Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 18 (2.5.1930)
- Date
- 1930-05-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer |,s Donnerstag den 15. Mai, 20 Uhr ] Großer Festsaal des Central-Theaters (oornffAV) Donnerstag, den 15. Mai 1930, 20 Uhr Donnerstag den 15. Mai, 20 Uhr Sriippe junger Musiker Leipzig Einmaliges Sinfonie-Konzert Dirigent: Musja Gottlieb / Solist (Klavier): Georg Günther (15 Jahre) PROGRAMM p Mendelitohn-Birtholdy: Hebrtden-Ouvertüre; Kurt Thomas: Serenade, op, 10; W, A. Mrawrti Klavier-Konzert A-Dur (Koch.-Ven. Nr. 488 Beethoven: Symphonie Nr. 4, B-Dur. - Karten ä I.SO M., 2.— M„ 3.— M.> 4.— M. bei Klemm, Jost, Althofl, MeUamt und an der Abendku* Menschlichkeitsgedanken, legi aber quietistische Ergebung in den Katurlaul nahe. In Israel erwuchs ans dem Glauben an «lfii einen (ititt die Idee der einen Menschheit; und da dieser eine Gotl sugleich als Göll der Gerechtigkeil und der Liel.....rkannl wurde, trug der Menschheitsgedanke sugleich humane ZOge. Die Ueberwindung der Schwierigkeil glückte hier leichter, da Unterordnung unter il«'ti Willen Gottes gelorderl wurde, der nichl Ergebung, sondern gerechte Tal von uns verlangt. Daher sind die Vertreter der Humanität im Judentum zugleich stärkste Willensmenschen gewesen. Die Ueberwindung dos Gegensatzes von Partikularismus und Universalismus gelang aul dem Wege, daß man an die Sendung Israels glaubte; der Jude soll daher Beinen Eigenwerten treu bleiben, um sie der Menschheil zu verkünden. Nicht Philantropie, sondern Mitgefühl (Berta) fordert der jüdische Humanitätsgedanke. Aus dem jüdischem Leben Theodor Herzl» To. Geburtstag, Am -l. Mai 1930 jährt sieh /.um To. Male der Tag der Geburl Theodor Herzls, des verstorbenen Schöpfers der modernen zionistischen Bewegung und Begründers der Zionistischen Weltorganisation. Theodor Heril wurde 1860 in Budapest geboren und starb 1904 in Edlach am Semmering. Kr. der eine nur formale jüdische Ersiehung genoB, widmete sich zuerst juristischen und literarischen Studien und schlug später endgültig die schriftstellerische Lautbahn ein. Von 1WM bis ISiMi war er Vertreter der ..Neuen Freien Presse" in Paris, wo er durch die Erfahrungen des Dreyfus-Prosesses zu zionistischen Gedankengingen kam. Nach Fühlungnahme mit den Kührern der bereits bestehenden Organisationen der Chowewe Zion entschied er sieh für Palästina als das Land des zukünftigen Judenstaates. 1896 verfaßte er die Broschüre ..Der Judenstaat", in welcher er einen Plan zur Losung der Judenfrage auf nationaler Grundlage entwirft. Bald natu Erscheinen des „Judenstaates" sammelten sich um Herz] alle ähnlich denkenden, zum Teil bereit» organisierten Zionisten. Unterstütz! von Mas Nordau, begann Herzl eine propagandistische Tätigkeit großen Stils und knüpfte politische Beziehungen an. Kr fällte den Plan jährlich zusammentretender Weltkongresse und gründete aus eigenen Mitteln „Die Welt" als Zeniralorgan der Bewegung. Der erste Zionistenkongrefl wurde am '.'it. August in Anwesenheil von iü7 Delegierten aus den verschiedensten Ländern in Basel eröffnet. Er beschloß das sogenannte Baseler Programm, das die „Schaffung einer öffentlich-rechtlichen gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" fordert. Herzl setzte die bereits vor dem Kongreß begonnenen Verhandlungen mit der türkischen Regierung fort und hi; nebte in den folgenden Jahren die einflußreichsten europäischen Höfe. Er wurde von Großherzog Friedrich von Baden, Kaiser Wilhelm II., dem König von Italien, «lern Papst, dein Gro8wesif und wiederholt vom Sultan empfangen. Der britische Kolonialminister Chamberlain, Lord Salisbury, Lord Landsdowne, deutsche und russische Persönlichkeiten von großem Einfluß wurden für die Suc he gewonnen. Seit dem dritten Kongreß forderte Herzl einen ..Charter" unter türkischer Souveränität. isit'.i gründet er als Kinanzinstrumcnt der Bewegung 'Iii- Jewish Colonial Trust, die aber nur einen Teil des beschlossenen Aktienkapitals aufbringt. Da die türkische Regierung dem Judenstaate nicht zugeneigt i-t. vermittelt Chamberlain das Angebot einer »roden Landkonzession mit „Charterrechten" in British Uganda. Dieses Anerbieten Andel auf dem •>. Kongreß (1903) heftigen Widerstand. Das Projekt wird v.....lern nächsten Kongreß endgültig abgelehnt. Im Frühjahr 1904 erlitt Herzl Infolge der aberstandenen Kämpfe und Aufregungen einen Zusammenbruch seiner Gesundheit; am :i. Juli 1 1h»4 erlag er seinem Herzleiden; zu Edlach am Semmering tat er -einen letzten Atemzug. Unter erschotternden Kundgebungen gewaltiger Volksmassen ist er auf dem Friedhof in Döbling (Wien) zur letzten Hube bestattet worden. Alliier in seinem ...Iuden>taat" Schilderte Herzl in seinem großen Hornau ..Alt-Neuland" das wiedererstandene Palästina. Kr schrieb auch eine Reihe auf der Bühne erfolgreicher Dramen, unter ihnen „Das neue Ghetto". Seine Meister-Feuilletons wurden nach seinem Tode in Buchform herausgegeben. — Die Zionisten der Stadl Wien, wo Herzl gelebt hat, und von wo aus er die zionistische Bewegung organisierte, werden diesen Tag besonders festlich begehen. Das zionistische Landeskomitee voran staltet am Sonnabend, dem 8, Mai, im großen Musikvereinssaal eine „Große Gedenkfeier", in der Herr Leo Motzkin, Präsident des Zionistischen Aktions-Comitees und des Comltee des Delegations Juives die Festrede halten wird. Am Sonntag, dem 4. Mai, vormittags, Andel ein „Gang zum Grabe llerzls" statt. In der Woche vom •">. Mai wird eine große Herzl-Ausstellung mit Vorträgen abgehalten. Der Verband der Demokratischen Zionisten (radikale zionistische Opposition) plant seinerseits eine Reihe Veranstaltungen. Hilf«« erk für jüdische Studenten. Deutsche Lehranstalten sind von jeher von jüdischen Studieren den aus den östlichen Ländern Kuropas gern aufgesucht worden. Dies geschah wegen des hohen Standes der deutschen Wissenschaft und des auch schon in der Vorkriegszeit in Osteuropa herrschenden Antisemitismus, Der II i I f s v e r e i 11 der Deutschen .luden, der es sich u. a. zum Ziel gesetzt hat. an der kulturellen Hebung der •luden im Osten mitzuarbeiten, hat sein besonderes Interesse den Studierenden zugewandt, denen die Wege zu ihrer Fortbildung so »ut wie verschlossen waren. Nach dem Kriege befanden sich in Deutschland mehrere Tausend jüdische Studenten zum grüßten Teil in bitterer Not. die sich um so mehr steigerte, als die Möglichkeiten, von den Angehörigen unterstützt zu werden. Infolge der politischen Wirren und wirtschaftlichen Zerrüttung in Osteuropa immer mehr schwanden. Die Lage vieler junger Menschen, die jahrelang unter den größten Entbehrungen gearbeitet hatten, war eine verzweifelte. Ks »alt zunächst ihnen Hilfe zu bringen. Dr. Paul Nathan, einer der Mitbegründer und Kührer des Hilfsvereins, regte im Sommer 1924 beim Hilfsverein eine Hilfsaktion au und setzte sich mit größter Hingebung für die Durchführung derselben ein. Der Hilfsverein übernahm die Leitung der Aktion: er interessierte die Jewish Coionization Association und das American Joint Distribution Committee für dieses kulturell außerordentlich bedeutungsvolle Hilfswerk. Von (lieseil zwei Organisationen sind im Laufe der leisten Jahre dem Hilfsverein für das Studentenhilfswerk beträchtliche Summen zur Verfügung gestellt worden. Ferner sind von einzelnen jüdischen Gemeinden und Privatpersonen Beträge beigesteuert worden. Die dem llilfsverein überwiesenen Gelder wurden dem Verbände der Jüdischen Studentenvereine in Deutschland zugeführt, der den llilfsverein von Semester zu Semester über die Höhe der jeweils erforderlichen Summen für Prüfung*- und Studiengebühren sowie für Stipendien informierte. Der llilfsverein bewilligte dem Studentenverband aus eigenen Komis nicht unbeträchtliche Mittel und unterstützte noch gesondert eine Anzahl von Hörern. Im ganzen sind für diese Aktion von Mille 19J4 bis Knde 1929 rund 177000.— Mark vom llilfsverein aufgebracht und verausgabt worden. Mit diesen Summen konnte der Hilfsverein einer sehr großen Zahl von jüdischen Studenten den Abschluß ihres Studiums an deutschen Lehranstalten ermöglichen; insbesondere auch solchen jüdischen Akademikern, die Infolge der numerus clausus-ßewegung in Ungarn, Polen und Rumänien deutsche Hochschulen aufzusuchen genötigt waren. Die Aktion wird Fortgesetzt. Im ganzen wurden vom Sommersemester 1924 bis zum Sommerseniester 1929 1471 Studierende unterstützt an den Universitäten in Herlin. Breslau, Erlangen, Frankfurt, Freiburg, Gießen, Göttingen, Halle, .lernt, Kiel, Köln. Königsberg, Leipzig. Marbur». Würzliurg. den Technischen Hochschulen in Herlin. Braunsen weig, Darm Stadt, Hannover und den Technischen Anstalten in Altehburg Arnstadt. Frankenhausen, Hainichen. Käthen, Mittweida. Oldenburg, streiitz. Wismar. Zwickau. KM Studenten haben ihr Studium beendigt Hiervon studierten technische Wissenschaften 322, Medizin 2'Jit. Naturwissenschaften 106, philosophische Wissenschaften N'_\ Landwirtschaft '11, llandelswissenschnfl 28, Rechtswissenschaft 12, Musikwissenschaft 5.