Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 47 (19.11.1926)
- Date
- 1926-11-19
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang in ein jüdisches Zentrum kommt, um so anhand von Verwandten oder Bekannten am ehesten Entfaltungsmöglichkeiten zu haben. Da aber herrscht infolge des beträchtlichen ostjüdischen. Einschlags in der Regel ein starker Zug zum positiven inhaltsvollen Judentum, wenn auch mit gewissen Nuancen. Es ist nicht mehr so, wie es einst gewesen, als ein junger Mann draußen in der Welt sich wer weiß wie iuilsdn iiilich vorkam, wenn er im Jüdischen nichts gewußt und nichts „gehalten" hat. Man ist nicht mehr „interessant" mit Ignoranz in jüdischen Dingen, da von dieser Spezies die Welt genug hat und Sie in der Menge verschwinden. Vielmehr hat nur derjenige Hoffnung auf Hilfe, Förderung und Anschluß, worauf jeder alleinstehende Mensch angewiesen ist, der sich als vollwertiger Mensch und gleichsam zur Begründung hierfür als ganzer Jude erweist und somit seiner neuen Umgebung eine Gewähr für ein ehrliches Wollen und Streben bietet. Aus unserer Gemeinde Ausstellung von Handarbeiten und kunstgewerblichen Arbeiten, veranstaltet vom Schwesternbund der Leipzig-Loge- Am Sonntag, dem 14. d. M., nachmittags, wurde die Ausstellung des Schwesternbundes mit einer Eröffnungsfeier im Logentempel eingeleitet. Die Vorsitzende des Schwesternbundes, Frau Fanny Rosenthal, die darauf hinwies, daß die Ausstellung durch Veranstaltungen ähnlicher Art in Nachbarstädten angeregt wurde, dankte allen, die durch ihre Mithilfe zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben, besonders Frau Dr. OI«a Freymann und Herrn Direktor Aronstein. Herr Rabbiner Dr. Goldmann, der Präsident der Loge, sprach seine Freude über die Ausstellung aus, die nicht nur leere Worte, sondern eine Tat darstellt. Sie verdient um ihres guten Zweckes willen, häufiger wiederholt zu werden. Frau Anna Neumann ergriff sodann das Wort zu ihrem Vortrag: „Handwerk und Handarbeit im Judentum". * Sie wies darauf hin, daß im Altertum, wo jedes Gewand selbst gefertigt wurde, Handa.beit mit zu den Pflichten der jüdischen Frau gehörte, daß jede jüdische Frau — wie es schon im Liede von der esches chajil heißt — selbst gesponnen und gewebt hat und darum gepriesen wurde. Das Judentum schätzt die körperliche Arbeit. Solange die Israeliten ein seßhaftes Volk waren, haben sie wie alle anderen Völker körperliche Arbeit im Ackerbau und im Handwerk geleistet. Die Gelehrten alter Zeit waren alle im Hauptberuf Handwerker. Erst im Mittelalter begann die erzwungene, einseitige Bevorzugung des Handels. In neuer Zeit ist die alte Anschauung, daß der Jude Handwerk und Ackerbau treiben kann, besonders in den jüdischen Kolonien in Palästina wieder zur alten Geltung gebracht worden. — Im Anschluß an den Vortrag erfolgte die Eröffnung der Ausstellung. Die Ausstellung selbst, die mit großer Sorgfalt und feinem künstlerischen Geschmack zusammengestellt ist, bietet schon als Gesamtbild, durch die Harmonie der Farben, die geschickte Anordnung der einzelnen Gegenstände, einen ästhetischen Genuß, der durch die schön gedeckten Tische, an denen man sich während eines gemütlichen Teestündchens ausruhen kann, erhuht wird. Die einzelnen Arbeiten, die auf Tischen, Stellagen. Vitrinen wirkungsvoll zur Geltung gebracht wurden, sind durchweg Beweise eines guten, oft sogar erlesenen (icsclmacks. Einzelne Arbeiten sind von so hohem, künst- SCHIRM-HAMPEL Das Haus der guten Schirme u. Spazierfföcke HAINSTRASSE 31 lerischem Wert, daß sie fast wie Museumsstücke anmuien. Daneben gibt es allerliebste, verkäufliche kleine Gegenstände, für Jeden erschwingbar und doch keine Dutzendware, Sondern jedes reizvoll in seiner Art. Die Ausstellung bietet für jeden, der für eigenen Bedarf oder Geschenkzwecke einen hübschen und doch preiswerten Gegenstand erstehen möchte, eine reiche Auswahl verschiedenster Gegenstände, Decken, Kindersachen, Puppensachen. Wäsche mit Hohlsaumarbeit, Gästebücher, Sammelmappen, und noch vieles andere mehr. Alles in allem eine reichhaltige und vielseitige Schau. Ist auch die Ausstellung in ihrer schönen äußeren Gestaltung, verbunden mit heiterer Geselligkeit, wert, um ihrer selbst willen besucht zu werden, so will sie doch nur den Rahmen für den ernsten Hauptzweck der Veranstaltung geben. Frauen des Mittelstandes, die über schöne Handfertigkeit verfügen, soll Gelegenheit gegeben sein, Erzeugnisse ihres Geschmacks und ihreröeschicklichkeit zu verkaufen. Der Erfolg der ersten Tage, an denen der Besuch ein reger war und an denen auch schon Verkäufe getätigt wurden, läßt hoffen, daß die Ausstellung auch in dieser Beziehung ihren Zweck erfüllt. Jede jüdische Frau betrachte es als ihre Herzenssache, bei dem Besuch der Ausstellung das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Des großen Interesses wegen wird die Ausstellung verlängert und bleibt noch bis Sonntag, den 21. d. M einschl. geöffnet. Öffnungszeit: Freitag 11—4 Uhr; Sonnabend 5—7 Uhr; Sonntag vormittags 11- 1 Uhr und nachmittags 3—6,30 Uhr. Was man in Palästina lernt Über dieses Thema spricht am Mittwoch, 1. Dezember, im Großen Festsaal des Central-Tneaters W. Jabotinsky. Jabotinsky, der bereits vor zwei Jahren in Leipzig großen Erfolg hatte, ist soeben aus Palästina zurückgekehrt und es ist zu erwatten, daß die Schilderung seiner frischen Eindrücke großes Interesse hervorrufen wird. Jabotinsky ist übrigens ein Redner von Wellruf. Prompt u. vorzüglich ST6(DP€L g:3r^tl897 ALBERT OTTO tEIPZIG.Plauenschesir.2 Tel.25201 SCHILDCR Die Uhr von HERMANN HORRMRNN 3»