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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-05-23 · 21 (23.5.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
21 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite t (iEMEINDEHLATT DER ISRAELITISCHEN RELKHONSGEMIälNDE ZU LEIPZIG Nummer 2 DER ANKER ALLGEMEINE VERSICIlEPIlNflS - AKTIEN - OESELLSCI.Ml gegründet i»>a Generalvertretung J. Sprechmann Leipzig C1, Yorkstraße 9, Telephon 28693 gegründet 1858 eine starke Intellektualistische Einstellung zur Arbeit. Die Bewegung werde hauptsächlich \ <>t> Kräften dos Verstandes gespeist. Verwirklichung heiße niemals nur ein Wullen, sondern stets ein Tun. — An das Referat schloß sich eine Diskussion, an der sahireiche Teilnehmer der Tagung mitwirkten. Ks kam der Wunsch sum Ausdruck, nicht allein die aktuellen Fragen zu betrachten, sondern sich auf die Ursprünge und Quellen der Bewegung zu besinnen. Die Konlerens wurde mit einer Schlußsitzung in der Nacht mihi Montag zum Dienstag beendet. Es wurden eine große Reihe von Beschlüssen gefaßt, u.a. begrüßte man die llistadruth und die Kibbuzbewegung. Man wandle sich gegen die Urteile über die Arbeiterkolonisation im Bericht der Shawkommission. Die Neuansiedlung von KKiii Familien durch die Jewish Agency wurde begrüßt, und die Tatsache betont, daß von Festigung des Bestehenden und neuer Kolonisation auch das Wachsen der Heehalusbewegung abhängt. Die Verpflichtung zur verstärkten Arbeil für den Koren Kajemeth Lejisrael wurde erneut festgelegt. Die Schaffung \on Snitim an verachte denen Orten wurde beschlossen, um auf diese Weise dem Nachwuchs Gelegenheit zum Einleben in die Bewegung schon vor Beginn der ilachscharah zu geben. Nachdem dem alten Merkas Decharge erteilt worden war. wurde die neue Leitung gewählt; sie besteht aus A. Uraelowitx, E. Liebenstein, M. Schapiro (engerer Merkas). M. Dormann, Seh. Groß, Sch. Oscherowits, A. Rothstein, D. Tannl (erweiterter Merkas). Um 4.80 früh wurde die Tagung geschlossen. Die diesjährige Konferenz des Hechalus hinterließ hei allen Teilnehmern das sichere Gefühl eines neuen Aufschwungs der Bewegung. Das kommende Jahr wird in immer engerer Verknüpfung mit den Chawerim in Palästina einen starken Vorstoß des Chalusgedankens in der jüdischen Jugend Deutschlands bringen können, Sozialdemokratie und Judentum. In letzter Zeit sind auch in Leipsig große Mengen von Flugblättern verteilt worden, in welchen die Nationalsozialisten der Sozialdemokratie den Vorwurf machen, daß sie in Preußen zwar ■ Iii' Staats z U t C h ü B S e f ü i d i e e v a n gel 1 seh e u n.d katholische Kirche abgelehnt habe, wohl aber f ii i die Staatssusch ü s s <• s u d i e j ü disehe n QemeInden eingetreten sei. Der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens teilt zur Aufklärung über diesen Vorwurf folgendes mit: Bei der kürzlich im Preußischen Landlag erfolgten Abstimmung Uber 'Ii.- in den Staatshaushaltplan einzusetzenden Zuschüsse au die Religionsgesellschaften L'ab der Abgeordnete Linneborn seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß die SPD. gegen die Bewilligungen für die christlichen Kirchen und für Beihilfen an die Synagogengemeinden stimme. Der Grund für diese verschiedene Stellungnahme ist folgender: Alljährlich wird beim Haushalt des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in der Folge abgestimmt, daß zunächsl die Beträge für die evangelische Kirche, sodann die für die katholische Kirche und zum Schluß die Synagogengemeinden an die Reihe kommen. Die Mittel für die evangelische und katholische Kirche werden von einer Mehrheit bewilligt, die sich von den Völkischen Iiis zu den Demokraten erstreckt. Dagegen stimmen die SPD. und die Kl'l).. weil diese Parteien grundsätzlich gegen jode staatliche Zuwendung sn die Religionsgesellschaften sind. Diese AbsMmmsaMmMPzVTT? Julius titulier Petersstr.30 / Schillerstr.Ecko Unlversititsstr.aN ==; und Leipzig-Gohlis, Hallische Straße 87—89 Bitt« beachten Sie CChillpr«ttr Eck> _ meine Neueroffnung WI.IIIIIBISII, Universitätsstr 26 =-'" Sicbtn Sffiau/cnslcr l Gröfilei Hcrrcnhut-Geschäft Leipzigs. lehnung seitens der SPD. schadet aber den Kirchen nicht, du di anderen Parteien die erforderliche Stiininenzahl aufbringen. (ianz anders liegen die Dinge bei den Staatszuschüssen für di Synagogengemeinden, Für diese stimmen die DVP., die Wirtschaft! partel, das Zentrum und die Demokraten. Abgesehen von den Völki sehen fehlen hierbei die Deulsehnalionalen! Dadurch winde ein Bewilligung für die Synagogengemeinden der Ablehnung verfallei wenn jetzt nicht die SPD. für die Vorlage sich ausspräche. Da tut sie, unbeschadet ihres grundsätzlichen Standpunktes, nur au Gründen der Gerechtigkeit, um zu vermelden, daß die als Körper Schäften des öffentlichen Rechts anerkannten Uoligionsgesellschaftei — dem (iciste der Verfassung zuwider un t e r sch led 11 cl behandelt würden. An sieh steht die SPD. natürlicl auch den Staa t SIU sohü88eu für die Synagogen gemeinden ablehnend gegen Uber und sie würd gegen diese s t.i m m e u , w onn die Mittel f ü r d i christlichen Kirchen gleichfalls gestrichen w ü i d e n. Es liegt also durchaus kein Anlaß vor, der SPD. in diesem Punk eine einseitige Judenfreundlichkeit nachzusagen. Sie hat ledlglicl aus Gerechtigkeitsgefühl den Schaden ausgeglichen, den die bor nierte Judenfeindschaft der Deutschnationalen und Nationalsoziallstei den Juilen zufügen wollte. Den Verfassern der Flugblätter lim diese Zusammenhänge fraglos bekannt gewesen. Wenn sie trotzdem auf solcher Grundlage Beschuldigungen gegen die Sozialdemokratie erheben, kann man sich vorstellen, mit welchem sittlichen Ernste ihre Agitation geführt wird. Unsere Gemeinde Kinder brauchen Erholung! Unterernährte Kinder, in ihrer Freizeit sich selbst und allen Gefahren der Großstadt überlassen, sind leider eine alltägliche Erscheinung. Die Ortsgruppe Leipzig des Jüdischen Frauenbundes will Iiier helfend eingreifen und hat schon seit mehreren Jahren durch die Halbtagsferienkolonie 180 Kinder, wenigstens in den Sommerferien, Luft und Licht. Erholung und Frohsinn gegeben. 180 Kinder sind eine große Zahl, und doch ist es nur ein kleiner Bruchteil der vielen Kinder, die in luftlosen. engen Wohnungen aufwachsen, deren natürlicher kindlicher Frohsinn durch die sorgenerfüllte Atmosphäre des Elternhauses erstickt wird. Eine beträchtliche Vergrößerung der Kolonie wäre schon seit .Iniiren eine dringende Notwendigkeit, denn fast die doppelle Zahl von Kindern mußte schon in den Vorjahren zurückgewiesen werden. 180 Kinder heißt also Beschränkung a u f die Aller b edürftigsl e n. Und wie soll nun diesen Kindern geholfen werden? Durch die nllerbescheidenste ErholungsmflgUchkeit, durch örtliche E r h o 1 u n g s f ü r s o r g e. Wie In den Vorjahren, so sollen auch in diesem Jahre die Kinder durch Sonderwagen der Straßenbahn in den Lunapark befördert werden. Sie spielen dort unter Aufsicht der Kindergärtnerinnen auf den Spielwiesen und erhallen Milch und Obst zum Frühstücksbrnt. Sonnengebräunte Rinder, die an froh verlebte Ferien zurückdenken, sind der Erfolg der bescheidenen Einrichtung. Die Hille des Jüdischen Frauenbundes, ihm bei dieser Arbeit, die so viel Dank in sich schließt, durch Spenden zu helfen, ist noch nie ungehört verhallt. Und so sind wir der Uelierzeugung. daß auch in diesem Jahre unser Wille, mit wenigen Mitteln Vieles zu erreichen. Verständnis finden wird. QefL Spenden sind an Frau RoSi Krause, Langestr. 80, zu richten oder auf das Postscheckkonto de« Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig, mit dem Vermerk „Halbtagsferienkolonie" zu überweisen. (Postscheckkonto: 58888, Jüdischer Frauenbund. Ortsgruppe Leipzig.) TaemiR des Zionistischen Gruppeiivcrhniidc« des Freistaates Sachsen. Sonntag, den 11. Mai 1!)H0 fand in Leipsig die Tagung des Zionistischen GruppenVerbandes dos Freistaates Sachsen statt. Die Verantaltuug war sehr gut besucht: alle Ortsgruppen von Sachsen: Leipsig, Dresden. Chemnitz, Zwickau. Plauen hallen eine große Anzahl von Delegierten entsandt. Insbesondere waren die Jugendlichen stark vertreten. Nach Eröffnung der Versammlung durch Dr. Loebenstoin. Leipzig, der u. a. auch Herrn Dr. Sichel, Chemnitz, anläßlich seines 50. Geburtstages die guten Wünsche des (iruppenverbamles zum Ausdruck brachte, übernahm Dr. Sichel. Chemnitz, die Leitung, der seinerseits nun den besonderen Dank des Gruppenverbandes Sachsen dem bisherigen Vorsitzenden der Leipziger Zionistischen Vereinigung Herrn Tumpowsky für seine unermüdliche Arbeil abstattete und

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