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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1926-11-05 · 45 (5.11.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
2 (1926)
Issue
45 (5.11.1926)
Date
1926-11-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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I 3at)rgang, Ülr. 4> 5. Stooember 1926 tkmtU h<3er \ agur Vorführung des WoHIfahrtsfllms: Ein Freitag-Abend Eine grundsätzliche Beifachiung öfc»er WohHahPisprop»ganda Von Paul Frank, Charlottenburg Mit freundlicher Zustimmung dir „Y.v deutschen Juden* entnehmen wir die nadis ,/edakali". Zeitschrift der jüdischer. Wohltat von der xwSt. der deutschen Judc-u) Nr. ilwohlfshrtsi neust CMe Seil Zweilellos ist die in letzter Zeil oftmals erhöbet c Frage durdians erörternswert, ob es überhaupt nötig und wünschenswert sei, WohJfahrtspropaganda großen Suis zu beireihen und sich dabei gar eines so modern-weltlichen Werbungsmittels, wie des Films zu bedienen. Gewiß sollte \\ ohlfahrtspilege als naturgemäßer Aushub" sozia en VerantvvorllichkeitSgefühls aus rein innerem, brüderlichen Verptiidilungsnewußlsein be trieben werden und jede äußere Beeinflussung entbehren können. Aber wir dürfen Verhältnisse und Menschen nicht sehen und beurteilen, wie wir sie uns wünschen, sondern nur so, wie sie tatsächlich sind. Denn Jahrzehnte trennen uns heute von jenen Zeiten, in denen es unseren Großeltern, z. T. ai-di noch Eitern, möglich war, Wohlfahrtspflege in jcr.en schlichten, natürlichen und um so wirksameren Können von Mensen /u Mensdi auszuüben, die uns die Schrill in vi« len Beispielen zum Vorbild gemacht bat. .Mau kannte die Hilfsbedürftigen in der Gemeinde, die alten, kranken und verwaisten Brüder und Schwestern, erfuhr schnell von ihren wirtschaftlichen und seelischen Nöten, konnte und wußte sehr schnell zu helfen Unserer jetzigen Generation, insbesondere in den Großstädten, ist es iü der Regel nichl vergönnt, nach den alten Methoden hellen zu dürfen. Ganz besonders nicht in der Zeit einer wirtschaftlich sozialen Umwälzung, in der wir heute leben, und unter der wir alle leiden. Dies besagt allerdings nur. daß die äußere Forin jüdischer Wohlfahrtspflege sich teilweise ändern mußte, - ihr innererGeist und Sinn ist aber nadi wie vor der alte geblieben. Und es besagt ebenso wenig, daß Methode und Umfang der Wohlfahrtspflege unserer Großväterzeit in jeder Hinsicht vorbildlich war, oder daß wir etwa mit allen früheren Foimen der unmittelbaren Hilfe von Mensch zu Mensdi zu bredien brauchten. Aber jene alte Zeit braudite keine Wohllahrtspropaganda jenen Stils, auf die wir . I errei tes u . i betrieben werden darf und kann, sondern der aktiven Mitarbeit und der finanziellen Unterstützung eter Gesamtheil und somit eines jeden tinzelnen bed;'ri Zwischen Geber und Nehmer schiebt sidi — man mag es bedanern oder nicht — die Organisation, der Verein, das Wohlfahrtsamt ein. auf die der Hilfsbedürftige nun einmal heute, wenigstens in der Regel, ante wiesen ist. Diese Organisationen bedürfen jedoch einer andauernden Propaganda zwecks Aufrechterhaltung und Erweiterung ihrer Arbeit. Fine dornige Propdgai da für eine Gemeinschaflsaufgabe, wie sie cie Wohlfahrtspflege darstellt, muß aber voiks iin.iici; gchalici sein Die Umschichtung da Vermögen zwingt, die Werbetätigkeit insbesondere in die Kreise zu tragen, die bisher eine WohlrahrtStradition nidit kannten. Nur ein verhältnismäßig kleiner Kreis hat heute Zeit, Neigung und Verständnis Tätigkeitsberichte, Werbungsschreiben — und mögen nodi so eindringliche Statistiken darin enthalten sein — zu lesen, gesdiweige zu berücksichtigen In Vortragen und Versammlungen siebt man nur immer den alten, gleichen Stamm treuer Freunde. Und immer wieder taucht die Frage auf. was denn eigentlich die jüdische Wohlfahrtspflege Uberhaupt bei der Massenhaftigkett und Vielgestaltigkeil der heutigen Notstände und bei der Beschränktheil der Abhilfemöglichkeiten leisten könne.

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