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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-02-14 · 7 (14.2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
7 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite UEMEl.N DEBLATT DER ISRAELITISCHEM RELIG10NSQEME1NDE ZU LBIPZIU .Numiiu r 7 menschlichen Taten gefunden m haben. Wir verstehen seine anfingliehe Auf lehnung gegen Gottes schweren Befehlt die rührerschafl Uber knechtsinniges Volle iu ergreifen, und leiden mit Ihm während aller Stationen seines draugsalreichen, huudertiwansigjährigen Führerl( bens. Aber unser Herz erbau! sich au dem tchlieflllcheu Sieg dieses hartnäckigen, oll rebellischen und <u» Ii zu tiefst gottesfUrcbtigen Maniits, uiul wir weinen, ts ht-ii.>t, von ihm Abschied zu nehmen, wenn er im Kusse Oottes seine unsterbliche Seele aushaucht. Und alle diese beschichten dl r bibcl, die in uns schon mit dem goldenen Schimmer der Legeude umgeben schlummerten, erwachen und erweisen sieh als taghelles Leben, mit allen Ecken und kanten realer Wahrheil begabt. Alle Eindrucke bisherigei Literatur und aUes bisherigen Kunstschaffens, die sich mit der Persönlichkeit Moses beschäftigt hatten, insbesondere auch der stärkste und einprägsamste Eindruck vom antikisierenden Moses des Michelangelo her, ierflattern und verfließen vor diesem Moses, den uns Uriel Birnbaum, der biblischen Quelle getreu, aber mit einer unerhörten Fähigkeit iu realistischer Interpretation, vermittelt. Dabei setzt dieser Kealisnius die Persönlichkeil Moses nicht etwa herab: im Gegenteil, ir erhöht sie bei weitem, und, was noch mehr bedeuten will, er zwingt uns zu einer unmittelbaren Auseinandersetzung mit den groben Realitäten: Moses und der Bibel. Es hiebe das Buch absehreihen, wollte man des weiteren über Höhepunkte der Schilderungen berichten oder über im Zuge der Ausführungen »ich notwendigerweise ergebende eingestreute Kontroversen des Autors, So zum Beispiel über die Zerstreuung der fälschlichen Ansicht, als ob Moses ..unkiüistlerisch" gewesen wäre (eine Erkenntnis, die übrigens auch dem Dichter Heine nicht verborgen ge blieben war), oder über den verhängnisvollen Irrtum, die auf Moral fußende Lehre Moses mit dem gegenwärtigen materialistischen Sozialismus zu identifizieren. Von besonderer Wichtigkeit ist noch seine Betonung der Gemeinsamkeit aller monotheistischen Bekenntnisse, des Judentums, des C hristentums und des Mohammedanlsmus, wobei aber Birnbaum strenge die Differenzierung innerhalb dieser Bekenntnisse gewahrt wissen will, und wobei er den Katholizismus mit seiner Gnadentheorie In den Bereich des StimmungsmäBigen verweist. Mau vcrliil.il dieses Buch schließlich mit dem Gefühl einer vielfachen und vielfältigen Bereicherung, ja nicht nur das, sondern mit dem lebhatten Impuls iu einer erneuten Stellungnahme, zu einer Korrektur der Vergangenheil und zu Vorsätzen für die Zukunft, was übrigens als stete Begleiterscheinung die Wirkung von B 1 r nbau m s Schöpfungen ausmacht. Aus der Absicht, ein Buch zu lesen oder gar ein ästhetisch-literarisches Vergnügen auszukosten, zumal es sich um einen Essai über eine historische, längst verstorbene Persönlichkeil handelt, ist ein Erlebnis geworden, das geeignet erseheint, unmittelbar auf unsere Lebensgestaltung einzuwirken. Denn den Schlußstein seines Buches Lüdet nichts weniger als der geglückte Beweis, daß eine Persönlich keil wie Moses seine gewallige Aufgabe, den Monotheismus zum alleinigen Glauben der gesamten Menschheit zu machen, nur bew u l.i t ergreifen konnte, d. h. nur nach einem wohlüberlegten Plan, nach einem im voraus festgelegten „Schlachlplan", und daß wir in Moses den gewaltigsten Stralegen zu erblicken haben, dessen Unternehmung sich ungeschw ächt und noch bis auf den heul igen Tag auswirkt. In der Tat sind von den anderthalb Milliarden Mensehen heute schon zwei Drittel, also eine Milliarde monotheistisch, und die Eroberung der Well für Gotl sehreitel unaufhaltsam fort, trotz periodisch und immer wieder auftauchender Rebellionen, die iu der neuesten Zeit z. B. im gottesfeindlicheii Kommunismus Rußlands ihren llaupt- Btütspunkt gefunden haben. Dies ist der Inhalt der Birnbaum Sehen Ausführungen, aber seine Tendenz zielt sicherlich weiter. Denn, unausgesprochen zwar, aber logischerweite und als ethisches Postulat ergibt sich daraus für jeden Gläubigen, für uns alle der zwingende Imperativ, jener belangreichsten Unternehmung der Weltgeschichte unsere ganze Aktivität zuzuwenden. Oder, um es ganz einfach zu sagen: Jeder Gläubige muß sich dessen bewul.lt sein, daß er ein Soldat ist vom Heere Moses im Kampfe für den einzigen Ciott! Gemeindesitzung vom 10. Februar 1930 (Nach de f amtlichen Niederschrift) Bei Eröffnnuug der Sitzung begrübt Herr Gemeindevorsteher (i 0 1 d s c h in i d t den an Stelle des Herrn Hugo (irosz neueingetreteneu (iemeindeverordiicten Herrn Dr. med. Otto Plaut. Nach den Vorschlägen des Ältestenausschusses werden mit einigen Änderungen folgende Ausschütte gebildet: S y na go g enk o m m i ss a r e: Gotllieb (Vorsitzender), Siegmund Cohn. Desider (iutmann. Ilu^i Kaufmann. Julius Lustig. Qeorg Markendorf, Leopold Müller. Hermann Pelz. Uustav Kosenthai, Adolf Rotter, Semi Goldstaub, Benno Baas, Obering. Willy Kaufmann. Max Schloß. Finanzausschuß: Breslauer (Vorsitzender), Aronstein, Dubiner, EiUngOn, Ch. Outmanu. Emil Joske, Pelz. Dr.Piotrkowski. Stein. Benno Stern. Kaschruskom misslon: Goldrel (Vorsitzender), J, Badt, Ernst Beer. J. IL Blum. Isidor Eelsenstein. Paul Oelberg. Kesteiiliaum. Leib Merkin, Jacob Neumann, J. B. Sachs, Meier Straub. Abraham Waltuch. [. Wolf. Steuerberufungsausschuß: S. Goldstaub. Walter Metzner, Adolf Meyer, Seflnger, Dr. Zander. Unterrichts- und Erziehungsaussehufi : Bodes (Vorsitzenden. Jacob Badt, Isidor Felsenstein, Max Jaffe, Emil Joske, Hugo Kaufmann. Dr. Jacob Kohn. Dr. Lelnfri-und. Justizrat Dr. Löwenstein, Jacob Neumann, Hermann Pelz. Krau Fanny Rotenthal, J, B. Sachs. Frau Alma Schindler, Prof. Dr. Kosenbaum. Josef Wolf. Dr. Woskin. O e m e i n d e b I a t t - A u s s c h u U: Itabhiner Cohn (Vorsitzender), Emil Jo>ke. al.» dessen Stellvertreter Arontteifl und Hechtsanwalt Dr. Zander. Dr. Pietrkowski. als dessen Stellvertreter Dubiner. Iu den Ausschub des Sächsischen israelitischen Ge- DI e 1 ndeve r bindet werden entsandt als Ausschußmitglieder: Breslauer. Eitingon. Carl OoldSchmidt, Dr. Conrad Ooldschmidt. Hudes, Tunipowsky. Als stellvertretende Ausschußmitglieder: (iutmann. Emil Joske, Hugo Kaufmann. J. R. Dr. Löwen- Stein, Dr. Pietrkowski, I. Stein. In das Kuratorium der A r 10 W 111ch - S t i f t ung werden gewählt: ( arl Goldschmidt, Hugo Kaufmann, M. Pfeflerblülh, M. Ury. Die Wahlen des P Q r t or geau ttchtt sse I und des Ausschusses zur Verwaltung der Darlehnskasse werden vertagt. Zur Wahl des F i u a u z a u s s c b U88es beantragt Herr Selinger seine Zuwahl, damit die Partei Poale Zion vertreten ist. Dieser Antrag wird abgelehnt. Herr Tunipowsky bittet aber, die Frage zu klären, ob ein einzelner Verordneter als Fraktion angesehen werden kann. Beim Gemeindeblatt-AutS o h u b äußert Herr Joske den Wunsch, daß zu dessen Sitzungen die Stellvertreter in allen Fällen eingeladen werden. Die von Herrn Selinger beantragte Zuwahl seiner Person wird abgelehnt. Bei dei Wahl des Unterrichts- und E r ll eh DBf t ausschusses erhebt Herr Seiinger Einspruch dagegen, daß seine Partei bei allen Ausschüssen übergangen werde. Dies werde bei seinen Wählern den stärksten Unmut erregen. Er beantragt die Zuwahl des Herrn Goldfaden, Herr Tunipowsky unterstützt diesen Antrag. Herr Aron stein stellt fest, daß Herr Selinger entgegen seiner Angabe in 'J Ausschüssen sitzt. Es sei nicht nötig, daß eine so kleine Partei iu mehr als 12 Ausschüssen vertreten ist. Herr Selinger entgegnet, daß er zunächst nur in einem Ausschuß Stimme hat, da der Fürsorgeausschuß, für welchen seine Wahl vorgesehen ist, noch nicht gebildet ist. Er verweist auf die Leistungen seiner Partei, insbesondere die von ihr eingerichteten Uuterrichlskurse. Herr Kesten ha um macht darauf aufmerksam, daß diese Kurse unter Nichtachtung des Ifeligionsgesetzes stattfinden. Herr Koseufelder wendet sieh gegen die politischen Bestrebungen der Partei Poale Zion und verwahrt sieh ebenso wie der Vorredner gegen die

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