Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 25 (20.6.1930)
- Date
- 1930-06-20
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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luni IMO GEMEINDEBLATT DER I8RAELITISCHEN RELIOION8GEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Milien des Chederklndes) veröffentlichen wird. Die ethnograehe Kommission bereitet den ersten Hund Ihrer Veröffentllchundas „Tom-Tauwlm-Buch", vor. das reichet .Material über Festtagsräuche, Purim-Spiele u. dgl. enthalten wird. Das Theatermuieum soeben den ersten Hand des ..Archivs für jüdisches Theater und na" im Umfange von 35 Druckbogen erscheinen lassen. Das Institut vertilgt in is Ländern iiher Abteilungen und Komi i. in Warschau. Berlin und Paris arbeiten wissenschaftliche Korn- -innen des Instituts. In New York besteht eine eigene Sektion, die „Pinkos, Vierteljahrsschrift für jüdischen Kolklore. Philologie, Liiturgeschichte und Bibliographie" herausgibt, von dem bereits das Ite lieft im Druck ist. Die gesamte Tätigkeit des Instituts vollsieht sich in völlig unparischer Weise. Männer der verschiedensten Richtungen, Zionisten, ktsionisten und Neutrale, arbeiten einträchtig am Werke mit. Der leistreil bleibt außerhalb des Instituts: für die wissenschaftliche il sind nur objektive, wissenschaftliche Gesichtspunkte mal! iend. So darf mau sagen, daß die Arbeil «b-s Instituts die gemeinte Plattform bildet, auf der leidenschaftliche deiner einträchtig zummenstehen und zusammenstehen können. Die Arbeit des Instituts hat in den breitesten Schichten des jüdi ien Volkes wärmste Sympathien gefunden. An der Spitze des Kuraiums di's Instituts steht ein Ehrenpräsidium, dem angehören: Prof. Ifiert E I nstein, Prof. S. n u h n o w . Eduard Bernstein (Berl, Prof. Siegmund• Freud, Regierungsrai Dr. B. Wachstein \ ien). Prof. D. Slmonsen (Kopenhagen), Prof. W. Chaftkin iris). Dr. M. Gast er (London). Dr. Ch. Shitlowsky (New >rk), Prof. M. Sapir (Chicago). Daß die Tätigkeil des Instituts ich außerhalb der gelehrten nichtjüdischen Welt Aufmerksamkeit eri hat. wird z. B. dadurch bewiesen, daß die Redaktion von Meyers luservalionslexikon sich unlängst an das Institut mit dein Ersuchen wand! hat. für den Supplementband des Lexikons einen Aufsatz er die Entstehung und Tätigkeit des Instituts abtufassen. Die Tätigkeit des Instituts hat sich so umfangreich gestaltet, «Sali h die Notwendigkeil ergeben hat. in Wilna ein eigenes Institut bände zu errichten, dessen Grundstein Im Oktober 1IW anläßlich p ersten Konferenz des Instituts gelegt wurde, an der über "(I Deierte aus verschiedenen Ländern teilnahmen. Der feierlichen Eri Urning der Konferenz wohnten Uber 1000 Personen, unter ihnen \ e i |er der obersten polnischen Staats- und der Willlaer städtischen!!•• irden, bei. Die Mittel für das Institut sind in erster Linie aus privaten ip n nicht bloß der Vermögenden, sondern auch aus den Erspart --• >r minderbemittelten Schichten, lusanunengebrachl worden. Eine eihe jüdischer Organisationen, wie -loint. ORT, Alliance laraelite i m •rselle. gewähren dem Institut Subventionen. Etwa W polnisch ladtverwaltungen haben Mittel für das Institut in ihr Budget eingeteilt. Auch ausländische jüdische Gemeinden unterstützen die Arbeil les Instituts. So hat unlängst die Berliner Jüdische Gemeinde eine heputende Subvention bewilligt. Wie dankbar auch die Unterstützung anerkannt wird, die das Inlitul bisher gefunden hat, so ist doch die Tatsache festzustellen, daß seine Tätigkell sich so ausgedehnt hat. daß die zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichen. Das Institut zu unterstützen ist Autgabe aller an der Erhaltung und Pflege jüdischen Kulturguts Interessierten auch Innerhalb der deutschen Judenheit, für die das osteuropäische Judentum das unerschöpfliche Reservoir nationaler und religiöser Kräfte darstellt. Im Anschluß an diesen Bericht wendet sicli das Ehrenpräsidium des Instituts an die jüdische Oeffenllichkeit mit folgendem Aufrufe: Das Ehrenpräsidium «les Kuratoriums des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts hält es für seine Pflicht, die grotte jüdische Oeffentlichkelt, die jüdischen Gemeinden, Organisationen und alle Freunde jüdischer Kultur auf die wichtige Tätigkeil des Instituts, des jungen Kindes der jüdischen Wissenschaft, aufmerksam zu inachen. Ks sind jetzt gerade fünf Jahre her. seitdem das Institut begründet worden ist. Aus den bescheidenen Anfängen ist ein lebenskräftiges Werk erwachsen, das in 17 Ländern seine Abteilungen und Stützpunkte hat. Durch seine bisherigen Leistungen, durch die Reihe von historischen, ethnographischen, philologischen, wirtschaftswissenschaftlichen und bibliographischen Schriften, oie es veröffentlicht hat. durch das außergewöhnlich reiche Material an Kullurerzeuirnissen. das es zusammengebracht hat. durch die Errichtung eines eigenen Gebäudes in Wilna — des Hauses der jüdischen Wissenschaft — hat es die Anerkennung der jüdischen und nichtjüdischen gelehrten Welt und die wärmste Sympathie weitster Kreise der jüdischen OelTentlichkeit gewonnen. Institut rettet durch seine Tätigkeit die Denkmäler der jiidii..... Vergangenheit und die Perlen des jüdischen Volksschaftens vor tust und Vergessenwerden. Ks erforscht die jüdische Geschichte, die jiddische Sprache und Literatur. Ks sammelt und bearbeitet das Mab rial zur Erkentnia der Psyche des jüdischen Kindes. — Diese umfangreiche Tätigkeit des Instituts vollzieht sich in freiwilliger Zusammenarbeit jüdischer Wissenschaftler, Aber die Bedürfnisse «les Instituts steigen immerfort. Durch den Mangel an Geldmitteln leidet seine Arbelt. Der Hau des Institutsgebäudes in Wilna kann mangels Mitteln nicht zu Ende geführt \ erden. Es ist «Ii«' Pflicht der jüdischen Oeffentlichkeit, «1er unparteiischen Renschaftlichen Institution, «lie «las Institut darstellt, zu helfen. Das Ehrenpräsidium «les Kuratoriums des Instituts appelliert deshalb an alle jüdischen Gemeinden, alle jüdischen Organisationen der nzen Welt und an alle, denen «lie jüdische Wissenschaft und Kultur I« uer sind, nach Kräften das Zentrum wissenschaftlicher Arbeit in ddisrlier Sprach«', «las Jiddische Wissenschaftliche Institut in Wilna, u sttttsen. Das Ehrenpräsidium des Kuratoriums des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts: Eduard Bernstein (Herlin). Prof. s. Dubnow (Berlin), Prof. Siegmund Freud (Wien). Prof. Edward Sapir (Chicago), Prof. D. Slmonsen (Kopenhagen), Prof. Albert Einstein (Herlin), Prof. W. Chaftkin (Paris). Dr. M. Gaster (London). Dr. Ch. Shitlowsky (New York), Dr. Bernhard Wachstein, Regierungsrat (Wien). Jüdische Verbände und Gemeinden Ks pellt um DeiiNcliland." Gegen «Ii«' Beschimpfungen <l«'r deutschen Juden durch «Ien Ihürlni sehen Minister Dr. Kr ick fand am Sonntag, dem 15. -luni. im Hotel '.immermann zu Bise nach eine vom Landesverband Thüringen «b-s 'entral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstalete P r o t <• s l k u n «I u e b u n g der thüringisc h <• n .1 u «I «• n inter dem Motto ..I) er alte u n «I «I •■ r neue <1 e i a t v o n W «■ i - Ii a r" statt. Ks folgte eine Kundgebung in Herlin am l". Juni 1890 im Herrenaus. Leipslger Straße :t, in «h-r der Vorsitsen'de des Centrai-Vereins, lustitral Dr. Julius Brodniti. R.-A. Dr. Bruno Well, Rabbiner Dr. Meier II i I «I e s h e i m e r . R.-A. Julius Blüth (Kisenach) und Syndikus Dr. Alfred W i e n e r sprachen. Unter «ler Uebersehrifl ..Ks gehl um Deutschland" veröffentlichte Dr. M Qller-Cl a u «lins in der „Central-Vereins-Zeitung" (Nr. '24) ein Vorwort zu «hm Kundgebungen «b's Centrai-Vereins, in welchem es heifit: Lassen wir beiseile, was aii den Frirkschen Schulgebeten nach Ursprung, Tendenz. Gehalt mit dem Antisemitismus zu tun bat Diese merkwürdigen Qebetsformulare nennen den Juden nie, und wenn sie ihn dennoch meinen, so sind sie Gegenteile germanischer Gottesauffassung und Gottesanbetung: «Ii«' Germanen haben ehrlich gebetet. Sie haben vor Gottes Ohr genannt und nicht zweideutig umschrieben, was sie meinten. Aber wir sehen ganz davon ab, was zwischen den Zeilen gemeint ist. Wir lesen sie ohne Hintergedanken, ganz unparteiisch mit den Augen «les gesunden deutschen Menschen — und dann erst steigt uns das Blut in den Kopf. Vor Scham. Und vor Zorn. Ks ist aber der Zorn, den wir fühlen, wenn ein Mensch die Ehre der Nation schändet. Die Scham, «Ii«' uns quält, wenn Menschen, die Schmachvolles tun. sich obendrein überlaut als Repräsentanten des deutschen Volkstums anpreisen. Drei von «Ien fünf Gebeten liehen um Befreiung von Betrug und Verrat. Welche Anklage liegt in diesem Anruf! Welche SelbstanklageI Welches Kingestiitidiiis vom tiefsten sittlichen Elend des Volkstums, «las da verzweifelt vor Gott jammert über Betrug und Verrat, der es „terriß und vernichtete", und «Ii«' Strafe von Gott dafür herabfleht. Welch ein unseliges Bild soll da in die ratlosen Seelen der Kinder eepflanzl werden welch «'in Minderwertigkeitsgefühl von der deutschen Nation und dem deutschen Volkstum, «las hilflos, kraftlos, ohne Aufgebot «l«"r Qegenenergien, die in jedem gesunden Vo.kstum naturnotwendig hervorbrechen und den Volkskörper von denen befreien, die Betrug und Verrat üben wollten, sich verraten uu«J betrügen likUt