Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 29 (18.7.1930)
- Date
- 1930-07-18
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite ö GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 2! Brillanten * Goldu. Silberwaren * Uhren Tafelbestecke Trauringe in cdil Silber u. Wer Auflage in .illen Gelili|ualiläicn B i 0 B N B P ABDIKATION S. ERLBAI IM © CO. * JUWELIERE Rcichsstraße 18/20 Gegründet 1911 Bequeme TEILZAHLUNG ohne Preiserhöhung gestattet Herr Lehrer Schereschewsky geißelte in Mharten Worten die unsoziale Gesinnung mancher Arl»«»il|»t*l»«*r und wandle sich insbesondere gegen die Forderung der Leistung von Mehrarbeit von seilen der in sabbathfreien stellen tätigen Angestellten. Herl Baer unterstreicht die Forderung des Referenten, durch Einberufung der religiös-liberalen Kreise in den Bereich der Schonire Schabbos-Bewegung dieser eine grOfiere Aktionsbasis zu schaffen. Herr Silberstrom spricht eingehend über Mafiregeln zur Erleichterung der Sabbathruhe auf dem Gebiete der den Markt beherrschenden Rauchwarenindustrie und schlägt wirksame praktische Maßnahmen vur. Herr Dr. Lipschülz behandelt «las Sabbathproblem von den beiden sozialen Seiten aus, wendet sich gegen die von einem Diskussionsredner vorgeschlagene Taktik bezüglich der Formen der Ein— Rufinahme auf die Sabbathheiligung, bespricht <ias Sabbathproblem als Jugendfrage und empfiehlt dem Wellverband, sich für das Projekt der Hinaufschraubung des schulpflichtigen Allers, durch das eine Entlastung des Arbeitsmarktes erfolgen könne, einzusetzen. Die Vermittlung des Schabboaerlebnisses au die jüdische Jugend durch eine Intensive jüdische Ersiehung trage durch richtige Erkenntnis des Wertes der Arbeit zur Erhöhung der Arbeitsmoral bei. Nach der Ansprache dieses Redners erfolgt die Nominierung von führenden Persönlichkeiten in das Leipziger Komitee. Als letzter Diskussionstedner stellt Herr Lippmann, ein Vertreter des jüdischen Handwerkervereins, die Forderung auf, daß die großen Finnen, für die die Sabbathheiligung kein Opfer sei, in dieser Hinsicht und in sozialer Beziehung vorbildlich zu sein hätten. Redner weist auf die beschämende Tatsache hin. daß in Leipzig für die dortigen jüdischen Kürschner und Zurichter keine ausreichende Beschäftigung zu linden sei. obwohl 90% des Rnuchwarenhaudels sich in jüdischen Händen befinde. Redner spricht über seine Erfahrungen mit den englischen und amerikanischen Schomre Scbabbos-Organisationen, deren musterhafte Einrichtungen zur Sicherung gegen Stellenlosigkeil er zur Nachahmung empfiehlt. Das Problem der Lehrlingsausbildung stehe mit der Frage der ausreichenden Beschäftigung der jüdischen Meister im engsten Zusammenhange. In seinem Schlußwort faßt der Referent mit wichtigen Ergänzungen zu seinem Vortrag das Wesentliche der wertvollen und anreguugsreichen Diskussion zusammen und schließt mit einem Appell an das Publikum, die Fahne des Schabhos aufzunehmen und zum Siege zu führen. Leipziger Stadtvcriirdneteiikolleiciuiii lehn) einen Srhärhlsverbolsaatrag der Natieaalsesialistea ab. In der letzten Sitzung des Leipziger Sladtverordnetenkollegiunis Stand ein Antrag der Nationalsozialisten zur Beratung, das Schächten im Stadtgebiet Leipzig zu verbieten. Berichterstatter für diesen Antrat; war Stadtverordneter Obermeister Robert Schneider von der Wirtsehaftspartei. Er wies darauf hin. daß das Schächten bereits vor einer Reihe von Jahren in Leipzig untersagt gewesen sei, daß man es aber 1911 aus wirtschaftlichen Gründen in Leipzig wieder eingeführt hat. Ein Verhol könne höchstens seitens des Reiches in Frage kommen, niemals aber seitens eines einzelnen Stadtgebietes. Das Kol legium lehnte dem Antrag des Berichterstatters gemäfi das Ersuchen der Nationalsozialisten mit großer Mehrheit ab. (J.T.A.) Amtliche Bekanntmachungen der israelitischen Rcligion-gcmeinde iu Leipzig Mili liauf-irht. Die Firma Oswald Büschel. Gemeindestrafie 3, führt Milch in plombierten Kannen unter Aufsicht unseres orthodoxen Gemeinderabbinats, die sie durch Herrn J. Kreutner. Färberstraße 18, ausgeben läßt. Leipzig, den 11. Juli 1990. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Steuerordnung. Die in der Qemelndesitsung vom 5, Juni 1880 beschlossene, voi Ministerium für Volksbildung genehmigte Steuerordnung für da .fahr 1980 (1. April 1980 bis 81. März 1981) liegt vom 21. Juli bi 1. August 1030 werktäglich von 9—18 Uhr im Gemeindeamt, Löhi straße 10,1, zur Einsichtnahme für die Gemeindemitglieder aus. Der Wortlaut der Steuerordnung ist, abgesehen von den vei änderten Jahrenahlen, der gleiche wie im Vorjahre. Leipzig, den 14. Juli 1030. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Nachtrag zur (iebiibrenurduung. Auf Grund des Genteindesitzungsbeschlusses vom 7. Juli 1030 iein vierter Nachtrag zur Gebührenordnung für die israelitische Reli gionsgeineinde zu Leipzig ausgefertigt, der vom 21. Juli bis 1. Augu> 1030 werktäglich von 0—1 Uhr im Gemeindeamt, Löhrstraße 10 1, zu Einsichtnahme für die Gemeindemitglieder nusliegt. Der Nachtrag tritt am 21. Juli 1030 in Kraft. Leipzig, den 10. Juli 1030. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Ausgabe der Synagogenkarten. Die Erneuerung der Synagogenkarten findet vom 28. Juli bis 15. August dieses Jahres im Gemeindeamt, Löhrstraße 10,1, stall Karten, die nicht rechtzeitig abgeholt sind, werden anderweit ver geben. Wegen Zuteilung verfügbarer Plätze erfolgt später persönlich. Benachrichtigung. Leipzig, den 14. Juli 1030. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt Gemeindeamt Löhrstraße 10. Das Gemeindeamt ist für den allgemeinen Verkehr werktäglicl von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Sonnabends und Sonntags werden nu dringliche Meldungen von 11 bis 12 Uhr entgegengenommen. Sprechzeit des Verwaltungsdirektors nur werktäglich von 0 bis 11 Uhr. Der Bestattungsordner, Herr Meyer Braude. hat die Dienst wohnung im Synagogengebäude Gottschedstraße 28 bezogen und nun mehr Fernsprech anschluß unter Nr. 112 50. Jeder Sterbe fall ist unverzüglich dem Gemeindeamt, wenn dieses geschlossen ist dem vorgenannten Hestaltungsordner zu melden; sollte dieser aus nahmsweise nicht erreichbar sein, so übermittelt Herr Friedhofs inspektor Siegmund S i m o n . Neuer israelitischer Friedhof, Delitz scher Landstraße, Fernsprech-Nr. 538 80, die Meldung. Person e nstandsnarh richten Geburten : 1. Juli 1030 Dr. med. Jeremias Kolja Soloweetschik und Deila gel. Goldmann, Funkenburgstrafie 7. eine Tochter „Ruth". 7. Juni 1030 Josef Garfunkel und Sara geb. Reich, Moritzstrnße 7 eine Tochter „( acilie Bianka". Todesfälle : 12. Juli 1030 Selms Scheindel Weber, Pfaffendorfer Straße 20. Neue Bücher Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Heft 5 ti Das .luniheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft de Judentums bringt erfreulicherweise eine grolle Reihe von Aufsätzen. di< unbeschadet ihrer wissenschaftlichen Gediegenheit auch einem weiterei Leserkreis verständlich sind. J. Bergmann stellt in einem AnfsSt „Sitten und Sagen" jüdische Bräuche in den Zusammenhang der KultUI geschichte ein. Wenn nicht nur die ltihel. ..ein Hemmender Protei gegen jeden Aberglauben", zum Werkzeug lies Aberglaubens wurm wenn sieh überdies auch sonst abergläubische Bräuche im .luden Im bis in die Gegenwart hinein linden, so zeigt Bergmann, daß es sich ui DbenMÜMM nichtjüdischer Sitten und Vorstellungen handelt. So wir' X. It. die Sitte, den Afikomen als Schutzmittel aufzubewahren, zutreffen mit analogen christlichen Sitten zusammengestellt. Aber auch zu H schönen Vorstellungen, wie den Gedanken, dall Gott um der Kinde willen die Erwachsenen erhört, weist der gelehrte Verfasser BUVei jüdische Parallelen nach. Kerner berichtet Michael Guttmann über Kurl schritte in der Talinudforschung, Louis Lewiii über Nciicrscheinungei zur ostjüdischen Geschichte. Beiträge zur Itihclcrklärung geben Martii Buber und Max Steif. Letzterer stellt weitere Wortspiele in der Bit« zusammen, ersterer beginnt eine gröllere Aufsatzreihe, welche der Bl >