liegt somit der Schluß nahe, daß der Personenkreis der rbeitnehmer im Jahre 1925 bis Anfang 1930 über das oben erahnte normale Wachstum von 102")000 Personen hinaus noch um . ilere 1811000 Personen deshalb zugenommen hat, weil infolge er zum Teil ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklung der letzten ihre eine Reihe von Personen, darunter besonders Frauen, neu Iis Krwerbsleben getreten sind bzw. eine Arbeitnehmertätigkeit nuf- •nommen haben, was bei einer günstigeren wirtschaftlichen Entleklung vermutlich unterblieben wäre." (Jüd. Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik.) uidisrhe Einwanderung in die Vereinigten Staaten 1929. Im Jahre 1929 wurden 12 479 jüdische Einwanderer zu dauerndem Aufenthalt in die Vereinigten Staaten von Nordamerika zuge- I issen. (Insgesamt wanderten in die Vereinigten Staaten 1929 70 327 Fremde ein. von diesen 279 078 zu dauerndem Aufenthalt.) 1 ine Analyse der jüdischen Einwanderung zeigt, daß sie vornehm- I h durch den Wunsch der getrennt lebenden Familien nach Ver- nigung bestimmt wurde. Von den 12-179 jüdischen Einwanderern :iren 10 054 oder 86% Frauen und Kinder unter 21 Jahren. Das I - weist, daß die Vereinigung der Familiengruppen den Hauptantrieb zur gegenwärtigen jüdischen Kinwanderung nach den Vereinig- 1 ii Staaten bildet. 2384 Personen kamen als Rogierungsboauftragtc. 1 eschlftsreiSende und Vergnügungsreisende ins Land. Weitere 7073 ■ sren Einwanderer, die nicht unter die Quote fielen, und 0429 waren 1 "lot^neinwanderer. Die letztere Gruppe bestand hauptsächlich aus rauen und Kindern Fremder, die nach dein Gesetz in die Verengten Staaten zugelassen waren. In der Nicht-Quotengruppe war lie Verteilung wie folgt: atten amerikanischer Bürgerinnen 200 rauen amerikanischer Bürger 1508 ' Inder amerikanischer Bürger 2877 'ickwanderer 990 bärtige Nordamerikaner 840 ibbiner mit Frauen und Kindern 432 •ofessoren mit Frauen und Kindern 7 udenlen 134 lemalige Bürgerinnen der USA. 13 " 7073 (Jüd. Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik.) Ihslmnrdc. Kriminalität der Juden in Lodz. Die Sektion für Wirtsrhaft und Statistik des jiddischen wissenliaftliehen Instituts hat die Angaben des statistischen Amtes der Inisrhen Industriestadt Lodz über Selbstmorde. Kriminalität und OttltlltJOD unter der dortigen jüdischen Bevölkerung bearbeitet. Die gebnisse sind um so interessanter, als die Juden in Lodz fast ''., der snmtbovölkerung ausmachen (195 000 auf 590 000 im Jahre 1928). is dem sehr bemerkenswerten Material entnehmen wir folgendes: Die Zahl der S e 11) s t m o r d e unter der jiidisrhen Bevölkerung lodz war in den leisten 10 Jahren 1f)10-1!»28: 02. davon 33 Frauen, •r Jahresdurchschnitt der Selhstmorde in den letzten 10 Jahren; trug bei den Juden 9.2 und hei Nirhtjuden 51.1 Personen, das ist i nfmal höher als bei den Juden! lieber die Kriminalität ist ' ir die Zahl der im Jahre 1928 Verhafteten veröffentlicht. Insgesamt wurden 2928 Personen verhaftet, davon 089 (23,5%) Juden. Nach den einzelnen Gruppen war die Zahl der Verhafteten: Diebstahl Betrug Taschondiebstahl Deserteure Vagabunden Urkundenfälscher Körperverletzung Sittlichkeitsverb rerhen Hehlerei Juden NichtJuden 250 990 03 73 51 101 43 38 20 154 18 9 7 98 4 42 1 3 Nur in den Gruppen Deserteure, Urkundenfälschung und Hehlerei ist die absolute Zahl der verhafteten Juden höher als die der NichtJuden; in einigen Gruppen sind die Juden überhaupt nicht vertreten, so unter den Sexualverbrechen (15 NichtJuden), Aborten (8), Gotteslästerung (8), Geldfälscher (5). (Jüd. Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik.) Eine jUdisrhe Musikgeschichte. Es ist schon seit längerer Zeil bekannt, daß der auf dem Gebiete der Theorie und Geschichte der Musik renommierte Musikprofessor Nahum Zwi Ehrlich ein umfangreiches Werk fertiggeslelll hat, das geeignet wäre für die Erkenntnis und Erforschung der jüdischen Musik von bahnbrechender Bedeutung zu werden. Dieses Werk, das in Konzeption und Durchführung gleichermaßen groß angelegt ist und den Titel „Die jüdische Volksmusik" führt, hat keinen geringeren Vorwurf zum Inhalte, als den. einerseits die geschichtliche Entwicklung der jüdischen Volksmusik darzulegen, andererseits aber auch das besondere Wesen und Charakteristikum der jüdischen Musik und ihre typischen Merkmale zu determinieren. Eine besondere Abteilung ist der Untersuchung über den Anteil der Juden an der internationalen Musik gewidmet, so daß damit talsächlich jede Erscheinung, welche irgendeine Beziehung zwischen Musik und Judentum aufweist, in diesem Werke aufgenommen ist. Um einen annähernden Begriff über den Umfang des dort Gebotenen zu vermitteln, seien hier nur einige beiläufige Themata erwähnt, die in dem interessanten Werke ihre Behandlung finden. So heißt das einleitende Kapitel, das die Basis der ganzen Forschung darstellt: „Gibt es eine jüdische Volksmusik?" Nach Bejahung dieser Frage bietet das Kapitel „Wege und Methodik zu ihrer Erforschung" sowohl eine interessante und umfangreiche Quellenangabe und sozusagen die Methodologie für eine jüdische Musikgeschichte. „Die jüdische Musik im Vergleiche zur slavischen" weist auf gewisse slavische Einflüsse hin, zeigt aber deutlich, wie der spezifische. Jüdische Musikgeist jene Einflüsse, nach der besonderen jüdischen Musikalität, sozusagen verjQdischte, Sowohl „Der traditionelle Synagogalgesang" als auch „Der moderne Tempelgesang" erfahren eine eingehende tiefschürfende Analyse, wobei allerdings manche bisher unbestrittene Namen sich eine sehr kritische Behandlung gefallen lassen müssen. Damit aber ist der Umfang des Werkes noch nicht erschöpft. Denn der sichtlich um Universalität bemühte Verfasser greift jedes Gebiet auf, das ihm irgendwelche Erkenntnisse in Hinsicht auf Wesen und lnliall jüdischer Volksmusik zu bieten vermag. So behandelt er in einem Kapitel, das den Titel: „Jüdische Literatur und jüdische Musik" führt, den Einfluß, den sowohl die bewufil jüdische, als auch die pseudOjOdische Literatur, also der manifest gewordene jüdische Geist in allen seinen Äußerungen, unmittelbar auf die Geislesbildung und Gesinnung der jüdischen Komponisten und damit auch mittelbarbar auf ihr Werk ausgeübt hat. In diesem Teil erweist Professor Ehrlich seine StUPenden Kenntnisse auf dem Gebiete der jüdischen und Internationalen Literatur. Dieses hier in knappen Unirissen geschilderte Werk ist, wie gesagt, ganz fertiggestellt und bedarf nur noch einer letzten eingehen- Brillanten * Goldu. Silberwaren * Uhren Tafelbestecke Trauringe in c(hf Silber u. (»Oer Auflagt in allen OoMqualitäten BIOBNB FABRIKATION S. ERLBAUM CO. * JUWELIERE Reichsstraße 18/20 Gegründet 1911 Bequeme TEILZAHLUNG ohne Preiserhöhung gestattet

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