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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-01-17 · 3 (17.1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
3 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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IT. Januar 1080 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCH EX ItEEKilONSUEMKINDE ZU I.KII'ZKi Seite 3 Jüdische Verbände und (iemeinden 2:1. Delegiertentag der Dentsel..... Zionisten. Der 28. Delegiertenlag der Deutsehen Zionisten, der Im Jenaer Volkshaus abgehalten wurde, stand im Mittelpunkt des Interesses nicht allein der deutschen, sondern auch der Zionisten und Palästinafreunde der Ranzen Welt. Seit den Augustereignissen in Palästina war dies die erste Öffentliche grundsätzliche Auseinandersetzung In der zionistischen Bewegung über Ziele und Mellio<h;n der zionistischen Politik, die schließlich dazu fährte, dafl sich die verschiedenen Autfassungen und schon früher vorhanden gewesenen Gegensätze In last noch nicht dagewesener Schürfe aber in ruhigen Formen darstellten. Ihre besondere Bedeutung erhielt die Tagung durch die Anwesenheit des Präsidenten der zionistischen Organisation, Professor Dr. Chalm Weizmann, der zum ersten Male seil den Augusten Ignissen vor ein zionistisches Forum trat, um Lage, Politik und Vussichten des Zionismus im Zusammenhang mit den Geschehnissen cor aller Welt darzulegen. Ober ISO Delegierte, zahlreiche Ersatzdelegierte und Hunderte Min Gftaten aus allen Teilen Deutschlands und aus dem Auslande »uch mehrere Palästinenser füllten den großen Saal des Jenaer Volkshauses. Als Weltmann den Saal betrat, wurde ihm eine begeisterte, minutenlang dauernde Ovation bereitet. Kurl Bin nie uf cid eröffnete den -X Delegiertentag „in einer /.eil. die die ganze Kraft der zionistischen Bewegung beansprucht". Schwierigkeiten, so fährte er weder aus. bestanden zu allen Zeilen; kein Jahr verging ohne Bedrohung, Doch ist die Bewegung immer .wachsen. Unsere Bewegung kann nur leben, wenn wir das Vertrauen zur vollen Verwirklichung des Zieles bewahren. Debattieren wollen wir nur äber Methoden. Unser Geschlecht hat die Aufgabe, unser von ewigen Kräften getragenes Ziel zu verwirklichen. Die ewige Kraft des jüdischen Volkes wird den Sieg herbeifuhren. Der ganze Zionismus isl hier versammelt. Es sind Entscheidungen Ober die künftige Leitung des deutschen Zionismus zu treffen. Treffet eine Klare und deutliche Entscheidung! Auf Vorschlag von Dr. Landberg winden in das Präsidium gewählt: Kurl Blumenfeld und Dr. Julius Moses (allgem ine Zionisten ünkes Zentrum). Wolffheim (arbeitendes Palästina), Rabin (Mis racbi), Kalmus (unabhängige allgemeine Zionisten), Belilowsky (Re visioniiten), Fett (Radikale), Bh.......ifeld rührte aus: Wir wollen die drill.' Heimkehr des jü dischen Volkes in das Land, das verbunden Ist mit allen Generalionen des Judentums. Wir sind hier in den Makkabäertagen versammelt Wir sind in unserem Kampf verbunden mil den vergangenen und den kommenden Generationen. Blumenfeld gedenkt während die Versammelten aufstehen der Gefallenen in Palästina und verliest eine lange Namenliste im letzten Jahre verstorbener hervorragender Zionisten in Deutschland und im Ausland; er schloß auch die Nichtsionisten Simon Schocken. Franz Rosentweig und Louis Marshall ein. Mit einer sehr warmen Ovation begrüßt, begann nun Dr. Weizmann seine mit gespanntester Aufmerksamkeit angehörte Rede, die oft durch Beifall, auch seitens der Opposition, unterbrochen wurde, Weizmann behandelte die schwellenden Fragen Stellung zur Mandatarmacht, «las jüdische Anrecht auf das Nationalheini, die neuen Voraussetzungen für die Mandatspolitik, das Verhältnis zu den \rabern, und er schloff mil einem wannen Appell zur Einigkeit. ..Ich kann Ihnen nur empfehlen und Sie warnen, sich nicht gegenseitig zu zerfleischen. Richten Sie Ihre Geschäfte so ein, dafl die Arbeil weitergeht. Konstruieren Sie keim- Differenzen in Fragen der Weltanschauung. Wenn ich alles summiere, sehe ich nur taktische Differenzen. Ich hoffe, dafl Sie aus diesem Delegiertentag gestärkt und ermutigt hervorgehen Werden, Israel geht nicht unter! Das i-i •las Letzte, was uns bleibt Ich habe manchem englischen Gegner gesagt: Ihr glaubt, das Mandat nicht erfüllen ZU können. Für uns wird las nichl schwerer sein als die Austreibung aus Spanien, als die KreuzzQge, als die Inquisition, nicht schwerer als die Progrome in der Ukraine. El wird eine andere Zeit kommen und wir weiden unser Ziel erreichen. Alier sagte i. h denken sie daran, was eio englischer Staatsmann gesagt hat: Gott verfällt! mit den Nationen, wie die Nationen mit den Juden. Es kann sich niemand erlauben eine Frage der historischen Gerechtigkeit leichtfertig zu behandeln. Bai ist unsere Stärke, und darum glauben wir. werden wir gestärkt ui unserer Arbeil fortschreiten. Was wir heule Inn. Inn wir als Kidusch liascheill, und wenn unsere Jugend in die Wüsten und in die Felder Palästinas gegangen isl. so erklang aus ihren Herzen eim.....ue Hyi...... der Arbeil und des Glaubens, die Btieg zum Himmel, und der jüdische doli schaute auf seine Kinder herunter und erkannte sie wieder. Und dieser Gotl wird uns weiterfuhren." Auf Wunsch der Versammlung kamen nun der Führer der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas, Berl Katzenelion, und der seit einigen Jahren in Palästina als Arzt tätige bekannte deutsche Zioniil Dr. Fells Daniiger zu Worte, die zwei verschiedene Meinungen im palästinensischen Judentum vertreten, Katzenelson wendete sich scharf gegen die Revisionisten, sprach aber auch gegen diejenigen Kreise, die für sofortige Besprechungen mit den Arabern auf der Basis der arabischen Parlamentsforderung eintreten. ...Mil den Eilendis und den anderen, die die Massakres in Hebron und Safed arrangier! haben, wollen wir nicht sprechen. Wir wollen mit dem arbeitenden arabischen Volke sprechen, dessen Interessen mil den unseren zusammenfallen." Dr. Danziger gab der Besorgnis weiter Kreise des Jischuw über die Pläne der Araber, der Administration und der internationalen Feinde der zionistischen Bewegung Ausdruck und Forderte planvolles Entgegenwirken, Er fand Inn der Opposition viel Beifall, dagegen bettigen Widerspruch von seilen der Gruppen, die für die Leitung der Z.V.f.D. verantwortlich sind. Die folgende Generaldebatte stellte sich als große und grundsätzliche Auseinandersetzung über die Führung des deutschen Zionismus, insbesondere Ober die Haltung der „Jüdischen Hund schau- bzw. ihres Hauptredakteurs Dr. Hoheit Weltsch dar. Es sprachen die Führer sämtlicher oppositioneller Gruppen des deutschen Zionismus, und zwar für die „Unabhängigen allgemeinen Zionisten" Dr. Kollensch er, für den Misrachi Dr. Aron Barth, der Revisionist Richard Lieht he im, und für die Radikalen Dr. Nahum Gold mann. Die von der gegenwärtigen Leitung der 7. V.f.D. und von der Redaktion der .Jüdischen Rundschau" ein genommene Haltung vertraten im Verlauf der Debatte Dr. Mord/: Bileski und Dr. Georg Landauer (arbeitendes Palästina). In der Abendsitzung vertraten Dr. Robert Weit seh und der Vorsitzende der Z. V. f. D. Kurt Blumenfeld in ausführlichen Reden ihren Standpunkt Nach diesen beiden Reden nahm Dr. Weizmann das Wort noch einmal. Die Debatte bewegte sich auf einem auflerordentlich hohen Niveau, es war eine ernste und grundsätzliche Auseinandersetzung, die über die Fragen des deul scheu Zionismus hinaus die Probleme des Zionismus Oberhaupt in wesentlicher Weise klärte. Nachdem die grofle polltische Aussprache beendet und der Vor mittag des 31. Dezember durch eine Beratung der Permanenzkommission ausgefüllt worden war. schritt das Plenum des Delegiertentages zu den Abstimmungen Ober die von den verschiedenen Gruppen eingebrachten Resolutionen. Ein von den Revisionisten und den Radikalen eingebracht Mifltrauensantrag gegen die Redaktion der „Jüdischen Rundschau" wurde mit!H gegen IT Stimmen abgelehnt. Eine vom Misrachi und der Kollenscher-Gruppe eingebrachte Resolution, in der gewisse Änderungen in der politischen Haltung der Z.V.f.D. und der ..Jü dischen Rundschau" verlangt wurden, wurde mit s| gegen ö'J stimmen abgelehnt, nach.lern Blumenfeld erklärt hatte, dafl er die Annal.....■ dieser Resolution als Mißtrauensvotum betrachten würde. Vn genommen wurde daraufhin mit ,s:t gegen •">:! Stimmen eine Resolu Ii.in lila.....nfeld, die rünf Punkte enthält Im ersten Punkt wird als das Ziel des Zionismus die Errichtung der nationalen Heimstätte auf der Grundlage der im Palästinamandal niedergelegten Grundsätze ausgesprochen; im zweiten Punkt wird die aktive Unterstützung der Regierung gefordert die aus Nachlässigkeit oder Abneigung das Werk Iiisher nicht genügend unterstützt hat: drittens wird hervorge hoben, dafl, unbeschadet der geforderten Mitwirkung der Regierung, die entscheidende Bedeutung der eigenen Leistung des jüdischen Volkes zukomme, dabei wird verstärkte Immigration und Forderung der Chaluziuth verlangt. Im vierten Punkt wird zur Araberpolitik Stellung genommen und die Resolution des XII. Kongret— als Grundlage der zionistischen Araberpolitik erneut betont Fünftens wird ausgesprochen, dafl die Führung von politischen Verhandlungen ausschließlich in den Händen der Exekutive zu liegen habe. Di« Vh- Btiminungsergebnisse wurden von der Mehrheit mit großem Beifall aufgenommen. Hierauf referierte Kurl Blumenfeld Ober dii in Deutich land zu erfüllenden Aufgaben. Nachdem Dr. Kino« Itz Ober den bedauerlichen Gegensatz gesprochen hatte, der zwischen der Leitung der Z.V.l.D. und der Leitung der jüdischen Volkspartei in Berlin bemerkbar isl. verteidigten Dr. Sand ler und Dr. Köllen acher die G e in e i 11 d e a r Ii e i I und w iesen auf die Erfolge hin. die durch sie erzielt worden seien. Benzion E e t I (radikal) und Dr. Harry

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