Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 16 (18.4.1930)
- Date
- 1930-04-18
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite Ü GEMKINDBBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 1(> WILHELM HALLER Z u s<■ i n e in 28 j ä h r 1 g e n Berutijubil ä u m. D;is uralte Wort von dem Propheten, der nichts in seinem eigenen I ande gilt, trifft fttf alle möglichen BetfiHgungsgeblete der Menschen tu: ei bedarf häufig erai der Anerkennung einer istung durch Fernstehende, ehe auch die nähere l'ingebüng den Wort und (Ins Können eines Menschen ichfit* len lernt. De.- Name Wilhelm Hai- I i' r ist in Leipiig einem viel zu kleinen Kreise als der Name eines Architekten von hohem Range bekannt, während man dm draußen in der Welt, vor allem in der jüdischen Welt, mit bewundernder Hochachtung nennt. Durch seine großartige Lösung unserer neuen Friedhofsanlage ist sein Ruf Ins nach Amerika gedrungen. Bei «lern Wettbewerb um den geplanten Hamburger Synagngenbau. für den von vornherein nur eine gant kleine Zahl von bewährten BaukOnstlern herangezogen war. ist auch Wilhelm Maller eingeladen worden. Eine stattliche Reihe von Gemeinden haben ihn mit der Ausführung ihrer Kriegerehrungen betraut Und oft genug, wenn mau außerhalb Leipzigs von jüdischen Architekten spricht, weist man auf den großen Könner Maller hin. auf den wir Leipsiger Stoll sein dürften. Kiu Rückblick auf sein 25jähriges Schaffen leigt in der Tat eine Külte voll Erfolgen, die die hohe Worlung durchaus rechtfertigt. Wilhelm Maller (1ks4 in Qleiwiti geboren) erhielt seine berufliche Ausbildung auf der Gewerbeschule in Dresden (wo er auch die praktischen Lehrjahre durch- Synagoucnwcttbcwcrb HamburR. Perspektive. Jh,■ VLJLt^ M W machte), der Bauschule in Zittau und der Hochschule in Darmatadt, wo er auch Schiller von Prof. Hülsen war. Seine praktische Betätigung begann Maller in Breslau und Frankfurt a. M. als Bauführer und im Büro bedeutender Architektenfirmen. Schon in Frankfurt fand er so Gelegenheit, seine Fähigkeiten an großen Aufgaben /.u erweisen-, unter nnderm war er bei dem Durchbruch der Altstadt beschäftigt In Gemeinschaft um dem Architekten seni errang er schon in jenen Jahren die ersten Anerkennungen: einen ersten Preis beim Wettbewerb um die Kirche in Oberrad bei Frankfurt a. M.. einen weiteren ersten Treis beim Wettbewerb Ulli die KohaUIIIU> des Hollhauaen-Parkes in Frankfurt Seil 1911 wirkt Maller in Leiptig; anfangs als Mitarbeiter des Architekten Häusel. dann iler Bauräte Weidenbach und Tsehamuier. und seit Juni tili i selbständig. Auch in dieser Zeit errang sich der Künstler schönste Anerkennungen. Beim Wettbewerb für die Bebauung der strnüv des in. Oktober wurde ihm der erste Preis zuerkannt: ein /.weiter Preis für einen Entwurf der Mecklenburg-Brücke in Möckern: ein Ankauf beim Geschäftshaus Bartelahof, ebenso bei der Bebauung in Carlowita bei Breslau. Als jüngsten Erfolg kann Maller seine Beteiligung am Hamburger Synagogenwettbewerb buchen, bei dem sein Entwurf in die engere Wahl gesogen wurde. Auch in der praktischen Ausführung hat Maller sich einen weithin klingenden N:imen gemacht. Vor allem durch die Bearbeitung der ersten Siedlungen, die gegen Ende des Krieges und unmittelbar, nach Friedensschluß in Kohurg, Stendal. Weißenteis usw. entstanden. Als eines der jüngeren Beispiele seiner Architektenkunal sei die grolle Umgestaltung des Kaufhauses .loske (Plagwits) genannt WO Maller eine neue Fassade geschaffen, insbesondere nlier eine allgemein gerühmte Lösung für einen Erweiterungsbau durchgeführt hat: die neu geschaffene, zirka iitio qm grolle Verknufslialle fügt sich zu ausgeseichueter Einheit mit den umgestalteten alten Verkaufsräumen des Hauses. Bei dem Bau von Siedlungshäusern, den der Rat der Stadl Lelpsig jetzt durchrühren liil.lt. ist ihm der Entwurf und die künstlerische Oberleitung für eine Anzahl dieser Häuser über- 1 ragen worden. Hingewiesen sei schließlich auch auf das Tankhfiuschen am Yorkplatz. das in hervorragender Weise sich bemerkbar macht Neben dieser reichen und erfolgreichen Betätigung im Profanbau (unsere AbbikJun t;en seigen einige Beispiele, darunter auch eines für eine Inneneinrichtung) bewährt sich Maller auch in Sakralbauten und -entwürfen. Ks erübrigt sich, hier nochmals von der künstlerisch ungemein hochstehenden (iostaltuug unseres neuen Friedhofs zu sprechen. Nicht weniger gelangen ist die Friedhofshnlle, die er jüngst für Halle fertiggestellt hat. Sein grobes und reiches Können beweisen auch seine kleineren Arbeiter!; die Kriegerehrungen, wie sie auf unserem alten Friedhof (Berliner Straße), in Dresden. Zittau. Kisenach. Erfurt. Harburg, Meiningen Aufstellung gefunden haben; die zahlreichen Entwürfe für Grabmäler, die so glücklich traditionellen (Seist mit neuzeitlicher Gestaltung verbinden. Wo auch immer der Kormensinn des Architekten zur Verwirklichung drängt nie Versagt die Kunst Halters (auch der so viel bewunderte Entwurf zu dem blauen Thoravorhang der Gemeindesvnagoge stammt von Kaller). Gerade eben, gleichsam als Geschenk Grabmal Neugass (trabmal Hirsch. zum Berufsjubiiüuiu, erscheint über Maiier ein Werk, das einen Querschnitt durch sein künstlerisches Schallen gibt (Wilhelm II a I I e r. Mit einer Einleitung von Stadtbaudirektor Max Reimann. Berlin. Lelpsig, Wien I9H0, Verlag Ernst Hübsch). Mit freundlicher (ienehmigung des Verlages entnehmen wir diesem