Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 9 (28.2.1930)
- Date
- 1930-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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emeitiö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Da» (icmclmh'hhitt cntdirint Irden Inn,in und wird den Mitgliedern der KrllKHins^cmrlndc um-nim-ltlldi durdi dir INist /iikchM-IIi - Schrlftlaltuncl Ccmelnderabhlncr UUttO Cohn, l.rip/ijt, l.ohrstraUc 10 NUMMER O / JAHRGANG 6 FREITAG 28« FEBRUAR 10IO An/t-igriivtTMultun^ und Druck: HudidruduTcl August Pries. Letadg, BrMerttr« 59 - Pcrnrul 700 06 - ratt- MheCK LHu/lg 53920 - NadidruuV nur mit OuHIrnangabc und mit tirnt'hminunK des Verfassers gestattet DAS ARIOWITSCH-ALTERSHEIM Nur wenige Monat«* noch, und es wird sich an die grofien und schönen Zeugnisse echt jüdischiMi Sinnes für opferfrohea Wohltun ein neues anreihen: inmitten unserer Gemeinde wird ein neues Heim seine Pforten Offnen, das alten Männern und Frauen einen sorgenlosen Lebennbend sichern wird. Schon lange wird ein solches Heim als ein dringende! Bedürfnis empfunden. Unsere Gemeinde ist in den Jahrzehnten, seitdem das Altersheim in der Kordstnfie auf Initiative des Philanthropen Alfons Jacobson entstanden war. zu einer (irol.igemeinde angewachsen; schon längst vermag dieses Heim nicht mehr alle aufzunehmen, die in ihm Kühe und Sorglosigkeit nach einem rastlosen und aufreibenden Leben suchen. Ks entspricht einem dringenden (ietiot der Stunde, dafi zu dem alten Heim ein neues, grölieres tritt, um Greise und Greisinnen vor der Tristheil eines einsamen Allers zu bewahren, ihnen alle Lasten und Mühen eigener Sorgen für das Kedürfen des Tages zu nehmen. Und dieses Gebot der Stunde erklingt gerade heute um so dringender, da viele nur mit Grauen den Jahren ihrer Kraftlosigkeit entgegensehen, denen die Pracht ihrer Lebensarbeit entglitten ist; viele, die wieder hingeben mufften, was sie für ihr Aller bestimmt hatten. Ks ist ein schöner Beweis von tiefem Verständnis für die seelische Not des Alters, dall die Stifteriu des neuen Heimes. Krau Louise A T10 W i t S c h . gerade dieser Not ihr Herz angewandt hat. Besonders schön, da Ii sie ilie Jahre eigenen Alters mit so groliein Werke ausfüllt. In der gemeinsamen Arbeil mit ihrer Familie hat die hochherzige stifteriu unermüdlich das Werden des Hauses von den ersten Plänen an in allen Stadien bestimmt. Und nun. da das Heim im Rohbau vollendet dasteht, die innere Ausstattung in Angriff genommen ist. seigt sich, wie liebevoll alles durchdacht und seiner Bestimmung angepafll ist. Ein Besuch des Hauses, der uns durch freundliches Entgegenkommen der Familie möglich wurde. überzeugte uns davon, wie SWeckllllfiig und dabei wahrhaft fürsorglich das Heim als tiunxes und die Räume im einzelnen gestaltet wurden. Der Kau ist so angelegt, dafi in alle Räume eine beglückende Fülle von Licht hineinfällt: Nach allen vier Seiten steht das Haus frei, und breite Fenster lassen eine Klüt von Sonnenstrahlen hinein und werden geräumigen und luftigen Zimmern eine helle, frohe Stimmung verleihen. Gani entzückend sind besonders die Bcksimtuer in jedem Stockwerk, deren spätere Bewohner in den runden Erkern eine urgemütliche Ecke haben werden. (Diese /.immer sind für Ehepaare bestimmt.) Wie alles mit Liehe vorbedacht ist. so auch die Ausstattung der Wände: sie werden den Räumen einen warmen Ton gehen und auch dadurch dazu beitragen, dafi die Insassen des Heimes sich wohlfühlen werden. überflüssig ZU betonen, dafi keine "der modernen Einrichtungen fehlt: Aufzug. Speisenaufzug, Bäder in jedem Stockwerk, eigene Helsum! Waschanlagen usw. Der religiösen Einstellung der stifteriu entsprechend wird tlas Heim den strengsten rituellen Vorschriften genügen: es sind zwei völlig getrennte Küchen (als Milch- und Fleischkflche) angelegt und eine besondere kleine Küche für Pessach vorgesehen. Auch wird ein Kaum als Haussyuagoge eingerichtet, um den Insassen den Weg zu einem Gottesbause zu ersparen. Die Wohnräume für die Insassen befinden sich im wesentlichen im 1. und ■J. Gesehott. Im Zwisehengeschofl befindet sich neben den Yerwaltungsräumen und einigen für Wohnzwecke bestimmten Zimmern der grotte Speisesaal. Auch dieser zeichnet sich wiederum durch die außerordentliche Lichtfülle aus: er erstreckt sich über eine ganze Seitenfront. Der gleiche Kaum ist auch als Tagesraum gedacht, was bei seiner Ausstattung berücksichtigt werden soll. Besonders angenehm wird den Insassen, zumal in warmen Sommermonaten, eine sehr geräumige, nach dem .Garten zu gelegene Veranda sein, die auch zum Liegen in Liegestühlen genügend Plati bietet Im darüber liegenden Stockwerk entspricht dieser Veranda eine Loggia, die all kühlen Tagen auch geschlossen werden kann. Das obere Stockwerk ist vornehmlich zum Aufenthalt für solche Insassen gedacht, die, sei es durch akute Krankheit, oder durch die Beschwerden des Alters, nicht ausgehen können. Sinngemäß ist dort auch ein Kaum Phot. Irma Cohn, Leiptlg