Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 49 (3.12.1926)
- Date
- 1926-12-03
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang Chanuka-Wunder: Wie oft hat man geglaubt, daß das Lebenslicht unserer Gemeinschaft nach einem Tage verlöschen werde. Aber alle die Jahrhunderte hindurch leuchtete und erleuchtete es. * Makkabäer-Tat: Zum ludesein gehört Mut. Nicht allein der Mut, der ein Schwert ergreifen läßt (wie Mathatias), um den Bedränger abzuwehren. Schon, daß wir Juden sind, bedeutet und bedingt Mut. Auch wenn die Uppen sich nicht bewegen, legen wir Zeugnis davon ab, daß wir uralte Wahrheit festhalten, daß wir für sie eintreten, obwohl die Welt sich uns entgegenstellt. ■fr Wer ist wohl glücklicher? — Der, dem sein Judentum inneres Wesensteil ist, und der in jedem Augenblick weiß, wofür er einsteht — oder der, dem das Judentum nur eine schwer abzuwälzende Last ist, weil er den Weg ins Judentum nicht geleitet wurde, ihn nicht sudit und ihn — auch nicht linden w i 11?--- * Dem einen Licht des ersten Abends gesellen sich Abend für Abend mehr hinzu. Die Reihen entflammter Juden könnten sich nur schließen, wenn alle die, denen das Judentum dunkel geworden ist, zum Lichte streben. + Mit den Lichtern, die im jüdischen Hause aufleuchten, weihen wir gleichsam einen neuen Altar. ■fr Von einem Leuchter strahlen acht Lichter empor und lassen ihre Flammen zu einer Helligkeit zusammenfließen. Ein Symbol für den aus dem gleichen Quell stammenden jüdischen Willen, der sich immer wieder zur Einheit jüdischer Kraft zusammenschließen sollte. ■fr Die lichte Freude des Chanukah, den Kindern bereitet, und von den Kindern zurückstrahlend, wird zu einem Born der Erneuerung jüdischer Lebenskraft, jüdischen Glaubensmutes, judischer Glückseligkeit, Gcmeinschaftsfreude und Gläubigkeit, jüdischer Einheit. G. C. 25 Jahre Keren Kajemeth Das «Jubiläum des Jüdischen Nationalfonds In diesen Tagen feiert der Keren Kajemeth Lejisrael seinen 25. Geburtstag. 25 Jahre lang hat er Land gekauft, Siedlungen gebaut, Bodenreform getrieben, und das alles nicht an einem gleichgültigen Platze, sondern in dem Land, das den Juden und darüber hinaus einem großen Teil der Menschheit heilig ist, in Palästina. — Der Keren Kajemeth hat in den 25 Jahren seines Bestehens 200 000 Dunam oder fast 2G0CÜ ha palästinensischen Bodens als ewigen Gemeinbesitz des jüdischen Volkes erworben. Davon lieger. etwa 130G0 ha im Emek Jesreel, 2000 ha in Judäa, 1000 ha in der Acco-Fbene. 1000 ha im Jordanland und kleinere Bodenflächen in Galiläa und Samaria. Die Leistung des Keren Kajemeth, vor allem in den letzten Jahren, wird besonders deutlich, wenn man daran denkt, daß sein Bodenbesitz bis zum Jahre 1914 nur 20 785 Dunam oder etwa 2000 ha und bis zum Jahre 1922 78 000 Dunam oder zwischen 7000 und 8000 ha betrug. Übrigens sei darauf hingewiesen, daß die Tätigkeit des Keren Kajemeth sich nicht nur auf den Bodenkauf erstreckte, sondern aich auf die Sanierung und Urbarmachung des Landes, auf die Aufforstung und bis in die ersten Jahre nach dem Kriege auf alle Aulgaben der Kolonisation, auch auf diejenigen, die neuerlich von einem besonderen Kolonisationsfonds, dem Keren Hajessod, übernommen worden sind. Der Keren Kajerreth hat in den 25 Jahren seines Bestehens rund 1*800000 engl. Piund angebracht. Fr hat in der Erwaguog, d ß der von ihm erworbene Boden nidit einem Linzeinen, sondern dem ganzen jüdischen Volk gehören soll, seine Sammelrr.elhoden nicht auf die Frzielung großer Beträge von ein/elm n reichen Juden abgeseilt, sondern auf Jie Hingabe von Spenden durch das ganze jüdische Volk, Kopl für Kopf. Mann für Mann, noch durch den letzten jüdischen Pro letaricr. Es sollte vermieden werden, daß der jüdische Boden von seinen reichen Söhnen dem Volk zum Geschenk gemacht wird. Die verschiedenen Sammelarten des Keren Kajemeth — eine Million Nationalfonds Buchsen, die in der ganzen Welt teilt sind, Olbaunr-pende, Goidenes Buch, Gelegenheits-Spende — sind darajf abgestellt, daß jedem Juden die Möglichkeit gegeben werden soll, sich mit kleinen oder großen Betrauen, je nach seinein Können, an der Frwcrbung des Bodens zu beteiligen. Die tätige Anteilnahme der Juden am Keren Kajemeth war eine umso stärkere, als der Gedanke des Nationalfonds einer großartigen urjüdischen Idee entspringt. Bereits unser altes Gesetz weiß, daß Latifundienwirtschaft und schrankenlose Bodenspekulation für jede Staatsform und jede soziale und ökonomische Ordnung verderblich sein müssen. Das Übel, das noch jetzt, am Anfang des 20. Jahrhunderts, den Organismus der ganzen zivilisierten Welt zerstört — eines der treffendsten Beispiele ist Irland — dieses Übel erkannte schon in alter Zeit das Gesetz Mose's. Fs proklamierte deshalb das Prinzip: „ki Ii kol haarez — mir gehört die ganze Erde" als ein göttliches Gebot. Das Eigentumsrecht auf Grund und Boden wurde nach altem jüdischen Gesetz nur auf 50 Jahre eingeräumt; nach dieser Zeitperiode mußte der Boden seinem ursprünglichen Besitzer oder dessen Erben zurückgegeben werden. Die gestörte Gleichheit der Landparzellen, welche sich bei der Aufteilung des jüdischen Landes ergeben hat, wurde in jedem halben Jahrhundert wieder hergestellt. — Jetzt, wo in Palästina eine neue jüdische Siedlung ersteht, lebt im Keren Kajemeth das Gesetz M >se's wieder auf. Wir wollen mit allen Kräften darauf hinarbeiten, daß es bei uns in Palästina keine Agrarfrage geben kann, daß der ganz«' Boden dem ganzen Volk und nidit Einzelnen gehört. So Wi rden wir die Frjge der Nationalisierung des Bodens, weldu1 die größten und besten Denker unseres Zeitalters beschäftigt, lösen, so nur die Möglichkeit einer bodenständigen und selbstarbeitenden jü tischen Landbevölkerung schaffen, so am besten dem großen Gedanken einer nicht nur mechanischen, sondern seelischen Erneuerung der jüdisdien Gemeinschaft in PallStina dienen. Der Boden des Keren Kajemeth in Palästina wird nicht verkauft, sondern verpachtet oder in anderer Form zur Bearbeitung und Bebauung gegeben. Je mehr die Mittel des Keren Kajemeth anwachsen, desto mehr kann der Fonds die große Aulgabe enü len, der er sich 25 Jahre lang mit unleugbarem Erfolg unterzogen hat. Der Keren Kajemeth ist des achtungsvollen Interesses aller Menschen, gleich welchen Stammes und welcher Parteizugehörigkeit, gewiß. Er verlolgt nicht nur ein jüdisches, sondern ein Menschheitsziel. — Jeder wird ihm lür seine weitere Arbeit Glück wünschen. Dr. Erhard, Berlin