Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 51 (11.12.1926)
- Date
- 1926-12-11
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 51 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 schmuck mit spütkanaanitischen Mondamuletten, die als Ringe getragen wurden, zum Vorschein. In die gleiche Zeit gehört eine goldene Halskette, die in einem Abfallhaufen gefunden wurde. Sie besteht aus 14 Stücken mit Mondformen und Plättchen, die wieder Beziehungen zu Ägypten und Babylon anzudeuten scheinen. Kleine Tonidole, darunter eine Astarte mit kurzem Haar, einige Steingeräte, Bronzewaffen, viele Spinnwirtel, Tierköpfe, Perlen, einfache Tongefäße und bemalte Keramik, die dem Mittelmeerkreise zugehört, und andere Siedlungsfunde ergänzen das kulturhistorische Bild. Weitere Aufklärung wird erst die Entzifferung der Tontafeln und Siegelplatten bringen. Viele Probleme sind neu entstanden und noch zu lösen. Aber Hervorragendes ist schon geleistet worden, und neue wichtige Ergebnisse werden sich aus den Grabungen noch ergeben. Sellins Annahme ist die, daß schon das alte Sichern Knotenpunkt lebhafter Handels- und Verkehrsstraßen gewesen ist; ihn reizt die ungemein große Bedeutung, die der Platz in der biblischen Geschichte gehabt hat liier hat Abraham gewohnt, hier wird noch heute, von russischen Händen poesielos verschandelt, Jakobs Brunnen gezeigt, hier liegt Josephs Grab, und hier hat Jerobeam nach seiner Rückkehr aus Ägypten, wohin er vor Salomo hatte flüchten müssen, die nordisraelitischen Bauernstämme, im Gegensatz zum kleinen judäischen Südstaat unter Rehabeam, zusammengefaßt und seinen Königspalast erbaut. Reicher noch als die Ausbeute der Grabungen für die ältere jüdische Geschichte sind die Ergebnisse für die Kennt nis der späteren Zeit. Die „Palestine Jewish Exploration Society", eine jüdisch-archäologische Gesellschaft, hat ihre Forschungen auf die Stätte der Stadt Tiber i as erstreckt und üben tischende Resultate verzeichnen können. In einer Entfernung von 100 Metern von den Schwefelbädern der Stadt, in der Nahe des Grabmals von Rabbi MeYr, wurden die Reste einer jüdischen Synagoge entdeckt, deren Mauern von Süd nach Nord ver laufen. Man fand Boden in Marmor und mit Mosaiken, Marmorsäulen mit eingemeißelten hebräischen Emblemen, wie der Menorah und dem Schofar, Säulen, an denen sich der korinthisch-griechische Einfluß zeigt, Kapitale mit einer Menorah im Relief, und Gefäße, welche den Magen Dawid tragen. Andere Verzierungen bedienen sich des Motivs der Früchte. Die Mauern sind aus großen Basaltblöcken gefügt. — Auch Teile der alten Kanalisation wurden bloßgelegt; man hofft, zu einer Rekonstruktion des alten Stadtbildes zu gelangen. Bei Jericho haben die französischen Dominikaner der „Ecole Biblique" gleichfalls eine Synagoge aus dem 3. Jahrhundert entdeckt. Zahlreiche Überreste aus der talmudischen Zeit wurden am Genezarethsee zutage gefördert. In Jerusalem selbst erstreckter, sich wichtige Grabungen auf die „Stadt Davids", die Aufschlüsse brachten, wenn sie auch noch nicht zur völligen Klärung des Problems geführt haben. 1020 wurden auch Grabungen in Askalon in Angriff genommen, der Heimatstadt des Antiochus (eines Lehrers Cicerosl Und ganz neuerlich untersucht der berühmte Ägyptologe und Professor der Chikagoer Universität Breast ad das historische Schlachtfeld von M e g i d d o, wo König Josia im Jahre 610 v. u. Z. im Kampfe gegen Pharao Necho gefallen ist.-- Es darf bei all diesen Ergebnissen der Grabungen nicht vergessen werden, daß die wissenschaftliche Untersuchung des zutage Geförderten Jahre, oft Jahrzehnte in Anspruch nimmt, ehe ein deutliches Bild des Gewonnenen gezeichnet werden kann. Aber es ist doch uns dem hier Angeführten zu ersehen, daß man Palästina nicht mehr lange „das stumme Land" wird nennen können. Schon he ite kann gesagt werden, daß die der Erde entrissenen Altertümer in vielem eine Stütze für die geschichtlichen Darstellungen der Bibel bedeuten. In einer späteren Betrachtung soll auf die außerhalb Palästinas gewonnenen Erkenntnisse und ihre Auswertung für das Vi rs'ändnis der alten jüdischen Geschichte eingegangen werden. Rabbiner Gustav Cohn Aus unserer Gemeinde Bundestag des B..I A. (Bund jüdischer Akademiker) Wie bereits vor einiger Zeit in diesen Spalten angekündigt worden ist, findet in der Zeit vom 26.-28. Dezember in Leipzig die Bundestagung der gesetzestreuen Akademikerschaft Deutschlands statt. Die Tagung dürfte ihres hohen jüdischwissenschaftlichen Niveaus wegen t n geistiges Ereignis höchster Bedeutung werden und wird sicher das Interesse weiter Kreise unserer Gemeinde wachrufen. Viele der yeistit;en Führer des gesetzestreucn Judentums haben bereits ihr Erscheinen zugesagt. Au Veranstaltungen sind geplant: a) ein halachischer Vortrag von Herrn Dr. Sani. Halevy- Leipzig am DSV, dem 25. Dez, nachm. 3>5 Uhr in der Synagoge Beth-Jehuda, Färberstraße 11 I. (Thema: nasen ypnp noaw ntn jam .van para dtos). b) Sonntag, den 26. Dez., vorm. 1130 Uhr pünktlich: Offizielle Eröffnungsfeier des Bundestages. C) 26. Dez., nachm 230 Uhr: Referat von Heirn Dr. Simon Schlesinger-Köln: „Aus der talmudischen Methodenlehre", (ajx ,na ,-,vx). d) 26. Dez., nachm. 430 Lhr: Dr. phil. et med. E. Biberfeld-Berlin'. Colloquium über halachisch*medizinische Fragen, e) 26. Dez., abends 8 Uhr ca.: Offizieller Iv c s t a b e n d des Stammtisches Leipzig im B.J.A. i» ■ ■ Ä—»-^— ^Im.« Wlwl ISra^i . — ate ..-"«.--o muar ■ä'Ci«r i O I IU_ U Ulli findet daj 4. SÜflUIMjSfeSl mit anschließendem BALL im großen Festsaal des Certiral-Tlieaters des Jfundes jüd. Frontsoldaten der eherqalig. österr.-ung. j7rrqee statt. Intendant Marco Kroiekcjsf a. Q. vorn Opcreitenhaus dirigiert! Tornboiä W nskaJ mit seinen Prominenten Tombola T anze Eintritt 2 — einstudiert von der Ballettmeistern* Käti Richter Erna Ahendroth v. Neuer. Theater l. 6o(o-2aii3«rin Rm riüqei: Walter Seifert Der Vorstand. Max Schult 1. 6pIo-Iiiii3cr Kinder D« &al(«ttföul« Geselischafts*ToiieHe