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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-05-16 · 20 (16.5.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
20 (16.5.1930)
Date
1930-05-16
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer ■eher Kinder, sofern 'lies.- in einer Schule in genügender Zahl vorhanden sind, dai Rechl au verlangen, daß In der Schule selbst ein Kaum für Erteilung des jüdischen Religionsunterricht« zur Verfügung gestellt werde. Artikel j» verfügt aogar, dafl die jüdische Gemeinde ermächtigl werden kann, eine jüdische Elementarschule auf eigene Kosten zu eröffnen. Wie die Mittel zur Unterhaitun» solcher Schulen beschafft werden sollen, wird vielleicht in dem (losetz über die Organisation der jüdischen Gemeinden, an der gegenwärtig eine besondere Kommission arbeitet, getagt sein. Erat wenn dieses (iesetz veröffentlicht sein wird, wird man über die für die .luden Italiens neu entstandene Laue Abschließendes sagen können. Bin« weitere Einschränkung der osteuropäischen Einwanderung in den Vereinigten Staaten. Der Senat des Kongresses der Vereinigten Staaten hat mit 89 gegen 84 Stimmen einen Zusatiantrag zur Einwanderungsbill angenommen, dempemäti die seit 1. Juli 1929 (»eilende Länderquote reduzier! wird in der Weise, dafl die allgemeine Zahl von 1500(10 Einwanderern jährlich auf 120000 herabgesetzt wird. Dabei hat die Einwanderung auf der Hasis der Volkszählung von 1SSKI zu geschehen und der Prozentsatz der Einwanderer aus jedem einzelnen Lande ist von 2 auf 1 ':.",, dieses Zensus zu reduzieren. Einen Vorteil aus dieser neuen Ordnung würden die skandinavischen Länder und Deutsehland ziehen, deren Zensus im Jahre IHtX) ein hoher war. während bei Annahme dieses Zusataantragea die Einwanderung aus den osteuropäischen Ländern stark reduziert werden würde, da 1H90 der Zensus aus diesen Ländern, aus denen die Einwanderung nach Amerika erst in einer späteren Periode eingesetzt hat, ein geringer war. Der Beschluß des Senates ist nicht endgültig, da die Hill in ihrer Gesamtheit noch einmal dem Senat w ie dem Repräsentantenhaus des Kongresses zur Abstimmung vorgelegt werden muß. Ein Antrag, die gesamte Einwanderung in die Vereinigten Staaten für drei Jahre zu verbieten, wurde vom Senat abgelehnt. Ebenso wurde mit 55 gegen 11 Stimmen ein Antrag, die gesamte Jahreseiiiwanderungsi|uote auf 76000 zu beschränken und die Einwanderer gemäß den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes zu wählen, abgelehnt, Srhärhtfrage in Südafrika. Die letzte Sitzung des südafrikanischen Jewish Board of Deputies befaßte sich mit der Krage des Schlicht Schutzes. Der Board wählte eine Abordnung, die im Namen der Juden Südafrikas mit dem parlamentärischen Komitee für Ausarbeitung eines humanen SchlachthaUSgesetaes in Verbindung treten und es über die jüdische Schichtung informieren soll. Es wurde auch ein Memorandum über das Schächten ausgearbeitet. Die Abordnung setzt sich aus dem Oberrabbiner der Föderation der Synagogen des Witwatorrand Professor Dr. .1. L Landau. Rev, A. IV Bender. Kabb. M. ("h. Mirwish und dem Vorsitzenden dt- Kapstadt-Komitees des Jewish Board of Deputies King's Council Morris Alexander zusammen. 1929 hat der Magistrat Kapstadt eine Vorschrift für humane Schlachtung erlassen und nach Besprechung not dem von der Jüdischen Gemeinde gebildeten Schlächtschutskomitee verfügt, dafl die Schichtung durch Juden und Moslemiten der Vorschrift nicht unterliegen. Professor Kurt GtMstoil kommt nach Berlin. Dei Frankfurter Ordinarius der Neurologie, Professor Kurt Goldstein, wurde eingeladen, die neu ausgebaute Neurologische Abteilung am Krankenhaus Moabit als dingender Arzt zu übernehmen: er hat die Einladung angenommen und ist von der Unlversitll Frankfurt vom I.Mai ab beurlaubt worden. Prof. Kurt Goldstein wurde 1HTK in KattOWitl geboren. liKIfc wurde er Privatdozenl in Königsberg, 1922 ordentlicher Professor in Frankfurt Er ist ein über Deutachland hinanbekannter Neurologe und Psychiater, der sieh besonders um die Topik des (iehirns durch hirnanalomisehe und -physiologische Arbeiten verdient gemacht hat. Er ist Mitherausgeber der ..Psychol(igi>chen Kol 'schlingen" und Direktor des Neurologischen Institut* der Unlversitll Krankfurt. Die Berliner Zeitungen geben der Hoffnung Ausdruck, daß auch die Berliner Mediiinische Fakultät ein Wirkungsfeld für den hervorragenden Neurologen findet, und bemerkt, dafl von Goldsteins Arbeiten besonders die Untersuchungen über ,1a- Verhalten von llii nvei letzten Aufsehen erregt haben. Ernst Caatirer hat in seiner ..Phih^ophie der symbolischen Korinen" an die Goldsteinscheu Beobachtungen angeknüpft. Jüdische Verbände und Gemeinden Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Friede ine „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden", di im Okiober 1929 zum ersten Male mit einer Massenkundgebung vor di i Öffentlichkeit getreten war, hielt im gleichen Saale (Hochschule Ii Musik) am IUI. April abends ihre zweite Kundgebung ab. Von jüdische , Persönlichkeiten sah man u. a. die Rabbiner Dr. Bleichrode, Dr. Li wenstamm und Dr. Alexander, ferner Dr. Alfred Nossig, Bildhaui Jacob Pleflner. Nach BegrüflungSWOlten des Präsidenten Dr. b. i Splecker spricht je ein Repräsentant der in der Arbeitsgemeinschal vertretenen Kontesaionen, und zwar Pfarrer Lic. theol, Wielandt übt die Ursachen, R.-A. Dr. Klee über die Wirkungen und der Zentrum allgeordnete Dr. Krone über die Überwindung der Kriege: Pfarn Wielandt warnt vor einer Überschätzung der Kriegsgreuelschilth rang angesichts einer kriegsfremden Jugend und bezeichnet al Hauptursachen des modernen Krieges die immanente Alienleuerlu der Menschen, das „wehrhafte" Mannesideal und die Ehrfurcht VO Cäsarenwahn und Welteroberangssucht. Er fordert die Schaltung posi tiver Jugendideale, die der Liebe zum Besonderen und Gefahrvolle) in gesunder Weise gerecht werden. Selbslerziehung der Krauen zu Wertschätzung eines neuen Mannesideals, das zwar die Unterschiedi im Wirkungskreis der Geschlechter mindern, sie aber nur zu um st besserer Kameradschaft des wahrhaft wehrhaften Alllagskampfe Hinschaffen wird, und Ehrfurcht allein vor wahren Freiheit*- lue Kampfeshelden des Kulturfortschritts. Er warnt vor überschätzuni. der Wirtschaft als Wellbewegungsfaktors und ruft zu tatkräftiger Be friedigung der llauptkrisonherdo — Dslasien, Indien, Südafrika - auf und erhebt Einspruch gegen die geistesfeindliche Heligionsunlei drückung in Ruflland. Redner schließt: „Wenn der lebt, an den wii glauben, so werden die zu Kührern werden, die ihm nacheifern." Dr. Alfred Klee stellt der „Stahlbad"-Propaganda der Kriegs begeisterten Bilder aus der Kriegswirklichkeit gegenüber, die zeigen dafl der Krieg sittlich verehrend und fortschrittsfeindlich sich aus wirkt, Krankheiten als Menachheitsgeißel vor sich hertreibe, Krauen in für sie ungeeignete Berufe getrieben und so auch kommende Ge schlechter schon im Keim geschädigt habe, während ein Bruchteil der Kriegs- oder auch nur der Rüstungsbudgets 'lausende von Krankenanstalten hätte erstehen lassen und wahrer „Wehrhaftigkeit" kommender Jugend im Lebenskämpfe hätte dienen können. Dem Juden tum weist Redner die Bulle als Völkermittler und Kriedenspionier zu. nachdem es in den letzten Jahrzehnten diese Bolle leider vielfach vernachlässigt habe. Klee fordert eine neue Erziehung einer neuen Jugend und Schließt unter stürmischem Beifall der sichtlich tief ergriffenen Versammlung: ..Wenden wir von uns den Vorwurf der Kommenden ab: ..Sie haben nichts hinzugelernt!" — Dr. K rone (M.d.B.) stellt dem scheinheiligen Grundsats „Si vis pacem pars bellum" (Willst Du Frieden, rüste zum Krieg) den Grundsatz gegenüber: „Si vis pacem para pacem" (Willst Du Frieden, rüste den Kampf für den Frieden!). Er würdigt sodann die Pan Europa-Idee als religiöses Postulat und bezeichnet als Voraussetzung für ein Kriedenseuropa ein pazifistisches Mitteleuropa, liier weist er dem entwaffneten Deutschland die Pionier- und lleroldsrolle zu: denn Deutschlands als der naturgeschaffeueu Zentralinacht Interesse hänge an Europas Frieden. Konkret fordert er die obligatorische Schieds gerichtsbarkeil und als ihre Grundlage und Krönung Ausbau and Kodifizierung des Völkerrechts. So wird europäische Kriedensarbeit zu Vaterlandsrettender Tat. während „Völkischer Nationalismus Verrat am Geistigen und Abfall vom Göttlichen" ist. Die Schluflansprache hält der päpstliche Gehelmklmmerer, Prälat Monsignore Lichtenberg. Er verspricht sich von dieser Kundgebung ein Echo auch jenseits des Atlantik und in Osteuropa. Im Namen der Veranstalterin sei ausgedrückt, dat.! sich nicht einzelne unter Verwischung von (iegensätzen. sondern Konfessionen zusammengeschlossen hätten, ihre Verschiedenheit wahrend, einig aber im Glauben au (!ott. den Herrn des Lebens. Hinter ihnen ständen 700 Millionen Bekenner auf dem ganzen Erdball. Jeden einzelnen von diesen zu Kündern für den Frieden und zu Wällen gegen die Arbeit der Kriegstreiber zu machen, sei die Aufgabe. Redner schließt, von der Versammlung stürmisch applaudiert: ..Dona Dobia pacem!" ((üb uns Frieden!). - Die Kundgebung war umrahmt von Orgelspiel und Bezitationen aus .lesajah und der Bergpredigt. B/OX ULTRA ZAHNPASTA ist die richtige, sie macht die Zähne blendend weiß und be seitigt Mundgeruch, spritzt nidit. ist hochkonzentriert, daher sparsamer. Max Eib. A.-G.; Dresden

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