Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 3 (17.1.1930)
- Date
- 1930-01-17
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968776-5969150--2969-4877412- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 OEMEINDEBLATT DER ISKAKI.ITISCIIKN RKI.KiIOXSGKMKINDE ZU LEIPZIG Nummer 3 Epstein (Duisburg) sprachen gegen «Ii«' Abtrennung der Genieindearbeit von der Z. \ f. D. In der jüdischen Volkspartei, für die Auflösung der Volkspartei und .Ii,' Oberleitung der Qemelndearbelt in den unmittelbaren Tätigkeitsbereich der Z.V. f.D. Dr. Arnsberg (Frankfurt a. M.) betonte die Notwendigkeit, den Abwehrkämpf in den Aufgabenkreis der jüdischen Gemeinde ni Qberneh- .....n, in der Debatte sprachen ferner noch Alfred Berger, Dr. Georg Halpern Dr. Roberl Weltsch, der nochmals den Standpunkt «I<t ...liidischen Rundschau" vertrat, Dr, Georg Wollstein Uber «Ii«' K.-K.-L.- Arheit, Heinz llberg (Rraunsrhweig) und Dr. Erich Michaelis (Zeire Misrnrhi). Mit einem Schlußwort Kurl Blumenfelds wurde die Debatte i.....ndet. Die Anregung. Weixmann und seine Mutter, die in Palästina lebl und am HO. Desember ihren 80. Geburtstag feierte, ins Goldene Kni ll des K. K. I.. einzutragen, fand rofort Ihre Realisierung. Ks wurden 1000 M. 10r diesen Zweck geseichnet Hieraul wurden 'Ii'' Wahlen für dm Geschäftsfuhrenden Ausschuß und du' anderen leitenden Instanten der Z.V.f.D. vorgenommen, Die Radikalen, Revisionisten und die Kollenscher-Gruppe gaben Deklarationen ab, in denen sie erklärten, daß sie sich an den Wahlen zum Geschäftstührenden Ausschuß nlchl beteiligen werden. Hierauf wurde mit den Stimmen der in der Mehrheitskoalition ver- Ii tenen Parteien Kurt Blu.....nfeld /.um Vorsitzenden dir Z.V.f.D. wiedergewählt. Zu Mitgliedern des Geschäftsführenden Ausschusses wurden gewählt: Dr. Siegfried Moses. Dr. Siegfried Kanowiti (Gruppe linkes Zentrum), Dr. Georg Landauer, Alfred Berger (zionistische Sozialisten), Alexander Adler. Dr. Edmund Levy, Dr. Oskar Wolfsberg (Misrnrhi). Die neue Leitung «ml also gebildet von einer Koalition uns linkem Zentrum. Misrnrhi und Zeire Mierachi, Hapoel Haiair und den freien sozialistischen Zionisten. Der neugewählte Landesvorstand besteht aus :>:t Mitgliedern. Er ist aus allen Parteien, einschließlich der drei Parteien, die sich an der Wahl des Geschäftsfahrenden Ausschusses nicht beteiligten, nach der Proporti.....ler Mandate /um Delegiertentag gebildet. Im ganzen waren zu dem Delegiertentag Dil Delegierte ordentlich gewählt wurden. Tin 1 I hr nachts wurde der Delegiertentag beendet. Aus den Verhandlungen des 23. Delegiertentages der Zionistischen Vereinigung für Deutschland dürfte noch besonders die Aussprache Ober Gemelndearbeil interessieren: Im Rahmen eines großangelegten Referates über „Zionistische Arbeil und Deutschland" kam Kurt Blumenleld cum Schluß auch uul die Gemelndearbeil zu sprechen. Die durch Zionisten auszuübende indirekte Wirkung durch Schaffung von jüdischen Einrichtungen, sagte Blumenfeld, erfolgt in erster Linie in den Gemeinden. Dort erwachsen uns Schwierigkeiten mancher Art für unser zionistisches Auftreten und unsere zionistische Bewährung. Immer stehen wir vor der Situation, reale Dinge durch Autgeben zionistischer Prinsipien erreichen /n können, und es kann vielleicht auch einmal eine Gelegenheil ii bei d< r die Entscheidung ernsthaft schwer füllt. Im allgemeinen!• loch milden wir verstehen, dali die von uns geschaffenen Institutionen nir un^ nur so lange sinnvoll sind, als sie von unserem Geiste geleitel werden, und als eine starke zionistische Organisation unsere Vertreter zwingt, dem Kompromiß zu widerstehen und ehrlich und aufrichtig die in unserem Gemeindeprogramm niedergelegten (iruml- -äi/' In die Praxis zu überführen. Unsere Bedeutung besteht darin, daß wir die Minderheit sind, die durch ihre zukunftweisende Kruft dl gesamte Volk auf ihren Weg führt. Der aktiven Minderheit steht Anmeldungen füi di<' Vulksschul' wirf Realst'hulklassen der Höheren Israelitischen Sdiule, Leipzig für Ostern hj.\<> können täglich von ki — 12 l hr im Schulgebäude Gustav-Adolf-Str. 7 erfolgen. eine Abwehr und beharrende Mehrheit gegenüber. Was uns an Zahl fehlt, müssen wir durch Tempo ersetzen, was uns an äußeren Mitteln fehlt, durch Zuversicht und Charakter. Wir haben die von uns aufgestellten Grundsätze auch dann zu bewahren, wenn sie sich gegen uns wenden. Kür uns kann es sich nicht um eine Befriedigung persönlicher Ambitionen handeln, wir dürfen niemals den Versuch machen, uns eine zionistische Krsat/.weil zu schallen. Kindel eine Trennung zwischen den direkten und indirekten Tätigkeitsgebieten des Zionismus statt, so muß notwendig in unserer Gemeindepolitik eine zionistisch unerträgliche, nur mit Tagessorgen erfüllte Geschäftigkeit eintreten, die in einer das jüdische Kelten revolutionierenden zionistischen Bewegung nur den unangenehmeu Begleiter und Mahner erblickt. Nachd..... Prof. Pick (Misrachi) über allg.....eine zionistische und llllsrachistische Richtlinien gesprochen hatte, führte Dr. Kanowiti (linkes Zentrum) zur "Frage der Gemelndearbeil aus, die Erfolge, die die zionistischen Vertreter in der Gemeinde erringen, erringen sie als Beauftragte de8 deutschen Zionismus, gestützt auf unsere politische Arbeit, auf unsere Presse, auf unseren Einfluß und auf das Wachsen unseres Werkes in Palästina. Ks muß also eine unbedingte Einheil zwischen unserer zionistischen Arbeil und unserer Gemelndearbeil bestehen. Heute versuchen die führenden Männer der Jüdischen Volkspartei oft, ihre Erfolge in der Gemeindearbeit gegen die Leitung der Z. V.r. D. auszuspielen. Dieser Zustund der Rivalität muß beseitigt werden Dr. A. Sa 11 dler (unabh. Zionist) rührte aus: ßlumenfeld übersieht, daß die Volkspartei ein Sondertet.iet. die Gemeindearbeit, übernommen hat. und daß die Leiter dieser Gemeindearbeit für sonstige zionistische Betätigung wenig Zeit übrig haben. Auch fehlt uns. führte Sandler weiter uns, zur Propagierung unserer abweichenden Anschauungen der Apparat, der anderen zur Verfügung sieht. Der Tätigkeitsbericht der '/.. V. f. D. enthält nur wenig über Kulturarbeit, die ist uns überlassen worden. Der Redner gehl auf die Berliner Schulpolitik und andere Erfolge der zionistischen (iemeindepolitik ein und weist darauf hin. dali dieser Arbeit das Zustandekommen der deutschen Jewish Agency zu danken sei. da sie die Vertretung der bedeutsamsten deutschen Organisationen, der Berliner Gemeinde und des Gemeindebundes, im Initiativkomitee erst ermöglicht habe. Alfred Berger (Hitachdutb) sagte, niemand dürre sich einbilden, «lall Irgendeine Gemeindefraktion zur Bedeutung käme ohne die Z.V. f.D.. ohne eine starke zionistische Bewegung in Deutschland. Von der Gemelndearbeil erwarten wir einen wesentlichen Autbau auf sozialem Gebiet Die Gemeindekommission muß aktiver werden als bisher. Nach einer Rede Dr. Halperns über Koalition und Einheitsfront führte Dr. A rnsberg (Revisionist) aus. der Gemeindekommission der Z. V.f. I). müsse erhöhte Einflußmöglichkeiten hinsichtlich der Gemeindeaktlon eingeräumt werden: er verlangt Stellungnahme zu der immer wachsenden antisemitischen Bewegung. Benzion Fell (Radikaler) führte aus. die Meinckestrnlte habe die Fragen der Galuth Vernachlässigt nur durum konnte ein Gebilde wie die Volkspurlei sich so stark entwickeln. Mit dem Gebilde der jüdischen Volkspartei muß gebrochen werden, die zionistische Vereinigung müsse seihst die (Iemeindepolitik in die Hände neh........ Die zionistische Organisation darf unter keinen Umständen eine schlappe Politik gegenüber den Liberalen rühren. Georg Kareski (unabh. Zionist): Oli man an einem Orte unter der Flagge der Jadischen Volkspartei oder der Z.V. f.D. in den <ieiiieindewahlkainpf ziehen soll, ist eine Krane, welche nicht generell entschieden werden kann. Unsere Gemeindepolitik ist ein Ausfluß unserer zionistischen Gesinnung. Kanowiti hätte eine so abrupte unnötige Diskussion, zu der doch keine Zeit bleibt nicht beginnen sollen. Kr hat es so dargestellt als ob große Unterschiede zwischen Ge- .....indearbeil und zionistischer Arbeit bestunden. Kr hat gesagt, daß der zionistische Parteiapparat uns gedient halte und uns die W ihlsit/.e verschafft halte. Wir erkennen das nicht au. weil es nicht wahr ist. Jahrelang ist die Gemeindearbeit bagatellisiert wurden, und wir halten uns bemüht das Verständnis dafür zu wecken. Erst als wir den Erfolg hatten, ist man hinterhergekommen. Wir halten alle Wünsche der Gemeiudekomniission ltefoli{l. Sie haben uns erst dadurch, dali sie unsere Erfolge kleiner darzustellen suchten zur Abwehr gezwungen. Der Qemeindeetat für soziale und kulturelle Zwecke ist 1111 geheuer gestiegen. Wir halten uns bemüht den Rahmen der (iemeindepolitik so weit wie Irgend möglich SU spannen, weil w ir wissen, dali ilie Gemeinde nur wert ist zu existieren, wenn sie sich begreift als einen Bestandteil des jüdischen Volkes. Wenn wir die (i.......inde-