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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-07-04 · 27 (4.7.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
27 (4.7.1930)
Date
1930-07-04
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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taieuiö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das Crmrindcblatt crsdirlnt Jrden lToltag und wird drn Mit gl ledern der KclIglniisgrmciiHU" unrnt({(*lllldi durdi dir Post zuut'Ktt'Ut — S c h r I f t I c 11 u n g : , (■rmrlndcrabblner (»ustav Cohn, Leipzig) Löhrstraßc 10 NUMMER 27 / JAHRGANG 6 FREITAG 4« JULI 10IO AnieigenYerwaltuiii und Druik: lludidriukrri'i Aii«usi PrlML Lehnte, Brtdentr. 59 - Kernrul 70006 - Portsdi( ik l.clp/iK 53920 - Nadidrmk mir mit Quellenangabe und mit Genehmigung dos Verfassers gestattet AUS ABRAHAMS HEIMATSTADT UR A uf dem Boden der modernen Bibelwiseenschaft entstand auch eins Richtung, die «Ii»- geschichtlichen Eraählungen unserer heiligen Bücher in das Boreich der Mythologie verweisen wollte. Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Josel, kurz, alle bedeutsamen Gestalten der biblischen Vorzeit, und viele andere, ja, selbsl Mose wurden als Vermenschlichungen irgendweloher aus der Natur oder der Geschichte oder der Gottesanachauung entnommenen Gedanken angesehen; wirklich lebendige Personen aber seien sie nie gewesen. So hat man beispielsweise in Simson einen Sonnenmythos erkennen wol» len: Simsona Ilaare seien nichts anderes als die Sonnenstrahlen; seine ungeheure Kraft sei VorsUmtichung der durch ihre Strahlen wirkenden Kraft der Sonne. Oder: man hat die Krzvüter als die Verdichtungen des Glaubens an uralte GOtter bezeichnet. Die ungeahnte Bereicherung unserer Kenntnisse Uber die Geschichte des allen Orients hat diese Auffassung gründlich widerlegt, ja, sie führt in ständig wachsendem Maße zu einer Lllustrierung der bibHachen Erzählungen, die diese in ihrer geschichtlichen Zuverlässigkeit mehr und mehr sichert. Dies gilt in besonderer Weise für die (iestall Abrahams. Nicht nur, d a 1.1 Abraham eine geschichtliche Persönlichkeit ist, wird beute von allen ernsthaften Forschen] anerkannt: selbst ilie Kiuzclhcitcn der biblischen Darstellungen aus seinem Leben werden in einem MaUe lebendig, das keiner jener kritischen Kuracher auch nur im mindesten für möglich gehalten hätte. Wie seit fast einein Jahrhundert an den verschiedensten Kulturstätten des Altertums, so hat man aueli in Mesopotamien Grabungen vorgenommen; und wie aus dem Schutt Kulturseugnisae Uber die Hethiter und Aaeyrer und Babylonier ans Tageslicht gesogen wurden, ■o ir-t es auch gelungen, iingewflhnlich wertvolle Entdeckungen der einstigen Stätte der Stadt U r zu machen, die die Bibel als Abrahams Heimatstadt nennt. Man hat Hinblicke in die gante Kultur eines dort herrschenden Volkes gewonnen, dessen Namen Völlig verschollen war. der Sumerer, und ist in die Lage gekommen, heute geradezu ein«- Geschichte des (iebietes von Suiner zu entwerfen, bei der gewifi vieles nur erst geistvolle Kombination bleiben mul.t. «lie aber doch schon eine Külte au TstsichHrhrm aufweist. Diese Elemente einer sumerischen Geschichte sind nun in jüngster /.eil durch die Entdeckung einer ROnigsnekropole in Ur in glückHohster Weise bereichert worden. ('. I.. Woolley, der diese Ausgrabungen an der Spitze «ler Expedition der Univers Uli PennsyWanien und des British Museum «eleitet hat, entwirft auf (irund dieses gesamten Materials unter dem Titel „Vor fünftausend Jahren*4 ein aufschlußreiches Bild (das Buch erschien in autorisierter Übersetzung von Heribert II aBier im Kraiikh'sehen Verlage, Stuttgart, mit 17 Kuiistdrucklafeln, zehn Textabbildungen und einem Geleitwort von Universttätsprotessor Kkkard I nger). Weisen auch viele der Denkmäler auf eine Zeil SUrüek. die um mehr als 1600 Jahre vor Abrahams /.eil liegt, so gehen doch andere jüngere Beste recht anziehende Einblicke in die kulturellen Verhältnisse der Stadt seiner Geburt. In einer Betrachtung, die als eine Ergänzung zu sein..... Buche gellen dar/ (in dem amerikanischen „Menorah-Journai"), werden zudem gerade jene Momente nochmals herausgehoben, die auf Abrahams Zeit Licht fallen lassen. Als Abraham geboren wurde, war das sumerische Boich schon tusammengebrochen (um ükhi v. Chr.). Die Stadt Ur halte ihren Aufstieg wohl um A100 v. Chr. begonnen; noch um 7<to sott Jahre später stand sie in Bifite. Mau hat im ehemaligen Ur einen Begrlbnisplatl entdeckt, dessen älteste (iräber auf etwa :t.">()0 V. Chr. auzusetzeii sind. Dort fand man in Künigsgräberii Totenbeigaben von auserlesener Kunstfertigkeit, und auch che Anlage der (iräber selhsl Beugt von der hohen Kulturstufe der Sumerer jeuer Tage. Bemerkenswert vor allem ist, da II sie die Balltechnik der Säule, des Bogens. des Gewölbes und der Kuppel beherrschten, „architektonische Können, die erst nach 'lausenden von Jahren den Weg in die westliche Well linden sollten". Auf der hohen Stufe der Kultur hatte sich die Stadt bis zum letzten Drittel des :t. Jahrtausends gehalten, wie Gebäude, die aus jener Zeit stammten, beweisen. Aber dann war die Stadt dem Ansturm der Klamilcu erlegen und hatte harte Grausamkeit zu fühlen bekommen als Rache für die Unterdrückung, die sie lauge Zeit ihrer Herrschaft Ober Slam geübt hatte. Von diesem Sturze hat sich Sumer nicht wieder erholt. Aber Rente des Glanses, in dem seine Heimatstadt einst gestanden hatte, waren in Abrahams Jugendseil noch unverändert geblieben. Das imposanteste allei öffentlichen Gebäude, da.- Ziggurat, ein abgestufte) Turm im westlichen Winkel des von der übrigen Stadt abgegrenzten Heiligtums. Am Kulte dos Ziggurat der große Tempel des Mondgottes Nannar: eine ganze Gruppe von Gebäuden, Kultkammern, Speicher, Wirtschaftsgebäude und Kanzleien. Daneben ein „kleines Heiligtum ganz anderer Art. der Tempel Knunmach, dem Nannar tili I seiner Gemahlin Nin-tial gewidmet". Der Moudgöltiii Niu-dal geweiht stand dort noch ein festungsähnlicher Tempel mit hohen Mauern und Ecktürmen. Eine Mauer umscbJofi den ganten Plate, auf dem alle diese Tempel standen. Diesen Tempelbetirk hatte Abraham in seiner .lugend -ländig vor Augen. Und mit ihm das ganze Getriebe des Kultes mit -einen Priestern und Priesterinnen, den Opfern und Weihgaben. Wir wissen nicht, was sein Herz empfänglich machte für das gewallige Erlebnis der Offenbarung des harzigen, der in sich die Macht der Schöp hing und der Leitung dieser unendlichen Wert trägt. Aber es kommt uns jene ..Sage" in den Sinn, die da erzählt, wie Abraham al- Kind

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