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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-07-11 · 28 (11.7.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
28 (11.7.1930)
Date
1930-07-11
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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i. .luii in:«) GEMEINDEBLATT HKR ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite Ii Ks wurde beschlossen, in der Generaldebatte Jeden Redner nur inmal sprechen m lassen, «Ii»- Redezelt aber nicht tu beschranken. Herr Tumpowsky erklärt es für Üblich, dafl die stärkste raktion mit der Generaldebatte beginnt, und ist deshalb erstaunt, daß lie liberale Fraktion nichl zuerst «Ins Worl nimmt. Der vorliegende [aushaltplan Bei ein Entwurf der liberalen Partei. Zwar sei schärt ler Abbau notwendig, dieser dürfte sich aber nicht einseitig auswiren. Aus der Art des Abbaues spreche der Geist, In dem der Hausaltplan aufgestellt sei. Erwähnt werden müsse der Grundfehlei in nserer Gemeindeverfatsung, nämlich d;is ungerechte Wahlsystem. >ie diinuis sprechende Einstellung käme auch im Haushaltplan deutelt tum Ausdruck. Itei der Annahme, daß ein Drittel der Geleindemitglieder am liberalen Kultus, zwei Drittel am orthodoxen ulliis teilnehmen, ergebe sich ein Mißverhältnis der Ausgaben für ie beiden Kultusrichtungen, 92 400 WM. für den liberalen Teil, 0000 UM. Ihr den orthodoxen. Der liberale Kultus sei in allen eilen durch die Gemeinde getragen, wahrend für den orthodoxen ur Teilleistungen bestehen. Dieses Unrecht müsse künftig beselgl werden, um so mehr, nls die Zusammensetzung der Gemeinde imgekehri sei. Die Gerechtigkeit erfordere die Beseitigung dieser Ingleichheit. Redner hat das persönliche Zutrauen zu dem Geechtlgkeitagefühl iler liberalen Gemeindevertreter, dafl seine Hoff mng sich verwirklicht. Die Fehler der Vergangenheit müßten gut emachl werden, um spätere Konflikte zu vermeiden. Neben dieser Ungleichheit fielen die hohen Kosten für Verwnl lung auf. die Hedner auf 106000 M. beziffert, das seien 15% des tudgets. Früher sei der Prozentsatz nicht so hoch gewesen. Die Arbeiten müßten zusammengelegt werden. Die Verwaltung der Fürsorge sei zu teuer, die Lasten der für iorge können nicht aufrecht erhalten werden. Es solle, wie früher mgeregt, ein Wohlfahrtsamt geschaffen werden, welches für Zuwendungen von solchen Gemeindeinitgliedern sorgt, deren Ausgal.....- tat dies gerechtfertigt erscheinen läßt. Die Fürsorge müsse entlastet werden, um andere Dinge mehr pflegen zu können. Hauptaufgabe der Gemeinde sei eine großzügige Förderung der lugend. Ks müsse ein geschichtliches Moment sein, welches die fugend wieder jüdischer gemacht habe und wieder auf die Gesinnung ihrer Vorfahren zurückführt. In unzulänglichen Räumen müsse heute die Jugend ihre Versammlungen abhalten. Nicht Verdienst ler Gemeinde sei es. daß die Jugend heute sich auf ihr Judentum «sonnen bat Bei diesem Punkt könne man Neues schallen, ein Ju- •endheiin müsse entstehen, in dem sie sich jüdisch ausleben könne. Die Fürsorge für die Jugend müsse einen wesentlichen Bestandteil lea Haushaltpk.....■ bilden. Produktive Fürsorge sei notwendiger denn je. Der Darlehnstasse sollten deshalb neue Mittel zugeführt werden. /.um Schluß spricht der Redner die Mahnung aus. all«' Posten im laushaltplan gleich gerecht zu behandeln. Herr Dr. Goldschmidl vergleich! den Vorredner mit den iroflen Rednern der alten, deutscheu Parlamente, die ausgezeichnet resprochen, aber in den Kommissionen weniger sich betätigt hätten. >o ausgezeichnet die Ausführungen des Herrn Tumpowsky gewesen leien, so schwierig hätten sich die Arbeiten im Finanzausschuß" gehütet. Durch <lie Gemeindearbelt, insbesondere durch den sionitiscl..... Einfluß halie Redner sich mehr und mehr von Partei resichtspunkten frei gemacht. Die liberalen Verordneten prüfen ein teilend und gewissenhaft alle Forderungen, unabhängig von Parteiinschauungen. Herr Tumpowsky sei durchaus nicht der Sachver v.ilter der Orthodoxie, die heutige Gemeindevertretung sei nicht nehr die von vor zwanzig Jahren. Herr Tumpowsky halie den Iberalen Auagaben für Kultus nicht die Einnahmen gegenübergestellt, die Ausgaben für Ritualbad und Katchrua hal.....r Übertangen. Redner errechnet 08000 M. für orthodoxe Zwecke, 88000 M. iir liberale. Ein Abbau des Verwaltungsapparates Uber das hinms. was der Finanzausschuß geleistet hat. sei nicht möglich. Ks •ei nicht erwiesen, daß ein weilerer Abbau technisch durchführbar ei. Wenn Herr Tumpowsky dieser Meinung sei. so möge er prakische Vorschläge machen. Man müsse auch an die Verantwortung lenken, die die Verwaltung hat. Die Ausgaben der Vewaltung für iie Kreise der durch Herrn Tumpowsky vertretenen Gemeindenilglieder seien wesentlich größer als für die liberalen Kreise. Die liberalen Gemeindevertreter legen größten Wert auf die'Fürsorge, lie aber zum größeren Teil den nichtliberalen Teil der Gemeinde imute kommt. Hinter di r liberalen Richtung steckten die größten Steuerzahler. Diese nehmen die Gemeinde wenig in Anspruch, und war nur den liberalen Gottesdienst Wenn hier wenige Steuerzahler angesichts ihrer Leistungen eine angemessene Ausgestaltung Ihres Gottesdienstes finden, so sei dies in Anbetracht ihrer Leistungen für die Allgemeinheit durchaus verständlich und gerechtfertigt. Die Bedeutung der Darlehnskasse sei keine Parteisache. Die liberale Fraktion werde diese Frage wie alle praktischen Fragen ge wissenhaft prüfen. Von den Darlehnsnehmern seien 180 Auslän der und 8 Deutsche. Das freundschaftliche Einvernehmen verbiete es, den Liberalen immer wieder die Ausgaben für ihren Kultus entgegenzuhalten. Der Etat sei in der Vorberatung überaus gründlich behandelt worden. Man möge ihn jetzt sachlich prüfen und nicht zu Reden für das Wahlrecht gebrauchen. Bei der Deckung des Etats müsse die Volkspartei entsprechend ihrer Ausgabefreudigkeil bereit sein. Auch für die Jugend trete die liberale Fraktion im seihen Mall wie die anderen Parteien ein. Herr Solinger bedauert, daß der Vorredner von einem Zwiespalt gesprochen hat. den Herr Tumpowsky hineingebracht habe. An diesem bedauerlichen Zwiespalt seien die Liberalen schuld, indem -ie das allgemeine Wahlrecht verweigern. Die Achtung, die man nach außen verlange, müsse mau vor allem im Innern den eigenen Brüdern entgegenbringen. Ks gäbe nur ein einheitliches, jüdisches Volk, dem man Gerechtigkeit erweisen müsse. Alle Steuerzahler müßten gleich behandeil werden. Der Haushaltplan zeige <his 'deiche Gesicht wie früher. Er enthalte in der Hauptsache Ausgaben für den Kultus und nur verschwindende für kulturelle, wirtschaftliche Zwecke und produktive Fürsorge. Die Wirtschaftslage sei schwierig, dem habe man nicht Rechnung getragen. Gerade bei der Fürsorge habe mau am meisten abgebaut Einen Unterschied zwischen Ostjuden nnd deutschen -luden dürfe man nicht machen. An der Fürsorge dürfe man am wenigsten ahbauon. Die Orthodoxie vermenge Kultus mit Politik. Warum bezahle man so viele Schomrim? In keiner Gemeinde seien die Ausgaben hierfür so grofl wie hier. Redner richtet sich nichl gegen religiöse Einrichtungen, doch müßten diese im vorliegenden Kalle von den Ineressenten, den Fleischern, erhalten werden. Die Kosten für Verwaltung der Darlehnskasse würden entgegen einem Gemeindesitzungsbeschluß erhoben. Die Gemeinde mü-se diese Kosten trauen. Die Kosten würden widerrechtlich erhoben. Den Posten solle man streichen. Redner habe schon viele Anträge gestellt, die aber immer abgelehnt worden seien. Ein solcher Antrag ging dahin. Darlehen ohne Bürgschaft zu geben. Dies sei besser, als Notleidendgewordenen Unterstützung zu gewähren. So könne man produktiv Hilfe leisten. Ein weiterer Antrag ging auf Anstellung eines Lehrers für modernes Judentum. Die jüdische .lueend müsse lernen, was sich heule im Judentum zeigt. Kein Posten im Etat sei für die Arbeitslosen da. Wie lange noch jüdische Arbeitslose von der allgemeinen Arbeitslosenversicherung unterstützt werden, sei nur eine Frage der Zeit. Den ehrlichen Arbeitslosen. die keine öffentliche Unterstützung beziehen, müsse die Gemeinde helfen. Sonst werde Proletariat gezüchtet. Das jüdische Volk werde dahin kommen, eine (iemeindevertre lung zu wühlen, welche seinen Geist verkörpert, und nichl nach veralteten Gesichtspunkten verwaltet. Die jüdische Jugend fordere neues Leben. Diesen Forderungen werde die- Zukunft gerecht werden müssen. Die Jugend braucht ein Heim. Der Bar Kochba müsse weilgehend unterstützt werden. Die Zukunft werde ihm. dem Redner, Recht gelien. Herr Tumpowsky bittet obwohl geschäftsordnungsmäBig mich dem vorausgegangenen Beschluß jeder Redner nur einmal in der Generaldebatte sprechen darf, noch um kurzes Gehör. Zu den übe ralen Ausgaben gehörten auch die Ruhegehälter. Am liberalen Budget wolle er nicht rütteln, sondern nur für das orthodoxe die gleiche Gerechtigkeit fordern. Seine persönlichen zionistischen Anschauungen habe er gar nicht die Möglichkeit zu Forderungen zu erheben. Seine Vortragsweise sei bedingt dadurch, dal.! seine Partei mir in einem ganz schwachen Verhältnis vertreten sei. obwohl die Anhängerschaft sehr groß sei. Man solle der Darlehnskasse neue Mittel zuführen. Herr Rosenfelder hält die Generaldebatte für bedauerlich. Die Ehre, in der Ge.....indevertretung zu sitzen, sei nicht -o erstrebenswert. Die Notleidenden seien vielfach nichl arbeitswillig. Man solle zunächst die Einzelposten des Haushaltes durchsprechen, nachher könne mau allgemeine Kragen behandeln. Redner verweist;iuf ■ Ins frühere Wahlrechlskoni|.niinil.i. Man möge sich auf der Seile der Gegner des jetzigen Wahlrechtes bescheiden und in die gegebenen Verhältnisse fügen. Herr Dubiner erklärt, Herr Rosenfelder habe die Ausführen-

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