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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-02-28 · 9 (28.2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
9 (28.2.1930)
Date
1930-02-28
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seit« 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 1t für den Heimaral eingerichtet, In dem dieser Unterauobungen vornehmen kann. Die Wirtschaftsriume befinden sieh in den, durcli besonderes Geschick des Architekten, ebenfalls ungewöhnlich hellen Kellerriumen; um diese Räume herum ist die Knie tief ausgesebachtet, so dilti ihnen gleiche Helligkeit gegeben ist wie den höhergelegenen Räumen. Bei der Fertigstellung soll das Heim vorerst für 86—40 Insassen bereitgestellt sein. Ks ist jedoch schon ein Hinterhaus aufgeführt, das von den Stiftern im Rohbau vollständig erstellt wird und gegebenenfalls ohne grofie Mühe für nochmals 80 Insassen eingerichtet werden kann. Neben der die Gestaltung des Heimes bis in die kleinsten Einzelheiten hinein bestimmenden wohltätigen Stifteriu und ihrer Familie gebührt für das ausgezeichnete Gelingen des Werkes dein Architekten Herrn Hinsel größte Anerkennung, der auf die Gedanken der Stifterin in der verständnisvollsten Weise eingegangen ist und mit unverkennbarem Geschick seine Aufgabe gelöst hat. Bekanntlich wird das Heiin unter dem Protektorat dos sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes stehen und Männern und Krauen aus allen sächsischen Gemeinden Aufnahme bieten. Die Verwaltung wird durch ein Kuratoriuni geführt werden, dem, außer V ertretem der sächsischen Gemeinden, auch im besonderen die Vertreter der Familie AriOWitSCh angehören werden. G. C. Noch ist die innere Ausgestaltung des Ariowitsch-Altersheiinet nicht abgeschlossen und doch repräsentiert sich der bisher vollendete Teil des Heimes schon als eine in Form und Material einheitlich geschlossene Leistung, die vom Bauherrn angeregt, vom Architekten und Baumeister wohldurchdacht in Plänen und Skizzen niedergelegt wurde, um zuletzt von den einzelnen Gewerken dann ausgeführt zu werden. Viele fleißige Hände mußten sich rühren, um in monatelanger Arbeit das Heim, welches unser Bild auf der Titelseite zeigt, entstehen zu lassen. Die Maurerarbeiten, zugleich Rabitz- und Monierarbeiten besorgte die Firma Hugo Pause, Klisenstr. 4(i, die als Son dergebiet die Verkleidung feuergefährdeter Bauteile, den Einbau von l.eichtwänden. Decken, Isolierungen und der Luttanlage besorgte. Die Zimmerarbeiten, einschließlich des Daches, der Fußböden und der Treppen lieferte die Finna J, A. Schumann, Radiussir. 10. Die Verankerungen, die nötig sind, um dem Mauerwerk den erforderlichen Hall zu geben, sowie andere Schlosserarbeiten wurden von der Firma Curt Maring, Ranstädler Steinweg 17 ausgeführt. Die Falzdächer, die notwendigen Fallrohre, Dachrinnen und Fensterabdeckungen baute die Firma P. Tinschert, Mockauer Str. HG, ein. Die sonstigen umfangreichen Dachdeckerarbeiten besorgte die Spezialfirma für solche Arbeiten, F. Vorsatz, Oeserstr. 21. Die Abdeckungen der Lichtschächte durch Luxor-Glashetonkonstruktionen lieferte die Finna Vollrath Schwenke, Mahlmannstr. 18. Umfangreiche Verwendung fanden die Kunststein- und Steinmetsprodukte der Firma Reinh. Berthe! & Sohn, Ltttsner Str. 1681, An gleichen Arbeiten hatte die Steinmetz- und Bildhauerfirma E. J, Einsiedel Nacht., Berliner Str. 121 hervorragenden Anteil, wiche Firma allen Gemeindemitgliedern durch ihre kunstvollen Grabsteine und Denkmalsarbeiten bestens bekannt ist. Die Heizungsanlage wurde von der Firma Gebr. Körting. Hannover, durch deren Leipziger Filiale, Markgrafenstr. H, in bewährter Weise ausgeführt. Die im Keller gelegene große Kochküche und die dazugehörigen Nebenräume sind alle den modernen hygienischen Grundsätzen entsprechend mit Wand- und Fußbodenplatten ausgestattet, welche den Vorzug haben, den Räumen eine harmonische und warme Wirkung zu verleihen. Auch die auf die einzelnen Stockwerke verleilten Einselbäder, sowie die Abortanlagen, sind mit Wand- und Fußbodenplatten ausgestattet. Mit der Ausführung der umfangreichen Fliesennrbeiten wurde das Spezialgeschäft für Fliesenarbeiten, Oreim & Wehner, Hardenbergstr. 20, Tel. 81268 und HTRSf) beauftragt Am Innenausbau war in besonderem Umfang noch die Fenster- und Türenfabrik Albert Möbius, Weststr. HO, beteiligt durch Ausführung von Doppelrahmen sowie Schiebefenstern. Die Herstellung und Lieferung von Steinholzfußboden für Zimmer, Flure, Trep|>enpodeste und Treppenstufen geschah durch die Saxonia-Stoinholz-Fußhoden-Fahrik, Alte Str. 81, Alle beteiligten Firmen haben ihr Bestes geleistet, um so ein Zeugnis für sächsischen (ieworhefloiß abzulegen. Jüdische Verbände und Gemeinden kufraf. Die .luden in den Ländern des Ostens leiden bittere Not wie nie zuvor.' Sie sind durch die politische und wirtschaftliche Veränderung, die der Wellkrieg mit sich gebracht hat, in schwerster Weise betroffen. Von den sechs Millionen Juden, die in Polen und Rußland leben, sind zwei Millionen völlig verarmt und stehen vor der Gefahr des Untergangs. Die Berichte über das Elend unter den jüdischen Massen im Osten sind herzzerreißend. Große Teile der .ludenheit der Ottlinder werden in ihrer kulturellen Entwicklung aufs schwerste bedrängt. Der Jugend droht körperliche und geistige Verkümmerung, wenn nicht schnell und weitgehend geholfen wird. In diesen katastrophalen Zeiten ist jüdische Solidarität heilige Pflicht. Professor Einstein führte kürzlich in einer wirkungsvollen Kundgebung des Hilfsvereins in Berlin aus. daß zur Abhilfe gegen die krassesten Notslände, unter denen die .luden gegenwärtig leiden, Organisationen mitwirken müssen, die kontinuierlich und systematisch jüdische Hilfsarbeit leisten. Kr hob hervor, daß der Ililfsverein der Deutschen .luden einen hohen Rang durch seine bisherigen Leistungen wie durch seine l'arteilosigkeit innerhalb der jüdischen Gemeinschaft einnimmt. Der Ililfsverein leistet in großzügiger Weise innerhalb Deutschlands jüdisch"!) Emigranten Hilfe, die über Deutschland ihren Weg nach überseeischen Ländern nehmen, die eine neue Heimat für sie werden sollen. Kr unterstützt Hunderte von strebsamen jungen Leuten, die Lehranstalten in Deutschland besuchen und vor dem Abschluß ihres Studiums stehen. Kr sorgt für die Erziehung und Berufsausbildung von jüdischen Progromwaisen, die von ihm aus der Ukraine nach Deutschland übernommen worden sind. Er fördert jüdische Schulen, Elementar-, Fach- und Haushaltungsschulen. Waisenanstalten. Volksun iversi tüten in den Ländern des Ostens. Er führt Aktionen zur Linderung von Notständen infolge von Mißernten, Erdbeben. Bränden und Unlieben Katastrophen durch und sucht bei solchen Gelegenheiten die Mittel zusammenzufassen, die in Deutschland zur Bekämpfung jüdischer Not aufgebracht werden können. Der Ililfsverein ist eine überparteiliche Organisation, der weiteste jüdische Kreise aller religiösen und politischen Richtungen angehören. Das Auswärtige Amt der Reichsregierung hat gelegentlich des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums des llilfsvereins seine kulturellen Verdienste in besonderer Weise gewürdigt. Auch die Auswandererfürsorge, die der Ililfsverein im engsten Einvernehmen mit deutschen Behörden, Konsulaten und ausländischen Organisationen durchführt, findet Anerkennung seitens dieser Stellen und wird von ihnen in entsprechender Weise gefördert. Wir bitten Sie, die Arbeit des llilfsvereins, die von außerordentlicher Bedeutung ist und nicht zuletzt im Interesse der deutschen Gemeinden liegt, in tatkräftiger Weise zu unterstützen und dieser Organisation, die seit fast drei Jahrzehnten ein umfassendes Hills- und Kulturwerk vollführt, als Mitglied beizutreten. Dein Präsidium des llilfsvereins gehören zur Zeil an: Dr. James Simon (Berlin). Generalkonsul Bugen Landau (Berlin). Max M. Warburg (Hamburg), Willy Dreyfus (itorlin). Nähere Auskünfte über das Werk des llilfsvereins erteilt dessen Lokalkoniitee in Leipzig. Ritterstraße 1/8. Knie erfolgreiche soiiale Enquete der deulsrhen l^mdeszenlralr des Weltvcrliandes der Srhomre Sehahhos. In der Verwirklichung des Arbeitsprogramms, nach dem der Weltverband Schonire Schahhos nicht lediglich den Sabbath vor Entweihung schützen, sondern auch positive Wege und Möglichkeilen zu seiner Heiligung schaffen will, hat die deutsche Landeszontralc des Weltverbandes eine großzügige Aktion unternommen, um sowohl Niederlassungsmöglichkeiten für jüdische Kaufleute, Handwerker und Angehörige der freien Berufe in der Provinz zu ermitteln, als auch Arbeitsmöglichkeiten für jüdische Unternehmer festzustellen. Diese Unternehmung hat ein durchaus befriedigendes Resultat gezeitigt, so daß der Weltverband Schomre Schabbos auf Grund dessen in der Lage ist, eine Reihe von neuen Existenzmöglirhkeiten unter voller Wahrung des Sahhr-thgesetzes nachzuweisen. Sako.

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