Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 45 (5.11.1926)
- Date
- 1926-11-05
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgang Diese Frage soll weitesten Kreisen der im Auftrage der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hergestellte Kulturfilm „Min Freitag-Abend" beantworten helfen. Frst nach reillicher Überlegung hat sich die Z.W St. zur Herstellung dieses zeitgemäßen Aufklärungs- und Werbemittels entschlossen. Zweifellos wird es auch nach Vorführung des Films an kritischen Stimmen nicht fehlen, die die Eignung eines Films zur Wohlfahrtspropaganda aus äußerer oder inneren Gründen bezweifeln oder Inhalt und Form in irgend einer Weise bemängeln werden. Deshalb sei schon jetzt in grundsätzlicher Hinsicht folgendes gesagt: Als volkstümliches Propagandamittel von größter Wirksamkeit muß heule nun einmal der Film gelten Durch ihn kann auch der nichtjüdischen Mitwelt gezeigt werden, auf weichet beachtlichen Hohe die jüdische Fürsorge Stent, auf der anderen nicht minder beachtlichen Seite aber auch nachgewiesen werden, daß der so weit verbreitete Glaube von dem Reichtum und der Unerschöpflichkeil dei jüdischen Wohlfahrt leider eine Fabel ist und daß die jüdisuie Gemeinschaft heute manchen ( beistanden ebenso ohnmächtig gegenübersteht wie die gesamte öffentliche und freie Wohlfahrtspflege. Durch graphische Darstellungen und Tr'ckbildei wird zu zeigen versucht, daß unsere jüdische Wohlfahrt zwar zu einem wesentlichen Teile zur Entlastung der öffentlichen Fürsorge beiträgt, abtr andrerseits und eben deshalb auch vollen Anspruch auf die Unter- Stützung der behördlichen Wohlfahrtspflege hat. wie sie durch die in den letzten Jahren geschaffene Ausgestaltung der Wohl* lahrtse.eset/gebung gewährleistet wird. i - ist aber bei der allgemeinen Beliebtheit des Filmes auch zu hoffen, daß selbst diejenigen Personen zu einer Vorführung kommen, die sonstigen sozialen Veranstaltungen grundsätzlich fernbleiben. Zweifellos kann ein derartiger Film nur ein äußerliches Bild jüdischer Wohlfahrtspflege geben. Die Aufzeigung des inneren Gehalts der Zedakah. ihrer Motive, Triebkräfte und Zielsiitze. entzieht sieh naturgemäß der filmischen Darstellung. Aber sehr oft gibt ein äußeres zufälliges Freignis die Veranlassung zu innerem Vertiefen, und so dürfte audi diese äußere bildhafte Darsttllang jüdisch sozialer Arbeit eine Anregung zum Nachdenken üb.-r Wesen und Inhalt jüdischer Wohlfahrtspflege und eine Aneiferung zu ideeller Mitarbeit und materieller Unterstützung werden. Um eben dieses Interesse weilerer Kreise zu finden, war es notwendig, von der Anfertigung eines nüchternen Lehrfilmes abzusehen, der lediglich Bilder und Szenen aus den verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungen nebst Statistiken und graphischen Darstellungen bringen konnte Die Bilder unseres Filmes sind in eine schlichte, belebende Spielhandlung emgekleide', die zugleich dem Charakter des Filmes stimmungsmäßig gerechi wird Ideelle und materielle Gründe gaben die Veranlassung dazu, unsere der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege zugute kommende Wohlfahrtspropaganda durch diesen Wohlfahrtsfilm auszubauen. Frweckung, Erhaltung und Vertiefung sozialen Verpflichtungsbewußtseins sowie Gewinnung der zur Ausübung unserer Arbeit notwendigen Geldmittel, die heute — und dies ist sozialpädagogisch außerordentlich wichtig nicht mehr nur von einem kleinen Kreis begüterter Glaubensgenossen, sondern aus der breiten Volksgemeinschaft aufgebracht werden können und müssen: — das ist das Ziel aller Wohlfahrtspropaganda! Aus unserer Gemeinde Arbeitsgemeinschaften des Jüdischen Frauenbandes, Ortsgruppe Leipzig Wenn die Arbeitsgemeinschatten jetzt zum zweiten Mal* ihre Tätigkeit aufnehmen, so darf außer der Freude über die wieder beginnende Arbeit auch ein wenig Genugtuung empfunden werden. Alle Welt prophezeite, daß dieser Versuch kläglich ausgehen würde. Aber die steinende Beteiligung hat bewiesen, daß das Interesse unserer Teilnehmer unterschätzt worden war. Das gibt aber nicht den mindesten Anlaß, auf den Lorbeeren auszuruhen: denn außer der fleißigen Zuhörerinnen sind wenig Aktiven aufzuweisen. Trotz der so oft wiederholten Bitte haben sich neue Referentinnen nicht gemeldet. Nachdem jetzt immer mehr jüdische Gemeinden dazu übergehen, ihren weiblichen Mitgliedern das Wahlrecht zu gewähren, müßten auch die Trauen im eigenen Kreis recht aktiv sein. Limite Gelegenheit hierzu geben die Arbeitsgemeinschaften. Um denen die vielleicht nicht orientiert sind, ein Bild des Beabsichtigten zu gebeh, sei noch einmal auf Grund und Zweck dieser Arbeitsgemeinschaften hingewiesen In der Arbeitsgemeinschaft für Bibe 1 kunde, j die mii l rau Anna Neumann geleitet wird, können sich Frauen und Mädchen mit unseren heiligen Schriften vertraut machen. Der Inhalt derselben soll ihnen in einer solchen Vertiefung nahegebracht werden, wie sie sonst nur denen möglich ist, j welche die Quellen, die Midraschim und die Kommentare im Urtext lesen können. Es steht jedem frei, um besondere Erläuterungen zu bitten oder solche zu gehen, sodaß dieser kostbarste Teil unseres Schrifttums etwas Lebendiges, Gegenwärtiges werde. Die Arbeitsgemeinschaft für moderne jüdische Literatur will Anregung zut Auseinandersetzung mit ihren Inhalten und Problemen geben, sowie auch mit Werken, die jüdische Probleme behandeln. Es werden Referate gehalten, an die sich eine recht lebhafte Diskussion anschließt. An dieser soll sich möglichst jede Anwesende eifrig beteiligen, da die Referate nicht als Vorlesungen von übergeordneter Stelle gedacht sind, sondern als Ansichten einer Teilnehmerin, die keinerlei Anspruch auf irgendwelche Autorität erhebt, und die nun »ron den anderen Teilnehmerinnen diskutiert, in anderes Licht gesetzt, bekämpft oder akzeptiert werden können. Jüdische Frauen suchen gemeinsam den Weg zur Vertiefung in geistige Werke, zur Lösung brennender Probleme und zur Klärung quälender Konflikte. Es wird aller vier Wochen ein Referat stattfinden und in dem dazwischen liegenden vierzehntägigen Abschnitt eine Lesegemeinschaft, die sich vorerst mit Fmil Gohns Aufruf zum Judentum beschäftigen soll. Die näheren Daten werden jede Woche im Gemeindeblatl veröffentlicht. H! Gh. Nahum Sokolow's Begrüßung Am Abend des 30. Oktober vereinigten sich etwa 250 geladene Gäste und Freunde der zionistischen Bewegung, um Nahum S o k o I o w zu begrüßen. Man muß es der zionistischen Organisation lassen: sie weiß ihre verdienten Führer zu ehren. Es lag über dem ganzen Abend eine Stimmung, die fühlen ließ, es gilt einem Großen, einem, dem die Bewegung aufrichtige Verehrung schuldet. Dieser Stimmung wurde auch in mehrfachen Ansprachen beredter Ausdruck gegeben. Herr Louis Tumpowsky begrüßte den Gast namens der Zionistischen Vereinigung, Herr 1. B. S a ch s namens der Misiachi-Ortsgruppe, Herr Dr.Le h rfre u n d namens der zionistischen Jugend; in einer schönen hebräischen Ansprache feierte Herr Dr. W o s k i n den großen Führer; namens der Leipzig-Loge, die ja zu ihren Mitgliedern Angehörige aller jüdischen Richtungen zählt, ließ Herr Dr. Spitz den Gast willkommen. In einer fast anderthalbstündigen Erwiderung dankte der Gefeierte den Rednern und sprach unter gespanntester Aufmerksamkeit und oft von Beifall begleitet über das in Palästina erstehende und erstandene Werk, seine Bedeutung und die Notwendigkeit seines Ausbaues. Wie wir hören, ist der materielle Erfolg des Abends, der dem Keren hajessod bestimmt war, ein sehr beachtlicher gewesen.