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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-05-23 · 21 (23.5.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
21 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Mai 1090 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Seile .\ . sinne unseres geschichtlichen Berufes, Und In der Welt: die udige und bewußte Teilnahme an Ihren Sorgen und Lasten. Das vielleicht der Sinn des Wortes: Dein HaUS sei geöffnet CUT Weile. B drinnen wiederklingen den Ruf, der von draußen kommt, damit Annen deines Hauses Söhne seien. (Spruche der Vater I). Sollen es nber sein können, soll in /eilen schwerer Wirtschaftanol doch r von draußen Kommende, doch die Welt bei dir ihr Recht, die Füllung ihres Anspruches an dich finden, dann mußl du das Wort ich so verstehen: Laß die Kinder deines Hauses Anne sein. Ersiehe h und sie zur Anspruchslosigkeit an 'Ins Leben und an seine <ie- »sc. Versichte auf manche Behaglichkeit, auf manchen gewohnten ixns um derer willen, denen deine selbst eingeschränkte und Spermie Lebensführung unerreichbares Wohlleben bedeutet. Denn mit Todesschuld belastet sieh, wer wach ist in der Nacht, wer , weiß, wie dunkel es draußen ist. wie trostlos dunkel für so Viele, nd wer dennoch seinen Weg als ein Einzelner geht, nicht teil hat, ichl teil nimm! an dieser Not der Andern, keinen Versuch macht, in ii niiehtliches Dunkel etwas Helligkeit zu bringen. (Spr. d. Väter III.) Als dns jüdische Volk anhob und sprach: Ailes, was doli spricht, ms wollen wir tun. da sieht Cl*n u: UJH (2. H. M. Kap. 10). >as Volk spürte sich als unlösbare Einheit, einheitlich die Aufgabe, inheitlich das Schicksal, und darum allen gleich und gemeinsam die Verpflichtung, die Gesamtheitsaufgabe zu lösen, das Gesamtheitsi hicksal zu tragen. Instrument für diese wahrhafte Einheil des jüdischen Volkes will ler K eren llatorah sein und ist der Keren Hatorah. Und am ichowuaus, dem Pest, das an diese alle Einheit erinnert und zu ihr ieu verpflichtet, ruft er die Freunde der wah ren Einheit des jüdischen Volkes auf: seigt, daß Ihr großer Ahnen würdige Kinder seid! rragl die Last der Gesamtheit! Spürt mit die Not der Well draußenl Den Segen dieses Mitspürens erlebt Ihr an Euch selber, au Euren Kinlern, in Eurem Hause. Dies ist der Sinn, der sill liehe Inhalt unserer ^chowuaus-Aktion. Dali der Keren Hatorah diese Förderung verdient, mögen die der Offentliehkeil vorgelegten Berichte der sustän- Ilgen Stellen erweisen. Dal.« im vergangenen Jahr mancherlei geschah, seigl die Abrechnung für das Jahr 1!V.V). Daß es nicht mehr sein konnte: die Schuld lifTt jene, welche im sträflichen Egoismus über sieh ilie Gesamtheil . ergaßen. Daß wir im laufenden Jahr noch mehr, noch Gründlicheres leisten Können, mögen uns die ermöglichen, welche w ir innigst auffordern: K ö r d e r I u a e h K r ä f t e n d i e S c Ii o w u a u s - A k I i o u »600!!! Ä. Weida h (Landeskonferenz des deutschen Herhnluz. Am 26.April begann in Berlin die diesjlhrige Landeskonferenz des deutschen Heehalux. Die von Delegierten der landwirtschaftlichen und städtischen Gruppen des Heehalui und von Angehörigen der zionistischen JugendbOnde zahlreich besuchte Tagung bot das Bild einer lebendigen, vorwirisstrebenden Bewegung. Die Tagung begann am Sonnabend abend mit einer der RegrflSung der WeTdah dienenden Veranstaltung. Nach einigen hebräischen Chorliedern eröffnete im Namen des Merkas Osrherowill die Tagung. Er wies darauf hin. daß die 5. Aliiah bereits 100 Chiiliizim aus Deutschland nach Erez-Israel gehrachl hat. 170 Menschen sind in diesem Erühjabr neu auf Hachscharah gegangen. Der Gedanke der Chalusiuth dringt auch in Kreise ein. die außerhalb der ilugendhewegung sieben. Hierauf begrflßte im Namen der II i s I a - ,| r n t ll (Gewerkschaft der jüdischen Arbeiterschaft in Brei Israel) T a b e n k IU , E i n C Ii a r o d . die Konferenz. Er schilderte das enge Verhältnis von Histadruth und Chalusbewegung. Die Histadruth kann nur dann stark sein, wenn eine starke Jugendbewegung hinter ihr steht. Der Heehalui muß sich entsprechend den Bedürfnissen des Landes ausdehnen. Die Reaktion der Effendis in Palästina fürchtet das Erstarken der Arbeiterklasse. Unsere Hauptfront liegt aber in der (inlall. Das jüdische Schicksal ist in aller Well gleicherweise gefährdet. Wenn die jüdischen Massen au die Tore Palästinas klopfen, dann wird die Aufnahmefähigkeit des Landes wachsen. Dr. Alfred Klee sprach als Vertreter der It e r I i n e r JO d I S c Ii o n Gemeinde. Er betonte, daß unsere jüdische Arbeil die Enge der Isoliertheit überwinden und in die Weite des allgemeinen jüdischen Lebens einmOnden müsse. Die Gemeinde weilt, dali auch die hier lebenden .luden als solche, nur als Glieder des gesamten Judentums zu erhalten sind. Sie unterstützt datier die Arbeit des Hechaluz. Entscheidend dabei ist aber, daß von dem (leiste einer opferfreudigen .lugend etwas in den Geist der Gemeinde eindringt, Die Weltanschauung der Chalusim ist tief jüdisch verwurzelt. Was au sozialistischer Weltanschauung heule geprägt wird, ist letzten Endes für uns .luden nichts Neues. Ein Vorwärts in diesem Sinne bedeutet also zugleich ein Zurück zu versiegten jüdischen Quellen. Und auf der anderen Seile gibt es heute nicht mehr die Möglichkeit, dal! eine Gemeinde Sicherung ihres Bestandes erstrebt, ohne dali der von Zion ausgehende (ieist sie bestrahlt. Jede Zeit hat ihre Aufgaben, und jede Aufgabe ihre Menschen. Wir sollten etwas von der Solidarität der Generationen verspüren. Sie muß entwickelt werden, damit wir aus der allen Art Kraft für neues Schalten ziehen. Die Chalusim können dabei der Gemeinde helfen, und die Gemeinde wird ihre Arbeit unterstützen. - Kür die Zionistische Vereinigung für Deutschland sprach Dr. S. Kanowits. Er schilderte die Bexlehungen der Z.V. f.D. und des Hechalus in den letzten Jahren. Unsere Sorge kehre jetzt wieder zur Kolonisation als dem Hauptinhalt des Zionismus zurück. Nicht nur Dokumente begründen unser Recht auf Eres Israel, sondern Arbeil und Wille der ( haluzim. — Dr. Kaleko begrüßte die Konferenz im Namen der Poale Zion in Deutschland. Er schilderte die Verknüpfung von persönlicher, nationaler und sozialer Befreiung in der Chaluzbowoguiig. — Dr. L Ii d w i g T i e I z , der persönlich am Erscheinen verhindert war. begrflßte die Konferenz schriftlich im Namen des Reich sauss c h Ii s s e s d e r j ii d i s c h e u .1 u g e Ii d v e r b ä Ii d e. Nachdem hierauf noch Präsidium und Permanenzausschuß der Konferenz gewählt worden waren, vertagte sie sich auf Sonntag früh. Die zweite Sitzung wurde mit der Verlesung einer Reihe von Begrüßungsschreiben und der Erledigung von Formalien eröffnet. Hierauf sprach M. Schaplra (Ilaifa) über Die Lage in Palästina. Das umfangreiche Referat schilderte die Entwicklung des Jischuw in den letsten Jahren. Die Landwirtschaft sei unsere entscheidende Position: die Stadt kann sich nur im Zusammenhang mit ihr entwickeln. Boden ist genügend vorhanden und wartet auf uns. Aus diesem Grunde muß der Keren-Knjomoth gestärkt werden. Die Privatinitiative sei zwar notwendig, gehe aber oft aus dein Willen zum Verdienen heraus einen unsionistischen Weg. Unsere größte Sicherheil sei das dem Volke gehörende Vermögen. Groß sind unsere FortSCtlriHe in den Kolonien. Die neue Alijah sei in der Hauptsache aufs Land gegangen. Die Bedeutung der Histadruth in allen ihren Zweigen wachse und sei heute eine entscheidende. Zum Rechenschaftsbericht des Merkas. der gedruckt vorlag, äußerte sich zunächst ergänsend Liebenstein. Er betonte, daß Palästina die Krise überstanden habe und das deutsche Judentum verarme. Das seien zwei Ursachen zum Aufschwung unserer Bewegung. Aber das Tempo unserer Entwicklung sei zu langsam. Die Berührung mit Palästinensern ist besonders wichtig. Was die Hachscharah anbelangt, so sei eine kurze Hachscharah in der jetzigen Zeit erforderlich. Die öffentlichen Mittel des deutschen Judentums und Insbesondere der Gemeinden müßten für diese Arbeit mobilisiert werden. Israelow itz uniersuchte die Kragen des Berufes unter erzieherischen Gesichtspunkten. Unser Nachwuchs sei verhältnismäßig jung; wir müssen daher als eine Ersiehungsbewegung die Totalität des Menschen erfassen. Bei der Berufswahl muß das Ziel sein, selbstsichere Menschen zu schaffen und auf die Bedürfnisse Palästinas Rücksicht zu nehmen. In der NaehmittagSSitsung sprach zunächst Oscherow itz zum Rechenschaftsbericht. Er betonte u.a.. daß die Alijah Ribbusith auch in Zukunft im Mittelpunkt unseres Interesses stehen müsse. Die Aussprache Ober diese Referate zog sich bis in die späten Abendstunden hm und wurde von zahlreichen Teilnehmern sehr lebhaft geführt. Der Wille zum Hineintragen des Chalusoedankens in die Jugend kam überall zum Durchbrach; die Frage der Hebraisierang, das Verhältnis in der Erziehungsarbeit (wischen den Jugend' hüudeu und dem Ibrhaluz und besonders auch die Frage der Erfassung der eigentlichen westjüdisehen Jugend wurde erörtert. Wellerhin sprach man Ober die Kragen «ler fachlichen Ausbildung. Am Montau, dem 28. April, wurde die Generaldebatte fortgeführt. Man beschäftigte sich eingehend mit den Krauen der Mädchenhaehscharah und dem Problem der Stellung der Krau in den Kibbusim. In der Nachmittagssitsung sprach zunächst I. Tabenk i u (Ein I harnd) über E r z. i e Ii u n g u n d .1 u tr e n d arbeit d e s Hechalus. Er behandelte in seinem umfangreichen und vielseitigen Referat die Voraussetzungen der Chalusiuth und ihre moralischen Wirkungen, und beschäftigte sich mit einer großen Anzahl von pädagogischen und sozialen Problemen. Im jüdischen Volke sei der Wille zur Proletarisierung vorhanden, und mau habe dabei vielfach

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