Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 24 (13.6.1930)
- Date
- 1930-06-13
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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i ini 1030 QEMBINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN HKLIfilONSfiEMRINDE ZU LEIPZIG Seit« 3 ,i n, um so bessere und stolzere Deutscht', BOrger <ler deutschen |, H.Iii; sein. Auel) derart dienen wir uleichzoitig unserer engeren v, unserer weiteren Gemeinschaft. Wir erreichen noch ein anderes. Seil einem Jahrhunderl und haben sich die Kesten des deutschen Judentum! redlich bemUht, I Teil von uns der produktiven Arbeit als Handwerker und Land- |, EUIUlenken. In städtischen Vereinen Wie In Landschulen sind , grofle Menge von auageielohneten Kräften herangebildet worden, |r irinnere nur an Ahlem, aber allzu oft hat sich gezeigt, dafl wir für ,l Kräfte keine Stätte finden konnten, wo sie in Freiheit und gi stindigkell ihrem selbstgew&hlten Beruf, ihrem geliebten |! if leben konnten. Solche Stätten bereiten wir ihnen jetzt. Und I, n dadurch nicht nur ihnen selbst zu dem Ziele, das ihnen und lizeitig der Gesamtheit seihst nützlich ist, sondern erreichen auf vi höherer Ebene das Ziel, das jene Männer der früheren Generali sich gesteckt hatten. Denn wir bilden in jedem selbständigen II Iwerker, Hauern und Gärtner einen Meisler heran, unter dessen! uns; die junge Generation dem gleichen Ziele entgegenreifen kann. \ Ii auf diese Weise kommen wir dem letzten höchsten unserer / vke näher, in das deutsche Land möglichst viele gedeihliche Elei le, wirkliche Bürger im besten Sinne des Wortes zu pflanzen. denen nach unserem Wunsch und Willen möglichst viele unserer •ien Gemeinschaft angeboren. Ich glaube, dafl das Ziel jeden Juden und jeden Deutschen Ii. [eisten kann, und hin sicher, daß der von uns hier beschritten!' \ \ der kürzeste und beste, ja, geradezu der einzige zu diesem Ziele Seit einem vollen Menschenalter habe ich alle Kraft und Leiden all diesem Gedanken gegeben; zuerst verspottet, habe ich ihn v ithin zur Anerkennung der Fachmänner und mit Hilfe meiner Ii gebenden Freunde Salomon Dyk und Otto .lackisch auch so weit /i Vollendung geführt, wie die geringe Macht privater IVrsnnlichk. len reicht, .letzt sehe ich, lichter und lichter, die Morgenröte meiner Zeit am Himmel aufschimmern, der Zeit, in di r ich. ein glücklicher Mensch, im Geist schon immer gelebt habe. Ich werde den vollen Tag nicht mein erleben; noch kein Muses hat selbst ins gelobte Land einstehen dürfen; eimußte zufrieden sein, es von fernem Berge her im Umriß zu erschauen. Aber auch das bedeutet neues Glück! Ein freies Volk auf freiem Grund! Ks wird werden, und Dank und Preis jedem, der in seine Reihen tritt, und auch jedem, der es zum friedlichen Kampfe ausrüstet. Wir haben getan, was dein einzelnen selber Irgend KUgemutet werden kann, wir und in diesem Kalle die Männer, die der jüdischen Landarbeit zu diesem ersten Erfolge verholten haben, .letzt ist es an der Sache der Öffentlichkeit, den von uns bereiteten Samen auf weiteren Feldern auszustreuen. Dafl die deutsche Öffentlichkeit ihre Aufgabe begriffen hat. habe ich schon gesagt; Staat und Reich beweisen, dal! sie das Ziel annehmen und den Weg billigen. Ich holte mit aller Bestimmtheit, dafl die jüdische Öffentlichkeit nicht zurückbleiben wird. Ich sprach von der Heerschaar. die zum friedlichen Kampfe auszieht, um. mit dem schönen Wolle des verehrten Rabbiner Dr. Itaeck. die Erde gröfler zu machen, indem wir sie mit dem menschlichen Gedanken, dem Gedanken der Menschlichkeit, so verstehe ich es, verbinden. Zum Krieg führen aber, jetzt zitiere ich meinen hochverehrten allen Freund, Justizrat Timendorfer, gehört Geld. Geld und noch einmal Geld. Wir haben in redlicher Arbeit unsere Zeit, unsere Arbeit, und unseren Geist eingesetzt, unsere Siedler werden ihren Schweif! und alle Zähigkeit des Leibes und der Seele einsetzen. An dem weiteren Kreise unserer Glaubensgenossen ist es, den Kriegsschati aufzubringen. Um dieses Mal einen Nichtjuden anzuführen, so sagen wir mit Lord Nelson: ...Inda erwartet, dafl jedermann seine Schuldigkeit tue." AUFRUF! Die schwierigen Verhältnisse unseres Vaterlandes erfüllen uns mit ernster Sorge. Die Angehörigen des Kaufmanns- und Handelsstandes und seihst der geistigen Berufe, zu denen wir Juden gemäß unserer /wangsweisen, geschichtlichen Entwicklung in Deutschland vorzugsweise zählen, ringen schwer um ihre Existenz. Selbstmorde und Geburtenrückgang sind die schrecklichen Meilensteine dieser Entwicklung, die den Bestand des deutschen Judentums auf das ernsteste gefährden. Nur, wenn es uns gelingt, einen Teil unserer Jugend wieder produktiven Berufen und dem Lande zuzuführen, können wir den Untergang des deutschen Judentums aufhalten. Was wir als die Aufgabe einer jüdischen Siedlung in Deutschland ansehen, gehl über eitie Wohlfahrtsaktion weit hinaus. Wir verstehen darunter eine großartige Maßnahme, die den Juden einen gebührenden Anteil an der so notwendigen und vom Reich und den Staaten geförderten inneren Kolonisation in Deutschland sichern soll. Durch Erwerb und Inbetriehnahme des für unsere /.wecke geeigneten Gutes Groß- Gaglow bei Kotthus ist nunmehr der Zeitpunkt gekommen, an dem w ir an die Öffentlichkeit treten und von dieser verlangen, daß uns für Siedlung jüdischer Gärtner und Bauern auf deutschem Boden von der gesamten deutschen Judenhcit die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Wir fordern alle Gemeinden, Organisationen und Vereine, sowie jeden Einzelnen unserer Gemeinschaft ohne Rücksicht auf seine Einstellung auf, an diesem Werke mitzuarbeiten, da von dessen Gelingen auch die Zukunft unserer Kinder abhängig wird. Ungeachtet der täglichen Anforderung erwarten wir, daß jeder Jude das Gebot der Stunde erfaßt und so zur Erhaltung des deutschen Judentums beiträgt. Werdet Mitglied unseres Hundes! Sendet Beiträge nach den Verhältnissen jedes Einzelnen auf unser Postscheckkonto Berlin f08383. Rcichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland E.V. Berlin W 15, Kurfürstendamm 200.