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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-05-30 · 22 (30.5.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
22 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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M-ii 1930 (iKMKINDKBLATT DKH ISRAKLITISiTlKN KF.LKilONSUK.MKINDF ZU I.FIPZKi Seite :t Dolmetsch =»11 die Seite dos Vorlesers trat, um seine Worte Vera Vera ins Aramäische zu Übertragen. Mit der Zeil fiel die Ober ung auch an diesen zwei Tagen gänslich fort. Aber die [ntroktion ial merkwürdigerweise gehlieben, Auch eine [ntrodnktion zur HaftaraUbcrsctzung für den zwei- Tag, ..•le/i\ Pithgam", hal aich l>i> auf den heutigen Tag erteil, Sie hal vor dem „Akdamut" die Würze der Kurz' voraua, in sie zählt bloß 15 Verse, die Melodie i>t heiter und anmutig, Verfasser des Akdamul war Ii. Meir oder Jair b, [saak, utor in Worms, in ganz Deutachland weifen seiner Pijutim und impoaiti......n berühmt. Er war ein älterer Zeitgenosse Raachis, ,l,ie die Schrecknisse der Zeit vor dein ersten Kreuzzuge, nml diesem Kreuzzuge scheinl er den Märtyrertod erlitten zu haben. v. Stimmung jener Zeil spiegell sieh auch leise im Akdamul der. Her Verfasser des Jeziv Pithgam ist Rabenu Jakoh Rabbinischer Humor Von Dr. P. J. Kuhn, Leipzig*. Mit der Emanzipation der Juden in «Ich westeuropäischen Liniern Iral <'in Gegensatz zwischen diesen und ihren im Osten unter üisnahmegesetzen sieh weniger frei entfaltenden BrQdern ein, der llmählich so schlimm wurde, dal.! der Westdem Ostjuden feindlieh egenttberstand.Erst die in den sechziger Jahren In Deutschland einetzende sogenannte orthodoxe Richtung fing an. diesen Gegensatz!\v:is zu mildern, und noch größere* Verdienst erwarb sieh der iCionismus, iler schließlich zwischen Ost- und Westjudentum eine lirflcke der Verständigung schlug und die bestehenden Gegensätze n-gl ich. Diesen Gegensatz und seinen Ausgleich schilderte ein rionistischer Wanderredner treffend durch folgendes Gleichnis: Zwei Machbarskinder, die zusammen aufgewachsen, das gleiche Cheder und lie gleiche Jeschiwa besuchl und immer gute Freundschaft gehalten lallen, kamen schließlich auseinander. Der eine blieb im Lande, nährte Bich redlich, blieb aber ein armer Manu, der hall mit dem Leben zu kämpfen hatte, der andere balle nach dein Westen seine schritte gelenkt und sein Glück gemacht. Als der Arme seine erste l'ochter verheiraten wollte und ihm zur versprochenen Mitgift und Aussteuer jede Grundlage fehlte, erinnerte er sich seines Freundes und beschloß, ihn aufzusuchen und um Hilfe zu bitten. Kr kam glücklich nach Berlin, wo sein glücklicher Freund als Kommersienat ein alliierst behagliches Leben fühlte, und es gelang ihm, beim Gewaltigen eine Audienz zu erhalten. Der halte natürlich längst den Cheder- und Jeschiwakameraden vergessen und ließ sich nur sehr ungern wieder an ihn erinnern. Der ganze Auftritt war ihm peinlich und er war bestrebt, den Besuch dos Freundes möglichst abzukürzen. ..Meine Zeil ist sehr gemessen," sagte er, „ich bitte Sie darum, sich kurz zu fassen und mir den Zweck Ihres Kommens mittuteilen". Der (ia:-l erzählte nun seine Verhältnisse und Heß durchblicken, daß er eine recht ansehnliche Unterstützung von seinem alten Schulfreunde, der als Millionär bekannt war. erwarte. Doch da war er au den Unrechten gekommen, denn ebenso reich wie er war. mi geizig war er. (Ihne alle Umschweife erklärte er, sich für den einstigen Freund nicht interessieren zu können. ..Ich muH dich sehr bedauern," sagte der Arme beim Abschied. „Mich bedauern?" fragte der Reiche. „Warum?" „Weil du In allerkürzester Zeil sterben wirst." Der Kommerzienral lachte hell auf und lehnte sieh, nachdem ihn der Freund verlassen hatte, behaglich in seinen Klub Kessel zurück. Er und sterben! Lächerlich, einfach lächerlich! Nie hatte er sich so wohl gefühlt wie gerade jetzt, wo er sich vom (ioüchlfl zurückgezogen und sein Leben erst zu genießen angefangen hatte. Warum sollte er jetzt sterben? Im GegenteilI Leben wollte er jetzt, so richtig leben, wie mau es nur als mehrfacher Millionär kann, mit dem Sterben hat es noch lange /eil! Aber was wollte denn dieser verrückte Freund? Wie kam er auf den absurden Gedanken, ihn zu bedauern? Sieht man ihm denn etwas au? Er sprang geängstigt auf und lief zum Spiegel. Km gewaltiger Schreck durchzuckte ihn. Was bedeutet denn dieses bläuliche Fleckchen unterm rechten Auge? O Gott, Unterm linken auch! Was ist das? Das war doch früher nicht? Wie. wenn doch? Tatsächlich, die Zigarre, seine Spezialmarkt, echte Import, schmeckl ihm auch nicht mehr. Das kann doch nicht so ohne Grund sein? Er wird doch *i Aus dem soeben bei .1. Kauffmaun Verlag. Frankfurt s. M-, erschienenen Buch »Rabbinischer Humor" von Dr. 1'. .1. Röhn. VfL auch Neu,. Bücher. Tham, der bekannte Enkel Raschis. (Glänzend gcschildori Mm Prof, •!. Ellmgcn in soinem grundlegenden W erk, Uber die (i schichte des jüdischen Gottesdienstes.) Schabuot scheint an zwei Tagen gefeiert worden zu -ein. noch bevor die Doppelfeiertage eingesetzt wurden. An den beiden Fesl tagen werden zu Mittag Milchapeiaen bevorzugt, besonders Käs kräpfchen, die für dieses Pest als ein Art Nationalgericht gellen. Wo Berge in der Nachbarschaft sind, hält man es für nngenn ssen, dorthin zu lustwandeln, um all den Berg Sinai erinnert zu werden. Bei den griechischen .luden hieß das Fest Pentekoste i fünfzigster Tag», von da kam das Wort in die Scptuaginta und die Vul gata Miel von da zu den germanischen und romanisch n Völkern (Pfingsten, Pcncöte). Das Neue Testament konnte nicht wohl das Offenbarungsfest der Alten feiern, es verlegte daher auf diesen Tag das Fest der „Ausgii Dung des Heiligen Geistes". schnell den Arzt rufen lassen. Wozu aber? Was kann der ihm helfen, wenn er sterben soll? Nein! Aber den Fremden, seinen früheren Freund, wird er rufen lassen. Der muß ihm sagen, woran er seine Todesgeweihlheil erkannt habe und ein Miltel dagegen wenn er (in solches besitzt, geben, ,1a. das ist das beste, was er tun kann. In allen Herbergen und überall, wo er den Fremden nur vermuten konnte, wurde er gesucht und endlich auch gefunden. Aber er weigerte sieh, zum Herrn Konuneiv.ieni at zu gellen. Was er denn dort solle? Der Empfang, den er bei seinem einstigen Kameraden gefunden habe, könne ihn nicht ermuntern, ihn ein zweites Mal aufzusuchen. Aber endlich kam ei doch, allerdings erst, nachdem mau ihm eine freundlichere Aufnahme als beim ersten Male zugesichert halte. „Willst du mir nicht sagen, lieber Freund, woran du merkst, da II ich sterben muß, und ob ich etwas dagegen tun könnte?" empfing ihn der Kominerzienrat. „Ich habe gar keine Veranlassung, es dir zu verraten. Du hast mir ja auch nicht geholfen, warum sollte ich dir helfen? Willst du wissen, was ich weiß, so zahle mir dafür, (üb mir tausend Mark, die ich meiner Tochter als Milgift versprochen habe und ich will dir alles, was du wissen mochtest, verraten." Der Kommerzienral zahlte das Verlangte und der Freund erklärte ihm: „Erinnerst du dich noch, was uns unser Rabbi (Lehrer) als erstes Zeichen des (iessissa (Agonie) angab? Das erste Zeichen, das die Agonie eingetreten sei, ist." sagte er. „daß der Kranke seine eigenen Freunde nicht mehr erkennt. Als ich nun zu dir kam und merkte, daß du mich, der einst dein bester Freund gewesen, nicht mehr kennst, da mußte ich wohl annehmen, daß bei dir der Zustand, den man die Agonie nennt, schon eingetreten sei. und «In. nach der Ansicht der Weisen, die meisten Menschen in diesem Zustande dem Tode verfallen Bind, darum mußte ich dich bedauern. Aus dem freundlichen Empfang, der mir aber bei uns« rer zweiten Begegnung zuteil wird, und aus der Hilfe, die mir geworden ist. ersehe ich, daß es dir Göll sei Dank wieder besser gebt, was mich außerordentlich freut. Ich wünsche, daß diese Besserung anhalte." Neue tilesM'ii /.um Füllst. II. Iii seinem großen Monologe (Faust I. I. Szene) spricht FaUSl die Worte: ..Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen." Wer auch nur die geringste Kenntnis vom jüdischen Rechte hat, wird sich sofort darüber klar sein, daß in dem Nachsalze „erwirb es. um es zu besitzen", auf den von diesem Rechte vorgeschriebenen pjB (Erwerb) angespielt wird. Das jüdische lie, Iii verlangt nämlich bei Mohilien. wie Immobilien, oh -ie durch Kauf. Schenkung oder Kund den Besitzer wechseln sollen, einen 1*40, der diesen llcsilzweihsel bewerkstelligt. Solche O'l'Ip sind bei Mobilicu z. lt. die ."r**:'"; (Ergreifung), p6,ljn (Tausch) etc.. bei Immobilien rir (Aushändigung des Kaufgeldes), ISStT (die Obergabe der Kauf- oder Schenkungsurkunde) und die ristn, (die Ausübung irgend einer Tätigkeit an dem zu erwerbenden Besitz), (Ihne solchen pjB wird ein Kauf oder eine Schenkung nicht perfekt, und das Kauf- oder Schenkungsobjekt bleibt Eigentum des ursprünglichen Besitzers, Goethe läUt also durch Faust das Gesetz des piß verkünden: Willst du das Erbe deiner Viter wirklich besitzen, so daß es dir keiner streitig machen kann, dann mul.il du es erst erwerben, d. h. mußt eine der vorgeschriebenen pip-Arten daran vornehmen. Unbegreiflich aber ist es, warum Goethe, wenn er das Gesetz des pjO au einem Beispiel demonstrieren will, ausgerechnet "U"V

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