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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-06-13 · 24 (13.6.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
24 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Juni 1980 (iEMEINDEBI.ATT I>RIi ISRAELITISCHEN RELIC.IONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite B Qeheimer Hotrai l>r. Jur. ei phil. Lujo Brentano, Professor der Universität Mttnchen, sandte eine Regrüfiung, in der es beifit: las Fremdtum Innerhalb dos deutschen Volkes mufi authören, wenn Volk wieder aufkommen soll. Das kann aber weder durch rsiirhe. die Rassenreinheil herzustellen, erreich) werden, mich kva, indem m:in einen Teil der Intelligentesten Bevölkerung Deutschiida su dessen Feinden macht, indem nun etwa, dem (ruher mssihen, jetzt ungarischen und polnischen Beispiele folgend, einen merus clausus für jüdische Studenten an den Universitäten oder jüdische Professoren auf deren Lehrstühlen einfuhrt. \V;is uns I tut, isl Einheit des Fuhlens und Denkens. Sie kann nicht erichl werden. Indem wir dem Beispiel in der Kultur rückständiger älker, sondern dem derjenigen folgen, deren Stärke es Ist, dafi sie irch gerechte Behandlung der in ihrer Mitte wohnenden .luden re gesamte Bevölkerung In eine einheitlich fühlende Nation verh.....Isen haben. In England isl Disraell nicht der einzige jüdische inister geblieben; dort hat man einen .luden sogar zum Vizekönig im Indien gemacht. In Frankreich linden wir seit der großen Reilution -luden vielfach tonangebend in Gesellschaft und Politik. In II Vereinigten Staaten ist Ihr Eintlufl außerordentlich groß In eutschland dagegen hnt die in den letzten Dezennien aufgekomene Antisemiten-Bewegung wesentlich dazu beigetragen, jene utschfeindliche Stimmung hervorzurufen, unter der wir zur Zeit, 1 der Krieg ausbrach, so sehr gelitten haben und welche noch heute westlichen Nidker mit Mißtrauen auf d;is deutsche \„lk blicken iiOl . . . Iis ist nicht daran zu denken, daß die westlichen Völkei 1111 Wiederaufbau des Deutschtums die Hund reichen, solange man 1 diesem die Inkarnation von Gewalttätigkeil gegen andere Völker blick) . . . Das restlose Aufgehen der Juden in der deutschen levölkerung ist die einsig mögliche Lösung der Judentrage." Qeheimral Dr. Kurl Voßler, Professor an der Universität innchen. schreibt: „Das Gefühl, dal) etwas Niedriges und Rohes im Antisemitismus steckt, Isl mir zum ersten Mal in diu Knabenjahren iiigegangen, als ich sah, wie ein grundgutmütiger Jude, der einsige I unserer Klasse, zuerst von einigen Wenigen und schließlich von ■Ii meisten verlacht, gefoppt lind gequält winde. Später lernte rh die feineren Gründe und Ideologien kennen, mit denen der Anti- •mitismus sich ein kulturpolitisches Ansehen gibl . . . Für mich ils NichtJuden hal die Judenfrage nur diese eine Beunruhigung: ,\ie werden wir die Schande des Antisemitismus los? Für das Übrige ollte mau. scheint mir. die .luden seihst sorgen lassen. Ihnen obiegl es. zu dem kulturellen Leben im deutschen Volke, zu seiner ieschichle, zu seinen Erinnerungen und Hoffnungen das richtige Verhältnis su rinden . . ." Jüdische Verbände und Gemeinden m unter sriralllcher Verbandstag ies Zeatralverbaadet IMiseher Handwerker Deatseklaads. Der 9. ordentliche Verbandstag des Zentralverbandes Jüdischer landwerker Deutschlands, Sit/. Berlin, wurde vom 25. 27. Mai 1980 II Köln abgehalten. Aus allen (lauen Deutschlands, aus Berlin, Breslau, Dortmund, Düsseldorf. Essen, Hamburg, Hannover. Leipzig, Mainz. Mannheim und Wiesbaden waren Delegierte in großer Zahl irschienen, während sieh Beuthen, Dresden. Fürth, Karlsruhe. Krefeld und Nürnberg vertreten Ueßen. Von den dem Weltverband jüdicher Handwerker angesrhloeseneu Landesverbänden waren Delegierte aus Polen. Rumänien und Belgien anwesend; die Verbände rschechoslowakei, Lettland, Litauen und Palästina sandten Sympathiesch reiben. Eingeleitet wurde die Tagung durch einen öffentlichen Festakt, der außerordentlich stark besucht war und sich zu einer 'indrurksvollen Kundgebung für die Ideen des Verbandes gestaltete. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Köln, der Repräsentant Louis Goldberg, betonte nach Begrüßung der Anwesenden den Willen des jüdischen Handwerkerstandes, am Wiederaufbau des Vaterlandes tat kräftig mitzuarbeiten. Der Verbandsvorsitsende Glaser.....isier Wil liehn Marcus. Berlin, wies in seiner Eröffnungsrede zunächst auf die außerordentlich erfolgreiche Tätigkeil der Ortsgruppe Köln, die vor allen Dingen auf die aufgezeichnete Führung ihres Vorsitzenden Eurückzuführen sei. hin. Seil Jahren weinen wir uns dagegen und suchen einen Ausweg, um den jüdischen Mittelstand nicht weiter ins Proletarial herabsinken zu lassen. In rein handwerklichen Fragen trennt uns nichts von den übrigen Handwerkern; Schultet au Schul ter kämpfen wir mit ihnen für eine Bessergestaltung der Lage im Handwerk. Dennoch gebrauchen wir die religiöse Absonderung, weil neiien den beruflichen auch rein jüdische Interessen wahrzunehmen sind, bei deren Vertretung uns das Wohl des V aterlandes an erster stelle stellt. Wir sind uns darüber Uhu. daß alle Teile der Bevölkerung im Existenzkampf gleich schwer zu ringen haben, die Nol trifft jedoch die jüdischen Kreise durch den wirtschaftlichen Umschwung besonders schw er. Die jüdische Handwerkerbewegung tritt seit Jahren für die ßessergestaltung der wirtschaftlichen Lage des jüdischen Mittelstandes ein. Wenn ein gewisser nicht unbedeutender Erfolg durch L'ooii.'nete Maltliallliieu liereits erzielt wurde, so ist dieser nicht zuletzt auf die Initiative und die Tätigkeit des Verbandes und seiner V ereine zurückzuführen. Von Tagung zu Tagung sind wir etappenweise vorwärtsgekommen und haben die Hoffnung, daß wieder einmal die Zeit kommen wird, in der auch der jüdische Handwerker und Mittelständler die Frucht seiner Arbeit in Friede und Ruhe genießen kann Möge der 9, Verbandstag dazu beitragen, uns diesen Zielen wieder ein Stück näher zu bringen im Interesse des Deutschtums, des Hand werkerstandes und des Judentums. In seiner großangelegten Rede wies der Vors. des Herliner Handwerkervereins Tapezierernieister I, ouIs W 0 I f f auf d i <• I! ed e u 1 ung eines stark e 11 j ü d 1 sche n M i 11 e 1 sta n d e s für das gesamte Wirtschaftsleben hin und ging dabei von den grundverschiedenen Bedingungen zwischen den Verbandstagen 1918 und V.YM). die beide in Köln stattfanden, aus. Die furchtbaren Folgeerscheinungen der Kriegs und Nachkriegszeit kennzeichnen unser Schicksal, das man mit Resignation nicht meistern kann, sondern Schicksal und Zukunft müssen aus dein liefen Horn von Glauben und Hoffnung geschöpft werden. Die Verbundenheil des jüdischen Handwerkerstandes mit Heimat, Volk und Vaterland müsse sich nicht nur gegen äußere Gegner, sondern auch gegen unverantwortliche Hetzer im Innern, auswirken. F's gehöre »rotier Optimismus dazu, au eine sittliche Wiedergeburl in den wenn auch dünn gesäten völkischen Schichten zu glauben, die mit Gewalttal und Verleumdung gegen die .luden, ihre Arbeil und ihren Glauben vorgehen, ohne innere Gleichberechtigung, gegenseitige Achtung und inneren Frieden könne aber Deutschland nichl mehr zur Geltung kommen. Heute führt auch der Mittelstand und insbesondere der jüdische einen Versweitlungskampf um sein wirtschaftliches Bestehen, besonders gegen das Eindriniren der öffentlichen Hand in die Privatwirtschaft. In diesem Wirtschaftskampf des jüdischen Mittelstandes haben die Religionsgemeinschaften die Pflicht, die Kraft ihres ethischen Wirkens auch in der Gestaltung der Grundsätze für die wirtschaftliche Betätigung zur Geltung zu bringen. Nach.diesen mit lebhafter Zustimmung aufgenommenen Ausführungen nahmen die eingeladenen Vertreter das Wort. Im Namen des Rabblnats und zugleich für den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund sprach Herr Rabbiner Dr. Kober, für den Gemeindevorstand dessen Vorsitzender Herr Blumenau (Ehrenmitglied «I. Ortsgruppe Köln). In Vertretung des Regierungspräsidenten brachte Herr Regierungsrai Knopp zum Ausdruck, daß der Staat heute im G e (I e 11 s a t 7. z u f r ü h e r e n Zeilen die Mitarbeit des .ludout 11 ms begrüße. Im Namen der Stadt sprach für den Oberbürgermeister Herr Stadtdirektor Krämer. Besonders herzliche Worte fand der Präsident der Handwerkskammer Köln Herr Stadt verordneter Weiter, ihr das glänzende Einvernehmen 7. w Ischen d e n j ü d I sc Ii e n II a u <l w e r k e r n u n d i Ii r e u a u - de rsgi ii uh I g e n K Ol 1 e R e n besonders hervorhob und das V o r - urteil gegen jüdische Arbeil für überlebt erklärte. Für den Verband Kölner Innungen sprach dessen Vorsitzender Obermeister Pesch zugleich im Namen der zahlreich anwesenden Innungs- Obermeister; füi das israelitische Lehrlingsheim Den Dr. Caro, für d i e I! e r 11 f s s c Ii 11 I e 11 Herr Direktor Malzkorn, für die G r 0 B - löge Herr Dr. Nathan, im Namen der gesamten Fr au enor ga n I - sa t i o 11 e 11 Frau Dr. Tarn, für die Gesellschaft <> I! T Herr Dr. Traut», für den Cent ral-Ve rein deutschet Staatsbürger jüdischen Glaubens Herr Roßberg, für den ^_ ^_ _ — — ^mmmammm^ ^_ mmm _ _ _ _ m lmm~ _ ^■«w JBZSB SB ' ■V^^km^r mm B Am\ Mm m f M ■ Wm Mm BT "* Mm mmr um/ jbffriVaf Mm M kW^ATw - m m\ uAI | #1 u..... Bi%mMäm Iru MF! mCMntwiM O IM äct^

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