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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-02-21 · 8 (21.2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
8 (21.2.1930)
Date
1930-02-21
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite I 0EME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Jüdische Verbände und Gemeinden \ Krirb»koalereni des Verband^ Die V. Reichskontereni des \ in Deutschland Andel am Sonntag i lesellschnftshaus „Freundschaft" Ordnung ist (olgende: Vormittag (Hei i Haarpuder), 2. Wahl dei der Exekutive (Herr Leser), l. I \ Unsere Stellung Im jüdischen mittag :; Uhr: I. Generaldebatte, :;. w ahlen. ostjttdiseher Organisationen. erbandei ostjttdiseher I Irganisationen 29. Februar 1980 In M .i g <l e b u rg, Prilatenstr. 82, statt. Die Tages in Uhr: i Eröffnung und Begrüßung BOros, :. Beriehl über die Tätigkeil nsere Autgaben dien Dr. Taubes), Gemeindeleben (Herr Fett). Nach j. Bericht des Permanenzausschusses, Die Breslaaer tagung der Vereinigung für das liberale Jadeatain. (Schluß.) Am Sonntag Vormittag (and eine öffentliche Versammlung statt. Nnrh Begrüßungen durch den Voraitienden der Vereinigung, des liberalen Rabbinerverbandea, der Arbeitsgemeinschall der Iiis, verschiedener Organisationen Breslaus, voran der Gemeinde Breslau, hielt Rabbiner Dr. Seligmann, Frankfurt n.M.. ein Referat über „Das .luden tu in s l« Welt religion". In last eineinhalb- Mündiger Rede Führte er au*, daß das Judentum schon von den ersten Vnfüngen an neben den aul seine Stammesgemeinschaft beschränkten Satzungen Tendemen universalistischer Arl gekannt hat. Bei den Propheten, dann besonders in der sogenannten Weiaheltsllteratur sei diesei universalistische Zug besonders ausgebildet worden. So war es möglich, daß das Judentum in den leisten vorchristlichen Jahrhunderten eine ausgedehnte Bekehrungstätigkeil entfaltete, die von dem Proselyten nur die Uebernahme <l<-r sittlichen Verpflichtungen des Judentums, nicht seiner rituellen Vorschriften verlangte. Vul den Bekehrungsbüchern des Judentums liiit wenige Jahrhunderte später das allmählich erstarkende Christentum seine Missionstätigkeil aufgebaut. Die Fortentwicklung der universalistischen Tendenr.en, wie *ie sich in den Im lalmudischen Schrifttum entwickelten Begriffen des Noachiden, der ...lir'e Haschern" findet, hat in der realen Well keine Verwirklichung Finden können. Das paulinische Christentum hat die Bekehrungstätigkeil des Judentums unmöglich gemacht, Indem es mit den Mitteln der staatlichen Mach! des römi sehen Kaisertums das Judentum so weil wie nur möglich zu unterdrücken suchte. Troti dieser bald 2000 Jahre währenden Verfolgungen hal sich das Judentum prhalten und den Anspruch auf Weltgellung nicht aufgegeben. I>ie revolutionären Bewegungen innerhalb des Christentums stellen im tiefsten Grunde eine Rückkehr zum Judentum dar. Wenn mancher der heutigen Juden saut, daß die gebildete Welt die sittlichen Forderungen des Judentums mindestens theoretisch angenommen habe und deshalb das Sonderdasein des in.teil in Frage gestellt sei, s,> sei diese l'ra^e nach dem Warum lei Fudeseins eine verfehlte. So wie man den Raum nicht danach ragen könne, ..warum bist du Baum?", so könne mau nicht Fragen rum bin i<-li .lüde.' ", da es sich hier um eine einfache durch die Geschichte erhärtete Tatsache bandele. Unser Judesein ist da, ein stück unserei Persönlichkeit. Aber selbst, wenn wir unser Judentum aufgeben wollen: Was würden wir dafür eintauschen? Wo gibt es das rein Menschliche? Noch Immer ist de- Menschheit geteilt m Nationen und Religionen und dürfte es bleiben, bis in ferne Zeiten hinein. Das Christentum ist nicht die Menschheitsreligion geworden, al> die es sich oft rühmt, wie es das Judentum einst sein wollte. Das Christentum >elli>t hofft auf eine zweite Erfüllung. Um so weniger darf das Judentum daran denken, sich selbst suftugeben. Eine solche Preisgabe des Judentums winde bedeuten, daß es sich den, geschichtlichen Erfolg beuge. Das Judentum alier war bisher Zeugnis gegen den Sieu der Macht und der Zahl. Wir verteidigen und bewahren im Judentum die Sache der Menschheit, der Wahrheit und der Gerechtigkeit Der Mensch unserer Tage bedarf besonders eines Ideals. Unser Ideal ist der Glaube an die Menschheit und die Menschlichkeit. Für dieses Ideal aber müssen wir schaffend tätig sein. Das ist unsere Aufgabe: Allem zu dienen, «ras Menschen und Völkei verbindet, was an die Stelle von Ungerechtigkeit und Gewalt die Gerechtigkeit und die Liebe setzt. Vi den mit stärkstem Beifall aufgei.......innen Vortrag knüpfte sich e..... kurze Aussprache, die sowohl die wissenschaftlichen Grundlagen, als auch die von dem Vortragenden daran geknüpften praktischen Folgerungen imoh weiter beleuchtete. Am Schluß dei Eröffnungsfeiei anläßlich der Hauptversammlung der liberalen Vereinigung in Breslau richtete der Vorsitzende Hein rieh Stern Wolle der Begrüßung an lialiliiner Dr. Vogelstein, Mit begründer und Vorstandsmitglied der Vereinigung, aus Anlaß seines HO. Geburtstages und teilte mit, daß der Vorstand den Jubilar zum Ehrenmitglied der „Vereinigung für das liberale Judentum" ernannt hat. Auiier dem verstorbenen Ehrenpräsidenten Bernhard Breslauer und dem Präsidenten des Weltverbandes ( laude <i. Monteflore hat die Vereinigung bisher nur zwei Persönlichkeiten zu Ehrenmitgliedern ernannt: Caesar Seligmann und Hermann Vogelstein. Unsere Gemeinde Kinderheilstitte Bad Kissingen. Ks wird darauf hingewiesen, daß Anmeldungen von Kindern, die zur Erholung in die Kinderheilstätte Bad Kissingen geschickt werden sollen, \>i> spätestens 'in. Marz an Krau Teichlner, Pfaffendorfer str. 18, gerichtet werden müssen. Für den vierwöchentlichen Aufenthall ist ein Kostenbeitrag von M. ."•(> Ins 100.— zu leisten. Beriehtigaag. In dem Bericht über die Gemeindesltsung vom 10. Februar war die Liste der Synagogen-Kominissare nicht vollständig wiedergegeben. Wir geben deshalb nachstellend nochmals die vollständige Liste bekannt: Gottlieb (Vorsitzender), Siegmund Cohn, Desider Gutmann, Hugo Kaufmann. Julius Lustig. Georg Makendorf, I.....pold Müller, Hermann Pelz, Gustav Bosenthal. Adolf Kolter. Bernhard Weissinann, Semi Goldslaub, Heimo Haas. Ottering. Willy Kauf mann. Max Schloß. Siamtcier in der Ahawas-Thora. Am upy ncan beendete eine Grupi.....hemaliger Schüler der Ahawas-Thora die DTIDD fODO und veranstaltete aus diesem Anlaß eine nixo rniJTD den Räumen der Färberstraße I, in weichen auch dieser Schiur allabendlich abgehalten wird. Die zahlreich erschienenen Gäste hatten Gelegenheit, einer besonders schönen, würdig ver laufenen Feier beizuwohnen. Sr. Ehrw. Herr Rabb. D. leid mann eröffnete dieselbe durch Vortragen des letzten Abschnittes der ge lernten rC0E- Mit tiefsinnigen Worten verband er alsdann das Ende der n,riOD rODO mit deren Anfang und trug die erste njWQ V"M Q'nat rOCO Nl"'- welche die Gruppe nunmehr zu lernen gedenkt. Das Festessen wurde durch ein Schallplattenkonzert verschönt; inshe sondere trugen schöne chasonische Platten viel zur Hebung der Fest Stimmung bei. Am Schluß der nixo rmyo hielt der Dozent des^wy Herr Potok, durch einen ebenso geistvollen wie scharfsinnigen ^id^c seine Zuhörer in Hann, indem er den Zusammenhang zwischen der l.....ndeten D,rt0S rooa und der begonnenen dtqt FOOD herstellte. Bis in die späte Nachtstunde blieben dam.....rh die Teilnehmer Ivel Freudigem Tanz und Gesang beisammen. Dieser Alien,l zeigte wieder deutlich, daß die Schüler, die der Ahawas-Thora entwachsen, auch ihr weiteres Leben treu dem in ihr gelehrten Geiste gestalten, und gild der Ahawas-Thora berechtigte Hoffnung, daß ihre Arbeil auch weiterhin zur Förderung der Jüdisch keil beiträgt. s. <i. Amtliche Bekanntmachungen der israelitisehea Religiensgeaseiide zu Leipzig Offene stellen im BynagegeMker. Für den Chor unserer Gemeindesymigogo. (iottschedstrnße 'JS. werden eine erste Altistin und ein erster Teuurisl gesucht. Heide müssen geschulte Stimmen hal en und vom Hlatt singen können. Schriftliche Angebote we-den erbeten an das israelitische Gemeindeamt, Löhrstraße in. Leipzig, den :t. Februar 1930. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aus waraung! In /.wickaii hat ein Heu Aronow icz, der -'ich als Rabbiner Vronowicz vorgestellt hat. versucht. Spenden für die Jeschiwah in Sokolow zu sammeln. Er hat Quittungsabschnitte aus seiner Dresdener Spendensammlung vorgelegt; durch Rückfrage bei zwei von den angegebenen Adressen hat sich erg dien. dat.i die Angaben erlogen sind Insbesondere hat sich aber der Summier auf ein Empfehlungsschreiben des Genieinderabbiners Dr. Ephraim Carlebach, Leipzig,!»• sogen, das gefälscht ist.

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