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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-01-01 · 1 (1.1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
1 (1.1.1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite i QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGI0N8GEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 1 Der Dn H C /7P ~ I 0 §> MTriOIA Für Intcres$enten bittet sich jetzt Gelegenheit, ein Einkauf von /S4^i^t>wVa' JAC^AJIA\A lfcVl> P:,ruc Perserteppiche, nur Vorkriegsware, meist m p Seltenheiten, zu konkurrenzlosen Preisen zu IO+ -TUlAifAllne VArtrauanSfiAfihal erwerben — Besichtigung ohne Kaufzwang ISX ZWelTeilOS VeriraUüllÖSOünO . Reparaturen werden fachmännisch ausgeführt! ORIENT-TEPPICHHAUS S. GABAI LEIPZIG, Schuh machergäßchen 2a, Laden 8 / MERAN, Marktgasse 1 Vorsitzenden soll noch erwähnt weiden, was er über die Rundeshauptversammlung in Merlin am 28. und 24. November d. J. berichtete. Diese Tagung war von besonderer Bedeutung und faßte weitreichende Beschlüsse. Wiederaufbau der Abwehr/Organisationen, Schaffung von .lunggruppcn. Bildung einer Dachorganisation fin alle mit »Abwehr" befaßten Vereinigungen, Vertiefung dos Kameradschaftsgefühls, Umstellung dos Bundesorgans „Der Schild", das waren Dingt1, die eine gründliche Bearbeitung erfuhren und den Ortsgruppen für das ganr.e lautende Jahr reiche Arbeit bringen worden. Der In der Hauptversammlung neugewählte Vorstand setzt sieh aus folgenden Herren zusammen: Dr. A. Jacoby 1. Vors.; M. Hirschfeld Vors.; J. Koppenheim 1. Schriftf.; Jaffe J. Sehriftf.; K. Zellner l. Kass.; A. Bergmann 2. Kass.; H. Bucki, J. Heinau, E Bleistein, .1. Mendel, F. Urbach: Beisitzer. Die Waid dos Vorstands, mit Ausnahme der Vorsitzenden sowie der Ausschüsse fand dank der vorzüglichen Vorarbeit des Wahlausschusses, der aus den Kameraden S. Vogel, M. Wulff und M. Gold- Bchmidl bestand, en bloc. durch Zuruf und einstimmig statt. Die Versammlung wurde nach würdigem Vorlauf in zukunftsfreudiger und kameradschaftlicher Stimmung der Versammelten geschlossen. Zur Chiniich-Sefer-Thorafeier der \ciida* Jisrocl. Der erste Chanukaabend brachte im Künstlerhaus eine imposante Kundgebung der tho, atreuen Jugend Leipzigs, die nichl verfehlen wird, auf dio gesetzestreue Judenheil unserer Stadt von nachhaltiger Wirkung zu sein. Die Feier von mehr als ton Teilnehmern hat bewiesen, daß die Agudas-Jisroel-Jugendgruppe eine Organisation ist. mit der gerechnet werden muß. Diese Gruppe von frommen jungen Leuten ist sich heute ihrer selbst und Ihrer Ideale so bewußt, daß sie danach verlangt, nach außen .hin zu handeln, sämtliche gesetsestreuen jungen Leute Leipzigs in s'r'n aufzunehmen. Die Beteiligung zum Einschreiben in das Sefer-Thora war so groß, daß die Feier später begann, als geplant war. Mit dem Chanuka-Lichtzünden des Herrn Oberkantor W i I k o m i r ■ k y begann die Feier. Der Vorsitzende Herr Daniel Krauss hiell eine sehr wohlgefbrmte Begi•ür.ung-au-praehe. die eine feierliche Stimmung hervorrief. Ks folgte die mit herrlichen Thoraworten gewürzte Rede des Herrn Rabbiner Dr. Carlebach. Nach einigen musikalischen Darbietungen begann man mit der eigentlichen Einweihung, indem das Sefer-Thora unter die Inzwischen aufgestellte Chuppofa gebracht wurde und mit jüdischen Gesingen und Tänzen ein schöner Reigen um den ganzen Saal gemacht wurde. Nach Schluß dieser Tänze sprach Herr liabbiner RogOSnittky eine sein eindrucksvolle Rede, und wurde er mit großem Beifall belohnt. Im ganzen Saale herrschte sehr gehobene Stimmung, und die zahlreiche Beteiligung gibt der Jugend die Gewlhr, daß ihr Werk gelingen wird, das den bestimmten Zweck verfolgt, gemeinsam das zu verwirklichen, was jeder einzelne im Leben tun muß, das Prinzip der Thora zu vertreten. Ihr Ziel ist einheitlich und rein religiös. An Mut und Energie fehlt es der jüdischen .lugen i nicht, denn sie ist auf die Kämpfe des Lebens eingeschult, da sie auf ihrem Wege mit Unbilden und Hindernissen zu ringen hat. Die I liio. . hfeiei bewies, daß sie aut die Anerkennung und 8ym pat hie der Orthodoxie Leipzig., rechnen kann. Allerdings hat am Schlüsse der Feier die Aufführung einiger frem der junger Leute Enttäuschung und großes Befremden hervorgerufen, und mit Recht konnte Herr Rabbiner Feldmann dies rügen und gegen derlei Aufführungen protestieren. Die Leitung der .lugendgruppe erklärte jedoch, daß sie vom Inhalt dieses Stückes keine Ahnung hatte und bedauerte, daß die Simcho dadurch gestört wurde. Mit einer Mahnung an die .lugend, die begeUterungsvolle Stimmung nunmehr in fleißige Agudoarbeit umzusetzen, schloß Herr Rabbiner Feldmann seine Rede. Es w urde hernach gehenseht, und erst 1 Uhr nachts begab sich die .lugend mit ihrer Sefer-Thora ins Agudoheim. A. L. Von jüdischen Handwerkern. Immer wieder muß leider die Beobachtung gemacht werden, daß die in unserer Stadt lebenden jüdischen Handwerker nichl die nötige Beachtung unter den Gemeinde- (Mitgliedern finden, die sie ihren Leistungen nach verdienen. Es gibt In Leipzig eine große Anzahl wirklich erstklassiger jüdischer Handwerksmeister, die auch jüdische Lehrlinge halten und ausbilden, and fast in jedem Berufe vertreten sind. Bei Unifragen bei diesen Handwerkern muß immer wieder die beschämende Feststellung gemacht werden, daß nur ein Bruchteil ihrer Kundschaft sich aus jüdischen Kreisen rekrutiert. Ks sollte doch Pflicht eines jeden jüdischen Mitbürgers sein, seine Glaubensgenossen durch Vergebung von Arbeiten zu unterstützen, zumal wenn die Gewähr geboten wird, gute fachmännische Arbeit zu billigen Preisen zu bekommen. Die außerordentlich schlechte wirtschaftliche Lage, zumal bei der sich in letzter Zeil wieder stark ausbreitenden antisemitischen Welle, vermindert den jüdischen Handwerkern immer mehr die Aussichten. Aufträge von nichtjüdischen Firmen zu bekommen. Wenn endlich einmal das Vorurteil gegen jüdische Handwerksarbeit schwinden würde, könnte viel Not und Elend gemindert werden und es würde nicht zuletzt dazu beitragen, einen kräftigen Stamm produktiver .luden zu erziehen, die ein festes Rückgrat in unserer Gemeinde bilden werden. Wenn man bedenkt, daß es für einen jüdischen Lehrling fast unmöglich ist, in einem niehtjüdischen Betriebe anzukommen, so muß unbedingt dafür eingetreten werden, einer möglichst großen Anzahl jüdischer Handwerksmeister, mit der Berechtigung zur Haltung von Lehrlingen, eine Kxistenzmöglichkeit zu geben. Die jüdischen Handwerker, die in Leipzig im Verein selbständiger jüdischer Handwerker zu LeipZI g vereinigt sind, holten zuversichtlich, daß dieser Mahnruf den nötigen Widerhall finden wird und daß von jetzt ab vor Vergebung von Arbeilen Offerten von jüdischen Handwerkern angefordert werden (Siehe auch „Vereinsnachrichten"). Ortsgruppe des Hilfsvereins der deutschen Juden. Unter der rührigen Führung des Herrn BttnJlit Schieß ist seit einem Jahre der llilfsvcroin der deutschen Juden in Leipzig wieder durch eine Ortsgrup|M' vertreten. Wenn auch die Arbeit unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht ganz leicht vonstatten geht, so darf doch Schoo jetzt festgestellt werden, daß es gelingen wird, dem Hilfsverein in Leipzig wieder eine seiner großen Bedeutung entsprechende Stellung zu verschaffen. — Im Anwesenheit des Generalsekretärs des Hilfsvereins der deutschen Juden, Herr Dr. M. W i s c h n i t z e r, fand jüngst eine Vorslandssitzung statt. Herr Dr. W. gab interessante Hinblicke in die zur Zeit geleistete Arbeit, insbesondere über die bei den rumänischen Juden erforderlichen Maßnahmen. Mit großer Aufmerksamkeit wurden die Berichte über die neuerliche Entwicklung des Hilfsvereins verfolgt. Auch weitere Kreise dürfte die Ansprache interessieren, die bei einer in Berlin jüngst abgehaltenen Veranstaltung Professor Dr. Albert Einstein über die Bedeutung des Hilfsvereins gehalten hat: ..Wir Juden sind dadurch beständig bedroht, daß wir überall als eine Minorität leben, die sich durch den Komplex ihrer Traditionen von der Umwelt unterscheidet. Hieraus erwächst für die Individuen eine Gefährdung teils wirtschaftlicher, teils moralische! Art; wirtschaftliche Gefährdung durch Verdrängung aus Berufen, moralische durch Vereinsamung, die meist zu armseligem Egoismus führt. Gegen diese Schäden hilft uns nur jüdische Solidarität. Wenn diese sich auch vornehmlich durch das persönliche Verhalten von Mensch zu Mensch auswirken muß. so bedarf es doch zur Abhilfe gegen die krassesten

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