Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 50 (10.12.1926)
- Date
- 1926-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang Den Teilnehmern aus Preußen kann ein Zuschuß zu den Reisekosten gewährt werden, falls ihre üemeirden dazu nicht imstande sind. Teilnehmer aus dem übrigen Deutschland werden gebeten, sich an ihre Landesverbände und Gemeinden zu wenden. Für möglichst billige Unterkunlt und Verpflegung wird gesorg». Der genaue Stundenplan wird den Teilnehmern bei der Eröffnung überreicht. Auskunft gibt Frau Auguste Rosenthal Budwig, Berlin NW 52, Calvinstraße 20. Vom Preußischen Landesverband. Am Sonntag, dem 21. November, trat in Berlin die zweite Landesversammlung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zusammen. Vor Eintritt in die Verhandlungen fand eine sehr bewegte Geschäftsordnungsdebatte stau die sidi mit der Präsidentschaft des zum Vorsitzenden der Landesverbandstagung gewählten Justizrat Sonnenfeld beschäftigte. Die Fraktionen der Volkspartei, der Konservativen und der Religiösen Mittelpartei hatten Anstoß an einem Briefe genommen, den J.-R Sonnenfeld an den preußischen Ii nenministcr gerichtet, und in dem er die Frage angeschnitten hatte, ob es nicht zweckmäßig sei, die Bearbeitung der getjen die Berliner Repräscntantenwahlen eingelegten Proteste aus den Händen eines jüdischen Parteimannes in die eines Unbeteiligten zu legen. Durch ein solches Vorgehen habe J.-R. S nnenield den aus den anderen Fraktionen gewählten Vicepräsidenten die Möglichkeit genommen, als Mitglieder des Präsidiums zu wirken. Die liberale Fraktion, der J R. Sonnenfeld angehört, lehnte dieses Mißtrauen ab, da die Versammluug kein Recht habe, Dinge, die nicht in direktem Zusammenhang mi: den Angelegenheiten des Landesverbandes stehen, in die Beratungen zu ziehen; die Eignung für das Amt des Präsidenten dürfe von solchen Handlungen nicht abhängig gemacht werden. — Da die liberale Fraktion, die über die Mehrheit verlügt, auf diesem Standpunkte beharrte, wurden die gtstellten Mißtrauensanträge abgelehnt. — Aus dem der Versammlung erstatteten Tätigkeitsbericht sei folgendes hervorgehoben: dem Verbände haben sich 690 (von insgesamt 950) Synagogengemeinden angeschlossen. Etwa 98 gehören dem „Halberslädter Bund" an, etwa 170 sind in keinem Verbände, aus Gleichgültigkeit, Verlust des Zusammenhanges mit dem lebendigen Judentum, Eigenwilligkeit der Gemeindevorsteher, Furcht vor finanzieller Belastung u. a. m. — Zu dem seinerzeit bearbeiteten Entwurf eines Strafgesetzbuches sind Anträge gestellt worden, welche insbesondere betreffen: 1. eine unterschiedliche Behandlung von Personen nach ihrer Religionszugehörigkeit soll unter Strafe gestellt werden; 2. der Schutz des Judentums gegen sogenannte Kollektivbelästigun^cn soll gewährleistet werden; 3. die Möglichkeit, durch Strafbestimmungen Uber den Tierschutz das Schächten zutreffen, soll verhütet werden — Vom Landesverband sind im Jahre 1925 Subventionen in Höhe von M 362000 gewährt worden. — Der neue Haushalt sieht für Subventionen an leistungsschwache Gemeinden, sowie für wissenschaftliche und soziale Zwecke M 693000 vor.--■ In der Aussprache über die Tätigkeit des Verbandes kam es auch zu einer Weltanschauungsdebatte, die insofern nicht als fruchtlos bezeichnet werden kann, weil in ihr der Wille zu einer Bereinigung des ii.uujüdischen Lebens zum Ausdruck kam. Aus den von den berufenen Führern der verschiedenen jüdischen Richtungen gemachten Ausführungen klany die klare Eikenntnis heraus, welche Gefahren in dem gerade in jüngster Zeit wieder auf die Spitze getriebenen jüdischen Kampfe liegen, und es wurde auf allen Seiten der ehrliche Wille betont, einander verstehen und würdigen zu lernen. - Von besonderem Interesse auch für die Juden der außerpreul'.ischeu Landesteile ist die Ablehnung des Entwurfes iür den Zusammenschluß, wodurch die Gründung des Reichs Verbandes der deutschen Juden vorerst gescheitert ist. Vcn Anfang an war die jüdische Volkspartei gegen den Entwurf aufgetreten, weil sie eine demokratische Verfassung forderte. Auch die Mittelparlei konnte sich mit dem Entwurf nicht befreunden. Obwohl die liberale Fraktion allein die Mehrheit der Stimmen den anderen gegenüber besessen hätte, hat auch sie sich einstimmig gegen den Entwurf entschieden. Sie gab|die Erklärung ab, „daß der vorliegende Entwurf in verschiedenen Punkten Bedenken begegnet und daß deshalb die Gesamtvorlage nidit angenommen werden kann. Sie erwartet, daß es dem Rat gelingen wird, baldigst einen Entwurf vorzulegen, der auch den Dissentierenden eine Annahme ermöglicht". In der Begründung dieser Stellungnahme hob der Sprecher der Liberalen (R.-A. H. Stern) hervor, daß sie volles Verständnis für die vjrnehmlich finanziellen Gründe hatten, die für ein (undemokratisches) Einkammersystem maßgebend gewesen wären. Aber gerade der Verbandstag des Preußischen Landesverbandes habe die Vorteile erwiesen, die in der Kontrolle durch eine größere Körperschaft liegen. Audi forderten sie, daß die Verfassung des Reichsverbandes den religiösen Charakter der judischen Gemeinschaft erkennen lasse, An dem Streben zur Schaltung eines Reichsverbandes hiel'eti auch die Liberalen fest und gaben der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck, daß es in absehbarer Zeit zu seiner Gründung kommen werde. — Bei dem Entwurf zur R ev i s i on des (Preuß.) Judengesetzes, der an den Rechtsaussdmß »■••iiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiitiiitiiiiiiiitiiiiiiiitiiiiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiuiiii tiii^ Von IIIIIII1UU 6 Mark an erhalten Sie I Outzand künstlerisch ausgeführte Postka/te n im bekannten Atelier M. Herzfeld I Thomastasse 4 / (Fahrstuhl) § __________J