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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-05-16 · 20 (16.5.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
20 (16.5.1930)
Date
1930-05-16
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer erhöhte die Strafe gegen die Innung, die ihrerseits erklärte, daß sit> sich Uber die Strafmandate des Rates nicht genug wundern könne, wo doch Levi keineswegs geneigt sei. sein Vorhaben auszuführen! Ks seien Im übrigen anderwärts vorteilhaftere Bedingungen gestellt worden, so daß Ihm nichts .....hr daran liege, In Ihre Innung aufgeiKin......n zu werden. Levi aber blieb standhaft. Am 10. Februar des Jahres 1857 erneuerte er sem Aufnahmegesuch und schrieb an den Rat: „Unter Bezugnahme auf meine Eingabe vom 7. Mai isöü, da die Kramerinnung demjenigen, was derselben rechtskräftig auterlegt worden, immer mich nicht nachgekommen, und mir an der definitiven Erledigung dieser nunmehr seil beinahe zwei Jahren anhängigen Diflereni dringend gelegen ist. richte Ich an den geehrten Stadtrai das ergebenste Gesuch, der hiesigen Kramerinnung die sofortige Autstellung der erforderlichen Aufnahme- Zusicherung, und /.war, da die wiederholt ausgesprochene Androhung von Geldstrafen l>is jetzt ohne allen Erfolg geblieben ist. unter Einziehung der letaleren nunmehr unter Androhung von Getängniszwang aufzugeben." Der Hat erhöhte die strafe auf •_'() Taler, die Kramerinnung aber dachte auch jetzl noch nicht an eine Aufnahme des jüdischen Qegehäftsmannes. Da der Hat mit schärferen Mitteln vorzugehen drohte, blieb der limine.! nichts anderes mehr iil»riir. als sich den Anordnungen der Behörde zu fügen. Am 27. Februar des Jahres ls">7 richtete sie nunmehr ihren letzten Protest an den Stadtrat zu Leipzig, ein Dokument, in dem die Innungsgewaltigen noch einmal all ihren Hall Lieyen das Judentum zusammenballten. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: ..Wir kennen seil Eingang der letzten Ministerialverordnung kein gesetzliches Mittel mehr, um uns der Aufnahme des luden Levi noch länger zu weigern, und haben uns dem Ausspruche der Autorität der hohen und höchsten Behörden zu fügen ... Da uns indessen der geehrte Stadtrath dessen erneute Anregung notifizieret hat. so erklären wir hiermit, dafl wir nach Lage der Sache der Aufnahme des genannten Levi in unsere Innung gegen die GebQbr und nach produziertem Bürgerschein weiten- Hindernisse nicht entgegenzustellen haben, «erden auch ergangener Anordnung gemlfi die uns auferlegte Geldstrafe von tu Reichsthalern zu berichtigen, unvergessen sein, d a m i t g 1 e i C h Sa m e i n W a h r z e j c h e n Ii e I e u e n d . v o n w o a l> ii n s e r e .1 a h r h u n dort e in i t a Ilgensc h e i n 11 c h e ni s e e u e n i ü r die st a d t u u v e r se h rl e t halt e n e K r a in e TO r d n u n g einer ihrer liest e n V o r?. ii g e b e ü o m m >• n worden i s t." Mit diesem Dokument begann in Leipzig eigentlich erst die von Staats wegen schon seit dem Jahre 1*1« erklärte Gleichberechtigung jüdischer und christlicher Kauf- und Handelsleute. Ks muß mit all Schürfe ausgesprochen werden, dafl ein Grund für diesen jahrhu dertelang ausgeübten Mali gegen das Judentum nicht vorgelegen hi F ii r a 1 I dies e T Ii e s e n v o n n I eh I ei n w a n d frei e m II a i delagebaren der Leipziger Meßjuden haben sie l rot i. e r ü nd 11 c hs t e r A ktenaichtu n g i m I. e IpiI g e I! a I s a r c h i v e k e i n e B e w eise find e u I a s s e n! D a Gegenteil ist d e r Fa 11 ' liierfür nur ein BeispielI Im Jahre 1788 beklagte sich der Altgeselle der Brüderschaft d< Bürstenbinder zu Leipzig beim Kate darüber, daß ihnen die Meist, ihre Insignien, einen werlvollen Uruderschaftsliecher mit 'J7 daran hängenden silbernen Schildern, sowie zwei zinnerne Trinkbecher voi der Herberge geholl hätten. Als der Bat die Sache untersuchte, stein es sich heraus, daß die Meister das Eigentum der Gesellen an de .luden Baruch Aaron Levi') verkauft hatten. Auf Vorhalt de Bales, wie er die Sachen halte kaufe') können, erklärte Levi an 8. August 1758 vor dem Rate: „Es sey au dem, dafl er die silbernen Schilder vom Bürstenblnde Handwerk erkauftet. Kr wiße aber nicht, wieviel solche ge wogen, noch wieviel er dafür bezahlet, denn es sey schon .Iah und Tag, und er habe solches nicht aufgeschrieben." Als der Bat ihm wegen des Kaufes Vorwürfe machte, sagte Levi zun Gerichtsschreiber: „Iis wären vier Meister und Bürger, daraus die Innuni; bestehe, die ihm die Schilder verkauftet. Warum er solche nicht kauften solle, da sie ihm solche ins Haufl gebracht, und überdies derer Meister Weiber dabey gewesen? Im übrigen habe er das Silber in die Münze getragen und an Ephraim verkauftet." Auf Vorhalt des Bates. dal.i er kein alles Silber kaufen dürfe, gah Levi zu Protokoll: „Ks sey in der Messe gewesen*), und Ephraim habe es ihm er laubt." Freiwillig erscheint Levi am 4. August 17.",s nochmals vor dem Bäte. WO er angibt, dafl er der Innung 18—20 Taler für die silbernen Schilder gegeben habe, auch seien alle Meister beim Wägen zugegen gewesen. Die (leseilen waren so um ihr Eigentum gekommen. Noch 17til war von den Meistern kein Ersatz geleistet, auch vermied es der Bat. sie zu bestrafen, trotzdem sie es verdient hatten. ii Aaron Baruch Levi wurde nach dem Tode Ephraims dessen Nachfolger. Kr starb am 1<>. November 1784 als kundtohsiacher Hof and Münzjude auf dem Brühl in Leipzig. •) El war allen .luden gestattet, während der Messe mit Edel metallen zu handeln. ANTISEMITISMUS K i n It u e h . ii b e r d a s m a n n ich! hl u w e g k a n u. Von Karin Michaeli«. An den. Buch, von dem ich hier reden will, darf kein denkender Mensch vorübergehen, wenn er erat von seiner Existenz erfahren bat. Es i~t beinahe ein Menschenalter her. dal! es herauskam. Geschrieben hal es (iraf Heinrich l'nuil c nlinvi'- Kalergi, und jetzt wird neu herausgegeben von seinem würdigen Sohne Bichard Coudenhove-Kalergi, dem wir Paneuropa verdanken. i>;,s Buch lieii.it ..Wesen des Antisemitismus" und ist im Paneuropa-Verlag in Wien erschienen. Als ich es las. wurde .....in Hers weil, (roh und leicht: so. nun haben die Torheiten und Verbrechen, die unter dem Namen Antisemitismus ringsum in der Well geschehen, wohl ein für allemal ein Ende gefunden, ein törichtes Mißverständnis ist aus der Welt ge- Bchaflt. In diesem liuche steht Wahrheit, und dieser kann auf die Dauer nichts widerstehen. MM Stolz mufi ich es sagen, dafl wir in Dänemark schon seit mehreren Menschenaltern frei sind von jenem Bazillus, der sich Antisemitismus nennt. Nie fragt man bei uns. ob einer .lüde ist. Bei uns wäre es unmöglich, was Tau 'Or Tag im sauften (isterreich geschieht, dafl die Studenten ihre jüdischen Kollegen mit Stöcken und Gummiknüppeln von der Universität fortjagen. Bei mir zu Hause weilt mau nichts von den unmenschlichen Greueln in Rumänien, in Bulgarien, in der l'rkraine. und kein Mensch kann sich einen Pogrom vorstellen. Wir wissen nichts davon, aber ich muß, mein Loblied zu Ehren meiner Nation einschränkend, sagen, wir wollen nichts davon wissen. Wir schieben den Gedanken, der uns unbequem ist, so fort, als ereignete sich alles auf einem anderen Planeten, mit dem wir unmöglich in Verbindung treten können. Wenn wir in Dänemark so fortgeschritten sind, wie es jetzt unleugbar der Kall ist. so ist es möglich, dafl wir das der Qualität der luden verdanken, die w ir in uns aufgenommen haben. Mischheiraten sind bei uns au der Tagesordnung und sie haben uns allen geholfen. Die .luden haben uns von ihrer Tüchtigkeit, Vitalität und Ausdauer abgegeben; ihre Freigebigkeit ist nicht ohne Kiufluß auf uns gehlieben. wir haben sie dafür aus der Enge ihrer Anschauungen he

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