Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 27 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Nummer 2 Gemeinde im Chor gesungen werden, >iml von ergreifender Wirkung, und beim Vortrage der Parasche, der in würdiger und verständnisvoller Weise erfolgte, gewann Ich den Eindruck, daß die Gemeinde mit gi spnnnter Aufmerksamkeit Folgte, Die an diesem Morgen muh Rabbiuei gehaltene Predigt die Predigten finden in allen Tempeln Freitag abends und Sabbat vormittags statt li;i11*• tum Gegenstand das Festhalten an den überlieferten Gesellen als Notwendigkell heim modernen Judentum. Wie war es möglich, einen so mustergültigen Gottesdienst zu organisieren? Ich weiß es nicht, doch führt ein Besuch des von Dr, Kaplan veranstalteten Gottesdienstes zu der Überzeugung, daß 'it'i konservative Gedanke, richtig erfaßt, die einzig richtige Form ist, iiiinili.li Fluidum echten hebräischen Geistes, vereint iiiii echt amerikanischem Empfinden. New Vork umfaßt ein Zehntel «los gesamten Judentums auf dem Erdball. Trotz des Unterschiedes, dem man hier in bezug auf «Ii«- ttußere Erscheinung des Kultuslebens begegnet, würde man vergeblich eine Synagoge suchen, die dem Tempel der nie de La Victoire in Paris iil.....ii: sie existiert nicht. Der bereits genannte Emanuel-Tempel repräsentiert die jüdische Reform. Das Reformsystem es erscheint dies zwar sonderbar, und doch ist es eine unverkennbare Tatsache ühi einen weil geringeren Reil uns als das konservative. Vor etwa 30 Jahren fragte ein junger Rabbiner einen alten Verwandten, der gleichfalls Rabbiner war, welcher Form des Judentums er sich zuwenden solle, ob der orthodoxen oder der reformierten. Der Weise antwortete: „Was du Reform nennst, wird in kaum einem viertel Jahrhundert wiederum eine Orthodoxie sein. Also, welche Freiheit wirst du dabei gewinnen?" Und in der Tat, die Reform ist zerronnen und erstarrt in einer bloßen Form. Die fast völlige Preisgabe des Hebräischen, die übertriebene Modernisierung des Gottesdienstes gleichsam als ob es nicht unbedingt zum Wesen der Religion gehöre, uns etwas zu bieten, was nicht mehr zeitgemäß ist bringen es mit sich, daß der eigentliche synagogale Geist fast gänzlich fehlt. Vergebens sucht man schöne Architektin', vergebens bemüht man sieh, schöne Musik ertönen zu lassen: nichtersetzt der Seele die Sprache des traditionellen Ritus, Dennoch wäre es ungerecht, wollte mau von Abtrünnigkeil sprechen. Man bleibt .lüde, bleibt es voll und ganz, sozusagen im sinne des Kationalgedankens, wenn ich diesen Ausdruck, mangels eines besseren, gebrauchen darf. Den Sabbat hat mau nirgends aufgegeben. Fast überall findet der Hauptgottesdienst am Freitagabend statt, und in den Tempeln, wo man einen Gottesdienst für Sonntagmorgen ingeführl hat, isl derselbe sehr verkürzt, und die übliche Predigt oder Besprechung bildet den Hauptbestandtteil, Aber es gibt Retormral Iiiner. die vom Sonntags (iollc.-dienst nichts wissen wollen, um den Sabbat Prinzip keinen Abbruch zu tun. Ich habe alle der Reformrichtung angehörenden Rabbiner, derei Gast Ich war. interpelliert. Alle haben sieh gefreut über das Inleressi welches ihre GemeindemltgMeder den Kuttusangelegenhelten, dem Be suche des Gottesdienstes und dem Eifer der Jugend entgegenbringen Aber alle haben auch übereinstimmend erklärt, daß die Reform de letzten Jahrhunderts heute zum großen Teile veraltet sei, daß viel mehr ein neues System, ein neuer Ritus erforderlich erscheine. Mi einem Wort: man empfindet das Bedürfnis einer Reform der Reform Man sehnt sich zurück nach der Wiedereinführung der längst verlasse neu Traditionen. In hohen Führen bei den Reformierten steht Cha nukka. Warum das. wenn man sich nicht fesler wiederanschließe! will au das Judentum der Väter, nachdem mau unklugerweise dii Bande der Tradition gelockert hat? „Ich bin in der Orthodoxie aufgewachsen, erklärte mir ein Fami lienvater, und habe gewissenhaft meine Gebete verrichtet, doch ver sichere ich Ihnen, daß ich mir niemals eingebildet habe, das llebräi sehe zu verstehen. Mein Sohn ist mit der Reform groß geworden, ledig des hebräischen Ballastes, den ich für ihn als zu große Bürde betractl tele und siehe da! er wünscht sieb das Hebräische herbei, er will es verstehen 1" So vollzieht sich der Kreislauf der Dinge. Das Ober maß der Reform wird überall eine unerwartete Reaktion hervorrufen, die Irrtümer der Reform haben sich somit als ersprießlich erwiesen Aber wenn ein kleiner liest des kultischen Judentums noch solche Gärungsstoffe in sich birgt: was vermöchten da nicht die konser vativen Bestrebungen, wenn mau ihre Quellen nutsbar machte? Bei einer Versammlung der reformierten und konservativen Rah biner in New York hatte ich Gelegenheit, auf die mir vorgelegten Fra gen bezüglich dos französischen Judentums in seiner Gesamtheil und der liberalen Vereinigung zu antworten. Als ich meine Erklärungen abgegeben halte, erklärten alle, dat.! wir in Frankreich weder eini Orthodoxie noch eine Reform kennen, sondern lediglich ein konserva tives Judentum. Ich habe mich sehr gefreut über diese dem .luden tum meiner Nation zuerkannte Bezeichnung und habe mir vorgeuom men, es noch mehr zu lieben, beseelt von dein Wunsche, daß es danach trachten iniige. immer mehr zur Geltung zu bringen, was es. (iott sei Dank, zu wahren gewußt bat. Ans dem rransösiarhen Original der „1/Univera israelitc" H hersetzt von Ludwig Katsenatein, Frankfurt » Main. DIE KRISE DES SABBATHPROBLEMS UND WEGE ZU IHRER ÜBERWINDUNG Von Rabbiner Julius Samuel, Berlin, Generalsekretär det Weltverbandes Schmurc Schabbos. mit aller Deutlichkeil und Eindeutigkeil ausgesprochen werden, daß das Sabbathproblem unserer Tage in allererster Linie ein Wirtschaft liebes Problem darstellt, /war hat es nie au Zeitpunkten gefehlt, iu denen es galt, die Sabbathidee zu verteidigen, das lebendigste Zeichen göttlicher Schöpfermachl zu schützen vor Gefahren, die seinem religiös-kulturellen Wert von innen und außen erstanden. Wohl war es nötig, den Oeist des Sabbatli in seiner historischen Gegebenheit zu schützen vor Verfälschungen, die eine religionsfeindllcbe „Wissen Mit täglich immer stärker werdender Intensität prägl sich jedem über den engen Kreis des eigenen Lebens und Schicksal! hinan« Behauenden luden die Obereeugung ein. daß der gegenwärtige Augenblick imin ernsthafter und zwingender Weise nötigt, zu den Grundfragen jüdischer Lebensgestaltung erneut Stellung zu nehmen. Der reißende Strom wirtschaftlicher Verelendung breitester jüdischer Sch rhten droht, den festesten Stutspfeiler der Erhaltung jüdischen Wesens, in Beiner Wucht mit fortzureißen: den Sabbath. Ks muß N. L. RIESS Das Bettenspezialgeschäft seit 1902 Ranstädter Steinweg Nr. 35 Bettfedern Inletts Bettstellen Matratzen Daunendecken Steppdecken Schlafdecken Reform-Unterbetten Bettfedern-Reinigung Filiale: Zschoehersche Str. 101