Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 4 (24.1.1930)
- Date
- 1930-01-24
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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24. Januar 1930 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite B Versäumen Sie nicht den 2o. Jan. — /. Tehr. Inventur*A usverkauf TeppicB^G.H. Schroetter Neumarlh 31-33 und sozialpolitischen Aufgaben des Pattstinaaufbaues, zu denen beispielsweise die sich aus der Tatsache dos Zuumuienlebena zweier Bevölkerungselemento (Araber, .luden) ergehenden Schwierigkeiten der Realisierung von in Europa längst verwirklichten Mindestforderungen, wie Abschaffung der Krauen- und Kinderarbeit, von Frühehen usw., gehören. Durch den Zusammenstoß1 des Orients mit einem europäischen, modern organisierten Arbeiterelement ergibt sich eine gewisse Beunruhigung des Landes, die sich heute auch politisch auswirkt. Eine wichtige soziale Aufgabe ist die Einbeziehung und Produktivierung der orientalischen .luden, die heule noch sich im An- (angsstadium befindet. Die Diskussion über den BlldungSStand der j ü d 18C Ii o n Jugend, über den Dr. Eli Münk und Hermann Qerson refolierten, stellt nur den Beginn einer Unterhaltung Uber dieses Thema dar. Dr. M u n k bemühte sich, den Standpunkt des gesetzestreuen Judentums in seiner Qe8Chl0S8enheit darzustellen und betonte besonders die Wichtigkeit der jüdischen Schule. Hermann GerSOn, der im Gegensatz zu seinem Vorredner von einem subjektiven religiösen Erlebnis ausging, bejahte vom liberalen Standpunkt aus ebenfalls den Wert der jüdischen Schuh» und ninsj auf die Notwendigkeil einer Reform des Religionsunterrichts ein. Die Diskussion stellte in gewisser Beziehung dann einen Zusammenhang mit den früheren Themenkreisen insofern her. als auf die Frage der Erfassung weiterer Kreise von jungen jüdischen Menschen auch von dieser kulturellen Seite her eingegangen wurde, und die noch unerfüllten Aufgaben der Arbeil der Jugendbunde in dieser Richtung nochmals besprochen wurden. Die Tagung wurde mit dankbarem Hinweis auf die Unterstützung durch den Herrn Reichsminister des Innern eröffnet. Die Vertreter der Orts- und Landesausschüsse des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbinde gaben kurze Berichte über den Stand der Arbeit in ihren Orten. Im Verlauf der Tagung wurden in einer Sonderarbeitsgemelnschafl die Aufgaben der jüdischen Jugendbünde, soweit sie geeignet sind, proletarische Menschen jüdisch bewufit zu machen, diskutiert. Der Erfolg der Tagung ist über das sachliche Ergebnis hinaus vor allein die Intoressiorung und Heraniiehung eines Kreises junger Menschen für wichtige gemeinsame Aufgaben der jüdischen Jugend. Auch in diesem Jahre wurde die ausgeseichuete Versorgung der Teilnehmer in dem Heim freudig und dankbar anerkannt und trug wesentlich zu dein Gelingen der Tagung bei. Berliner Schule der Jüdischen Jugend. Die Schule der Jüdischen Jugend eröffnete ein neues Trimester, das erste im zweiten Jahre ihres Bestandes, Die ..Schuh'" ist entstanden aus einem Zusammen' schluli der Berliner jüdischen Jugend aller Richtungen und Schichten. An der Gründung waren die folgenden Jugendhttnde und Organisationen beteiligt: Alterenbund ..Kameraden"; Rar Kochba; Deutschjüdische Jugendgemeinschaft; Jüdisch-Liberale Jugend: Jungjüdischer Wanderbund; Jüdischer Jugendbund; Rund jüdischer Jugend Kadimahl Kameraden, deutsch-jüdischer Wanderbund; Kartell Jüdischer Verbindungen; Zelre Misrachi; Zophim. Das Itedürfnis nach jüdischer Verband Jüd. Jugendvereine Deufsdilands (Landesverb. Sachsen) Propaganda-Versammlung zur Wiederbelebung der Leipziger Ortsgruppe am Sonnabend, den 25. Januar, pünktlich 20 Uhr im Hotel Häufle, Roßstraße 8 Redner: Verbands-Geschaftsführer Fritz Schwarzschild-Düsseldorf Gemcindcrabb. Dr. Goldmann, Hhrw.-Leipzig Max Schwcisheimcr-Chemnitz, vom Landesverb. Sachsen. Die Leipziger jud. Öffentlichkeit ist hierzu herzlich eingeladen. Bildung als unerläßlicher Voraussetzung jüdischer Erziehung und zugleich die Überall in gleicher Weise empfundene Schwierigkeit, diese Bildung im Rahmen der Jugendbünde oder -Organisationen scliist in zureichender Weise zu vermitteln, haben zur Gründung der Schule der Jüdischen Jugend geführt. Dank der Unterstützung durch den Jugendpflege-Ausschuß der Judischen Gemeinde, der in Erkenntnis der Wichtiekeil dieser Institution die mit der Schule verbundenen finanziellen Lasten auf Bich genommen hat. vermochte die Schule im Laufe des ersten Jahres ihrer Existenz die Trobe. auf die sie ^eslelll war, zu bestehen. Es wurden im Laufe dieses Jahres die Anfänge einer Tradition für den Typus einer auf freiem Zusammenschluß beruhenden jüdischen Bildungsanstall der .lugend geschaffen. Es gib) heute, nach einem Jahre, einen nach Hunderten zählenden, über die an der Gründung beteiligten Gruppen weil hinausgehenden Kreis junger jüdischer Menschen, denen die Schule ein Zentrum geworden ist, und die sie tragen. Interessant und neu isl der innere Aufbau der Schule, durch den sie sich \nu allen ähnlichen volkshocbschulmäßigen Institutionen unterscheidet. Die Schule hat Selbstverwallung; die „Schulgemeinde", d. Ii. die Vollversammlung aller Lernenden und Lehrenden. Iriffl durch ihre jeweils gewählten Organe in allen inneren Kragen, auch denen des Lehrplans und der Lehrerbestellung. die Entscheidung. Die Lehrerfolge des eisten Jahres sind befriedigend, und die Beziehung der Lernenden zum Stuft wird eine immer lebendigere, was sich auch in der Entwicklung des Lehrplans ausdrückt. Der Lehrplan des jetzt beginnenden Trimesters weist eine große Fülle von Veranstaltungen auf. 15 Hebräischkurse aller stufen sind angekündigt, wobei all diesen Hebräischkursen gemeinsam ist. daß als Grundlage des Unterrichtes (auch schon bei den Anfängern) wertvolle Werke der hebräischen Literatur dienen. Die in den Hebräischkurven befolgte Methode isl eine „humanistische"; die „mittleren" Kurse sind in hohem Maße, die Kurse für Fortgeschrittene durchaus neben ihrem sprachlichen Ertrag als Literatur- und Sachkurse anzusehen. Die zugrundegelegte Literatur reicht in den verschiedenen Kursen von der Bibel bis zu den Schöpfungen des heutigen Palästinas, und zwar ohne Obergehung der mittelalterlichen Literatur. Mehrere Geschichtskurse von verschiedener Art, Kurse über jüdisches Schrifttum aller /.eilen, ferner Kurse und Arbeitsgemeinschaften, die si»n mit Problemen der jüdischen Gegenwart auseinandersetzen, darunter als vielversprechendes Novum ein Zyklus von Referaten „Juden der Gegenwart", geben die Möglichkeit, sich in sehr vielfältiger Weise über die historischen Bedingungen der jodischen Existenz und Hoffnungen und über die Probleme ihrer Gegenwart zu informieren, und zwar, tiein Charakter der Schule entsprechend, nicht um des bloßen Wissens willen, sondern um die Fähigkeit zu erwerben, sich mit bewußter Leistung einzustellen. Dem Bedürfnis nach jüdischer Musik als gemeinschaftsförderndem Faktor kommt ein Kurs über ihre Geschichte mit anschließender Singestunde entgegen. Eine Reihe von Sonder- und Einzelveranstaltungen isl geplant; zu erwähnen sind Vorträge des Vorsitzenden der ZVfD., Kurt Blumenfeld, des Direktors des CV., Ludwig Holländer, und des Gründers und Leiters des palästinensischen Jugenddorfes Ren Schemen, Dr. Sieg- FRAUENVEREIN „RUTH" LEIPZIG Am' Dienstag, den 28. Januar 1930, veranstaltet der Frauenverein „Ruth" im großen Festssa] des Centrai- Theaters seinen Teenachmittag mit künstlerischen Darbietungen Kapelle: Picadilly Band / Reichhaltige Tombola Alle Mitglieder und Freunde sind herzlichst gebeten rieht zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Karten sind in der Buchhandlung M W. Kaufmann, Brühl 8 und an der Kasse zu haben.