Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 29 (18.7.1930)
- Date
- 1930-07-18
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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is. Juli 1930 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite S Unsere Gemeinde ändert jahrfeier der Firma Marcus Harmelin. Am 10. Juli begehl die Firma Marcus Harmelin die Feier irei 100jährigen Bestehens, An diesem Tage wurde vor 100 Jahren die von den Herren Krnmermeistern und Handlungsdeputierten allier bewirkte Auswahl des Marcus Harmelin aus Rrody zu einem Meßi.ikler genehmigt und derselbe als solcher bis auf Widerruf bestellet" ind durch feierlichen Eid verpflichtet. Schon Marcus Harmelins Vater, acob Harmelin, war 181S unter den nach der neugeschaffenen „Leip- Iger Mäkler-Ordnung" verpflichteten jüdischen Meßmäklern (vgl. das i vorliegender Nummer wiedergegebene „Verzeichnis der am (i. April -it8 verpflichteten jüdischen Meßmäkler" unter Nr. 10). Doch erst •in Sohne wurde der ganzjährige Aufenthalt in Leipzig zugestanden, ii daß er den Schwerpunkt seiner geschäftlichen Tätigkeit von Hrody lach Leipzig verlegen konnte. Mit Recht betrachtet daher die Finna en genannten Tag als ihren Gründungstag in Leipzig. In fes- ■liider Weise stellt die Festschrift der Firma den Ursprung ind die Entwicklung des Hauses dar, sie zeigt, wie die Aufaben des Meßmäklers Marcus Harmelin mehr und mehr von dessen igenen Geschäften verdrängt werden. Schon 1808 erklärte er ganz den, „daß er bereits seit 12 bis 15 Jahren nicht mehr Meßmakler ei". Infolge der neuen Handelsgesetzgebung ließ Marcus Harmelin lie Firma am 17. Oktober 1872 in das Handelsregister eintragen, (lani kurze Zeit darauf nahm er seinen Sohn Joachim, dem am 8. Mai 1872 vom Rate der Stadt Leipzig das Bürgerpatent erteilt worden war. als Mitinhaber in die Firma auf. Nach dem Tode des \*aters wurde Joachim Harmelins Schwager. Joachim Garfunkel, Mitinhaber. Besonders der Handel mit Borsten und Rohprodukten wurde von der Firma gepflegt; ihren Bemühungen gelang ■s, Leipzig binnen verhältnismäßig kurzer Zeit zum bedeutendsten Handelsplatz der Welt für russische Borsten zu machen. Unter ihrer Führung veranlafiten 185X1 die Leipziger Rommlssionshäuser für Horsten, daß außer den an die jährlich dreimaligen Warentneaeen angeschlossenen Borstenniessen noch weitere zwei Spezialmärkte für Borsten im Februar und Juni eingerichtet wurden. Unter der nächsten Inhahergeneration, Moritz Harmelin und Joseph Garfunkel, nahm die Firma einen besonderen Aufschwung; von dem in Leipzig erzielten Grundumsatz von etwa 15 bis 20 Millionen Mark entfielen auf die Firma Marcus Harmelin allein mehr als ein Drittel. Die gegenwärtigen Inhaber Josef Garfunkel und Max Harmelin (Moritz Harmelin ist im Sommer 1025 verschieden) haben es verstanden, der Firma in der gegenwärtigen Krisenperiode die gesunde Grundlage zu bewahren. Mit Stolz erfüllt es uns als Gemeinde, daß die Finna Marcus Harmelin, durch Generationen vom Vater auf den Sohn vererbt, durch das unbegrenzte Verantwortungsbewußtsein ihrer Inhaber sich innerhalb und außerhalb unserer (iemeinsrhaft hohe Wertschätzung und allgemeine Achtung erworben und bewahrt hat. Wir schließen uns von Herten dem Wunsche an. in dem die Festschrift ausklingt: „Möge die Jubelflrma auch im zweiten Jahrhundert ihres Bestehens stets die Führer finden, die, von echt kaufmännischer Gesinnung erfüllt, in Achtung vor den Leistungen der Ahnen, doch mit iteta sich erneuernder Tatkraft ihre Geltung erhalten! Daun wird auch in Zukunft jener Name, der schon vor hundert Jahren in Leipzigs llandelskreisen und darüber hinaus einen guten Klang besaß, in Ehren genannt werden, der Name Marcus Harmelin." Zum Jahrzcitstag von Krau Regina Pfeiferblüth s. A. Am Sonnlag, dem 10. August (1(i. Ab) jährt sich der Tag. an dem Frau Regina l'fefferblüth 7*1 uns unerwartet entrissen wurde, die 'rau, deren großes, gütiges Herz sie zu einer 7N"lEPa DK Muter in Israel machte. Ihre liebevolle Sorge galt allen Nolleidenden, iein Weg war ihr zu weit oder zu unbequem, wenn sie dadurch emand nützen konnte; sie gab nicht nur nach ihren Kräften, sondern half auch mit gutem Rat und klugem Wort und der wohluenden Wärme des Mitempfindens. |~ — — — — — —| I Ferien-Bücher | 1 bei 1 I Buchhandlung M.W.Kaufmann I Brühl 8 J Der teuren Entschlafenen ist in einer Versammlung, die der „Frauenverein Ruth" (zur Unterstützung von Wöchnerinnen) und der Jüdische Frauenbund (Ortsgruppe Leipzig) lusammenberufen halten. in ehrendster Weise, voll Trauer und tiefgefühlter Dankbarkeit gedacht worden; aber es ist nichts Bleibendes geschaffen worden, was dem Andenken an diese edle Frau Dauer verleiht. Wir alle, die mit ihr gearbeitet haben und denen sie geholfen hat, sind in ihrer Schuld geblieben. Der Herzenswunsch der Heimgegangenen war die Einrichtung einer Wochenstube für Frauen, die aus hygienischen und anderen Gründen in der eigenen Wohnung nicht entbunden werden können. Ihnen soll für die Wochenzeit eine saubere Unterkunft mit ritueller Verpflegung und der nötigen Betreuung zu Gebote stehen. Wie notwendig solch eine Zufluchtsstätte ist, weiß nur der, der gesehen hat, in welch elenden, engen Räumen die Müller (oft in Anwesenheil bereits heranwachsender Kinder) einem neuen Sprößling das Leben geben. Anläßlich des 25jährigen Bestehens des Frauenvereins Ruth wurde eine „Regina-Pfefferhlüth-Stiftung" errichtet zwecks Schaffung eines Wöchnerinnenheims. Wir hoffen, daß die Freunde und Verehrer der Verewigten zum Jahrzeitstag helfen werden, diesem Ziele näher zu kommen. Die Stiftung wird von der Schatzmeisterin des Frnuenvereins Ruth. Frau Helene Neugaßer, Blücherstraße 43, verwaltet. (Postscheckkonto Leipzig 01125, Frauenverein Ruth.) Oriinduiie einer Ortsgruppe des Weltvwbaadea Krhonire Schahhos in Leipzig. Nach längeren Vorbereitungen, die von interessierten Persönlichkeiten mit Eifer betrieben wurden, ist die Gründung einer Srhomre- SchabbOB-OrtSgruppe in Leipzig Wirklichkeit geworden. Das Referat in der (iründungsversammlung hatte der Generalsekretär des Weltverbandes Schomre Schnbhos. Herr Rabbiner Samuel, übernommen. Redner versuchte, in gedrängter Kürze eine Darstellung der gesamten Problematik zu geben, die für die Sabbathheiligung durch die katastrophale Wirtschaftslage der Gegenwart entstanden ist. F.t legle im Umriß die Tätigkeit des Weltverbandes unter dem besonderen Aspekt der Aufgaben des bevorstehenden Sabbathweltkongresses dar. An das von einem ansehnlichen Publikum, das den Vortragssaal in der Höheren Jüdischen Schule füllte, besuchte, und mit Wärme aufgenommene Referat schloß sich mit den ersten Schritten zur Konstituierung der Gruppe eine recht lebhafte und auf besonderer Höhe stehende Diskussion. Dieselbe wurde von Herrn Hirsch Merkin, der die Versammlung mit viel Takt und Umsieht leitete und eingangs den Referenten in herzlicher Weise begrüßt hatte, eröffnet. Herr Merkin appellierte an das jüdisch)' Gewissen, das ein viel offeneres und Starkmutigeres Eintreten für den Sabbath, als man es bisher gewohnt sei. zur Pflicht mache. Bin besonderes Komitee solle die Heiligung des Sabbath überwachen, und die Firtneninhaber derjenigen Branchen, die keinen allzu schweren Konkurrenzkampf zu führen hätten, zur Schließung ihrer Geschalte am Sahhath veranlassen. Des weiteren wies der Redner auf die betrübliche Talsache hin. daß von jüdischer Seite der Ministerialerlaß auf Schulbefreiung jüdischer Rinder am Sabbath nicht in genügender Weise ausgewertet würde, und daß die Judenheil vielfach au ihrer Pllicht. sabbalhhallende Firmen zu unterstützen, achtlos vorübergehe. GagrUndet 1868 #\ | | ^„Z j Ir^N Ferntpr. S.-Nr. 71786 Aug. Siebert Rauchwaren Versicherungen jeder Art Transport Vers. Promenadenstraße 10 Vers. «