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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-06-13 · 24 (13.6.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
24 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite I (! KM EIX DE Ii LA TT DKI! ISRAKLITISCHKX RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Numme 24 Gemeindesitzung vom 5. Juni 1930 (Nach der amtlichen Niederschrift.) Gemeindevorsteher Ooldschmidl eröffnet die Sitzung um 18,20 Uhr.!. Da die Sitzung "'"'Ii nichl beschlußfähig ist. so wird zunächst Punkt -' der Tagesordnung behandelt: Entsendung von Vertretern in den zu bildenden Jugendauschuß. Der Vorsitzende verlies! eine hierauf bezügliche Eingabe des Jüdischen Jugendringes, die zunächst zu einer Besprechung mit Vertretern dos Jugendringes geführt hat. Zufolge diesei Besprechung wird der Jugendausschuli sieb aus dem Führerrai und dem Leiter des Jugendringes und zwei Vertretern der Gemeinde zusammensetzen. Letztere sind zu allen Sitzungen eineinzuladen, ihre Anwesenheit und Zustimmung ist notwendig, wenn Uber von der Gemeinde zur Verfügung gestellte (leider Beschluß ge- (afil Ueldell soll. Herr ii et tlieti sprich) sich für ein reges Zusammengehen mit der Jugend aus. Es sprechen hierzu noch die Herren Tump o\\ s k y, K a u i m a ii ii. s e l i n g e r. sämtlich in befürwortendem Sinn. Durch Zuruf werden als Gemeindevertreter in den zu bildenden Jugendausschuß die Herren Dr. Zander und Dr. Pietrkowsky gewählt. Inzwischen ist die Sitzung beschlußfähig geworden. 2. Die Steuerordnung wird im gleichen Wortlaut wie die vorjährige beschlossen, es ändern sich nur die Jahreszahlen. 8. Ks folgt die Mitteilung, daß Herr Lehrer S c Ii e r esc Ii e w S k y angestellt worden ist und sein Ami angetreten bat.!. Der Vorsitzende gibt bekannt, daß heute abend zur Beratung des Haushaltplanes noch eine Sitzung des Finanzausschusses stattfinden soll, doch fehlen verschiedene Mitglieder desselben. Die anfänglichen Bedenken verschiedener Gemeindevertreter, unter solchen Umständen eine Sitzung stattfinden zu lassen, werden durch den Vor- Aus aller Welt Liii zweite« jüdisches Frauenbad in Warm*. Als vor kurzem die Spitzhacke an zwei kleine Häuschen der Hin leren Judengasse, dicht neben der alten Synagoge in Worms gelegt winde, ahnte man nicht, daß unter dem hohen, bisher unzugänglichen Keller des einen Hauses eine Anlage gefunden werden sollte, lie geeignet ist, neue- Licht auf die Geschichte und Verhältnisse der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in Worms zu werfen. Unter dem alten tonnengewölbten Keller wurde ei.....lern Wormser jüdischen Frauenbad gleiche, ihmetwakleinere Anlage gefunden! Vinn Fußboden des Kellers, der wohl als Vorraum zum eigentliche Badenchachl anzusprecehen ist. führ! eine Uberwölbte steinerne Treppe in die eigentliche Badeanlage, einen Schacht von etwa sechs Mete, Höhe, hinab. Die einstige Wasserstelle der Boden dieses Schachtes i-t ein Quadral von 1,40 Lim Meter und heute natürlich nusgetrocknet. hie großen Quadern der unteren Bauteile lassen vermuten, daß auch diese Anlage der Kern einer römischen Zisterne i-t. die im Mittelalter zu rituellen Zwecken ausgebaut wurde. Merkwürdig bleibt, dat.; die schweren Quadern auf dem Grunde des Badeschachtes auf rtarke Holzbalken gebettet sind, die wieder ihrerseits auf Sand liegen. Auf dem Gründe der Anlage befinde! sich ein kreisrundes, ebenfalls mit Holz abgesteiftes Bassin. Vermutlich der Behälter für da- Quell- und Grundwasser. Die Sole de- Badebefinde! -ich etwa 12 IS Meter unter dem Pflaster der Gasse. Interssanl i-t. daß gich in dem abgebrochenen Hause seit altersher eine Badeanlage im Besitz der jüdischen Gemeinde befand, die alte Tradition also u i e in a l - unterbrochen wurde. tusstellaag jüdischer Kaltgeritc in München. Der Verband Bayerischer Israelitischer Oe.....Inden veranstaltet gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde München anläßlich se.....- zehnjährigen Bestehens gelegentlich der diesjährigen Tagung am 29. und 80. Juni in München eine „Ausstellung jüdischer Kultgeräte und Einrichtungen für Synagoge und Haus" Die Ausstellung, die von e iner Reihe bayerischer Gemeinden und zahlreicl..... Privatpersonen beschick! werden wird, soll das sitzenden des Finanzausschusses, Herrn ßreslauer, behoben. ii die fehlenden Mitglieder des Finanzausschusses werden die Hei n Kestenbau in, Pf ef ferblüth. Lustig und Kautma n als Ersatzleute gewählt, so daß die Sitzung stattfinden kann. ."). Herr Dubiner stellt eine Anfrage in Sachen der Darlel - Kasse. Der Gemeindevorstand hat es nämlich für richtig gehall n, angesichts der Geldknappheit der Ge.....inde im Einzeltall Im i höheren Darlehen als 500 Mark zu gewähren. Herr Dubin i bittet, diese Bedenken zurückzustellen, und verweist auf an. Gemeinden. Herr Gottlieb betont eleu hohen Nutzen der Darlehnski •<• und bittet, die Maßnahmen des Vorstandes nur als eine vorül gehende anzusehen. Gerade die Nehmer von größeren Darle n hätten erfahrungsgemäß die größten Schwierigkeiten mit der IL t. Zahlung, es rei deshalb wohl in deren Interesse, zurückhaltend zu - i, Herr Tumpowsky bittet, im Anschluß an eine Anregung Herrn Dubiner, gerade mit Rücksicht auf die Wirtschaftslage \ r- Ubergehend der Darlehnskaase größere Mittel zuzuführen. Herr K st eu hau m tritt diesem Standpunkt bei. Herr Gottlieb sag! zu. daß in jedem einzelnen Kall individi i verfahren werden wird, und daß eine Schädigung der Darlehnsnehn i nicht eintreten wird. Ks foltri noch eine Aussprache über den Vorschlag, der |> lehnskasse neue Mittel zuzuführen, um die Darlehen erhöhen i können. Herr Seiinger unterstützt diesen Vorschlag in eingehenden Ausfuhrungen. Herr Dubiner wird die Angelegenheil zunächst noch einmal in der Darlehnskoinniissiou vorbringen U I behält sich danach einen Antrag vor. Die Sitzung wird 19^0 I hr geschlossen. Ks folgt eine nichtöffe liebe Sitzung. Interesse weiterer Kreise auf ein Kun8tgebie! lenken, das bishei Bayern noch wenig Beachtung gefunden hat. obwohl es viel des Int. essanten biete! und in seiner Art geeignet ist. die Beteiligung d i .luden am allgemeinen künstlerischen Leben auch iii früheren Zeit darzutun. Der jüdische Kultus, der in besonderer Weise die M Wirkung dos Einzelnen am religiösen Lehen der Gesamtheit beding bietet trotz der Einfachheit seiner meist schmucklos gehaltenen Bi räume doch mannigfache Gelegenheil zur Betätigung von Künstle und Kunsthandwerkern. Besonders diese haben in der Gestaltu der im öffentlichen wie im häuslichen (ioltesdiensto verwendet- Geräte und Einrichtungen vielfach ein so starkes Können und ein. so sicheren Geschmack bewiesen, daß ihre Arbeiten heule um trotz der Begrenztheit ihrer Darstellungsmittel allgemeine Beachtui verdienen. Die Ausstellung wird im Saale der Gesellschaft Concordi Prannerstraße 4. stattfinden und voraussichtlich Ende Juni eröffn werden. Nähere Mitteilungen werden noch ergehen. Jabiläamstagaag de- Vereias zur Abwehr des Aatlsemitlsmas München. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt seine Jub läumstagung anläßlich seines 40jährigen Bestehen in München ab. Zustiinmungskundgebungen liefen aus allen Teil« des Reiches ein. so u. a. vom Bamberger Erzbischof D Jacob von Hau c k, vom Vorsitzenden der Reichstagsfraktion di Bayerischen Volkspartei, Prälat Dr. Leicht, von zahlreiche Universitätsprofessoren, Stadthäuptern, Pfarrern u. a, m. Die Versammlung faßte die folgende Entschließung: ..Im Anl semitismus sehen wir eine Verletzung der sittlichen Idee des ('In Stentums, der (ioriThtigkeit. der Wahrheit, und eine (iefahr für de Bürgerfrieden im Inland und für das deutsche Ansehen im All land." Die Begrüßung des Erzbischofs von Ilauck lautet: „Jederzei habe ich gegen ungerechtes und liebloses Vorgehen gegen die jüdisch' Religion wie gegen die jüdischen Mitbürger Stellung genommen um mir die Anerkennung der jüdischen Gemeinde dahier wie der bay< rischen Judenschaft verdient."

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