Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-12-10 · 50 (10.12.1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
50 (10.12.1926)
Date
1926-12-10
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4876568-5968774-5968939--0849-4877333
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 5 überwiesen wurde, entspann sich eine Aussprache Uber den Austritt aus der Gemeinde. Die Liberalen und die Konservativen traten für die Beibehaltung der Austrittsmöglichkeit ein, wenn auch Vorsorge gegen einen Austritt zwecks Steuerflucht getroffen werden müsse. Die Volkspartei sah in dem Entwurf eine Gefahr insofern, als durch ihn die Gründung von Personalgemeinden «efüidert werden könnte. — Unter den kleinen Antragen war ein Antrag der Volkspartei, neben den bestehenden liberalen und konservativen Unterrichtsausschüssen einen zionistischen einzusetzen, der aber keine Mehrheit fand. Neue Bücher Jllice Sal<>tnon, Soziale Diagnose. Berlin 1926. (Carl Heymanns Verlag.) Aus dem einfachen Akt des Wohltuns ist allmählich der weltumfassende Begriff der sozialen Fürsorge entstanden. Die Tiieone der sozialen Arbeit ist zu einer Wohlfahnskunde, ji geiadezu zu einer Wissenschaft geworden, welche die Erkenntnisse der verschiedensten Wissensgebiete der Medizin, dtr Pädagogik, der Rechtskunde, der Pbychologie usw. verwertet hat. In Carl Heymanns Verlag ist eine Bücherreihe erschienen, die den Gesamttitel „Die Wohlfahrtspflege in Einzeldatstellungen" trägt. Der dritte Band dieser Sammlung, „Soziale Diagnose" von Alice Salomon, der Gründerin der Sozialen Frauenschule, gibt außerordentlich interessante Anweisung über die Methode der Wohifahrtsaibeit. Der Begriff „soziale Diagnose" ist ein neu geprägter. Er soll an Steile des Begriffes „Ermittlung" treten, weil er weitergehend ist. Diagnose hat die Arbeit der Ermittlung, welche in Beobachtung und Materialsammlung besteht, zur Voraussetzung und soll nun aus dem Gesamtbilde Schlüsse ziehen und das für die Behandlungsmethode jeweils Gebotene ableiten. Was ist Ermittlung? Ein Gemisch von Tatsachenbestand und persönlicher Meinung. Es ist außerordentlich schwer, eine T.teorie der Ermittlung aufzustellen, weil letzten Endes das Ergebnis jeder Ermittlung von der persönlichen Auffassung, von dem Cnarakter des Recherchenten abhängt. Aber gerade darum können allgemein gehaltene Richtlinien zur Überprüfung eigenen Urteils führen. Sie können Wegweiser für Beobachtung all der vielen Einzelheiten sein, die in einem Fürsorgefail sciikksalbest.mmend und charakterbildend gewirkt haben. Außerordentlich wertvolle und praktische Anleitung gibt das Kapitel von der „Technik der Ermittlung", in dem die Verfasserin von der Bedeutung der ersten Unterredung, dem Einfluß Oes Milieus, den Auskunftsquellen usw. spricht. Die „Hilfe", die im letzten Kapitel behandelt wird, besteht nicht nur in der Wiedeiheistellung der wirtschaftlichen Selbständig, keil und der Gesundheit, sondern vor allem in der Kunst, die Anp .ss .ngsähijjkeit des Hilfesuchenden an die gegebenen Vci haltnisae zu erreichen, damit er sie meistern lernt. PBRA Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche. Portieren Herren- U. Damengard. Nächste Filiale: Balsg&fichen Nr. 6 <&re&€&77TC***' eaEHBEBH "GadeJIcr^ jj/* Oberhemden u j-e-aJic/ie 7ia*xm*xvMi&cJim nScfi ciganen Cr&u/&.±ien aigonem ^lealäy&iem. i ■ -----TL+uh&ijerx , üMiytopfcmifanfchnctdai öeuf fS CTaJven am TTbarh* Richtiges Helfen ist eine „Kunst". Die Nutzbarmachung vorhandener Einrichtungen und Hilfsquellen läßt sich erlernen wie die äußeren Kunstgriffe anderer Künste auch. Darüber hinaus muß aber die natürliche Begabung, sich in Schicksal und Charakter anderer Menschen einfühlen zu können, vorhanden sein. Das aus Erfahrung und tiefer Menschenkenntnis geschriebene Buch kann gar nicht warm genug empfohlen weiden. E. C. Jenny Jtpolant zum Gedächtnis. Herausgegeben vom Allgemeinen deutschen Frauenverein. Frankfurt a. M. 1926. (Neuer Frankfurter Vetlag.) In unserer Zeit, da der Einfluß völkischer Verhetzung weiteste Kreise berührt, tut ein Buch wie das vorliegende, das vom Allgemeinen deutschen Frauenverein zum Gedächtnis Jenny Apolants herausgegeben ist, außerordentlich wohl. Jenny Apolant, eine Verwandte Walter Rathenaus, war bis zu ihrem früh erfolgten Tode Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Frauenvereins in Frarkfuit a. M. Die votliegende Gedächtnisschrift, in der Erinnerungswerte und ausgewählte Briefe vereinigt sind, würdigt sie in inren humanitären Leistungen und in ihren wertvollen menschlichen Eigenschaften unter besonderer Hervorhebung ihrer Zugehörigkeit zum Judentum. Es wird von ihr z B. gesagt: „Diese Frau war getragen von starken Traditionen, in diesem besonderen Falle von den ethischen Grundsätzen eines tieffiegiürdeten, von ihr innerlich empfundenen Judentums." Jenny Apolant war Jüdin. Sie war es mit ailer Freudigkeit und Hingebungsfähigkeit ihrer Natur. Oft hat sieden Ausspruch getan: ,Ich besitze das Schönste, was der Mensch haben kann, ich bih bin Deutsche und ich bin Jüdin.' — Jenny Apolant hat darrit sich selbst geehrt: s:e hat sich mit Stolz zu ihrem Judentum bekannt, im Gecersatz zu vielen anderen, die da meinen, im Kreise der Andersgläubigen das Eigene verleugnen zu sollen. Aber auch jone haben sich geehrt, die sie dennoch schätzten, im Gegensatz zu den leider A'lzuvieien, die die Leistung großer Menschen herabsetzen, weil sie sich zu anderer Religion bekennen. E. C. cfrlcicbfcrtc 3ablungebcbingungcn £cip5ig, H1acSgrafenftrcil)o 8 Scipsiä-'plaätsiti, 3itbod)cr|cr;o 6traJ5c M Seips'ig-Cöoblis, f)allijcbe ötroße 91 Stipjifl-Itcujcbönefelb, <£i]cnbat>nftcaße 43

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.