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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-07-04 · 27 (4.7.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
27 (4.7.1930)
Date
1930-07-04
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seile ('. GEMEINDKRI.ATT DER ISRAELITISCHEN HKLIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 27 INGER Nähmaschinen in altbewährten Güte ♦ Weitestgehende ZarHunöserleichterungen MAßije Monatsraten SINGER NÄHMASCHINEN AKTIENGESELLSCHAFT H mm Singmr lüden Qba-all H Innenministers Wirlh, zunächst ruI dem Wege der Güte uikI Belehrung Frick zui Ordnung zurückzuführen, inuUlen an der grundsätzlichen Einstellung Fricks scheitern. K> >ei der Augenblick gckemmen, zu trügen, ob der Reichsinnenminister nicht dem Reichspriisidenten vorschlagen müsse, von den Machtmitteln des Reiches Thüringen gegenüber Gebrauch zu machen. Die deutschen Juden -l ii i] nicht gesonnen, -i>li den Anspruch auf ihre verfassungsmäßigen Rechte von fhüiingen aus, das nur eine Vorstufe von Sachsen und, wer weiU, zu welchen anderen Ländern sein solle, nehmen zu lassen. Der Weg der Nationalsozialisten führe zurück infinsterste Mittelalter. Er >ci die direkte Umkehrung aller moderneu Staatsbegriffe und müsse letzten Endes zum Bürgerkrieg und /ur Auflösung des Reichsgedankens führen. Rabbinei Dr, Meiei Hildesheimer legte Verwahrung ein gegen die Beleidigung und Vergewaltigung des klaren Rechts, das auf unserei Seite stehe. Dieses Recht »ei allgemeines Menschenrecht. Ks urrde S|>otl getrieben mit dem Höchsten, was der Mensch besitze: Mil seiner Zwiesprache mit Gott. Ober alle Schäden der Frickschen Schulgebele hinaus gehe unser - m< n ilarütx r, daB man die Seele der Kinder vergifte und >ic vielleicht für ihr ganzes Leben unglücklich mache. Rechtsanwall Dr. BlOth (Eisenach) sprach als Repräsentant der Thüringer Judenheit, ging auf die Ursachen der unerhörten Zustände im Thüringen ein. wies darauf hin. dali die Nationalsozialisten hei der letzten Lundtagswahl das Zünglein an der Waage gewesen seien und ihn Fr ick nicht muh thüringischen Landtag, der vor ihm nachher den Kutan machte, ernannt wurden, sondern ein Minister von Hitlers (inaden sei. Der Reichsminister habe nullt mil der genügenden Schärfe und Energie in die unmöglichen thüringischen Zustände ein¬ Ifen, Das ['niformverbol in einer Reihe deutscher Länder, auch in Preußen, werde in Thüringen mil einem ..Nun erst recht" beanl wortel. Von liUnthers Berufung nach Jena sprach Dr. Blüth als von der Kiniiehtun); einer „Professur für Antisemitismus". Dr. Alfred Wienei betonte, dali die feierliche Stunde gebiete, vi dei deutschen Öffentlichkeit Protest dagegen einzulegen, daB die .luden als zersetzende, volksfremde Elemente, schuld an der Entsittlichung des deutschen Volkslebens und der deutschen Kultur seien. Auf allen Schlachtfeldern, wo deutsche Soldaten kämpften, sind deutsche .luden für ihr Vaterland gefallen. In Gstafrika kämpften und starben sie untei Lettow von Vorbecks Kalmen. Kür Deutschland gingen Poseuei .luden in polnische Konzentrationslager, Zu Tausenden verlieben sie die durch den Friedensvertrag uns abgerissenen Gebiete, weil sie unter fremder Herrschaft nicht leben wollten. In dei Weltkraftkonferenz steht ein Einstein unter den führenden deut- hen Gelehrten. Max Liebermann i-t dei susgezeichnete Maler deutschen Erlebens Für all di..... strahlenden Beweise deutscher Vaterlandszugehörigkeil und deutscher Vaterlandsliebe haben sie bei einem Teil des deutschen Volkes Schimpf und Verleumdung geerntet. 81 jüdische Friedhöfe sind geschändet und Gotteshluaei sind verunreinigt. In wenigen lauen wird die grotte Glocke des Kölner Doms I-----------1 I Ferien-Bticher i ■ bei i | Buchhandlung M.W.Kaufmann I ■ Brühl 8 | die deutsche Freiheit am Rhein einläuten. Wir werden beglückt aul atmen, dafl kein fremder Soldat mein auf deutscher Erde sieht. Abei i in ganz anderer Jubelsturm würde das deutsche Volk durchbrausen, wenn nicht nur die deutsche Landschaft frei >«-in winde, wenn »Iii Glieder des deutsehen Volkes Bich frei machen winden von Mali und Niedrigkeit, wenn wahre vaterländische >tille Arbeil erstes und höchstes Gebot wäre, wenn Menschlichkeil und Verslehenwollen das politische, niedergebrochene Leben Deutschlands wieder auszeich neten. Justizrai Dr. B r o d«n i I z legte als Ergebnis der Erörterungen dei Versammlung folgende Enlschliettung vor. die die einhellige Zustim niung der Anwesenden fand: Die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der deutschen .luden, die sich durch Geschichte, Kultur, seelische und geistige Gemein sehaft mit dem deutschen Volke unlösbar verbunden fühlen, wird durch die deutsche Reichsverfassung verbürgt. Selbstherrliche Will kürakte eines Ministers oder der Regierung eines deutschen Laudeweiden die jüdischen Deutschen nicht hindern, wie bisher ihrem deutschen Vaterlande opferfreudig und hingebungsvoll zu dienen. Sie legen aber Protest ein gegen die Verfassungsverletzung, die Bich dei thüringische Innenminister Dr. Frick mit seinen Verordnungen, ins besondere der über „Deutsches Schulgebet" hat ZU Schulden kommeil lassen. W i r e r w a r t e u v o n d en II ü lern d e r R e Ichs \ e i Fassung, dem Herrn Reichspräsidenten, dem Reirhskabinetl und dem verantwortlichen Herrn Reichsinnenminister, datt sie diese Verfassungsverletzung ahnden, den verfassungsmäßig gesicherten Anspruch der thüringischen und deutschen Juden auf Gleichberechtigung G e w ä h r I e i ~ I e Ii u Ii d i h II t! e g e n Ü b ei d e r w i d e r sl I e b e n den Länderinstanz durchsetzen. Unsere Gemeinde Dr. Brist Siinon-Brilh Si-Imloiu! Dr. Simon, der au> seiner Frankfurter Zeil her bekannte r.i<> Iiistische Schriftsteller, sprach hier auf Einladung dei Zionistischen Ortsgruppe am 23. Juni. Dr. Simon, dessen starke intellektuelle und politische Gewisenhaftigkeil auch der Gegner schätzen lernen durfte, überraschte alle durch die ei-launlii he Beherrschung der geschichtlichen Tatsachen, die er mil großer Klarheit und mil geschultem rednerischem Talent zum Beweise der Richtigkeil dir Politik des 111i 11i Schalom heranzuziehen wutile. In seiner soziologischen Dm Stellung des Verhältnisses zwischen .luden und Arabern kam es ihm vor allein darauf an zu betonen, dali die zionistische Politik sieli nicht in erster Linie auf die wechselnden politischen Regierungen einzustellen habe, sondern vom Staudpunkt einer größeren historischen Perspektive aus auf das Volk, mit dein rder einwandernden jüdi sehen Bevölkerung bestimmt ist, Jahrhunderte zusammen zu leben. Einer der schwersten Fehler der zionistischen Politik, der von den Arabern politisch sehr empfunden wurde, war nach Meinung von Dr. Simon vor allem die Auflösung der arabischen Abteilung bei dei Exekutive durch Sacher. Während schon nach der jungtürkischen Revolution vom Jahre Ullis Wolfsohll, Montau und Sokolow BUS real politischen Erwägungen heraus die Parole des Charters, des Juden Cäeqrundet 186B Fernspr. S Nr. 717UU Aug. Siebert Rauchwaren Versicherungen jeder Art Transport Vers. Promenadenstraße 10 Vers.

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