Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 1 (1.1.1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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:t. Januar 1880 GEMEINDEBLATT DKK ISRAELITISCHEN R KL IGI ()NSG KM KI N W. ZU LKII'ZHi Seite 9 Unsere Gemeinde „Habiinah'* in Leipzig. Viele Freunde und Verehrer hat lieh 11»- bimah wie Ubernil, wo sie ihre große Kunst gezeigt hnt, auch in Leipzig erworben. Dankbar begrüßen sie die Gelegenheit, Stunden gani liefen Krlebens künstlerischer Darstellung wiederholen zu können. Und viele, die noch nicht in den Mann dieser BUhne gesogen waren, sollten die Sehen überwinden, die ihnen die Unkenntnis dos Hebräischen auferlegt: diese Künstler sind in ihrem Spiel der Züge und der Glieder so beredt, dafi man, auch ohne die Worte, die sie begleiten, zu verstehen, die Handlung mitlebt. Wie sehr dies zutrifft, geht aus einer Aeulierung T Ii 0 m a s M a n n s hervor, der über die „llabimah" schreibt: „Ich habe das Ilabimah-Thealer nur einmal, gelegentlich eines Münchener Gastspiels, gesehen, aber der Kindruck ist unauslöschlich. Man spielte den ,l)yhuk', dies volkstiimlich-sittonbildhnftc Drama der Besessenheit) und die Atmosphäre durchdringender nationaler Echtheit, intimer Unheimlichkeit, pittoresker Kullurgeschlossenheit, in der die Darbietung stand, zusammen mit der theatralischen Forlgoschriltonheit, dem leidenschaftlichen Raffinement der Inszenierung, tat es mir, wie übrigens offenbar dem ganzen Publikum, bis zur Hingerissenheil an. Ich verstand kein Wort, und dennoch gab es kein Aussetzen der höchsten Aufmerksamkeit, nicht einen Augenblick. Die Worte aber, die ich gleichwohl verstand, und die jeder versteht: ,Adonai!', .Israel!' diese gewaltigen Laute aus so authentischem Munde zu vernehmen, war mir aus bestimmten persönlichen produktiven Gründen ein Krlebnis des Sehreckens und der Freude. Mit Eifer ergreife ich die Gelegenheit, dem Theater für diese außerordentliche Stunde meinen Dank abzustatten." Stiftung von Kultgegenstiiurien — ein alter jüdischer Krauch. Seit Jahrhunderten pflegen jüdische Männer und Krauen ihrer Freude bei frohen Familienfesten und auch ihrer Trauer in dankbarer Erinnerung au teure Heimgegangene einen bleibenden Ausdruck durch Stiftung von Gegenständen, die im (iolteshause verwendet werden, zu geben. Fast nie standen die Gemeinden vor der Notwendigkeit, solches Gerät, Kidduschbecher, Thoraschmuck, Thoravorhänge u. dgl. aus Ge meindemitteln zu beschaffen. Ks isl ein erfreuliches Zeichen für das heute Wieder lebendig werdende Verständnis für die Schönheil dieser Uebung, dafi in unseren Tagen ihre Betätigung wieder aufgenommen wird. Aus dein letzten Jahre können mehrere solcher Stiftungen in unserer Gemeinde verzeichnet werden: Anläßlich einer Vermittlung stiftete die Familie G a r f Unkel zwei silberne Becher zur Verwendung bei der jüdischen Trauung; zur dauernden Erinnerung an den lieimgegangeneii Herrn Martin Kaufmann .«'henkte dessen Galtin und ihr Sohn zwei Thoraniäntelclien aus blauem Samt mit reicher Silberstickerei; und am letzten Sabhalh spendeten Herr und Frau David W r o u k e r anilBHcfa der llarmizw ah-Feier ihres Sohnes Gert eine I'urim-Megillah in Lederhülle. Die sinnige Schönheit solcher Stiftungen liegt nicht nur in dein augenblicklichen Ausdruck religiösen Fühlens; weit reicher ist die dadurch geschaffene, unvergeßliche Bindung au die Gemeinde und besonders au das Gotteshaus, Seil mehr als 4(1 Jahren werden in der Genieindesynagoge alljährlich die Chsinukkahllchter an einem Leuchter entzündet, den anläßlich der Bariuiz- Wah-Feier ihres Sohnes Jakob die um unsere Gemeinde sehr verdienten, nun schon heiingegangenen Eheleute Geheimral Sieskind siesk i n d und Frau gestiftet halten. Ks bedarf keines weiteren Wortes, um zu betonen, welch warmes persönliches Band solche Geschenke zur Stätte der Andacht knüpfen. Unsere Gemeindesynagoge ist in den letzten Jahrsehnten nur selten mit Stiftungen dieser Art bedacht worden. Ks wäre zu wünschen, dafi die Beispiele, die in jüngster Zeit gegeben wurden, recht häufig Nachahmung finden würden; die Schätze au Kultgerät, über die sie verfügt, sind keineswegs reichhaltig. Be sonderen Anlafi zu solchen Gaben bietet gerade dieses Jahr als das rünfundsiebfigste des Bestehens unserer Genieindesynagoge: Anfang September 1866 wurde die Synagoge geweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Synagiigalc Musik im Leipziger Killldfiiiik. Ks bedarf an dieser Stelle keines besonderen Rühmens. Das Können aller an dem Rundfunkkonterl vom 10. Dezember Beteiligten: des Synagogenchores (unter Leitung lies Herrn Barnet Licht), des Organisten Heim Hitler und des Herrn Oberkanlor Lampel sind in unserer Gemeinde so gut bekannt, dat.! es keiner erneuten Bescheinigung bedarf. Verzeichnet werden -oll aber an dieser Stelle die allgemeine Beachtung, die die Darbietung auch aufierhalb unserer Gemeinde gefunden hat. Presse und persönliche Bekundungen beweisen, daß weitere Kreise aus dem Interesse, das für die synagogalo Musik in Ihnen geweckt wird, auch dazu gelangen, Juden und Judentum mit größerem Verständnis zu betrachten. So leisten diese Darbietungen auch unserer Gemeinschaft einen nicht zu unterschätzenden Dienst. Hauptversammlung des Relchsbundei Jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Leipzig. Die diesjährige Hauptversammlung de.- RjF, Ortsgruppe Leipzig, am it. Dezember, stand ttufierlicb ein wenig unler dein Einfluß der Kollission mit einer Vortragsversammlung des C, V. Inhaltlich stand die Versammlung auf außerordentlicher Höhe und der Rückblick auf das Jubiläumsjahr des Bundes war ein wahrhaft stolzer. Am 14. Januar sprach Frau Ministerialrat Freund-Hoppe über das Thema: Der Kn m p f f ü r d e n Y r i e d e n. Dieser Abend wurde zu einem denkwürdigen und ergreifenden Krlebnis für alle Teilnehmer. Das vielumkämpfte Wort ..Pazifismus" wurde bei dem packenden Bekenntnis der Referontin zur Weltfriedensidee und bei den tatsachenreichen Schilderungen des Kampfes um sie zu einem starken lebensvollen Begriff der Wirklichkeil. Bin gemeinsamer Besuch der Ausstellung „Krieg und Frieden" am 3. Februar ergänzte die Wirkung dieser Kundgebung besonders glücklich. - Am 11. Februar sprach Kam. Dr. Hirsch (Ulm), Führer der Württemberger Kameraden, über die Bundesverhältnisse in seiner Heimat. Am 10. April bot Oberreg.-Bat Dr. Heiland (Leipzig) einen praktischen Vortrag für das tägliche Leben. „Wie schützt sich der Ladeninhaber vor Diebstählen". Am 13. Mai kam die Sportpflege im RjF zu ihrem Recht In einem Referat des Universitälsprofessors Dr. A lt rock (Leipzig) über „Sport als Lebensform". Auch die staatsbürgerliche Erstehung, eine wesentliche Aufgabe der RjF-Arbelt, wurde gefördert in den Vorträgen: „Krieg und Frieden im neuen Strafrecht" am 10. Juni (Ref. Staatsmin. Neu); „Die Polizei im neuen Staat" am 24. Sept. (Ref. PoUl.-Präs. Fleißner); „Moderner Geschichtsunterricht" am 15. Oktober (Ref. Prof. Dr. Riemann) und „Der Youngplan" am 0. November (Ref. R.-A. Dr. v. Stolzenberg (Leipzig). Mit großer Freude darf die Ortsgruppe feststellen, daß alle Versammlungen starkes Interesse bei den Mitgliedern fanden, daß der Besuch ausgezeichnet und die Aussprachen lebhaft und geistig hoch waren. Aus der Reihe der festlich e n u n cl sport 11 cIi e n Vor a nstaltunge n der Ortsgruppe seien einige hervorgehoben: Am 7. Januar Jiu-.lilsu-Kampfabend; es Standen sich gegenüber: RjF-Berlin Bar Kochba-I.eipzig und Polfsel- Leipzig. Der RjF schnitt ausgezeichnet ab. Am 17. Februar: Gefallenenehrung am Ehrenmal. Am 25. Februar schließlich das bedeutungsvollste Ereignis der Ortsgruppe überhaupt seit ihrer Gründung: Die Jubiläumsfeier anläßlich des 10jährigen Bestehens, verbunden mit einer Lessingfeier. Bei dieser Feier zeigte sich evident, welche Stellung sich der RjF heute im jüdischen Gemeindeleben errungen hat. Zahl und Bedeutung der Besucher waren gleich hervorragend. Alle religiösen und politischen Richtungen, alle Parteien waren durch ihre Führer vertreten und ließen es sich angelegen sein, durch sie ihre Wünsche und Sympathien für den Bund auszudrücken. Der Hauptredner des Abends. Herr Rabbiner Dr. (' a r I e b a c Ii. bot ein im Inhalt und in der Form glanzvolles Referat über das Thema: „Lessing und die Juden" und hob damit die Feier auf eine würdige Höhe. Der Festredner, Kamerad Dr. Jacoby. schilderte in interessanten Ausführungen ilie Entw icklungsgeschichte des Bundes und der Ortsgruppe Leipzig, Kamerad .laffe bot in wirkungsvollen Rezitationen markante Stellt n aus Leasings Werk und so kam eine Jubelfeier zustande, die im Vereinsleben unserer Stadt noch lange als „Ereignis" gewert et wurde. Die beiden Messeabende am l. März und 28. August konnten diesmal im Zentrum der Stadt in den schönen Räumen des C.T. veranstaltet werden, und waren deshalb auch in gesellschaftlicher Hinsicht außerordentlich erfolgreich. Am 23. Juni haben sich die sächsischen Kameradenbünde in Wormsdorf getroffen und am 27. Oktober feierte die Ortsgruppe als erster der hiesigen Vereitle ihr W i n - t erfest ais einen solennen Siiuchas-Thora-Ball. der durch die Mitwirkung des Herrn Oberkanlor Wilkomirski und des Chors von der hiesigen „El chajim-Synagoge" eine ausgezeichnete jüdische Note erhielt Kamerad Kantor Jatf 6 leitete die Vortragsfolge durch einen Beibat Verfaßten Vorspruch ein, in dem er die Ideen des Bundes mit der religiösen Freudenstunde in sc hönen Versen zu verbinden wußte. Der Abend verlief äußerst anregend und brachte der Hilfskasse der Ortsgruppe einen unerwartet großen Erfolg. Die F ü r s o r g e t ä t i g - keil war naturgemäß auch in diesem wirtschaftlich so kritischen Jahn' eine rege, und der Ausschult halte zur Beseitigung mancher Notlage nicht allein die Gelegenheit, sondern auch erfreulicherweise die Mittel. Die aktive A b w e h r a r b e i I des Bundes war im abgelaufenen Jahr recht umfänglich. Hierzu gab die Landtags- und Stadtverordnetenwahlarbelt, sowie der regelmäßige Ordnungsdienst au den hohen Feiertagen größte Gelegenheit. Aus dem Jahresbericht des