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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-05-09 · 19 (9.5.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
19 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Mai 1930 GEMEINDEBLATT DER ISHAFLITISCHKN HFLKilONSnKMFINDF 7.F I.KH'/.Ki r>«-in- :t rwachienen ärger lügen als die Kinder, so ist ja auch ihr Lügen unrgleiehlieh gefährlicher und kann, bei liebreicher Gelegenheit! Macht in1 Gegenmacht und Übermacht im öffentlichen Leben werden, rotidem will Ich also nicht tagen, dafl die Erwachsenen aufhören ilen, die Kinder für das Lügen tu strafen (denn <las strafen hat — ir die Strafenden w ie für die Gestratten seinen Sinn, ol> auch nur Iten den der Besserung), will aber sagen, daß suin Schutt der durch b Lügen der Erwachsenen bedrohten Rechtsvolliiehung und Staatsrwaltung der Staat anfangen solle, das öffentliche Lügen iu bestrai und den erwachsenen Staatsbürgern die Wahrhaftigkeit zur Pflicht machen in einem viel gröBeren Umfang als Iiisher. Der Staat kann inen Staatsbürgern alle Pflichten auferlegen, die aus ihren Rechten [-vorgehen (anders darf er sie überhaupt nicht verpflichten als soeil Verpflichtungen berechtigt sind — dies das Verhältnis des Staatschts zum Privatrecht); und «las öffentliche Lügen uarf er so wenig eigeben lind ohne ernste Rechtsfolge lassen wie den Handel mit den iften — der Staat mufl w issen, mit was für Staatsbürgern er iu tun it. und er hat sein Wissen und seine Praxis zu verbessern. Mit solcher Verbesserung des Staates finden sich in ihm auch die iteressen der Juden angemessener repräsentiert und schreite! von Iiier auch die Judenemanzipation, das letzte und das schwierigste itüffk von der Emanzipation iiusrer Staaten, voran. Gant gewifl voran: lenn für den Judenhaß, <ler das Recht der jüdischen Staatsbürger zu mein Papierwisch machen und wieder terreifien will und alle Hunde egen sie hetzt und sie eintreibt, dafür die Schuld liegt nicht an den uden; die in die Verhältnisse von Nichtjuden und .luden tief elnge- Irungene Lüge, die Lügenhaftigkeit bewirkt solches. Nicht Figenschafl les Lügens von diesem und jenem einzelnen, das sei immer wieder beint; denn ich beschuldige, so wenig wie die .luden, ebensowenig die udenhasser, — in die allgemeine Schuld der Menschennatur gesetzt, linden auch diese sich entschuldigt. Es ist gar nicht die Hede von iigen dieser oder jener Menschen, sondern vom Lügen d e s Menschen. 1 in der auf das Wesen unsrer Nalur gehenden allgemein menschlichen Qgenhaftigkeit, die da reicht von der normalen idealistisch moralkriligehen Selbstbelügung über den eignen Wert mit Herabsetzung des nderii bis auf die abnorme bewußte schurkische Lüge und natteriftige Verleumdung aus Bosheit und Schadenlust, die eigentlich aataische Gesinnung, Von der allgemeinen Lügenhaftigkeit und dem geselligen Lügen laube ich genügend deutlich gesprochen zu haben, auch von der mo- Blisch-ideallstischen Selbstbelügung dabei; WO denn die Lüge für das igne Gewissen SO gut erscheint w ie ilie Wahrheit. Niedertracht gegen •Ii Feind ehrenpflichtig ist und über jede gegen Ihn gelungene Teulei der Mut in die Luft geworfen w ird — denn der Mensch, welcher die Vahrheil und Schönheil nicht denken und fühlen kann, glaubt an die ,üge, besonders an die mit dem Hochmut verbundene gut gefärbte Lüge I s a u W a Ii r Ii e i t u u d S c h ö n h e i t. e r f ü Ii I t sie als Wahrheit nd Schönheit; und dürstet ja nach dem geselligen Hochmut und ein geselligen Lügen, damit er nur ja nicht einer unter den intern, sondern einer v o r den andern, über den andern sei. enn auch nur dadurch. dal.! er andre kann unter seine Külte treten. An der allgemeinen Lügenhaftigkeit, so weit und breit wohnend ie die Menschheit und dauernd von Anfang bis heute und bis iu alle wigkeit, hatten, haben und behalten natürlich auch die jüdischen laatsbürger den vollen menschlichen Anteil, der aber hier außer Beseht bleibt; denn liier, für untren Gegenstand, handelt es sich um ie gegen sie sich erhebende und sie umwachsende Lüge, dahinein sich der Weg ihrer Freiheil wieder zu verlieren droht. Die von jüdischer Abstammung sollen au sich selbst (durch ihre Geburt) au» dem Rechtsstande in den Unrechtsstand gesetzt, sie, die .luden allein, sollen vom bürgerlich vereinten Menschenleben ausgeschlossen und, slatt zu Staatsbürgern des Rechtsstaates, absolutistisch wieder zu Unterteil e n gemacht sein — I u d e n e I e u desl e u 1' n t e r t a n B n d e r Lügner. Was hier ilie Lügner für die .luden schaffen wollen, stellt ganz im eigentlichen Wesen der Lüge Uberhaupt, Jeder Lügner nimmt — in Hinsicht auf den Gegenstand seines Lügens dem Belogenen Recht, Freiheit, Gleichheit; denn mit seiner Lüge schliel.it er ihn aus von der Allgemeinheil der Welt und des Lehens. Untre Wirklichkeit, «las ist der kausale Zusammenhang untres Denkens, womit wir (dieses kausale Denken in Obereinstimmung mit den übrigen Menschen produzierend und dieser Produktion gemäß redend) iu der Allgemeinheit der Menschengesellschaft untre besondere Lebens- Fürsorge betreiben (vgl. Brunner, Liehe. Ehe, Mann und Weih, s. 362R.), Der Lügner ttößl den Belogenen in eine falsche, fingierte Kausalität, darin der Belogene, als in einer feindlichen Schlange, verstrickt wird und Schallen nimmt. Lügt, Menschen — ihr seid nicht schuld daran, ihr könnt nichts andres von Nalur: das Lügen ist eine organische Notwendigkeit. Aber ihr seid auch von Natur gemacht, aus egoistischen Beweggründen, den Staat zu machen als das Mittel des Rechta und der Freiheit für euch alle: und ihr könnt einen Staat machen, der zwar nicht das Recht unter den Menschen zu absoluter Herrschaft bringt — dies widerspricht dem Zustand der Menschenwelt, als dem Zustand der Bewegung, ein absolut vernünftig rechtlicher zu sein, und es wird nie einen einzigen Menschen geben, der nicht irgend einmal Unrecht leiden und sich das Gleichgewicht der Seele gestört seilen müßte; aber ihr könnt einen Staat machen, der möglichst wenig Verträglichkeit mit Lüge und Unrecht zeig! und möglichst viel Hecht schafft. Indem erden ausgelassenen und nioralbissigeu Wüstling Fgoisiiius bändigt und den Egoisten allen das Maß bestimmt, ist er das Hecht und dieTreue. welche sie nicht in sich und an sich haben und doch wollen und nicht entbehren können, und liegt ihrer aller vernünftig Teil in i h in , i m Staate; den wir darum preisen müssen als das erhabenste Werk, welches die Natur durch den Menschen vollbringt für den Menschen, für das egoistische Gesamtleben und damit für jeden Egoisten, als das großartigste Kunstwerk des praktischen Verstandes oder der Lebensfürsorge. Dies das (irol.tartige und erhalten Schöne beim Staat, dal! mau von ihm nichts als Egoismus erwartet, d. Ii. daß er auf nichts sehe als auf den mit der Vernunft und dem Recht übereinstimmenden Nutzen aller, und daß mit ihm die egoistischen Finzelnaturen über sich selbst, auch über die Lüge des Selbstbetruges. hinausgehen. Das wirkliche liechl im Staate, iu der leitenden Vernunft der Gattung, ist «las des wirklichen Egoismus; dieser wirkliche, reine Fgoisiiius weilt nichts, richtiger: hält sich iu der Indifferenz fern von den metaphysisch religiösen Träumereien, von denen nur die Egoisten w issen, von dein (iottesreicli im Himmel oder auf Erden, duldet keine Verfärbung mit ihnen: auch von der Moral und den Zierbehängen des Ideals bleib! das Hecht getrennt, und mit der .Moralkritik gegen irgendwelche Staatsbürger darf Staat und Recht nichts gemein kriegen, mit dem Vorurteil und Hai.! so wenig wie mit der Vorliebe oder nur mit dem Mitleid. Deswegen ist der Staat gut. weil er der allen Egoisten gute. d. h. nützliche, der gegen alle die dilTerenten Egoisten gleichmäßig gerechte ist. Um gegen alle die Differenten gerecht sein zu können, ist er indifferent gegen ihre Differenzen oder t o I <• r s n I, Vorleger 1,40x0.80........ RM 55.- BrUcken 2,10 x 1,30........ 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