Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 45 (5.11.1926)
- Date
- 1926-11-05
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 44 G EM EIN DEBLATT OER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE. LEIPZIG Seite 3 Die jüdische Internationale Am Mittwoch, dem 27. Oktober, fand im Großen Saale des Central Theaters eine öffentliche Versammlung der Ortsgruppe Leipzig des Cmtralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt, welche von fast 1000 Personen besucht war. Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil, Berlin, hielt Hnen lesselnden Vortrag über „Die jüdische Internationale", hr ei klärte, daß es wohl Ubernationale Bindungen geben müsse, und daß die wahre Kultur den Ausbau solcher übernationaler Bindungen fordere. Auch das Judentum sei eine Lander und Völker umspannende Religion, ebenso wie die christliche. Wenn man aber unter dem Internationalismus Bindungen verstehe, welche über das ergere Vaterland zu seinem Schallen hinausreichen, so treffe dieser Vorwuri aas Judentum bestimmt nicht. Die deutschen Juden seien nicht nur durch eine Geschichte von last 2000 Jahren mit dem deutschen Boden verbunden, sondern sie besäßen auch keine der Bindungen, welche sonst eine geschlossene internationale Gruppe aulweist, weder hätten die Juden gemeinsame Sprache, noch gemeinsame wirtschaftliche, noch gemeinsame sonstige Interessen, abgesehen von der jüdischen Religion, zu der der Vortragende sich warm bekannte. Das wissenschaftliche Moment für die nationale Entscheidung sei der nationale Wille, und diesen Willen zum Deutschtum besäßen die deutschen Juden unter allen Umständen. An den Vortrag, welcher reiches historisches Material aneinanderreihte und sich von Angriffen, insbesondere auf irgend eine andere Ridttung im Judentum, fernhielt, schloß sich eine längere Diskussion an. Linem zionistischen Redner mußte das Wort entzogen werden, da er den Mi gliedern des Centralver eins, insbesondere den am Tisch sitzenden Vorstandsmitgliedern, den Vorwuri machte, sie seien keine Juden und wären mit jüdischen Dingen nur durch ein ganz dünnes, jederzeit zerreißbares Bändchen verknüpft. Ihm erwiderte der gleichfalls am Vorstandstisch sitzende Rabbiner, Herr Dr. Goldmann, daß er den propagandistischen Störungsversuch zu den Auslührungen des Redners, zu dem nicht der geringste Anlaß gegeben war, ebenso scharf zurückweisen müsse, wie den Versuch, den ehrenwerten Juden ihr Judentum abzusprechen. Insbesondere beklagte er, daß ein Nichtdeulscher sich über Gefühle von deutschen Juden, die er gar nicht verstehen könne, zum -Richter aufwerte. Außerdem sprach in der Diskussion ein Kommunist, der für seine Parteianschauimg Propaganda zu machen versuchte, und ein religiöser Wanderredner, welcher den Antisemitismus als unchristlich verwarf. Auf der Höhe des Vortrages stand eine warmherzige Rede des Sozialdemokraten Gustav Adolf Müller, welcher in zahlreichen Punkten die Ausführungen des Vortragenden noch naher beleuchtete. Am Schluß ergriff Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil nochmals das Wort, um in wirksamster Weise sich insbesondere mit dem zionistischen Störungsversuch auseinand rzuseliren. Die Versammlung, die von dem Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn Julius Krause, trotz der zeitweilig hochgehenden Wogen der Erregung in zielsicherer und fester Weise geleitet wurde, fand ihr Lude erst gegen Mitternacht. Bedauerlich war es. daß von den zahlreich anwesenden Völkischen kein einziger auch nur ein Wort zu sagen wagte. SCHIRM-HAMPEL Das Haus der guten ^Schirme u. Spazierfföcke HAINSTRASSE 31 Hin Freitag-Abend Unter lebhaftestem Beifall vollzog sich am Sonntag, dei 31. Oktober die angekündigte Film«Aufführung. In lebendigen Bildern, eingekleidet in eine schlichte Handlung, werden Ausschnitte aus dem großen Komplex dir jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen gezeigt, ihrer äußeren Gestalt und ihrem inneren Aul- und Ausbau. Die Bilder sprechen für sich, werben für Förderung jüdischer Anstalten und ließen für Leipzig den Wunsch rege werden, daß auch hier reichere Mittel flüssig werden, um bestehende Anstalten zeitgemäß erweitern und verschönern, um fehlende einrichten zu können! Schade nur, daß der Besuch /.u wünschen übrig ließ Dem Frauen« bunde gebührt Dank für die Veranstaltung, die vielleicht doch manchen Lauen angeregt hat. Dank muß auch dem Ufa-Kasino I ichtspieltheatcr ausgesprochen werden, das der Veranstaltung zuvorkommende Freundlichkeit entgegengebracht hat. Schülerkonzert Lin rein jüdischer Schülerkreis eines jüdischen Musiklehrers — das macht sdion deshalb neugierig, weil nvn merkwürdigerweise viel von angeblicher Unmusikalität gerade jüdischer Kinder in den Schulen sagen hört; noch merkwürdiger klingt die Sage vieler Gesanglehrer über den hohen Prozentsatz solcher jüdischen Schüler, die kein musikalisches Gehör aufweisen. — Nun, die jugendlichen Mitwiikenden, die der Leipziger Musiklehrer, Herr Sigfrid Weinberger in seinem Schülerkonzert am 30. d. Mts. einem zahlreichen Hörerkreise vorstellte, dürften schon an Zahl, gewiß aber durch ihre Leistungen die erwähnten Behauptungen erscbiit'ern. Denn sie bewiesen sämtlich, auch die zwei oder uici für Klavier offenbar weniger Begabten, daß sie auf die unterrichtlichen Intentionen ihres musikpädagogisch ausgezeichneten Lehrers mit allem möglichen Verständnis ihrer jungen Jahre eingegangen waren. Saubere Technik, wechselreicher Arschlag, feine Nuancierung und temperamentvoller Ausdruck kennzeichnen Herrn Weinbergers Lehrweise und man darf ihm sicherlich auch höhere Begabungen sorglos anvertrauen. Lrfreulieherweise kann sogar festgestellt werden, daß in dem dodi verhältnismäßig kleinen Kreise junger jüdischer Musikanten sich doch ein Zwölfjähriger befand, der zu sehr hohen künstlerischen Erwartungen berechtigt. M. J. Personalnachrichten Gesdläftsjuhilätim. Am 1. November beging die Kunstans t alt B. Grosz A.- G. die Feier ihres 50jährigen Bestehens. Das Unternehmen entstand 1876 in Dresden, siedelte 1878 nach Leipzig über und entwickelte sich durch den kaufmännischen Weilblick und die nimmermüde Schaffenskraft seines Begründers, des vor einigen Monaten verstorbenen Herrn Bernhard Grosz, zu einer auf dem Gebiete der Bilder- und Rahmenfabrikation führenden Firma. Vor 23 Jahren trat der Sehn des Gründers. Herr Hugo Grosz. mit in die Leitung des immer wachsenden Firma ein und lührt sie nach dem Tode des Vaters in Gemeinschalt mit seinem jüngeren Bruder. Herrn Felix Gros*, im Geiste des Verstorbenen weiter. Wir wünschen den Leitern des Unternehmens auch weiteren Aufstieg und beglückwünschen mit besonderer Dankbarkeit Herrn Direktor Hugo Grosz, der als Gemeindeverordneter eine rege Tätig keit im Interesse unserei Qemeindeangelegenheiten entfaltet und sich um das Werden unseres Getneindeb'attea sehr verdient gemacht hat. PURK Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portieren Herrenu. Damengard. Nldut« Filiale: Salzgäßchen Nr 6