Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 19 (9.5.1930)
- Date
- 1930-05-09
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968776-5969168--3177-4877604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite I UKMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHKN KKI.KiloNSCKMKIXnK ZU LEIPZIG Niimincr I Donnerstag den 15- Mai, 20 Unr Großer Festsaal des Centrai Theaters («ot^-v) Donnerstag, den 15. Mai 1930, 20 Uhr Donnerstag den 15. Mai, 20 Ulu Gruppe junger Musiker Leipzig Einmaliges Sinfonie-Konzert Dirigent: Musja Gottlieb / Solis (Klavier): Georg Günther (15 Jahre PROGRAMM P, M e n d e t s s o h n - B a r t h o I d y! Henriden-Ouverture; Kurl Thomas: Serenade, op. 10; W, A. Mosarti Klavier-Konzert A*Duf (Koch.-Ver/.. Nr. 4Ks Beethoven Symphonie Nr. 4, B-Dur. Karten k I.SO M . 2.— M.. 3.— M .. 4.— M, bei Klemm, Jost. Althoffi MelJamt und an der Abendkai Von jüdischen Gelehrten Dr. Isaak Heinemann Professor an der Breslauer Universität. Dr, Isaak Heinemann, Dozent am Jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau, ist tum Honorarprofessor au der Philosophischen Fakul litt ernannt worden. Die Ernennung des Gelehrten, der sich auch hier in Leipzig durch wiederholte Vorträge große Schätzung erworben hal, löst llbet die Kreise der Breslauer Gemeinde hinaus herzliche Freude aus, Professor Dr. Heinemann ist 1876 in Frankfurt a.M. geboren, »•o sein Vater ehrenamtlich Dajan der Gemeinde war. Durch seinen Vater wurde er in das Studium der Grundschrift.....!<•> Judentums, Bibel und Talmud, eingeführt. Das Studium der klassischen Altertumswissenschaften an den Universitäten Straßburg, Göttingen, Berlin beschloß er mit einei von der Philosophischen Fakultät Berlin preisgekrönten Arbeit Ober Solon <!*'.*;). Kurie Zeil hat er auch .im Rabbinerseminar In Berlin studiert. 1887 legte er die Prüfung pro facultate dorendi ah uml war dann als w issenschafllicher Lehrer in Frankfurt a.M. an höheren Schulen tätig, l>i> er die wissenschaftliche Leitung des Heinemannschen Privat-Lyzeums in Frankfurt a. M. übernahm. Die Aufforderung des Phllon-Forschers Prof. Leopold i ohn, Breslau, zur Mitarbeit an der von ihm veranstalteten Philon- Übersetzung, gab Heinemann die Möglichkeit, zu seinen Lieblingsstudien und damit zur Wissenschaft zurückzukehren, Die Berufung an das Jüdisch-theologische Seminar in Breslau als Dozent für Religionsphilosophie 'le> Mittelalters gab ihm Anregung zu vertiefter Vrbeil auf dem Gebiet des Hellenismus. Den Abschluß seiner Philon-Studien bildete die Arbeit über Philona griechische und jüdische Bildung. Die Philon-Studien rührten ihn zu der zentralen Gestalt des hellenistischen Geisteslebens, zu Poseidon los, dem er ein zweibändiges Werk widmete. Auch der jüdischen Religionsphilo sophie des Mittelallels und weltanschaulichen Zeitfragen wandte Heinemann seine wissenschaftliche Arbeitskraft zu. Zu erwähnen sind -eine Schriften „Die Lehre von der Zweckbestimmung des Menschen im griechisch-römischen Altertum uml im jüdischen Mittelalter", „Völkerbund im Lichte des Judentums", „Zeitfragen im Lichte jüdischet Lebensanschauung" und viele» andere. Prof. Dr Siegfried Marek erdeatlicher Prel.......• iür Phil.....pkie und Saiialreehi an der Breslaaer Universität. Prot Di. Siegfried Marek, ein bekanntes uml verdienstvolles Mit glied dei Breslauer jüdischen Gemeinde, Abkömmling einer alten Breslauer Familie, bisher außerordentlicher Professor, i-t zum ordentlichen Professor für Philosophie und Soziairechl an der Breslauer Universität als Nachfolger von Prof, Königswald ernannt worden. Prof. Marek, der bedeutende Forscher, hat Vorträge in der jüdischen Volkshochschule gehalten, die eine große Anziehungskraft ausübten. Jüdische V« Zum lehnjlhrigen Jabillnm de- Verbandes Bayerischer Israelitischer \in jn. April 1920 wurde m Nürnberg unter dem Vorsitz des Geh. Justizraul Dr. Held und nach dem Referat von Dr. Alfred Neumeyer, jetzt Oberlandesgeriehtaral und Präsident des Bayerischen Verbandes, der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden gegründet. Dr. Neumeyer veröffentlicht aus dies..... Anlaß in der Mainummer der „Bayerischen Israelitischen Qemeindezeitung" einen Aufsatz, in welchem ,-r ausführt: Seit.....iir als hundert Jahren von Staat und Gesellschaft begehrt, vorhereitel In der Zeit vor dem Kriege, ist der Verband unter der Herrschaft der neuen Verfassung als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Steuergewall entstanden. In einei guten Stunde hatten die religiösen Richtungen, di>- Gemeinden, Rabbiner uml Lehrer /.nein ander Vertrauen gefaßt, und einmütig gab «Iiiverfassunggebende Versammlung dem Verband 'las Grundgesetz. Der Verband stellt sich heute als die öffentlich-rechtliche Vertretung <ler Juden in Hävern dar, Rr umfaßt mit Vuanahi......Iner einzigen kleinen Gemeinde alle Gemeinden inj rechtsrheinischen Hävern und in der Pfalz, mit mein all I'.mmiu Seelen. Er hal sich eine vorläufige Verfassung gegeben, die an 22. Februar 1926 in Augsburg ihren Abschluß erhielt. Sein Jahre» haushall im Betrage von rund 700000 Mark wird durch eine stetig* Umlage von :i"„ und einen Staatszuachuß von derzeit 70000 Mark deckt, ohne Widerspruch erkennen die Großgemeinden ihre Verpflirh tiuiL! an. für die Bedürfnisse des Landes zu sollten. Zahlreiche Land gemeinden sind vor dem Verfall bewahr! worden und haben Ihn Einrichtungen wieder aufgebaut. Die unwürdige Laue der Beamtet ist gehoben. Nach dem verbindlichen Rechte des Verbandes Italien dii Beamten der Gemeinden die Stellung öffentlicher Beamten. Ihre Ge hälter lehnen sich au die Gehaltsordnung des Staates an. Die Ituhe gehaltsuml Hinterbliebenenbezüge sind von dem Bayerischen Ver sorgung8verbande übernommen. Nur die Versicherung der Beamtet nichtdeutscher Staatsangehörigkeil trägt der Verband. Eine umfassende Beamtenordnung regell die Rechte uml Pflichten der Beamten. Dei Haushalt für Wohlfahrtspflege und andere kulturelle Leistungen macht rund 270000 Mark aus. Ein Landesslechenheim in Würzburg wurde geschaffen. Das Wohlfahrtsami des Verbandes arbeitet in enger Füh lung mit den jüdischen stellen im Lande und hu Reiche und mit den Behörden des Staates und der bürgerlichen Gemeinden. Die Geschichte des Landes wird in ihren Beziehungen zu den jüdischen Niederlassungen erforscht. Gotteshäuser und andere Kulturdenkmäler werden erhalten und wiederhergestellt. Der Verband hat durch einmütigen Willensakl in seiner Mustersatzung die inneren Angelegen heilen der Gemeinden geregelt, die seit mehr als hundert Jahren eine solche Regelung vergeblich forderten. Er gliederte die sämtlichen Juden in Hävern den Gemeinden an. Eine Rabbinatsbezirksordnung soll noch in diesem Jahre die gesetzgeberischen Arbelten zu einem vorläufigen Abschluß bringen. Der Verband, fährt Dr. Neumeyer fort, hal sich die Achtung und Anerkennung im Laude und bei der Staatsregierung erworben, uml seine Einrichtungen haben anderen Ländern, auch im Auslände, als Vorbild gedient. Er hal die Organisation nur soweit geführt, als Ordnung uml Zusammenhang dies verlangten. Denn er war sich bewußt, daß alle Institutionen uml Organisationen nur eine relative Bedeutung halten, daß der Geist alles uml die Institutionen wenig sind. Der Geschichtsschreiber unserer Gemeinschaft wird einst verzeichnen, daß alle Parteien und Gruppen unter Zurückstellung eigener Interessen uml im vollen Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeil stets das Wohl des Ganzen im Auge gehabt halten. Dr. N e ti m e y <• r schildert, <a ie unter der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse viele Kräfte erlahmt sind. Der Mittelstand ist vielfach zerrieben und die Steuereingänge lassen wesentlich nach. Ks ist kaum möglich, die Steuerausfälle durch Erhöhung des Steuersatzes auszugleichen oder einen größeren Zuschuß von dem schwer leidenden Staate zu erlangen. So uiuli man die Hinnahmen wesentlich geringer festsetzen und die Auagaben Im gleichen Umfange niedriger bemessen. Es gilt nun In entsagungsvoller Arbeil das Notwendigste zu gewähren uml das nur Förderliche zurückzustellen. In treuer Zusammenarbeit werden auch dieae schweren Zeiten überwunden werden. Und in erhöhtem Malte wird er es sich dann angelegen sein lassen, was in den Schlußworten des Referates vom 20. April 1!»*jo hervorgehoben ist, für das Wohl der jüdischen Gemeinschaft zu sorgen, dem Vaterlande zu dienen und zur allgemeinen Gesittung unter den Menschen beizutragen. Tagaag der Ziaalstitekea Orttgraaaea des Freist«..... Sachsas. Wir geben an dieser stelle bekannt, daß am Sonntag, dem II. Mal 1990 <l i e Ta gung der Zlonistise hen <> r 11:: rup- CR ANKER AKTIEN - GESELLSCn A IT J. Sprechmann Leipzig C1, Yorkstraße 9, Telephon 28693