Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-01-10 · 2 (10.1.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
2 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968776-5969149--2954-4877398
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 8 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Wiederholt schon war in diesen Blättern von Salonion Jadassohn »geb. 18. Auguat 1881, gest. 1, Februar 1908) die Rede, mich «lern die Jadaaaohnatrafie (in Lindenau) Ihren Namen trügt. Seit is:i wirkte er;ils Lehrer am hiesigen Konservatorium für Theorie, Komposition und Instrumentation und bildete eine außerordentlich große Zahl von Schülern aus allen LBudern heran. Weltruf schafften Ihm vor allem »eine musikpädagogischen Schriften, Bücher, die in die ver- Khiedensten Sprachen überseUl und In last allen Hochachulen beuutil »Hillen. Für unsere Gemeinde hatte Jädassohn poch beson dere Bedeutung: mehrere Jahrsehnte leitete er den Verein «Psallerlon", der bis 1900 tu der Gemeindesynagoge als Chor wirkte. ivi frühere Leipziger Vorort Schönefeld ehrte den Begründer der Völkerpsychologie Moriti Lazarus (geb. tö. September 1824 in Filehne, gest. 18. April i!M>:< In Meran) durch die Bezeichnung einer Straße als Lazarusstraße. Der Gelehrte hatte besondere Beziehungen zu Leipzig durch seinen Iiier belegenen Grundbesitz, Das amtliche Straßen Verzeichnis uennt ihn als „Landhausbesitzer in Schöuefeld". Bs ist wohl begreiflich, daß die Schönefelder mit stolz einen solchen Mann zu ihren Mitbürgern rechneten, dessen grundlegende wisenschaftliche Forschungen ihm Weltruhm gegeben haben. Man dürfte aber auch in diesen Kreisen sehr gut Erinnerung bewahrt haben an jene glfinzende Tagung, die sieh unter Lazarus' Vorsitz 1860 als erste „israelitische Synode" in Leipzig abwickelte. ..Die Umsicht, iie Ruhe, die Freiheit und Beredsamkeit dieses Mannes" sicherte der Versammlung jenen bedeutsamen Verlauf, der auch auf die Außen stehenden einen liefen und nachhaltigen Eindruck machte, wie ans den Zeitungsberichten unverkennbar hervorgeht; 'ins „Leipziger Tageblatt" vom 6. Juli 1809 schließt seinen Bericht mit dem Wunsche: „Möchte es in unserer protestantichen Kirche ebenso sein, möchte Insbesondere deren bevorstehende Landessynode dasselbe erfreuliche Bild humaner Glaubensduldung und friedliehor Harmonie darbieten". Großzügiger Gemeinsinn, den der am 8. Dezember 1900 verstor bene Hr. lur. Max Abraham (geb. 8. Juni 1881) betätigte, soll durch die Benennung der A n t a Ii a m ■ t r a ß e in der Erinnerung der Nachwell wacherhalten werden. Abraham, der Inhaber des weltberühmten Musikverlagg C. F. Peters, hatte viele Jahre an dem Ausbau der Musikbibliothek Peters gearbeitet und sie um wertvolle Stücke bereichert. In seinem letzten Willen bestimmte er diese reiche wichtige Sammlung als öffentlichen Besitz und gewährleisl ile ihren dauernd' n Bestand durch ein ansehnliches Kapital iKmmhhi M.), das für die Fortführung der Sammlung und Ihre sachgemäße Verwaltung Vorsorge traf; auch Bibliotheksräume sicherte er durch Stillung des Grundstückes; auch den l'i auengewi i beverein bedachte er, indem er ihm in dem gleichen Mause mehrere Stockwerke zur mielefreien Benutzung zusprach Nach einem anderen jüdischen Wohltäter, Jacob Plaut, führt die Plautstraße ihren Namen. Jacob Plaut Ist einer der drei Brüder, die .las 1815 von ihrem Vater hier begründete Bankhaus II. ('. Plaut so erfolgreich geführt haben, 1805 errichtete er anläßlich der Feier des 50jährigen Bestehens der Firma bei der Stadt eine Stiftung zugunsten der Bedürftigen, die zur Hälfte an jüdische Personen am Jahrestage des Vaters, und au nichtjttdische Nolleidende am Sterbetage bürgerlichen Datums verteilt werden sollten. Im Laufe der weiteren Jahre wurden ZU dieser ersten Stiftung noch mehrere weitere hinzugefügt, so daß der Gesamtbetrag der Jacob Plaut'schen Stlftun gen eine erkleckliche Höhe erreichte. Auch die Israelitische Uoligions gemeinde verdankte dem hochherzigen Wohltäter, der schon IKirj /.um Ehrenmitglied der Religionsgemeinde ernannt wurden war. meh rere Stiftungen; die ansehnlichste im Kapitalbetrage von M. 250000. wurden im Juni 1900, wenige Monate vor seinem in Nizza erfolgten Tode (5. Februar 1901) der Gemeinde übergeben. Die Reihe dieser um Stadl und Gemeinde so verdienten .luden, deren Namen im Leipziger Stadtbild leuchten, beschließt vorerst unser durch Beine großzügig entfaltete Wohltätigkeit weit über Leipzig hinaus gewürdigter Chaim Eitingon, dessen Werk wohl für alle /.eilen selber seinen Namen bewahren wird, dem aber doch unsere Stadtbehörden auch ein äußeres /eichen der Dankbarkeit in dem Namen der El t i n gO 1181 r a ß e errichtet Indien. Die Obersicht über die nach Juden benannten Leipziger Straßen zeigt, daß die zuständigen stellen frei von Voreingenommenheit das Verdienst gewürdigt haben. Angesichts der Tatsache, daß nicht allerorten der gleiche gerechte Sinn wallet, verdient dies voll anerkannt zu werden Die Erneuerung der durch solche Namenwahl betätigten Ehrung soll aber zugleich ein Ansporn sein, gleich verdienstvolles Wirken im Dienste der Allgemeinheil zu entfallen, nicht um gleicher Kille teil haftig, sondern ihrer würdig zu werden. Denn der Lohn edlen Wirkens liegt ja nicht in der Anerkennung seitens der anderen, sondern in dem Bewußtsein, anderen genützt zu haben. <i. ('. Wahlversammlung und Gemeindesitzung am 7. Januar 1930 I Amtliehe Niederschriften.) \. Wahlversammlung, Den Vorsitz führt gemäß s tt AI». 2 dea Gemeindestatuta der bisherige Gemeindevorsteher GoldschmidL Kr eröffnet «Iii- Sitzung mit herzlichen Wünschen zum neuen Jahr und begrüßt die neu eingetretenen Mitglieder der Gemeindevertretung, die Herren Kesten bäum, Pfefferblflth, Benno Stern und Rechtsanwalt Dr. Paul / a n d e r. Danach b-ilt der Vorsitzende mit. daß Herr Stein seinen Antrag. Ihn Mm dem Amt eines Gemeindeverordneten zu entbinden, zurück gesogen hat. I ci nci verliest der Vorsitzende eine Erklärung, denufolge die Herren Hudes. Stein. (Int drei. Rosen leider und Kesten Im um sich zu einer demokratischen und orthodoxen Fraktion zusammengeschlossen haben. Danach wird in die Tagesordnung eingetreten. 1. Herr Direktor Hugo Gross bittet, Ihn mit Rücksicht auf seinen bevorstehenden Wegzug von Leipzig aus dem Amt eines Mitgliedes der Gemeindevertretung zu entlassen. Ks sprechen hierzu die Herren Stein und Gutmann, bei welcher Gelegenheil letalerer die- Verdienste de- Herrn <iro>z rühmend hervorhebt. Dem scbliel.it sieb Herr Dubiner und Herr Stein an. Herr Gutma......rklärt. daß Herr Gross, durch persönliche Angelegenheiten gezwungen, auf seinem Kürktritt besteht. Ks erhebt sieh kein Widerspruch gegen die tmtsentlassung. Der Vorsitzende spricht ebenfalls Herrn (Irosz die Anerkennung und den Dank der Versammlung aus. Au seine Stelle tritt Herr Dr. i.....I. Otto I' I a u I. Danach tritt der Vorsitzende, da seine Amtszeil abgelaufen ist. unter Worten des Dankes an die Versammlung, von dem Vorsitz, zurück. Den Vorsitz übernimmt der stellvertretende Gemeindevorsteher, Herr Hodes, der Herrn Goldschmidt den Dank der Versammlung für seine Geschäftsführung ausspricht. j. Es folgt die Wahl des Gemeindevorstehers. Hierzu gibt Herr Dubiner eine Erklärung ab. die sich gegen die Bestimmung des sj |ö des Genieindestatuts wendet, wonach nur Deutsche zu Vorstandsmitgliedern gewählt werden können. Seine Partei, die gegen die Wiederwahl des bisherigen Vorsitzenden persönlich nichts einzuwenden hat. werde nls Protest leere /.eitel abgeben. Dem schließt sü-h Herr Seiinger an. Herr Gottlieb weist darauf hin. daß S 15 auf gesetzlicher Bestimmung ruht. Herr Dr. Goldschmidl erinnert daran, daß die Bestimmung einen Teil des früheren Kompromisses bildet. Die Volkspartei möge mit ihrer bisherigen Taktik aufhören, zwecklose Kund Hebungen von sich zu geben. Sonst müsse die liberale Fraktion die ihr richtig erscheinenden Konsequenzen ziehen. Herr Dubiner er klärt, seine Partei habe i" i der Fassung des s l'i nicht mitgewirkt. Die Sächsische Staalsregierung besteht nicht auf einer solchen Bestimmung. Ks wird Schluß der Debatte beantragt und angenom.....n. Ks haben sich noch zum Wort gemeldet die Herren Rosenfelder, stein und Seiinger, die noch zum Wort zugelassen werden. Die Herren Rosen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.