Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 2 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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taeitiö eblatt DER ISRAELITISCHEN REUGIONSG&M&IND& ZU I sCL| 07 lfm, AMTLICHES NACHRICHTENBIA1T LL I ■ Mm IW DER GEMEIN D&VBRWALTUNG« D.is (icnu'inuYblult rrsdtt ml |r«Vn 1 rrit.tn und *lr»l den Mltglledern der KellKlcinsftemelnde unrnii/rliluli (lurdi die INist /.u((c stillt - S v Ii r I I t I e I t u n | : tieincinüVrtibblnrr i.nst.i\ Colin, l-clp/itf, LdhrstruUc 10 NUMMER 2 / JAHRGANG 6 FREITAG IO» JANUAR 19IO ^DMlgciiverwtltuitfl und Drudti Buchdrückerrl tugiutl IMes, Leipzig, Hrrtdrrsir. 59 - Itrnnit 70006 - TOrt- Mbcffc I.Hp/ltf 53920 - Nttdidnnk nur mit Quellenangabe und mit GenchMlguni des VcHawcn RCfttattel NACH JUDEN BENANNTE STRASSEN IN LEIPZIG Kurz vor Ablauf des letzten Jahren hat sich ein Ehrennusschuß gebildet, der die Errichtung eines Heine-Denkmals in Düsseldorf betreibt. Ein Düsseldorfer Ortsausschuß erläßt einen Aufruf an alle Heine-Freunde, „den schönen l'lan durch Spenden und Werbung inilverwirklichen zu helfen". Heinrich Mann begleitet den Ruf mit einer Kundgebung, in der er das Kehlen eines solchen Denkmals als „ungetilgte Schuld an Volk, Dichtkunst und Zukunft" kennzeichnet, „Mag er kein äußeres Denkmal brauchen: wir schulden sein Denkmal uns selbst. Andere, die nicht allen (iestalten seines Wesens, höchstem einer von ihnen nahekommen, haben das Denkmal, das Mnn so lange versagt wurde. Ein Zeitgenosse, Musset, in einigein ihm ähnlich, obwohl um sein Frankreich unvergleich weniger verdient als Heine um uns, wurde bedankt mit einem der sichtbarsten Monumente von Paris, Hat Deutschland das «echt, weniger danklar zu sein? Darf es die Vaterstadt Heines?" Heinrich Mann übersieht nicht den Umstand, der es bisher noch immer zu verhindern wuüte, daß das Heine-Denkmal verwirklicht wurde: so oft der l'lan in die Öffentlichkeit drang, regten sich die Judengegner und verstanden es, die Stimmung gegen eine solche Ehrung des „.luden" Heine zu beeinflussen. Die Zahl öffentlicher Denkmäler, die bedeutenden Juden in Deutschland errichtet wurden, ist äuOerst gering. Dessau hat seinein grölten Moses Mendelssohn an weithin sichtbarer Stelle ein grofiea Monument errichtet; 1!MK) wurde ein B e r t hold A u e r b a c Ii - Denkmal (von Prof. Karl Volz, Karlsruhe) in Nordstetten im Schwanwähl, seiner Vaterstadt, geweiht. Die Stadt Kolberg hat dem Sanitätsrat Dr. Hermann Hirsch fehl (Vater der Schriftstellerin Franziska Mann und des Sexualforschers Dr. Magnus Hirsehfeld), dem eigentlichen Gründer des Solbades Kolberg wegen seiner aerorragenden Verdienste um dessen Entwicklung ein öffentliches Denkmal gesetzt. Erst in der Nachkriegszeit konnte die Stadt Hamburg einem Ilcinc- Deiikmal einen öffentlichen l'latz einräumen. Mit diesen wenigen dürfte die Zahl der in Deutschland zur Ehrung von Juden errichteten Denkmäler erschöpft sein. Weniger konnte sieh diese törichte Engherzigkeit bei der Ehrung verdienter Juden durch Benennung von Stratten mit ihrem Namen durchsetzen, wenn es auch hie und da an Versuchen nicht gefehlt hat, auch in dieser Beziehung zu hemmen. (irößorc und kleine Städte haben diese Form des Denkmals auch Juden nicht versagt. Im Grunde kommt ihr die gleiche Bedeutung zu wie dem von Künstlerhand aus Stein oder Erz geformten Bildnis: im oft gesprochenen Namen soll die Erinnerung an die verdienstvolle Leistung fortleben. Auch Straßennamen weiden so zu Denkmälern, zu dauernden Zeichen dankbarer Verehrung und zugleich beispielgebenden Vorbil dem. Man sollte von Zeit zu Zeit die Bedeutung solcher Persönlich keilen wieder in die Erinnerung zurückrufen, um der (iefahr zu be Regnen, dal.', die Namen, die im Laufe der Zeit geläufig weiden. Worte ohne Inhalt werden. Leipzigs Strafienverieichnis enthält mehr Namen von Juden als gemeinhin bekannt sein dürfte. Wie in vielen anderen Städten gitil es auch hier eine W alt he I It a t h e n a u - Straße (in Leutzsch), die die grolle Bedeutung des Coli tikers für die Herbeiführung ruhiger Entwicklung der deutschen Republik nach der ungeheuren Katastrophe lebendig erhallen soll. Ain 11 nach Emil R ath en a u. seinem Vater, dem um die deutsche elek Irotechnische Industrie so hochverdienten (Iriinder der AEG., wurde eine Stratte benannt: im Ausstellungsgelände, dort wo die technische Messe viele 'Pausende an der technischen Industrie Interessierte herbeilockt - Seit 1!M!) gibt es auch eine L i 1 i e n t h a I - Straße (in Mockau), die den Namen des berühmten Plugtechnikera lebendig erhast, dt r durch die Erforschung der (ileitfluggesetze und durch Kon struktion der ersten Qleitftugmasebinen den Anstofl zur Entfaltung der Luftfahrt gegeben hat. (ialt diese Ehrung Persönlichkeiten, deren Ruhm und Bedeutung ganz allgemein geworden war, so liegt es nahe, daß vorzugsweise Namen von Leipziger Bürgern gewählt wurden, die in ihrer Stadl Bedeutung gewonnen hatten: eine Bedeutung die wohl auch über Lei|i zig hinaus gedrungen war. aber doch mit dieser Stadt besonders verknüpft war. Schon 187't wurde in dem Netze von Straßen, die auf der ehemali gen Thomaswiese, in der Gegend der Plagwitser Straße angelegt wurden, einer Strafte der Name lloschelesstrafte beigelegt. Bei der damals erforderlichen Wahl von Straßennamen ging man von dem (iednnken aus, in erster üeihe die hervorragenden Thomaskantoren Hiller, Sebastian Bach und Hauptmann zu ehren, und da mau bei den Musikern war. wählte mau weiterhin Mai schnei, David (übrigens kein Jude) und Moscheies als „weitere Koryphäen der Musik, welche in Leipzig gewirkt haben". Ignai Moscheies (geb. 90. Mai I7W in Prag. gest. Hl. März 1870 in Leipzig) war von 1811 bis zu seinem Tode Lehrer am Konservatorium. Seine Kompositionen für Klavier, vor allem einzelne seiner Etüden fanden weil Ober seinen Tod hinaus größte Beachtung. Auch als Stilist gewann er Ansehen durch sein zweibändiges, von seiner Gattin (Charlotte geb. Embden) nach seinem Tode herausgegebenes Tagebuch: ..Aus Moscheles' Lehen" Leipzig 1872, Zweiter Freitagabend-Gottesdienst in der Gemeindesynavogc am Freitag, den io. Januar 1930, 19' . L'hr