Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 5 (31.1.1930)
- Date
- 1930-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite i GI-MKIXDKBLATT DKK ISHAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer r> getreten sind, der Konferenzgemeinschaft der Großgemeinden zur Beschlußfassung vorgelegl werden. Sehr bemerkenswerte Mitteilungen konnten über die Verhandlungen gemacht werden, die seitens des Preußischen Landesverbandes mit den zuständigen Behörden Uber die Sonntagsarbeit von Beamten und Angestellten der jüdischen Hein ein den und Organisationen sowie derjenigen Betriebe, in denen am Sabbath nichl gearbeitet wird, geführt worden sind. Auch Uber den Stand der Reichssteuergesetzgebung, soweit sie für die judischen Gemeinden in Betracht kommt, sowie ül>er die Bestrebungen zur Abwehr der Angriffe gegen das Schichten wurde Berich! erstattet. Einen breiten Raum nahm In den Erörterungen wieder die L ii g e d e r l! a b b i n e rbi 1 <l u ngsanstalt e n ein. Im Hinblick auf die ungemein große Bedeutung dieser Institute für die Erhaltung des Judentums wurde von allen Seiten die Notwendigkeit betont, die zu ihrem Portbestand sowie zur Sicherung der Pensions- und Reliktenversorgung ihrer Dozenten erforderlichen Mittel durch die Landesverbände aufzubringen, Soweit das mit Rücksicht aul deren sonstige Belastung nicht möglich ist. soll versucht werden. private Organisationen zu schaffen, damit die Rabbinerbildungsanstalten selbst in jedem Falle von der Sorge um ihr Bestehen befreit werden. Zur Beratung über die inneren Prägen des Religionsunterrichtes, Insbesondere die Schaffung von geeigneten Lehrbüchern, ferner über die Frage der Fortbildung der schulentlassenen Jugend, wurde ein kleiner Ausschuß gebildet, der sich nötigenfalls durch Zuwahl von weiteren geeigneten Personen ergänzen soll. Von Vertretern der kleinen Landesverbände wurde die in ihnen herrschende Notlage geschildert. Infolee der Verkleinerung der einzelnen Gemeinden und der Verarmung der in ihnen verbliebenen Mitglieder fehlt es;m Mitteln für die Befriedigung der nötigsten Bedürfnisse. Bs wurde eine engere Verbindung unter den kleinen Landesverbänden angeregt, damit diese wenigstens moralisch sich gegenseitig einen Rückhalt verschaffen. Die Verhältnisse sollen weiter von dem Preußischen Landesverband unter Zuziehuni.' der kleinen Landesverbände geprüft, alsdann soll der Arbeitsgemeinschaft über die Sachlage Bericht erstattet werden. I>ie weiter zur Erörterung gelangten Gegenstände betrafen mehr innere Angelegenheiten der Verbände sowie Fragen der Organisation. Ks hat sich dabei herausgestellt, daß eingehende Aussprachen über alle diese Dinge notwendig und behufs Annäherung der einzelnen Landesverbände untereinander und einheitlicher Behandlung der >ie in gleicher Weise interessierenden Angelegenheiten höchst förderlich sind. Die baldige Einberufung einer neuen Tagung der Reichsarbeitsgeineinschaft wurde deshalb in Aussicht genommen. Aktion der deatsekea Inden für Erziehung und Arbeit Die führenden Wohlfahria-Organisationen der deutschen .luden haben sich zu i iner großzügigen Aktion zusammengeschlossen, in deren Verfolg der nachstehende Aufruf au die Juden in Deutschland erlassen wird: Zwiefach sind che Aufgaben, die sich die ..Aktion der!) eu ts <• b e n -I u d e n f ü r E r z. i e b u n g u n d A r b e i t" gestellt hat, verschiedene Gebiete behandelnd, doch verwandt und zusammengehörig, brichder dringlichen Lösung bedürftig. Die deutsche Judenbeit ist berufen, die jüdische Fürsorgeerziehung in neuzeitlichem Geiste auszubauen. Notwendigkeit und Bedeutung einer glücklichen Durchführung der seit langem in Angriff genommenen Neugestaltung der jüdischen Fürsorgeerziehung, die dem deutschen Judentum von Reich und Ländern als Aufgabe gestellt und zugewiesen ist, sind jedem Verantwortlichen klar bewußt. F.s gilt, jungen Menschen, die sich dem sozialen Leben aus irgendwelchen Gründen heraus nichl ohne Schw ierigkeilen einfügen können, rechtzeitig Schutz zu gewähren, sie vor Verbrechen, Elend und Schande zu bewahren, mit ihnen den Weg zu gehen, auf dem sie schall'ensfrohe, selbstbewußte, vollwertige Menschen werden. In Wolzig entsteht das neue Heim, in dem diese jungen Menschen im (leiste neuzeitlicher Erziehung von berufenen Persönlichkeiten einem freien, arbeitsamen Leben durch Arbeitsschule und Arbeitsschulung zugeführt werden. Von gleicher Bedeutung und nicht minder dringlich ist die zweite Aufgabe: den auf der Landstraße Wandernden, den unihergelriebenen Heimatlosen ZU helfen, und damit eines der ältesten und vornehmsten Gebote der Gemeinschaft zu erfüllen. Der der Arbeit entfremdete Wanderer muü in der Wänderarbeitsatätte durch Einordnung in ein vorbildliches Heim und durch Arbeltsgewöhnung dem produktiven Leben wiedergewonnen werden. Große finanzielle Mittel sind erforderlieh. Unserer Oberlieferung getreu wollen wir helfen und alles tun. damit diese Beichsanstalten. die der gesamten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland dienen. Musteranstalten werden in Aufbau. Geist und Erziehung und dem jüdischen Namen Ehre machen. — eine Aufgabe, der deutschen Judenheil würdig. In Erkenntnis dieser Tatsache haben sich die unterzeichneten Wohlfahrtsinstitutionen, die das gesamte deutsche Judentum ohne Unterschied der Partei und Richtung umfassen, zur Lösung dieser Aufgabe zusammengeschlossen. Zum erstenmal seit Jahrzehnten ruft das gesamte deutsche Judentum, geeint in der ..Aktion der Deutschen .luden für Erziehung und Arbeit", alle Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland auf. sich an diesem Werke zu beteiligen und durch Beilräge. deren Höhe der Größe der Aufgabe entspricht, zu helfen. Helfende Hände erwarten und erhoffen wir. helfende Hände für diese verantwortungsvolle und schwierige Aufgabe, helfende Hände des gesamten deutschen Judentums! Die Unterzeichneten, von dem Vertrauen ihrer Brüder und Schwestern in die Leitung der zentralen jüdischen Körperschaften berufen wissen, daß der gegenwärtige Zeitpunkt schwierig ist sie fühlen alier die Schwere ihrer Verantwortung, sie wissen, daß diese Aurgaben nichl verschoben werden können und sie hoffen, daß d'ese Aktion der deutschen Juden Widerhall findet in allen jüdischen Herzen. Unsere Gemeinde Rabbiner Dr. Leo Baerk in Leipzig. Wer die Schriften Leo BaeckS kennt, in ihnen das umfassende Wissen, das überragende Stilistische Können, das Vermögen, auch die schwersten Fragen allgemeinverständlich darzustellen, bewundert hat. wird mit Freude hören, dal.l er alsbald Gelegenheit hat. diesen bedeutsamen Mann persönlich kennenzulernen. Leo Baeek verbindet wie kaum ein zweiter seit Hermann Cohen jüdisches Wissen, jüdische Religiosität und allgemeine philosophische Erkenntnis miteinander. Sein alle Sphären der Geistigkeit durchdringendes Weltbild ist von so großer Klarheil und Bedeutung, daß. als auf einer Tagung der Darm Städter ..Schule der Weisheit" die jüdische Weltanschauung dargestellt werden sollte. Leo Baerk vom Grafen Herrmann Keyserlingk dazu berufen wurde. Das Thema, das sich Baerk in Leipzig gestellt hat: ,.P e rsönlichkeitswandel im XIX. Jahrhundert" zeigt die für den Gelehrten charakteristische allgemeinste Fassung eines Problems, wie es kaum wesentlicher in der philosophisch-ethischen Diskussion der Gegenwart gibt. Ks ist ganz zweifellos, daß man von diesem Vortrag, der auf Veranlassung des Verbandes jüdi JÜDISCHER FRAUENBUND / ORTSGRUPPE LEIPZIG Sonnabend, den 8. Februar 1930, 20 Uhr im Saale des Sozialpädagogischen Frauenseminars, Königstr. 20 Vortrag: Frau Siddy Wronsky, Berlin „Das Eheproblem im Judentum" Anschließend Diskussion. — Da die Versammlung frühzeitig geschlossen werden muß, wird um pünktliches Erscheinen gebeten.