Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 4 (24.1.1930)
- Date
- 1930-01-24
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit.- Ii C1EMKINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 4 Nach mehrjähriger Ausbildung an Kiankenhäisern (Leimig, Wittenberg, Frankfurt a. M.) habe ich mich als prakt. Arzt niedergelassen. Dr. med. H. Kraemer Nordstraße 24' Telephon 22456 Zugelassen t u allen Krankenkassen Med Lehmann, der am 22. Januar an Hand eines Filmes Uber »Ins Lehen im Jugenddorf berichtet. Die Jüdische Gemeinde hat der Schule das Srhulgobäudo der Synagoge in der Lütsowstr. in zur Verfügung gestellt. Dem von der Schulgemeinde beauftragten Administrativ-Ausschuß gehören ^'^'iiwärtig an: Hermann Gereon (Kameraden). Dr. Georg Lubinskl (JJWB.), Waller Mecklenburg (Kadimah), Dr. Ludwig Tlete (DJJG.) und Dr. Moritz Spitzer, der die Schule leitet. Dem weiteren Komitee der Schule gehören außerdem noch Vertreter aller beteiligten Gruppen und mehrere Elnselpereönlichkeiten an. darunter Ulli. Dr. Arthur Lilienthal, liherales Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, der volksparteiliche Qemeinderepräsentant LGR. Dr. Arthur Kau. der Privatdozent der Philosophie .in der Berliner Universität Dr. David Baumgardt, der bekannte zionistische Kulturarbeiter Dr. Max Mayer. Rabbiner Dr. Prinz, Dr. Friedrich Brodnitz u. a. m. Zeire-Misraehi, Leipzig. Am Sonntag, dem 12. Januar, fand der Gautag der sächsischen Zeire-Misrachigruppen in Dresden statt. Dank der guten Vorbereitungen, die unsere Dresdner D'^an getroffen haben, nahm dieser erste Gautag einen recht erfreulichen Verlauf. Am Vormittage hielt -ian Zwecher ein Referat über das Thema ..Löst Palästina die Judenfrage?", woran sich eine lautiere Diskussion anschloß, während am Nachmittage zuerst "Qn M. Scharf über Verlauf des .lenaer Zion. Delegiertentages berichtete und dann ian Lisiu Ober „Jugendbewegung und Judentum" unter Betonung unseres religiösen Standpunktes sprach. Nach einer kleinen Aussprache Ober dieses Thema wurden dann Berichte über die Arbeit in den einzelnen Gruppen gegeben. Von dem Bericht der Gauleitung, den «ian Scharf aLyah. wurde die Mitteilung, daß die Vorarbeiten für die Neugründung einer Gruppe innerhalb Sachsens recht weil fortgeschritten sind, auf das freudigste begrüßt und allseitiger Beschluß gefaßt, »rpR sobald als möglich die Gründung der Gruppe vorzunehmen. Während der einzelnen Pausen fanden die Begrüßungen seitens des Herrn Bochner im Namen der Jüdischen Volkspartei und der Zionistischen Ortsgruppe statt. Herr Dr. Schornstein begrüßte uns in warmen- Worten namens der Misrechi-Ortsgruppe, während Herr Weinreich eine sinnreiche Ansprache an uns hielt. Ferner wurden wir begrüß! von Herrn Lehrer Ansehe! und Herrn Paul Lewin. Die Mittagspause sow ie das an die Tagung anschließende gemütliche Beisammensein wurde durch Singen verschiedener schöner Lieder und durch Horrahtans ausgefüllt. Alles in allem ein kleiner, aber merklicher Schritt zur Verbreitung und somit zur Verwirklichung unserer Idee nYi35?l min Aus dem Gemeindeamt PenoMastaatandwiehtra. Geburten: 23. Dezember 1020 Abraham Itzek Sobel und Marie gel). Lichtner. Bayerische Sir SO, eine Torliter ..Lilly (iertrud Judith". 24 Dezember 1020 Hans Kroch und Ella neb. Barucli. Sebastian ßach- Str. 58, eine Tochter. 28. Dezember 1929 Simon Godin und Jenny «eh. Winnenthal, Delitzscher Str. ISO, eine Tochter ...Marianne". Im Frühling NIZZA nach SYRIEN ÄGYPTEN PALÄSTINA 33 Tage 825.- PIK. Prospekte und Anmeldungen beim Palesilne A Orlenl ■.■«»■*«■ Berlin N 24, Kriedrichstraßc 121. Todesfälle: 4, Januar 1930 Eitel Dohrisch Kopenhagen, Kherhardslr. 10. 5, Januar 1980 Salonion Nathan Frommer, Gottschedstr. 1. (i. Januar 1930 Selma Mieses. Nordslr. 15. 7. Januar 10110 Ernestine Armer, Fichtesir. 50. Neue Bücher AronSlmanowitsch: „Rasputin. der allmächtige Bauer''. Berlin. (Verlag Hensel * Co.) Das Buch schildert das Leben der Zarenfamilie und das Ränkespiel am Hofe und die daraus sieh ergehenden Einwirkungen auf Uns Weltgeschehen. Im Mittelpunkt steht die Gestalt Rasputlns, wenn mich maßlos in jeder Bestellung, so doch keineswegs das Scheusal, als welches er vielfach hingestellt worden ist. Für uns .luden ist das Buch doppelt bemerkenswert. Einmal, weil der einige Zeit hindurch fast allmächtige Günstling des Zaren wiederholt auch auf jüdische Angelegenheiten seinen starken Einfluß Ausgeübt hat, und zwar In einer Weise, die wir dankbar anerkennen müssen. Zum zweiten, weil der Verfasser des Werkes, der persönliche Sekretär Kasputins. selbst .lüde ist und vielfach, besondere hei den jüdischen Dingen, der Ratgeber Rasputins war. Aher auch sonst bietet das Werk bedeutsame allgemein menschliche wie auch geschichtliche Einblicke in eine Welt, die uns mit grenzenlosem Staunen erfüllt. Wenn man auch nicht sicher ist, daß der Verfasser immer unbedingt feststehende Tatsachen seiner Darstellung SUgrundelegen konnte, und wenn man auch füglich daran zweifeln darf, daß er alles unparteiisch dargestellt hat, da er seihst an den meisten Vorgängen persönlich wesentlich beteiligt war, so bringt doch die Fülle von anschaulichen Bildern die Zustünde nahe, die zum Ausbruch des Weltkrieges beigetragen haben. O.K. Dr. Alfred Wiener. Juden und Araber in Palästina. Zur Erkenntnis der jüngsten Vorgänge. Berlin 1030. Jüdische Siedlung und Wirtschaft III) (Philo-Verlag). Die Broschüre (die ein Bild der Klagt immer sowie eine Skizze der baulichen Veränderungen im Klageniaiierhereiehe enthält) hringt eine umfangreiche Materlalsammhmg aus der hebräischen und arabischen Presse Palästinas, aus der europäischen Literatur sowie aus den amtlichen Mitteilungen der englischen Regierung. Sie behandelt zuerst die Frage der Klagemauer und zeigt besondere, mit teilweise unbekanntem Material, die große Bedeutung der Westmauer des Tempels und des Tempelbeslrkl Oberhaupt im Islam auf. Sodann untersucht sie das Verhältnis der .luden zu den Arabern, bespricht eingehend die verschiedenen Parteien, wie die Revisionisten, den llrith Bchatom. Silbehandelt weiter die Araberpolitik von Ilerzl bis Weltmann, die englische Palättinapolltik, besonders während des Krieges, gibt einen l'eberbliek über die arabischen Propagandamethoden und über die Aufnahme der Ereignisse in Palästina im arabischen Ausland. — Dia Arbeit stellt, wie auch von den politischen Gegnern des Verfassers anerkannt wird, das Material ..mit erkennbarem Willen zur Sachlichkeit und Objektivität" dar. Sie wird daher zur Orientierung in den gerade heute wieder viclnmstiittenen Palästinafragen mit großem Nutzen studieit werden, —n. Dr. Moses Beilinson: Zum Jüdiscli-Arahisrhen Problem. Von Dr. Moses Beilinson, dem Redakteur des „Dawar" in Tel Aviv, liegt in deutscher Sprache eine Aufsatzreihe tU>er das jüdischarabische Problem vor. Die Artikel beginnen am .10. Juli, also kurze Zeit vor den Ereignissen in Palästina, und sehließen am '22. November MM. Eine klare und eindeutige Stellungnahme zum arabischen Kragenkomplex beleuchtet die gegenwärtige Lage, ihre Schwierigkeiten und die Wege zu deren Losung. Das wesentliche an der Heilinsonsehen Broschüre für den deutschen Zionisten ist die Tatsache, «laß hier ein Mann, der Inerhalb der palästinensischen Wirklichkeit steht, zu Fliedensforderungen und zur Ablehnung der nationalen Phrase kommt wie wir hier. Doch uns wird oft die Berechtigung zu derartigen Schlüssen abgesprochen, weil wir vom sicheren Port aus gemächlich raten können. Mit plastischer Deutlichkeit führt uns Beilinson den unglaublichen Schaden vor Augen, der durch die Erhebung der Klngemaueraffäre zur Krage der nationalen Ehre entstanden ist. Wiederholt erhebt er In den Wochen vor dem 23. August seine Stimme, um vor Aufbauschung der Angelegenheit, z. B. durch den nKlagenuiuerausachuB*', zu warnen, da hier dauernder Zündstoff und die Möglichkeit zu Blutvergießen liegen. In der Krage nach dem eigentlichen Charakter der Ereignisse verneint i'i ihre politische oder soziale Natur, sieht sie auch nicht als Pogrom, ans Ausbruch des Volkszornes, an. sondern glaubt, daß sie zu nationalpolitischen Zwecken durch religiOse Hetze und mittels der Auffassung, daß „die Regierung mit ihnen sei", organisiert wurden. Selbstverteidigung des Jischuw und Sicherheitsmaßnahmen der Regierung als Gebot der stunde, vermögen zwar das Qefflhl von der Preisgegebenheil der .luden aus den Herzen der Araber zu entfernen, doch die Erzeugung einer friedliehen Atmosphäre sei wichtiger als Polizei und Bewaffnung. Auf dem Wege zum Frieden sei durch gegenseitiges Kennenlernen viel zu erreichen. Die politische Arbeit des Zionismus dürfe sich nicht aus Warschau. Paris und London beschränken, sondern EtQsM mit aller