Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 47 (19.11.1926)
- Date
- 1926-11-19
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 47 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Sehe 3 Hause gemangelt bttt*' '!n frei»'- Dci^gungsfeld. Die Ein- . ftuü« - laäd "-au»- fUfilos »eine Iren den Sprachkenntnisse, und mit aus dieser Ursache heraus terbtlrben ":" vielfach in den Zentren des jüdischen Lebens, von denen lohuuh und New York die bekanntesten sind, weil sie dort mit der jiddischen Sprache schlecht und recht auskommen konnten. Dies war der Zustand bts zum Kriege. Die Vorgänge bezüglich der Wanderbewegung der Juden während des Weltringens hier zu schildern, ist nicht der Platz, bedürfte auch ausführlicherer Darstellung. Sofort nach Kriegsschluß setzte aus dem heimgi sucnten Europa, namentlich aus den verwüsteten östlichen Randgebieten, eine jüdische Massenwanderung nach Amerika ein, die in dem kurzen Zeitraum von etwas über drei Jahren Hunderttaus nde dahin geführt hat. So hat New York, gerade mit aus dieser vorläufig letzten Wanderung, heute eine Seelenzahl von über 1,5 Millionen Juden. Das neue verschärfte Einwanderungsgesetz, das im Jahre 1922 in Kraft trat, und das den Zuzug aus dem Osten f*st völlig unterbunden hat, führte für das Gros der Judenhelt eine — man kann sagen — tötlich wirkende Katastrophe herbei, deren Ausmaß für den ökonomischen Bestand der Judenheit als Ganzes unübersehbar ist. Wehl steht in dieser Beziehung Deutschland recht günstig da und hat z. B. für die Vereinigten Staaten die höchste Einwanderungsquote. Das Hauptkontingent der deutschen Ankömmlinge stellen Handwerker und Facharbeiter, welche sofort in den gewaltigen technischen Betrieben des weiten Landes Unterkommen und Brot finden. Dies gilt jedoch in der Regel nur vom nichtjüdischen Teil der Einwanderer, während der jüdische ein anderes Element darstell», indem die allermeisten, der wirtschaftlichen Gliederung der deutschen Judenheit entsprechend, Kaufleuie sind und als solche, wohin sie kommen, ihre Existenz suchen müssen. Heute aber gehört zur Betätigung als Kaufmann, wenn man schon diesen vagen Begriff als Beruf ansprechen will, die Kenntnis der englischen Sprache, eine Selbstverständlichkeit bei der Weitverzweigtheit der Wirtschaft und ihrer Beherrschung seitens der anglo-amerikanischen politischen Macht und finanziellen Kraft. Ein paar Zeilen werden dies ohne weiteres dartun. Europa ist im Sprachengebrauch so buntscheckig wie seine Landkarte. Aber schon innerhalb dieses unseres alten Erdteils nimmt London, als die größte Handelsmetropole der Welt, nebst New York, eine dominierende Stellung ein und macht die Beherrschung des Englischen zur Notwendigkeit. Sehen wir jedoch unseren Globus von diesem Gesichtspunkt an, sö kommen wir zu ganz erstaunlichen Resultaten. Im volksreichsten Erdteil Asien ist die internationale Handelssprache von Britisch Indien selbstverständlich Englisch, ebenso diejenige von China mit seiner langgestreckten Meeresküste und den zahlreichen, dem Weltverkehr dienenden, von einer Millionenbevölkerung bewohnten Seehäfen; ferner diejenfge des japanischen Inselreichs Der erwähnte l.änderkomplex wird von etwa 750—800 Millionen Menschen bewohnt, bildet also fast die Hälfte der Einwohnerschaft des Erdballs. In Asien liegt auch das kleine, aber uns heilige Erez Jisroel, das Land unserer Sehnsucht und Hoffnung. Dort ist die Sprache des alten Jischuw jiddisch, diejenige der Neueingewanderten, soweit sie jung und ifttional sind, ist hebräisch; aber die herrschende Macht ist England, und die Verständigung mit dieser, sowie mit der arabischen Bevölkerung, wenigstens mit derem intelligenterem Teil, kanr eben nur Englisch sein. Dies verkennen zu wollen, hieße nur, die Augen vor den Notwendigkeiten des "2*2 Ag&frc/rmctf" <x> TSa.de Oberhemden u jeglicJ-ie Äwrtnu/äjtfte nHcn eigenem yj^/ealAi/^tem Crau/afien -Ttauhiilei MxteTfemJcn/chnddit Sei* 75 CTaJiren am TTbisj-Jtt Lebens verschließen. Australien mit verschiedenen aufstrebenden jüdischen Gemeinden ist ein Teil des britischen Weltreichs -und sorachlich vollkommen englisch. Afrika, der schwarze Crdtcfl, hstt die «~"«'*>n dei wirisschaulicrt ttllerdlng; noch nicht entwickelten englischen Einzelkolonien eiuschliö&udi der früheren deutschen Schutzgebiete Im Nordosten ioi die Weltverkehrsader, der Suezkanal, in englischem Besitz, ebenso ist das unermeßliche Gebiet der Union von Südafrika britisch, deren eine Hauptstadt, Johannisburg, z. B. eine Bevölkerung von über 30000 jüdischen Seelen hat. Schließlich das wichtigste Einwanderungsland, Nordamerika, welches bereits über 3 Millionen Juder zählt, deren finanzielle Kraft die verarmte europäische, namentlich östliche Judenheit vor dem Untergang zu retten willens ist, spricht Englisch als Landessprache. Nördlich von den Vereinigten Staaten liegt das englische Canada, welches, größer als Europa und mit ungeheuer weiten, teils noch unerschlossenen fruchtbaren Landstrichen, das landwirtschaftlich zukunftsreichste Gebiet der Erde ist, und das heute schon eine sich dauernd vermehrende, zahlreiche jüdische B2völkerung hat und für Zuwanderung von gelernten Landwirten offen ist. Was ergibt sich daraus? Die Parole für jüdische Eltern, die doch so gern und so viel für die Zukunft ihrer Kinder tun, heißt: sie die englische Sprache erlernen lassen. Ein englisches Sprichwort sagt „knowledge is power". Wissen ist Macht, und das richtige und geeignete Wissen für in die Zukunft schauende junge Menschen heißt derzeit: Englisch können. Der Sport, der heute vielfach allein die freie Zeit unserer Jugend ausfüllt, stärkt zwar den Körper, ist aber nicht Mittel genug zum Fortkommen. Wenn tunlich, sollte auch unsere jüdische Schule das Fach der englischen Sprache besonders pflegen und z. B. dem Französischen vorziehen, das zwar heute noch die Sprache der Diplomatie ist, aber nicht mehr die Weltgeltung hat wie früher. (Ich weiß zwar nicht, ob und wieweit dies schultechnisch durchführbar und von Seiten des staatlichen Lehrplanes zulässig ist.) Auch der schulentwachsene junge Mann sollte bestrebt sein, sich dieses praktische Bildungsgut anzueignen, obzwar man sich der Schwierigkeit bewußt sein muß, sich, im praktischen Leben stehend, eine fremde Sprache anzueignen. Immerhin ist die Möglichkeit gegeben, sich mit der Grundlage bekannt zu machen. — Mit diesem Hinweis auf den Wert der englischen Sprachkenntnis soll nun nicht gesagt sein, daß das alles sei. dessen ein junger Mann benötigt, wenn er in die weite Welt strebt. Wer sich unter fremden Verhältnissen und ohne Angehörige durchsetzen und nicht in die Gefahr kommen will, im Getriebe des Lebens und der Weltstadt unterzugehen, der muß in erster Linie einen gefestigten Charakter besitzen, damit er. dem Yaterglauben Treue bewahrend, befähigt ist. den mannigfachen Versuchungen, die an jeden herantreten, Widerstand zu leisten. Auf daß man nicht mit den Gesetzen der neuen Heimat in Konflikt gerät, ist der beste Schut:: die Treue zu unserem göttlichen Gesetz, so bewahrheilend das Wort der Schrift: Tax min von tai "px low »u yar ..Höre, mein Sohn, aie Zurechtweisung deines Vaters und verlasse nicht die Lehre deiner Mutter". Freilich ist da Voraussetzung, daß die Eltern bei dem heranwachsenden Menschenkinde der ihnen obliegenden Pflicht der Unterweisung in der erhabenen, göttlichen Lehre als dem Wegweiser für das ganze Lehen in genügendem .Maße nachkommen. Es ist ja fast ausnahmslos so. daß ein Auswanderer **C"0">->*«*-n-<»><•❖■.•■■:■■:••:• £ Leopold Lyssow % ♦ 8teckner-PuMge, Tel. 29183 >» J Spezial-Gesch.ift * feinster Schokoladen v * f + + Wein- und Teegebäck I Nürnberger Lebkuchen * Lübecker Marzipan^ *****<-***<-*****$c^^<^^->^$^.t<.^^<..^^.>^$.>^