Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 16 (18.4.1930)
- Date
- 1930-04-18
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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is. April 1930 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEJNDE ZU LEIPZIG Seile .'1 Ruche die fachmännische Würdigung von Hallen Werk durch Stadtbaudirektor Relmanni „Eins kennieichnet Maller vor allein: er hegt eine tiefe Ehrfurcht itegen <lie Vergangenheit, und er faßt die Gegenwart fest mit beiden Münden. Man muß einmal mit ihm in Keinen Reiaeakiiaen aus allen Teilen unaerea Vaterlandes geblättert halten. Dann spürt man, mit welcher Begeisterung er die Baukunst unserer Altvorderen studiert hat Und man midi mit ihm das Entstehen eines Bauwerkes erlebt halien. um zu wissen, mit wie klarem, scharfem Blick er tugleich die praktischen Forderungen und den künstlerischen Ausdruck meistert. Und immer spürt man: hier schaff! ein Mann nicht nur aus auflerer Veranlassung, sondern aus innerem Bedürfnis. Dem ist das Bauen Lebenstweck. Maller steht auf dem Boden der Ueberlieferung und ist dadurch vor den Irrealen so mancher Neutöner t;eteil, die so yern mit Schlagworten unigehen, bei denen so hiiiiliü ein vorgetafites Stilprinsip — uneingestanden und darum unaufrichtig sich vor die vernünftige Lösung stellt. Maller ist zu sehr Praktiker, hat einen KU gesunden Sinn für die Folgerichtigkeit von Ursache und Wirkung, von Zweck und Ausdruck, auch zu viel Verantwortungsgefühl, um nach dem Bezept eines Architekturscharlatans zu arbeiten, der hinter der Maske der Sachlichkeil allerhand unsachlichen lliifuy treibt Qewifl soll man über die Verbundenheit hinauswachsen, aber man mall sie unter den Kütten liehalten. Man soll das Neue nicht machen, nur weil es neu ist und weil es andere auch so machen, sondern erst wenn mau aus innerer Notwendigkeit dazu gelangt ist Nicht modisch sollt ihr schallen, sondern wahrhaft. .Die Pflanie kann es dich lehren.' Und wenn dein Werk so gewachsen ist. dann wird es auch später noch Befriedigung und Anerkennung erwecken, wenn es einmal historisch geworden ist. Das Maus Kr. in Berlin von ttrjii ist in seiner äußeren Erscheinung noch gani Ueberlieferung: Berliner Bürgertum von vornehmer Zurückhaltung, Die Architektur ist fein ab gewogen, ihre Einzelheiten sind i;ut durchgebildet Das Geschäftshaus I. I. Krank in Ottenbach von 1827 schlägt schon eine andere Note an. Gemeinsam beiden der klare Aufbau selbstsichere Haltung. Einen breiten Baum in Maliers Schaffen der letzten Jahre nehmen seine jüdischen Kultbauten ein. Er geht hier eigene Wege, teigt dalt man sich nicht orientalisch zu gebärden braucht, wie das so Imme die Regel war. Haller gibt sich hier durchaus deutsch, fügt seine Speisezimmer. Deckengemälde: Kunstmaler Heinrich Birhifi, Berlin LeJ.c!Wdrcn-l:ubrk J. ]. Frank, Offenbach a. Main nuten Verhältnisse, <ti Bauten dem deutschen Stadt- und Landschaftshilde ein. Sein Leipziger Friedhofsbau draußen an der Delitischer Landstraße mit dem hellblauen Putz und den roten Dächern ist eine erfreuliche Bereicherung des Landschaftsbildes. Man kann sagen: hier hat er sein Bestes gegeben. Die Haupthalle mit ihrer geistvollen Stalaktitenkuppel wird ,i '(lein ein Erlebnis sein, der sich einem Raumeindruck hinsugeben weilt. An diesem Bau hat dei Architekt so recht in den Wirkungen des Materials schwelgen können und ei beherrschte es. Bald darauf kam Maller im Main Im iiier Synagogenwettbewerb in engere Wahl, seine Entwürfe — keiner mit der üblichen Kuppel teigen mit ihren eigenartigen Gedanken den selbständigen Geis! und die schöpferische Phantasie, die auch das Leipziger Werk» bekundet. Mau beichte die akustisch Uberlegte Raumform. Der Sprecher spricht wie in einen Schalltrichter hinein. Die Abtreppung der Langwände ermöglicht es. die Fenster ohne Blendung der Andächtigen ansubringen. Die Idee verdiente, schon als Versuch einmal verwirklicht zu werden. 1928 folgte als Ausführung der Friedhofsbau in Malle a.d.s., kleiner und schlichter als der Leipsiger, aber aus demselben Geiste. Leider nur auf dem Papier steht der vielversprechende Entwurf zu einer Synagoge und anschließendem Gemeindehause für Leiptig, an städtebaulich bedeutsamer stelle gedacht, ein Beweis, wie Maller an seinen Itauten gewachsen ist. Demnächst wird unser Architekt auch dem städtischen Wohnungsbau seiner zweiten Heimat Leiptig sein reiches Können zur Verfügung stellen. Wie gründlich und verständnisvoll er sich auch mit städtebaulichen Kraben beschäftigt hat, beweisen seine Ausführungen im 1820er Jahrgang des .Profaiibaues", wo er eingehende und wohlbegründete Vorschläge für die Altstadl und den Promenaden ring Leipzigs machte. Mancherlei, was er dort anregte, ist inzwischen von der Erkenntnis zur Tat gereift, manches Iiis zur ernsthaften Planung gediehen. Den Schluß des (Querschnitts durch Mallers Schaffen bildet ein sogenanntes Slraltenmübel, eine Tankstelle von dreieckiger Grundform, die auf dem Vorkplalze in Leiptig ausgeführt werden soll ')• Wie ein mah rhebt sich au der einen Ecke die leuchtende Säule: nender Finger Iiier hm ich, um Betriebsstoff abtugeben, und auch hier bin ich, der Ideenreiche Architekt, der Autträge als Betriebsstoff für seinen schöpferischen Geist braucht." ') Inzwischen ausgeführt worden ist.