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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-06-13 · 24 (13.6.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
24 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seit« :> GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Die Zusammenhänge >ind völlig klar, und so llegl auch der Weg der Hellung ebenso klar vor uns. Wir inflssen die deutsche Volkswirtschaft In Ihr Gleichgewiehl in rüeki 0 |, |,. ii, u n ,i ,ia iu glbl ea n ur eIn eInaigei Mittel; <i i e S i «■ d i ii n im größten Maßatabe uud im ichnellaten Schritt m a ü f. Soviel wie niöglicfa aul den Flächen dea heutigen großen Grundeigentums kleine und Mittelbauern und Gärtner verwuraeln; damit schallen wir den üewerben den Binnenmarkt, ohpe den sie nicht bestehen können, einen Markl von riesigstem Umfange und gewaltigster Kaufkraft, den 'Ii'' Handelspolitik fremder Staaten nichl stören, und ihre Kriegspolitik uns nicht neh.....n kann, emansipieren uns gleichzeitig von «Irin gefährlichen Kampf um die Weltmarkte, heben durch Verminderung der Konkurrent den Lohn der Arbeiterschaft und geben gleichzeitig der Industrie die Möglichkeit, ihn au beaahlen und sich dadurch eine Erweiterung des gleichen Binnenmarktes von noch größerer Bedeutung zu sichern. Wir vermindern und verhindern xuletzl den übermäßigen Zustrom in die großen Städte, und geben ihren Verwaltungen dir Möglichkeit, Bich in jeder Beaiehung au sanieren, die Slums und mit ihnen die gefährlichsten Teile der Prostitution und des Kriminalismus zum Verschwinden au bringen, durchgreifende Hygiene zu treiben, und geben ihnen gleichseitig die Mitte] dazu in die Hand. Denn unter der Wirkung dieaer Umwälzung wächst die Steuerkrafl ihrer Bevölkerung, während gleichseitig «Ii«' riesenhaften Ausgaben für Kranken- und Irrenhäuser, für Sicherheitspolizei uaw. usw. einschrumpfen. Und sei gibt dir Idol»' Absicht, viel mehr Menschen zu produktiver Arbeil auf eine gegebene Fläche zu bringen, .Ii" Möglichkeit, dafür einen Preis anzulegen, den kein anderer wagen darf. Wir dürfen dabei nichl vergessen, «laß überall dort, wo eine Dorfschaft entsteht, sich gani selbstverständlich den Bauern und Gärtnern Handwerker, Gewerbetreibende und Auaübende freier Berufe zugesellen, dl'' nur durch ihre Anwesenheit den Bodenwert noch weiter erhöhen. Diese Bewegung Btehl noch in ihren Anfängen. Jeder neue Ver- Buch bedeutet einen Fortschritt und «•in großes Verdienst um das deutsche Volk. Denn swar Bind ineine ersten Versuche als vollkommen geglückt anerkannt. (Nebenbei gesagt hat sich diese Anerkennun soeben in di r erfreulichsten Weise darin ausgesprochen, daß der preußische Staat sich mit einer halben Million Mark an der von mir begründeten Gemeinnütsigen Siedlunga-Treuhand-GeaellBchall beteiligt hat.) Aber noch sind wir im Versuchsstadium; wir haben noch viele Erfahrungen über Betriebsform und Menachenbehandlung zu machen, je nachdem wir Boden und Menschen verschiedener Art unter die Hände bekommen. Daß jeder unserer Versuche glücken wird, steht mir und meinen Mitarbeitern dabei außer Zweifel. Aber es kommt ja nicht nur darauf an •■ituMi Erfolg Uberhaupt, sondern das 11111 i in ii in des Erfolges berauszuwirtschaften. Damit habe ich bezeichnet, was der neue Versuch, den der Reichsbund für j Q d i ■ e he Sl e d I u n g jetzt auf G roß-Gaglo w beginnt, für das deutsche Volksganae bedeutet: ein neues Modell für eine Bewegung, die sich ganz bestimmt in kuraer Zeil in größtem Maßslabe ausbreiten wird und zu dem Zwecke die <iewit.th.-it ihrer Mittel und Ziele haben muH. die ihr echter Bürgersinn in Ver suchen solcher Art erringt. Echter Bürgersinn begnügt sich nicht damit, um das vorgeschriebene Mindestmaß an seine Gemeinschaft zu leisten, sondern Btellt Bich freiwillig und opferfreudig Aufgaben über die nackte Pflicht hinaus. Wir dürfen Iroh und glücklich Bein, daß wir damit gleichseitig auch alle wohlverstandenen Interessen unserer engeren Gemeinschaft ebenso entschieden fördern, wie das p schon aus der einhelligen Zustimmung der bedeutenden Repräsentanten aller Richtungen des deutschen Judentums bei der QründungsVersammlung im ehemaligen Preußischen Herrenhaus des Reichsbundes für jüdische Siedlung und daranhervoiL'eiit. dali alle großen deutsch jüdischen Korporationen die Einladung zum beutigen Tage unteneichnet Indien. Indem ich ineine große Freude über diese eindrucksvolle Einigkell des deutschen Judentums ausspreche, mag mir diese Einigkeit als ein weiterer Beweis für die Richtigkeil unserer Qrundauftassung und unserer Zielsetzung dienen. Was h a i das Judentum im allgemeinen und den Ische Judentum Im besonderen von der jü j. s c Ii e ii S i e d I u ii g z u e r w a r I e n u n d l u erhoff e n? Nun. auch unsere besondere (iemeinschaft hat durch die reiße de Verstaatlichung, die Vergroßstadtlichung der Bevölkeruni; schwer ,.. litten, in jedem möglichen Betracht. Die Hauptmasse der jiidis. „ Bevölkerung lelile, bevor, etwa Ende der tidiger Jahre, der verhi g. niavolle Zug in die Großstadt einsetzte, in kleinen Städten und \ |. fach in Dörfern, liier entfaltete sich ein reiches traditionserfüll •„. gesundes Geineindeleben; hier war der Mensch der Natur noch ii. aar vielfach noch Landwirt uud Viehhalter, und wohl jede Kau h halle einen Garten, den sie seihst bearbeitete. Hier wuchs eine I lieh und leihlich gesunde Menschheit heran, die auch uns gebon n Großstädtern noch für eine Generation oder mehr von der Kraft „i Zähigkeit ihres Körpers und Geistes, von der Achtung für die men hliehe Verbundenheil und die sittlichen Gebote vererbte. Ich r| hier mit hoher Dankbarkeil meiner eigenen gellebten Eltern geden n, die beide Kinder der Kleinstadt und als Milche von dieser Art i Geistigkeil und Körperlichkeit waren. Hier sprudelte der Quell i Verjüngung auch für die Judengemeinden der größeren städle, lie ja freilich im Anfang fast durchaus noch kleine Städte im Lichte i heutigen Auffassung waren. Hier fand die jüdische Tradition, ie jüdische Religion, die jüdische Eigenart und das Volkstum si ie Pflege. Das ist schmerzlich anders geworden. Ks gibt Forscher, aus ihren Ziffern herauslesen wollen, daß das deutsche .luden! m zum Verschwinden verurteilt ist. zur spurlosen Auflösung der kleil n innerhalb der großen (iemeinschaft. Wir wollen nicht darüber sti i ien, ob das recht oder falsch gesellen ist; sehen wir doch rings II uns herum eine starke Renaissanz des jüdischen Bewußtseins, i id gerade in der Jugend, die ja die Zukunft trägt Aber daß ein Pro in der Richtung besteht, läßt sich nicht leugnen. Und wer, wie » ir alle, die Zukunft der Menschheil nicht als ein graues Einerlei si. I. sondern als ein reich besetztes Orchester, in dem jedes Volk 6 in besonderes Instrument mit Meisterschaft spielt, der hat den Wim h, daß Judas Harfe darin nicht fehle. Qroß-Gaglow wird die erste ii ie jüdische Landgemeinde sein, die wir schaffen, und in ihr wird, w hoffen wir. jüdisches Leben neu erblühen, wird eine neue Wiege 6 n für Menschen von gesundem Leibe und gerader Seele, die ihi Ii Volkstum und ihrer Religionsgemeinschaft zur Ehre gereichen werdi n. Daß wir es unseren liehen Antisemiten jemals recht macl n können, ist natürlich unmöglich; sie betrachten es im Gegenteil la den Beweis jüdischer Unart, wenn wir, oder wenigstens einzelne \ n uns. anders sind als das Zerrbild, das sie sich von uns machen, paßl ihnen nicht, wenn ein .lüde stark und mutig und opferfreu p oder sonst notorisch tugendhaft ist. Aber wir können doch sie I tun. daß wir ihnen nach Kräften die Vorwände und Scheingrüi e nehmen, mit denen sie neue Genossen zu werben verstehen. Eil r der hauptsächlichsten dieser Scheingründe ist der. daß der Jude i keinerlei produktive Arbeit zu brauchen ist, duU er nie mehr s ii kann als ein Zwiscl.....händler mit den (intern der Wirtschaft oder - (ieisles. Wir werden il.....n zunächst nur eine, später aber hoff' lieh viele Tatsachen vor die Augen setzen, die weithin sichtbar i - Gegenteil beweisen werden. Wir wissen ja, daß der Jude sich Db all in der Welt nicht nur als geistiger Führer, sondern auch als Hai werker und aogar als Landwirt und (iiirlner bewährt hat. W l werden sie jetzt zwingen, das auch zu wissen. Der rarbockte Wid stand, den wir bei jedem Schrill unserer Arbeit seitens der diu liehen Umgebung und /.. T. auch in der unteren Beamtenschaft überwinden haben, zeigt uns. wie sehr sie diesen Beweis fürcht' Wir wollen und werden ihnen eine der gefährlichsten Angriffswafl aus der Hand schlauen. Hier werden Juden in enger genoasenschl lieber Verbindung die Erde mit ihrem Schweiße düngen und . tiefe Wort Careys wahr machen, «lall der Boden die beste aller Bank ist. die das Kapital der Arbeit um so höher vereinst, je gröber d Anlage ist. Und zwischen ihnen, in gemeinschaftlicher Arbeit n ihnen, werden jüdische Handwerker und Geistesarbeiter hausen, i gesundesten denkbaren Milieu, getragen von der Achtung der (I nossenschaft, erlöst von dem Drucke, der sonst überall auf ihn und werden, weil sie ihres Judentums endlich ganz stolz s<

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