Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 46 (12.11.1926)
- Date
- 1926-11-12
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 Gemeine!« Ausstellung von Handarbeiten und kunstgewerblichen Arbeiten, veranstaltet vom Schwesiernbund der Leipzig-Loge- Am Sonntag, dem 14. November, eröffnet der Schwesternbund der Leipzig-Loge in den Räumen der Loge. Arndtstraße 1, eine Ausstellung von Handarbeiten und kunstgewerblichen Arbeiten Leipziger jüdischer Flauen. Die Ausstellung will den Beweis erbringen, d8ß auih die moderne jüdische Frau auf dem Gebiete der Handfei tigkeit Tüchiiges leistet. Es ist gelungen, eine reichhaltige Sammlung zusammenzustellen, die durch eine Reihe leihweise übe.lassener Arbeiten von besonderer Eigenart und hol im künstlerischen Wcr e einen anziehenden Schmuck erhaben h.t. Der Hauptzweck der Ausstellung ist aber der, daß Frauen, die beruflich Handarbeiten oder kunstgewerbliche Gegenstände verfertigen, in unserer wirtschaftlich soschweien Zeit, Gelegenheit gegeben wird, ihre Arbeiten einem größeren Kreise vorzuze gen. Das nahende Channukkafest wird sicherlich mancher Besucl erin Viranlass-ung geben, ihren Bedaif auf der Ausstellung zu decken oder sich wenigstens Namen und Adressen der Ausstelleiinnen vorzumerken. Es findet keinerlei Kaufzwang s'att. Jede Besucherin. die nur zur Besichtigung der ausgestellten Gegenstände oder zur Teilnahme an den nachfolgend vermerkten geselligen Vetar.sta'tungen kommt, ist ebenfalls herzlichst willkommen. Die Ausstellung ist zur Besichtigung und 7iim Verkauf geöffnet vom 14. bis 18. November taglich von 11 — 1 Uhr und von 3—3,30 Uhr. Programm: Sonntag, den 14. November, nachmittags 4,30 Uhr: Eröffnung mit nachfolgendem Voitrag von Frau Anna Neu mann über Handwerk und Handarbeit im Judentum. Montag, den 15. November, nachmittags 5 15 Uhr: Violinvorträge Fr a u Klara Herz, Klavierbegleitung Frau Lotte Spitz. Dienstag, den 16. November, nachmittags 5,15 Uhr: Vor.rag von Frau Dr. Olga Freymann über die Technik der Handarbeit. Mittwoch, den 17. November, nachmittags 5,15 Uhr: Gesangsvorträge von Frau Frieda Goldstein. Donnerstag, den 18. November, nachmiltags 5,15 Uhr: Rezitationen von Frau Recha Carlebach. Anschließend: Teestunde. in Tafelbestecken echt Silber sowie Alpakka 90 er Silberauflage ist nach wie vor konkurrenzlos S. Erlbaum, Juwelier Tel. 16375 Reichssir. IS 20 Gegr. 191 i Daher hevor Sie Ihren Hcdarf decken, besichtigen Sie ohne. Kaufzwang meine Riesenauswahl in modernen Tafelbestecken und anderen Gold- und Silberwaren Überzeugen Sie sich von meiner wirklich konkurrenzlosen Leistungsfähigkeit. Aul Wunsch Zahlungserleichterung Die orthodoxe Studentenschaft Die aktive Studentenzeit bildet im Leben des Akademikers einen zwar relativ kurzen Abschnitt, aber keine Periode wirkt in'ensiver und bestimmender auf die Charakterbildung, die Entwicklung zur Persönlichkeit, ein, als gerade sie Mit dem Abiturientenexamen löst sich für den jungen Menschen aller durch Schule und Lehrer ausgeübte Zwang, Er tri'», wenn er die Universität bezieht, in eine neue Welt, die Welt der Idee, doch auch gleichzeitig in eine Welt, da Freiheit der Meinung und BetBtigung herrscht, in der selbständige Lebensführung I und vielseitiger Verl ehr sein Leben gestalten, den inneren Menschen formen. Die Möglichkeit, sich auf allen Wissensgebieten Kenntnisse anzueignen, die wichtiesien Errungenschaften, jeden Forlschritt mitzuerfassen, bietet sich ihm in solcher Fülle nie wieder. Und da mag mancrer den religiösen Halt verlieren, den ihm Vaterhaus und Schulbildung gegeben haben. Der junge Student, der frisch vom Gymnasium kommt, hat in den allerwenigsten Fällen ein hinreichend religiöses Wissen, um das Richtige vom Unrichtigen zu unterscheiden, um vor allem gefahrlos religiöse Disputationen zu führen, gefahrks dem Witz und dem Lächeln sich auszusetzen, die der Ung'aube leicht bei der Hand hat. Diese Gefahr kann dann nur gemildert werden durch die Berührung, den dauernden Konnex m t einer Gemeinschaft gleichsinnig Gerichteter. Dieser Gedankengang war es. der eine Anzahl Gleichdenkender zu jüdisch-wissenschaftlichen und geselligen Zwecken gewidmeten Vereinigungen zusammenführte. Und so wurden um den Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts die eisten Vereinigungen jüdischer Akademiker in Berlin. München und Straßburg gegründet, der Mutterhoden, auf dem vor gerade zwanzig Jahren der Bund jüdischer Akademiker (B.j.A.) entstand. Das Ziel der Organisation ist, „den Zusammenschluß jü« discher Akademiker zur Pflege edit jüdisch gesetzestreuen Geis es und jüdischer Wissenschaft zu fürdern". Der B.j.A. lehrt jüdisches Selbstbewußtsein als ein religiös nationales. „Die Zugehörigkeit zum jüdischer Volke mit gemeinsamer Geschichte isi die Gründl: gc der Verpflichtung zur Wahrung des Gesetzes, das der Nation anvertraut ist." Der B.j.A. will seine Mitglieder zu der Überzeugung erziehen, daß Selbständigkeit im Denken mit getreuer Übung des G'itesgesetzes vereint sein soll, daß nur die Souveränität des jüdischen Gesetzes in allen Einzelheiten die Richtschnur seines Handelns sein soll. Fr weiß sich frei von jeder politischen Einsttl ung und überlaßt jedem Einzelnen seine irgendwie geartete Stellung zu gemeinde- und parteipolitischen Dinger, er will so eine Erziehung von höherer Warte in Richtung einer festen Weltanschauung ^eben. Nichts zeigt die Wertung dieses Prinzips besser als das slete Wachsen unseres Bundes, der heute in Deutschland ca. 600 Mitglieder umfaßt und zahlreichen au&erdeutschen Schwestervereinigungen zum Vorbild diente. Wenn unser Bundespruside betont, „nirgends anders als in Deutschland besitzt das thoratreue Judentum eine akademische Schicht und auch die in anderen I ändern hier und dort ansässigen thoratreuen Akademiker haben irgend wann einmal in ihrem I eben aus dem Borne thoratreuen deutschen Kulturlebens geschöpft", so gebührt dem Bunde das Verdiei s», diese thoratreue Schicht erst geschaffen zu haben. Diese kurzen Siridie mögen der Orientierung über den Bund dienen, dessen diesjährige Tagung Ende des Jahrns in Leipzig stattfinden soll. Das Programm der Veranstaltungen ist so zusammengesetzt, daß neben internen Besprechungen eine Anzahl öffentlicher Vertrage allgemeinen Interesses die wissenschaftliche Bearbeitung aktueller Themen zeigen wird. Dr. med. Daalowski. 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