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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-07-04 · 27 (4.7.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
27 (4.7.1930)
Date
1930-07-04
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIOXSGEMEINDK ZU LEIPZIG Nummer 2 in einer Höhle gehalten war, erat nach dem Tode de« Ihm nach <l«• m lieben Irachtenden Königs Nimrod am Tageslicht Iral und nun zum erstenmal die Sonne erblickte. Anbetend verneigte er ilch vor ihr. denn er glaubte, In Ihr die schöpferische AllmacM tu erkennen. Dann aber >ah ei die Sonne versinken, der Mond mit seinem milden Silber Mehl am Himmel auf. Der Mond, der Mächtigere, «ii-tdie Sonne besiegt hatte, er muß der Gotl sein, so nii\u ei durch leinen Heist! Und die Verehrung, die eben noch der Sonne galt, tollte er dem Monde. Doch auch der Mond verschwand, und wieder Iral 'Ii'1 Sin.....ihre Herrschaft an. Niehl Sonne, nichl Mond sind die Gotthelten, ......Inn der, aul dessen Geheiß sie am Himmel aufstehen; so stand es mm fesl in seinem Glauben, und nichts mehr konnte ihn in dieüpiii Klick auf den Unsichtbaren wankend machen. Nicht Sonne, nichl Mond! es »ar die Erkennlidf des Jünglings, unter dcooon Vugen ein vielverzweigter Dienst dem Mondgotl Nannar und der Mondgöttin Nin-Gal getrieben wurde. Die alte Sage knüpfte wohl doch an eine geschichtliche Überlieferung au: Von der Verehrung des Mondes, die in Heimatland und Heimatstadt gepflegt wurde, erhob sich Abraham sur reinen Gotteserkenntnis, Doch nu llt um im Tempetbesirk stand der Götterdienst in Blüte. Auch ilns Bürgerhaus hallo seinen Kuli. Kin Tor verband die geschlossene Tempelsladl mit dem Stadtteil dei Wohnhüusei Eine ganze Reihe von Privathäusern sind bloßgelegt worden; wir vermögen ein ganz eingehendes Bild von solchen Wohnungen zu gewinnen, Das gewöhnliche Mau* enthielt II Räume; es gab Häuser, die kleiner waren, aber auch solche, die mehr als ju Zimmer hatten, Die Räume waren um einen Binnenhof angeordnet. Zur Straße hin waren die Mauern lies Hauses durchaus kahl, ohne Fenster die Räume erhielten ihr Licht nur vom Hole aus •; uui eine Tür unterbrach das Einerlei, die Eingangslttr. Hinter der Tür ein kleiner Vorraum, von dem man unmittelbar in den Hof trat. In manchen Häusern fand mau zu ebener Erde eine Hauskapelle: ein kleiner, ziemlich schmaler Kaum, der gepflasterte Boden .....h einer Seite etwas ansteigend, dort au der Wand der Altar aus Ziegel steinen. Entweder hinter dem Altar oder in der Seiteniwand dicht neben dem Altar war eine Nische oder eine Vertiefung zur Aufnahme Ii i Kultfiguren eingebaut, bemaltens einfachen Tonstatuetten, deren eine stattliche Reihe aufgefunden worden ist. in allen Häusern war das geräumigste Zimmer zu ebener Erde, dem Eingang von der Strafte her,gegenüber gelegen, das Gästezimmer, Den Eintretenden lu<l im Vorraum oder im Hof ein Wnooorkrug oder eine Wasserleitung zum Waschen dir Füße ein. Das Hauhalle zwei Stockwerke, wai gani aus Ziegelsteinen gebaut, der untere Teil aus gebrannten, der obere aus ungebrannten. Auch hier wecken besonders zwei Momente unser Interesse, Eine alte Legende des Midrasch erzählt, daß Abrahams Vater einen Handel mit Gölzenstandbirdern betrieben hatte, daß die Bemühungen des Sohn* s, den Vatei zu dem reineren Glauben zu bekehren, vergeblich gewesen seieiu Auch auf diese Legende fällt durch die Entdeckungen, die da gemacht wurden, ein nein- Licht: Her Sohn sah Bich auch im Hause von Kulthandlungen umgeben, gegen die sich Beine ganze leidenschaftliche 0b< reeugung auflehnen mußte. Und wir verstehen, uns diesen Momenten h< raus, lebhafter als Je die Gottesstimme, die ihn bewog, Ekernbaus und Heimat tu verlassen, um dorthin tu gehen, wo er ungestört von personUchen Bindungen seinem Gotte AMira hauen und Verehrung darbringen konnte. Bin anderes jedoch hat Abraham nach Kanaan al> eine Oberlieferung des Elternhauses mitgenommen: die Gastfreundschaft. Wenn Abraham nach dem biblischen Berichte den drei Fremden entgegengeht, um sie In tein Haus zu laden, wenn er als Erstes ihnen Wuser anbietet, um die Füße tu waschen, bo entsprach dieoffensichtlich den mu h in seiner Heimat bestehenden Obunifcu und Ausfhauuiif{cn. die er getreulich wahrte, und denen er dann einen tiefereu religiössittlich begründeten Gedanken eingab. Sehr eigenartig berührt uns, was die Ausgrabungen Uber die Ai der Bestattungen In bürgerlichen Kreisen deutlich gemacht haben Der Begräbt)isplatt der Familie war mit dem Hause aufs engste ver buiideu: er befand sieh unter dem Pflaster eines der zu ebener Kid, gelegeneu Räume. Ks war ein Ziegelsteingewölbe, das für jeden ge storbenen Bewohner des Hauses freigelegt wurde. Halte mau einet Toten dorthin gebettet, so wurde das Gewölbe wieder zugemauert, bis zu ebener Erde aufgeschüttet, und dann wurde das Pflaster wiedei darübergelegt, Bisweilen wurde die Wohnung noch der Bestattung des loten aufgegeben, die liaustüre zugemauert, so daß das ganzi Haus zum Grabmal wurde. Hier isl die Grundlage für die schon bei Abraham begegnende Übung des Familienbegräbnisses, die durch das ganze biblische Altertum hindurch beibehalten wurde, nur dal man die Grabstätte außerhalb des Hauses, späterhin auch ganz aus der Stadl hinaus verlegte. Eine Fülle aufgefundener Dokumente gewahren auch Einblicke in die Lebensformen, die in Ur tu Abrahams Jugendzeiten herrschten Sie zeigen, daß dorl durchaus städtische Verhältnisse bestanden und die Anschauung, als habe Abraham auf der Stufe der Nomaden ge standen, berichtigt werden muß. Der Ackerbau war in Ur schon!mmi Jahre vor Ahraham vollkom tuen entwickelt. Man besaß sogar Bewässerungsanlagen In Gestalt von Kanülen, die den anliegenden Besitzern zugute kamen und sorgfältig von ihnen instand gehalten wurden. Naturgemäß wurde daneben auch Viehzucht betrieben. Beachtung aber verdient die Tatsache, daß die Wolle nicht nur im einzelnen Hause für den eigenen Bedarf verarbel let wurde, Mindern daß in Werkstätten, die den Tempeln angegliedert waren, gewerbsmäßig Tuchfabrikatlon betrieben wurde. Doch gab es auch private Betriebe. Auch der Handel hatte in Sumer-Ur schon hange vor Abraham; /.eilen einen bedeutenden Umfang, Den Euphrat herauf kamen Durch gangswaren nach den syrischen Städten Iiis nach Karkemisch. Strom abwärts wurden auf hölzernen Booten Silber. Kupfer, Zedernholl vom Libanon. Nußbaumholz und Cystusgummi befördert. Es wurde ein Schiitsfrachtbrief aus der Zeil um 2048 v. Chr. gefunden, der vom Tempel der Nin-Gal in Ur für den Golfverkehr ausgestellt war. Da nach führte dieses Schiit eine Ladung von Gold, Kupfererz, Elfenbein, Edelhölzern und guten steinen für Statuen und Vasen. Al> Zahlung* mittel wurde im örtlichen Verkehr Gerste verwendet, bei größeren Entfernungen und beträchtlicheren Summen das Silber, wobei als Münzeinheit der Sekel galt Diese Momente lassen deutlieh erkennen, dat.! Abraham keines Wegs auf der Kulturstufe der Nomaden stand, als er nach Kanaan kam. Wenn dennoch die Bibel von den Wanderungen des Erzvaters berichtet, auf denen er seine Heiden von Norden nach Süden und wieder nach Norden trieb, >o war dies eben nur vorübergehend not wendig, hi~ eine Niederlassung in einem bestimmten Teile des Lau des sieh ermöglichen ließ. Auch andere Stücke der Abrahamserzählung erhalten durch dii Ausgrabungen in Ur ihre Beleuchtung. Der Ankauf der Höhle Mach pelah geschah nach den Bräuchen Beiner Heimat und mit dem dort üblichen Uelde: Vorgingen wie dem mit Hagar, der Nebenlrau Alna hanis, insbesondere ihrem Auszug aus Abrahams Haus, entsprechen Nachrichten, die in den ausgegrabenen Dokumenten zu lesen waren. So bedeuten diese neuen Entdeckungen eine reiche Fundgrube für unsere Kenntnis jener Vorzeil Israels, Fehlte nur. daß hei den Ausgrabungen auch noch der Name Abrahams oder Beiner Familie be gegnen winde. Woolley selbst meint: ..Es wäre durchaus nicht ei staunlich, wenn auch in gewissem sinne ein Zufall, daß gerade dieser Name -ich fände." Doch es bedarf dieser Entdeckung nicht: Auch dem Zweifler dürften die (hier Mir iu kurzen Iiiuweisen angedeuteten) Feststellungen bestätigen, daß jeder Versuch, die Geschichtlichkeit des Erzvaters zu leugnen, durch die aus der Erde neu gewonnenen Zeugnisse widerlegt i>t. (i.

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