Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 27 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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I. .lull liKiO GEMEINDEBLATT DKR ISRAELITISCHEN REI.IGIONSGEMEIXDE ZU LEIPZIG Seite ."> gcbaft" iiii ihn heramutragen suchte, aber diese Zeiten sind glücklicherweise vorüber, und so begegne) man «leim solchen Gedanken* richtungen nirgendwo, die es versuchen, aus der Sabbathentweihung etwa ein Priniip beslimmter religiöser Schattierung zu machen, Im Gegenteil, die geistige und psychologische Situation unserer Gegenwart mit ihrem Ringen um das Göttliche und an die im Göttlichen verankerten Werte kommt gerade der Heiligung des Sabbath als der reinsten Verwirklichung gottsuchenden Strebens Iiier auf Knien entgegen. Um so tragischer muß den vom Verständnis tür die Seele seines Volkes erfüllten jüdischen Beobachter der Umstand berühren, dal.i es nichts anderes ist. als die brutale wirtschaftliche Nol, die es mit sich bringt, daß der Glan« der Sabbathidee aus jüdischen Häusern und jüdischen Merzen immer mehr xu schwinden verurteil! ist. Zu den greifbarsten Anlässen jüdischer Sabbath nol gehört vor allem das Sterben des jüdischen Mittelstandes. Es ist keineswegs Übertreibung, dieses Wort auf eine wirtschaftliche Erscheinung anzuwenden, ileren katastrophale Auswirkungen ein Ausmaß anzunehmen scheinen, das heule noch gar nicht übersichtlich ist. So sind nicht nur Existenten, die einen wertvollen Teil in der Garde der Sabbathtreuen stellten, vernichtet, und zur stufe des Proletariats herabgesunken, sondern mit ihnen zugleich die Scharen der Angestellten und son- Btigen Arbeitnehmer, die in den Sturz der Unternehmerbetriebe hineinverstrickt, sich vergeblich um Möglichkeiten mühen, im Rahmen ihrer Berufsausbildung Beschäftigungen zu erlangen, «Iii' es ihnen ermöglichen, den Grundsätzen getreu zu bleiben, die sie Iiis dahin heilighalten konnten, und die ihrer Arbeit erst den wahren Sinn und den rechten Wert verleihen. Der unaufhaltsame Fortschritt der Technik, der Schrei nach Rationalisierung und Vertrustung der Betriebe iwingl auch jüdische Großunternehmer ihre Betriebe Hinzustellen; und so gehörte es zu den betrüblichsten Erscheinungen der vergangenen Jahre Iiis zum heutigen Tage, dat.! Pinnen mit klangvollen Namen und schöner jüdischer Tradition sich genötigt landen, einen Abbau großen Stils vorzunehmen, sodaß Massen jüdischer Angestellter sich eines Taues dem Nichts gegenübergestellt sahen. Das Bestreben, konjunkturfähig zu bleiben, das Material und die Maschinen Iiis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit auszunützen, hat andere wirtschaftliche Großbetriebe genötigt, solche Gesellschaftsverträge abzuschließen, die zwar den Interessen der Unternehmer gerecht zu werden suchten, dagegen keineswegs vermochten, die Angestellten zu befriedigen, damit dem Bestreben, Arbeitskräfte Iiis zum letzten Rest zu verwerten, die Forderung der Hütung des Sabbath notwendigerweise in Konflikt gerät, Die Polgen der Seelenverarmung, die Uberall da eintritt, wo der Glans und die Reinheit des Sabbath verlorengeht, sind unbeschreiblich, Was alter sich bei der Einbuße des Sabbath durch den gewaltsamen Machtachritt wirtschaftlicher Entwicklung wie ein unabwendbares Schicksal erweist, wird zur tragischen Schuld derer, die diese Entwicklung beobachten, ohne in die Speichen des unaufhaltsam sich drehenden Hades einzugreifen, das aus Erwerbsstreben einen seelenlosen Materialismus, aus der Arbeit eine entwürdigende Prohn macht und noch größer wird diese Schuld in einer Zeit, wo die Bedrohung der Festigkeil des Sabbath durch eine von mächtigen Staaten und Verbänden propagierte Kalenderreform mit ihrem ßlankotag, der den von Gott eingesetzten Sabbath gleich einem Spielball menschlicher Willkür im Kreislauf der Woche wandern läßt, immer bedenklichere Formen annimmt. Welche Rettungsaktionen sind aber möglich? Hier gilt es, von vornherein mit dem Irrtum aufzuräumen, als ob private und lokale Initiative allein elwas ausrichten könne, In der Zeil der ungeheuersten Expansion der Technik und des Verkehrs, in der Stunde, wo politische und soziale Aufbauarbeit Bich in mächtigen Gebilden von internationaler Bedeutung wie Internationales Arbeitsamt und Völkerbund zu vereinheitlichen beginnt, heißt auch die Parole zur Rettung des Sabbath zum Schutze seiner Träger und Erhalter vor W irtschaft lieber oder seelischer Verelendung zu seiner Neustnbilisierung in den Herzen und im Leben derer, denen er verlorenging, Konzentralion, Im Zeichen dieser Konzen!rierung aller Kräfte, die. aus welchen Gründen und unter welchem Aspekt auch immer, es nicht tatenlos zulassen wollen, dal! dem Judentum sein stärkster sozialer Faktor, der Judenheit der ruhende Pol ihrer Erhaltung verloren geht, hat der Weltverband Schomre Schabbos seine Arbeit für den Sahhathschutz aufgenommen. Konzentrierung aber legt uns eine wesentliche Verpflichtung auf. Sie fordert, dal.i die wertvollen einzelnen Teile zum Ganzen streben und gibt ihnen in diesem Bewegungsgesetz die Kraft. Träger und Vollhringer der Arbeil des Ganzen in ihrem Wirkungsfelde zu sein. Die zeitgenössische Judenheil seil und wird -ich nicht dem Drange verschließen dem Sabbath ihre Dankesschuld abzutragen. Denn nichts isl trefflicher als das Weisheitsworl Achad Haams: ..Weil mehr als Israel sei neu Sabbath gehalten hat, isl es der Sabbath, der uns e r hall e n hat." Jüdische Verbände und Gemeinden Drei überfüllte rniteslkiiiiiiKehiiiiecii gegen l-rick in Berlin. Der Zentral Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete am 17. Juni in Berlin drei Kundgebungen gegen die Herausforderungen des thüringischen Innenministers Dr. Frick, Herrenhaus, Philharmonie und Bechsleinsaal waren überfüllt, Dir Vorsitzende des Zentral-Vereins Justizrai Dr. Brodnitz wies in seiner Begrüßungsansprache im Herrenhaus darauf hin. daß der Zentral-Verein diese Protestveranstaltung einberufen habe, nicht nur, Ulli das Unrecht, daß den Juden zugefügt wurde, abzuwehren. sondern diesen Kampf als einen Kampf um Sittlichkeil und Recht zu führen. Der erste lieferen! des Abends, Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil, führte aus: Von all den Übergriffen, die die thüringische Regierung, die unter der tatsächlichen Führung Fricks stehe, sich gestattet habe, müßte die Empfehlung der Haßgebete in vorderster Linie behandeil werden. Die Haßgebete richteten sich nicht nur gegen den jüdischen Teil der deutschen Bevölkerung, sondern gleichmäßig gegen alle diejenigen, die das gegenwärtige Regime und die gegenwärtige Verfassungsform in Di ulschland herbeigeführt halten. Es müsse die Frage aufgeworfen werden, ob es mit der verfassungsmäßigen Machtverteilung zwischen Reich und Ländern vereinbar sei. daß in einem der Ministerien eines der Länder ein Mann sitze, dessen Partei ein ausgesprochen revolutionäres Bekenntnis zu Hunderten von Malen abgelegt habe, deren ganzes Programm die Verneinung der gegenwärtigen Grundlage aller modernen Staaten, nämlich der Gleichberechtigung der Staatsbürger, bedeute. Ein Grundfehler sei schon begangen worden, als unter der vorigen Reichsregierung die Ernennung Fricks zum nationalsozialistischen Minister stillschweigend hingenommen worden sei. Die Versuche des Reichs- Beginn meines Saison - Ausverkaufes Montag, den 1. Juli Leinenhaus G. A. 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