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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-01-24 · 4 (24.1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
4 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMKINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOI0NS0EMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 4 . ins außerordentlich tätig war. Es wurden Flugblätter, Zettungen, Broschüren usw. in ungeheurer Auflage zur Verteilung gebracht. Außerdem erschienen Plakate- Leider ist es nicht mOglieh, Uber alles, was getan wurde, an dieser Stelle zu berichten. Es kann aber wohl behauptet werden, daß durch die Arbeiten der Ortsgruppe den Gegnern der Kampf erschwert und ihr Erfolg geschmälert wurde. Im Laufe des Jahres 1929 hat die Ortsgruppe Leipzig zwei Gemeindemitgliedern Rechtsschutz gewährt. Ks handelte sich in beiden Fällen um Beleidigungen wegen der Zugehörigkeit zum Judentum, und zwar betraf der eine Fall ein Mitglied, der andere ein Nichtmitglied. Der Vorsitzende gab alsdann noch einen ausführlichen Bericht über die Aufklärungsarbeit. Allmonatlich erhalten zirka 3500 christliche Persönlichkeiten die Monatsausgabe der „C-V.-Zei tung" zugestellt. Außerdem erfolgte an Christen ein Massenversand der im Jahre 1929 erschienenen Broschüren „Alte Kameraden" und „B 1 u 11 ü g e n". Ferner wurde ein sehr großer Prozentsatz der Leipziger Lehrer mit der Broschüre von Profuser Goldstein: „Die Schule im Dienste der Volksversöbnung und der Völkerversöhnung", und eine Reihe katholischer und evangelischer Pfarrer sowie die Bibliotheken mit dem Werk von Professor Fiel) ig, Leipzig: „Der Talmud" beliefert. Im übrigen wurde die Verteilung von Aufklärungs- und Abwehrliteratur im üblichen Maß vorgenommen. An den Arbeitsbericht schloß sich der Kassenbericht an, in dessen Verlauf der Vorsitzende einen von der Zentrale vorliegenden R e Vi 8 i On8b e r ich t mit der Bilanz per 31. Dezember 1929 verlas. Er betonte bei dieser Gelegenheit, daß entgegen der Meinung einiger Mitglieder die Verwaltungsspesen der Ortsgruppe Leipzig, wie die Bilanz zeige, sehr niedrig und im Verhältnis zu der geleisteten Arbeit und dem in Frage kommenden Verwaltungsapparat geradezu als gering zu betrachten seien. In der alsdann vorgenommenen Neuwahl des Vorstandes wurden wiedergewählt die Damen und Herren: Julius Krause, I.Vorsitzender: Moritz Ury, 2. Vorsitzender; Rabbiner Dr. Felix Ooldmann (Vorsitzender des Landesverbandes): David Bergmann: Rabbiner Gustav Cohn. Alfred Deutsch, Dr. Hans (ioldmnnn. Rechtsanwalt Dr. C. Goldsrhmidt, Frau E. Gornpertz, Rechtsanwalt Dr. Hans Jacoby. Rechtsanwalt Dr- Heinz Joske, Referendar Herbert Lindemann, Rechtsanwalt Dr. Rudolf Neumann, Walter Rieß. Max Rothschild. Willy Seemann, Frau Dr. Ury. Aus dem bisherigen Vorstand scheiden auf ihren Wunsch die Heiren Julius Lustig und Max Jaffö sowie Frau Dr. Graf aus. Den Herren Lustig und Jaffe wurde vom Vorsitzenden für ihre langjährige, aufopfernde Tätigkeit im Vorstande der herzlichste Dank des Vereins ausgesprochen. Als Kassenrevisoren wurden für das Jahr 1930 gewählt die Herren Albert Held und Emil Joske. Anachliefiend an die Generalversammlung knüpfte sich eine Diskussion über das Thema „Die Aufgaben des C. - V." an. Es wurde u. a. darauf hingewiesen, daß auf Anregung des Vorstandsmitgliedes Rabbiner Cohn eine Arbeitsgemeinschaft gegründet worden ist. die Ende dieses Monats das erste Mal zusammentreten wird. Diese Arbeitsgemeinschaft hat den Zweck, interessierten Mitgliedern die inneren Aufgaben des C.-V. nahezubringen. Alsdann gab Herr Krause noch einen Bericht über die für die nächsten drei Monate vorgesehenen Veranstaltungen L.W. Unsere Jugend FiihrertaeiinR de« Reichsaussrhasse? der jüdischen Jugendrerbäade. In der Zeit vom 25.-31. Deaember 1929 fand in dem vom Reichaauaaehufi der jüdischen Jugendverbände unterhaltenen Jacobsonheim in Seesen am Harz eine von den im Reichsaussrhuß vereinigten JugendbQnden beachirkte Führertagung statt. Die diesjährige Tagung konnte teilweise an die Ergebnisse der vor einem Jahre am selben Orte stattgehabten sozialen Woche anknüpfen. Der Geist der Jugendbewegung, vorbildliche Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen. E. SAH Bfinder — Spitzen — Modewaren jetzt nur noch PelertitraAe schufen eine Stimmung, in der es gelang, auch über Fragen umstrittener Art in Freundschaft und Buhe zu sprechen. Dr. Moritz Schweizer (Essen) und Edith Cohn (Berlin) behandelten ein Gebiet, über das bisher weder zuverlässiges statistisches Material, noch überhaupt systematische Vorarbeiten vorliegen: wieweit nämlich heute bereits jüdische Jugend organisatorisch erfaßt ist, und welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten für eine zukünftige Arbeit in dieser Richtung bestehen. Während Edith Cohn mehr die psychologische Seite dieses Problems beleuchtete, betafite sich Dr. Schweizer vor allem mit den soziologischen Fragen, wobei er den Vorschlag der Bildung jüdischer „Klubs" machte. Die Milieuhostimmtheit der jüdischen Jugendbewegung schließt besonders die prolelarisierten Schichten von der Erfassung aus. Hinzu kommen der Mangel an Freizeit und die Konzentrierung auf Berufsinleresseii, die einer Erfassung entgegenstehen. Edith Cohn versuchte, ausgehend von den besonderen Schwierigkeiten der Familie, aufzuzeigen, daß die Jugendbände eigentlich nur diejenigen jungen Menschen (Jugend der höheren Schulen) erfassen, deren seelische Situation und deren Stellung im Elternhaus dieser Erfassung entgegenkommen. Die Erlassung der schwerer zugänglichen, in komplizierteren Gesamtsituationen befindlichen Jugendlichen könnte durch vermehrte pädagogische und psychologische Erkenntnisse der Führer ermöglich! werden. Die besonders aktiven Elemente können nur durch eine der Wirklichkeit zugewandte Haltung angezogen werden. Die gesellschaftlichen Fragen, insbesondere Fragen des Schulkampfes und des Sozialismus, stehen dabei im Vordergrund. Als zweites Thema der Tagung stand die Frage der V e r w i r k 1 i c h u n g der Jugendforderungen in der soi i a 1 en Arbeit zur Debatte, das von Dr. Hanna Eisfelder und Sieg Hirsch behandelt wurde. Sieg Hirsch sprach über die R e f o r in deraoslale n A r bell und die Aufgaben der Jugend, deren Mitarbeit noch nicht stark genug ist. Er zeigte auch die Problematik der gesamten Arbeil und ihren Zusammenhang mit der Wirtschaft. Für den gegenwärtigen Moment besonders wichtig und allgemein interessierend waren seine Ausführungen über die Jugendpflegegruppen. Aus Referat und anschließender Diskussion ergab sich, daß diese Jugendpflegegruppen, soweit sie eigentliche pädagogische Aufgaben nicht erfüllen können, vor allein den Wert haben, daß sie die Jugendlichen bewahren und pflegerisrh betreuen. Es muß danach gestrebt werden, daß diejenigen Jugendlichen, deren Erfassung innerhalb der .lugendpllegegruppen als abgeschlossen angesehen werden kann, entweder in JugendbQnde oder in Berufsorganisationen übergeleitet werden. Dr. Ilannn Eisfelder berichtete zunächst über die Entwicklung in der F ü r s o r g e e r z i e h u n g s I r a g e im letzten Jahre. Sie zeigte weiterhin neue Aufgaben, die sich aus der Praxis ihrer eigenen Arbeit ergeben haben. Zum Beispiel wies sie auf die Dringlichkeit einer Hilfe für isolierte Anstaltskinder hin. da selbst in den bestgeführten Anstalten das Kind den Mangel an Liebesbeziehungen, die es mit einem einzelnen Erwachsenen verbinden, empfinde. Es ist anzustreben, daß möglichst jedes derart isolierte Kind durch regelmäßige Besuche in Verbindung mit einzelnen älteren Mensrhen, die nicht im Anstaltsleben stehen, gebracht wird, wofür sich ältere Menschen aus der Jugendbewegung sehr gut eignen. Weitere Aufgaben der sozialen Arbeit der Jugendbewegung sind der Besurh von Altersheimen und einzelnen allen Leuten. Erledigung von Besorgungen für diese, Sonderbesrhäfligung mit einzelnen Kindern in bedürftigen Familien und Kinderhorten und Übernahme von pflegerischen Schutzaufsichten. — Im Anschluß an dieses Referat wurde in Verfolg der auf der socialen Woche in Seesen 1928 gefaßten Resolution der Zusammenschluß der beruflichen und nichtbeniflichen jüdischen Sozialarbeiter, die der jüdischen Jugendbewegung entweder angehören oder sich mit ihren Bestrebungen zur Erneuerung der jüdischen Wohlfahrtspflege solidarisch erklären, beschlossen. Dr. Friedrich Brodnitz und Dr. Ernst Bloch behandelten das ..soziale E 1 e m e n t i in A u f 1> a u w e r k f ü r Pal ii s t i n a und Rußland". Der Zusammenhang zwischen diesen Themen und den übrigen Problemkreisen ist darin zu Beben, daß die Fragen einer Reform der sozialen Arbeit im deutschen Judentum unlösbar mit der Oesamtlage des jüdischen Volkes in der ganzen Well verknüpft ist. Dr. Rrodnitz gab in ausführlicher Darstellung unter Heranziehung und übersichtlicher Gliederung der gesamten Literatur einen Oberbilk über das Aufbauwerk in Polen und Rußland. Er hob hervor, dsfl man heute aurh dort bestrebt ist. die Unterstützten selbst in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht heranzuziehen und dadurch den Charakter der bloßen philantropischen Hilfe aufzuheben. Dr. Bloch unterschied zwischen sozialer Arbeit im engeren Sinne

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