Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 50 (10.12.1926)
- Date
- 1926-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 50 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 Litte von Regensburg, Rahel Ackermann in Wien, Rebekka Tiktiner, Sara, die Judenärztin, Glückele von Hameln sind einige dieser glanzvollen Namen. Mit ihrem sprühenden Geiste, ihrer anziehenden Warmherzigkeit haben im 18. Jahrhundert Frauen jüdischer Abstammung illustre Kreise um sich zu sammeln verstanden, in denen sie Einfluß auf die Größten ihrer Zeit auszuüben vermochten. Es war eine Zeiterscheinung, daß manche dieser Frauen sich von ihrer Religion abwendete; sie überließen sich unbesonnener Weise einer Assimilation, die z. B. Rahel Levin-Varnhagen in späten Jahren offensichtlich bereute, und die heutzutage keine jüdische Frau von Charakter billigen, geschweige selber mitmachen würde Fast überwältigend ist die Fülle von Namen jüdischer Frauen in hervorragender Stellung in neuester Zeit. Auf allen Gebietin menschlichen Schaffens im allgemeinen und jüdischer Aroeit im besonderen haben sich jüdische Frauen hervorgetan und hewiesen, daß sie jeglichem Fortschritt, jeglicher Gesittung zugänglich sind und überall zur Förderung der Kultur und dir Bildung beizutragen verstehen. — Eine gewisse Ergänzung dieser Ausführungen bot Frau Dr. Leibholz (Berlin), die über „Mode, Gesellschaft und Antisemitismus" spiach. Zu den Dingen des Alltags nimmt die jüdische Frau noch vielfach eine besondere Stellung ein; es gilt zu erkennen, inwieweit sie gerade ihnen Aufmerksamkeit zuwenden soll, um den Anstoß zum Antisemitismus hinwegzuräumen. Man kann drei Typen von Frauen unterscheiden: die Hausfrau, die die Verwiiklichung ihres inneren Lebens in ihrem Haushalt erblickt, die intellektuelle Frau, die aus ihrem Hause hinaus an die Öffentlichkeit tritt und Führetin wird, und die luxuriöse Frau, die ihre innere Befriedigung weder im Haus noch in der Gemeinschaftsarbeit sucht, sondern in der Erfüllung ihres Verlangens nach Luxus. Alle drei Typen sind naturgemäß auch unter den jüdischen Frauen vertreten; aber in allen Gruppen finden sich noch sehr viele, die die Ghettoeigensdiaften noch nicht überwunden haben, denen die Sicherheit eigener Kultur fehlt. Daher kommt es, daß sie immer wieder Gegenstand der Erörterungen in nichtjüdischen Kreisen werden. Es gibt auch in diesen Kreisen die gleichen Erscheinungen; aber diejenigen, die davon frei sind, empfinden sie bei den Juden anders als bei ihresgleichen. Daher kommt es, daß die Verantwortung für alle Übertreibungen der Mode den Juden aufgewälzt wird. Ob auch die Jüdin wohl weiß, daß dafür k^ine Berechtigung vorliegt: sie soll darauf Bedacht FÜR ALLE GELEGENHEITEN! «Juwelen, Uhren, Schmuck Echt silberne Bestecke 800 gest. Schwer versilberte Bestecke 90er Auflage Komplette Ausstattungen - - Einzelteile empfiehlt zu konkurrenzlos billigen Preisen Max Singer, ÄS , Ruf 27327 Eigene Werkstätte - Gegr. 1906 j Plauensehe Str. 2 (gegenüber der Textil-Gesellschatt) j Reparaturen an Uhren, Gold- und Silberwaren I sorgfältig, preiswert und schnell 1 Umaibeitungen und Neuanfertigung von Schmuck- I stücken nach eigenen und gegebenen Entwürfen nehmen, soll alles vermeiden, was sie aus dem Rahmen der Umgebung heraushebt; wir müssen versuchen, in die Seele der anderen einzudringen, um sie zu verstehen und durch solches Verständnis den Keim der Vorurteile abzutöten. — Ein anderer Weg, den die moaerne Jüdin geben kann und soll, um dem Antisemitismus entgegenzuarbeiten, ist die Pflege des Gesell? chaftshbens. Nur das Leben ist lebenswert, das Gemeinsamkeiten mit den Menschen pflegen kann. Der Kern jüdischen Gemeinschuftsempfindens ist die Familie. Hier gibt es uraite jüdische Tradition. Der moderne Mensch ist vielfach auch dieser Tradition entfremdet. Die Jüdin sollte sie wieder pflegen. Aber darüber hinaus eine edle Geselligkeit. Der moderne Mensch hat gewiß weniger Zeit als der Mensch früherer Jahrhunderte. Aber für die Pflege der Geselligkeit müßte Z< it erzwungen werden. Denn sie. die Mensch zu Mensch führt, befriedigt unJ beglückt durch rben dies Gemeinsame, aber sie schafft auch gegenseitiges VersU her und räumt dadurdi mit Vorurteilen auf. Und schließlich soll die moderne Jüdin auch wieder den Weg freimachen, um jüdisches Wohltun und jüdische Mersch».nliebe auch allgemein menschlich sich auswirken zu lassen, und auch dadurch das gegenseitige Verstehen zu stärken. Den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referaten schloß sich eine Aussprache an, eingeleitet durch Ausführungen einer Vertreterin der jüngst begründeten „Deutsch jüdisdien Jugendgemeinschaft", die die Jugend zur Mitarbeit an ihren Bestrebungen aufrief. —n. Aus anderen Gemeinden und Verbänden Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin. Der Lehrerfonbildungskursus der Wissenschaftlichen Vereinigung findet von Sonntag, 26. Dezember, nachmittags, bis Donnerstag, 30 Dezember, abends statt. Folgende Vorlesungen werden gehalten: Herr M. Abraham „tinige Fragen zur Methodik des hebräischen Unterrichts", Herr Asdihel „Das heutige Palästinn und die Bibel", Herr Rabbiner Dr. Baeck „Die Mystik im Judentum", Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn „Methodisches zur systematischen Religionslehre", Herr Seminaroberlehrer Falkenberg „Probiene des Bibellesens„, Herr Rabbiner Dr. LewkowltZ „Grundformen der Religion", Herr Obermagistratsrai Dr. Odendorf} „Jüdische Jugendwohlfahrt und Lehrerschaft" (unter Berücksichtigung der allgemeinen Wohlfahrtspflege in Deutschland), Herr Dozent Dr. Torczyner „Aufgaben und Wege der Bibeiforschung", Herr Rabbiner Dr. Wiener „Grundfragen der jüdischen Religion". Die Vorlesungen finden in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin N 24, Artilleriestraße 14, statt und beginnen Sonntag, den 26 Dezember 192', nachmittags 6 Uhr pünktlich. Zur Teilnahme am Kursus sind Lehrer und Kultusbeamte und andere interessierte Personen berechtigt. — Die Vorlesun gen sind kostenlos. 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