Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 20 (16.5.1930)
- Date
- 1930-05-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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< Bemeiuö cWatt >ER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMErlN DE- ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! tat C.rmclndcblatt rrsdirlnt Irden I rcltnn und wird |ga Mitgliedern der KrIlitioiisKcmcIndc unentgeltlich iurdi dir l'ost zugentellt — Schrlftleltung: .rnielnderabblncr (.ustav Cohn, Leipzig, LöhretraBe 10 AnzcIgrnvrrKaltung und Drink: HudidruoVrrt-i August Prien, l.rlp/.lif, Rrudcrstr. 59 - l'rrnruf 70006 - Postsdicik Leipzig 53920 - Nadiilnuk nur mit Quellenangabe und mit Cenebmlgung des Verfassers gestattet DER ERSTE ISRAELIT IN DER LEIPZIGER KRAMERINNUNG Historische S In die von Arn« Kapp. Leipzig. (Nach den Akten des Ratsarchivs.) Mit der Aufhebung der alten Judenordnung der Stadt Leipzig am 8. August 1N1N durch den sächsischen KiiniK war zwar auf dem Papiere die Gleichberechtigung der christlichen und jüdischen Kauflcute von „rechtswegen" ausgesprochen, die alte (ieassigkeil der Leipziger christlichen Handelskreise gegen «las Judentum aber halte damit keineswegs ein Ende gefunden. Fast 4Jahrzehnte Mich sollte es «lauem. Iiis ein jüdischer Kaulmann als Mitglied in die I einziger K ramerinnung aufgenommen werden m u l.t I e. Das Verdienst, hier Bresche gesehlagen zu haben, gebührt dem Israeliten Siegisiiund I.«• v i, einem Angestellten der Berliner Firma Hermann Uerson, der für diese in Dresden eine Niederlassung errichtet hatte, und nun auch den Leipziger Platz für diese Firma erobern vollte und vielleicht auch sollte. Am 14, Juni des Jahres IS.Vi schrieb Levi an den Leipziger Kai. lafi er sich bereits Anfang Mai hei der Kramerinnung der Mi-iuta.it im Aufnahme beworben habe, well er ein Modewaren- und Aus- ■chnittgesehifl in Leipzig errichten wolle. Kr habe seinem Gesuche nach Erlangung des Küigenvchts den (iehurtssrhciu, Lehrbrief und erscbiedene Zeugnisse beigelegt, die Innung aber habe ihn ab- 111:iiLi beschieden, ohne Angabe eines Qrundes, Levi berief sich in seinem Gesuche an den Hat auf die Gesetze ..in 20. April 1848, „die Publikation der Deutschen I rundrechte l>e t r." und auf das Gesetz vom 21. Mai 1851, deren kufbebung betr.. wo es im § :t heiße: Ie jen 1 ge n .1 u «I e n, we 1 c h e slehs 1 s «• h e Untert Ii a u e n sind, sind d e n C h r i S111 c Ii e n U n t e r I h a n e n i n alle n b ü r ge r 11 C h e n Hechten als g I e I c Ii g e - stellt 7. u betrachte n." ier Hat verlangte von der Innung zu wissen, warum sie l.evi die Aufahme verweigere, wo er «loch alle verlangten liedinguiigen zur Aufahme erfüllt habe. Die Krainerineister wiesen darauf hin, dali Levi lerelta bei «Ier Dresdner Kramerinuung um Aufnahme nachgesucht iahe, dort alier wegen „zu großen Unwissens in «'«t Ituchfühiuug ah- .-wiesen worden sei". Obrigens sei der Kall nicht durch die Behörde iii erledigen, so sagten die christlichen Krämer, sondern es bandle -ich hier „um ein altes Innung*recht, wofür die Kramerordnung zu- Itlndig sei. a u c Ii Ii S b e s e it «I e in Best e Ii e n d e r Leipzig e r K ramerl n n u n g n o «• h ke 1 n Jude verlangt, i n d 1 e■ selb e auf g e n o m m «• n z u w e rden, so d a U der vorliegende Fall eine seit Jahr Ii u n «I e r t e n best e h e n d e Ordnung u m zuwerfen droh e". Die Innung machte den Hat noch darauf aufmerksam, dali ja ein jüdischer KränTer-Kugen die Innungsgc brauche verstoBen müsse, verlange die Ordnung «loch, dafl die zwölf jüngsten Meister bei Leichenbegängnissen den Sarg tragen müßten, auch die Leiche auf den christlichen Gottesacker zu begleiten hätten. Der Hat aber verlangle die Aufnahme Levis in die Innung, ..weil die Kramerordnung keine Bestimmung enthalte, wornach Juden für ausgeschlossen ZU erachten wären.... im übrigen die sächsischen Juden den Christen hinsichtlich des Qenussos bürgerlicher und staatsbürgerlicher Hechte gleichgestelll seien, und Levi sich durch lleimatsschein als sächsischer Staatsangehöriger ausgewiesen habe." Die Innung tat das. was sie in ähnlichen Streitfällen mit Juden immer getan, sie legte gegen die Entscheidung «h-s Rates Rekurs ein, berief sich auf alte verbriefte (ierechlsanie und Privilegs und auf die vom Kurfürsten letztmalige Bestätigung ihrer Kramerinnungsartikel vom '.). August 16851 Nach dieser Ordnung müsse jeder, der in die Innung eintreten wolle, einen Gehurtshrief einer christlichen Religionsgemeinschaft vorzeigen können, auch sei der Sonntag zu heiligen und nicht der Sabbat. Levi weist mit Hecht darauf hin, d a Ii „a u c bNichtchriSl e n g e b o r e n w ü r d e n", und daß in bezug auf die Heiligung «b-s Feiertages sich die Bekenner nieder anderen Religion dem Gebot «ler herrsehenden Staatsreligion fügen müßten". Der Hat und nach ihm auch die Regierung verlangten unverzügliche Aufnahme Levis in die Innung. Durch Unterschriftensammlung suchten die Kri'uiK'r diesen Beschluß wieder rückgängig zu machen. Am 28. Juli 1858 verlangten 117 Leipziger Kinnen. „duU «lie Aufnahm«' eines Juden in die christliche Kramerinuuug wieder aufgehoben werde, denn dadurch würde der Kleinhandel den Christen gar bald entnommen werden. . . . Genannter Levi scheine übrigens nur ein vorgeschobener Posten zu sein, welcher dem jüdischen Kleinhandel die Tbore Leipzigs öffnen und denselben in unserer Slailt fixieren und ausbreiten soll. Ks bandele sich sonach nicht nur um «'inen einzelnen Kall, sondern um Einführung eines Prinzips, welches uns. unsere Familien, unsere Innung, unser«- Stadt und sogar die fiskalischen Interessen unseres Vaterlandes bedrohe und unvermeidlich unser und der Cnsrigen Unglück herbeiführen werde." Das half .-.her alh's nichts. Am 15. November 1855 wies «lie Kr.-isdirektlon Leipzig die Petenten ab. die Regierung folgt«', und am 22, Mai 1856 verlangte der Hat, daß «Ii«' Innung innerhalb acht 'lagen Levi aufnehme, andernfalls sie in Strafe genommen verde. Nunmehr richteten «Ii«- Krämer noch ein Immediatgesuch an den sächsischen König, aber auch dieser Schritt war vergebens. Der Hat